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ZeitHaus: Automobile Hochkultur – Das Museum in der Autostadt Wolfsburg
26. August 2021
Reise & Freizeit

ZeitHaus: Automobile Hochkultur – Das Museum in der Autostadt Wolfsburg

In der Pandemie ist vieles zu kurz gekommen, erst recht die Kultur. Ausflüge in Museen, Galerien oder ins Theater waren im vergangenen Jahr über weite Strecken unmöglich. Zwar konnten digitale Angebote in einigen Gebieten Abhilfe schaffen, doch das Gefühl des gemütlichen Schlenderns durch diverse Ausstellungen und die Eindrücke, die dabei entstehen, kann virtuell kaum nachgebildet werden.

In einer neuen Serie betrachten wir die Automuseen des Landes, um dabei nicht nur in Erinnerungen zu schwelgen, sondern den Wandel der Automobilindustrie greifbar machen. Den Anfang macht dabei das ZeitHaus von Volkswagen: Als integraler Teil der Autostadt in Wolfsburg ist es ein Reiseziel, das nicht nur Besucher lockt, die unmittelbar vor einem Autokauf stehen.

Erfahre, was das ZeitHaus im Einzelnen und die Autostadt im Gesamten sehenswert machen.

Das ZeitHaus und die Meilensteine des Automobils

Heutzutage ist Technologie schnelllebiger denn je. Was einst noch Industrien revolutioniert hat, ist Jahre später schon mehrfach überarbeitet und optimiert worden. Die Automobilindustrie im Besonderen ist einem ständigen Innovationsdruck ausgesetzt, der im Zusammenhang mit dem Klimawandel, unserem gestiegenen Komfortbedürfnis, strengeren Regularien und Sicherheitsstandards nie stillstehen kann.

Und doch: Wenn es um Autos geht, ist Nostalgie ein großer Faktor. Jeder hat Erinnerungen an Autos. Das können die Fahrzeuge sein, mit denen man früher in Miniaturform gespielt hat, die man in Film und Fernsehen sah und bewunderte oder das erste Auto mit dem man selbst erste Strecken gefahren oder besondere Erinnerungen verbindet.

Darüber hinaus sind Fahrzeuge optische Highlights, ihre Designs beeinflussen das Aussehen moderner Fahrzeuge. Sie sind das Spiegelbild einer Generation und des vorherrschenden Zeitgeists. Ihre Erinnerung zu wahren und ihren Einfluss innerhalb der Automobilbranche in den passenden Kontext zu setzen, das ist das Ziel vom ZeitHaus in der Autostadt Wolfsburg. Die Sammlung des Automobilmuseums umfasst rund 260 Fahrzeuge von mehr als 60 Herstellern – es erwarten Besucher also weitaus mehr als nur Modelle von VW und der jeweiligen Tochtermarken.

Das ZeitHaus als historischer Kern der Autostadt

Mehr als 42 Millionen Besucher haben die Autostadt laut Volkswagen in ihrer mehr als 20-jährigen Geschichte besucht – damit ist der Park ein beliebtes Ausflugsziel, nicht nur für Autokäufer. Visuell beeindruckend sind im ZeitHaus nicht nur die ausgestellten Fahrzeuge, schon die Gestaltung des Gebäudes ist bemerkenswert.

Insgesamt schien es der Anspruch von Volkswagen, das Automobilmuseum als Gebäude mit den Exponaten zu einem großen Ganzen verschmelzen zu lassen. Die Reise durch die Zeit der Branche wird durch die zeitgenössische Wandgestaltung der Ausstellungseben visuell spürbar gemacht. Mit der Rolltreppe geht es dabei von oben nach unten, durch die großen Epochen der Automobil- und Menschheitsgeschichte. Die Zeitreise führt vorbei an Vor- und Nachkriegsautos, Americana, 70er- und 80er-Design und Musik bis zur heutigen Zeit. Hier wird zudem klar, welche große Rolle Autos in der Popkultur gespielt haben.

Verantwortlich zeichnet dafür der österreichische Künstler und Raumgestalter Peter Kogler. Die Wellen-artigen Formen, die die Wände in ständiger Bewegung erscheinen lassen, sind den Reflektionen auf den Karosserien von Fahrzeugen entliehen. Von außen hingegen wirkt das mehrstöckige Gebäude durch seine Glasfront wie ein übergroßer, begehbarer Setzkasten.

Ausstellungen und Fahrzeuge

Das ZeitHaus selbst fühlt sich an, wie eine Zeitreise durch die Geschichte der Automobilindustrie. Regelmäßige Veranstaltungsreihen und Sonderausstellungen bringen zudem Abwechslungen in den Betrieb des Museums. Auch die Jubiläen von bestimmten Modellreihen, die im ZeitHaus ausgestellt sind, werden regelmäßig gefeiert und in einen historischen Kontext gesetzt.

Zwar hat die Pandemie den Betrieb der Autostadt und des ZeitHaus‘ im letzten Jahr für längere Zeit stark beeinflusst, doch auch im letzten Jahr gab es mehrere Veranstaltungsreihen, von denen wir an dieser Stelle zwei vorstellen wollen.

Der Elektro-Einsitzer VW Nils wurde nie in Serie gebaut. (Bild: Volkswagen)

Was uns morgen bewegt: Utopien

Im Mittelpunkt dieser Reihe standen Fahrzeugkonzepte und -entwürfe, die als Utopien in Filmen, in Popkultur oder der Automobilforschung entstanden und Realität wurden – oder zumindest Abwandlungen davon. Volkswagen selbst stellte dabei einige der eigenen Forschungsfahrzeuge vor, darunter der VW Nils, der 2011 als Elektro-Kleinstwagen für städtische Pendler entwickelt wurde. Der Einsitzer hatte mit seinen Flügeltüren, den freistehenden Rädern und dem ultra-kompakten Kofferraum einen recht eigenwilligen Look, wurde aber nie in Serie produziert. Ein ähnliches Konzept, das im gleichen zeitlichen Rahmen vorgestellt wurde, der Renault Twizy, ging ab 2012 bei der Konkurrenz in den Verkauf.

Darüber hinaus drehte sich die Sonderausstellung um den Einfluss der Popkultur auf die Autoentwicklung der Zukunft. Fliegende Fahrzeuge kennt man aus Filmen wie „Das fünfte Element“, sprechende, selbstfahrende Fahrzeuge waren bei „Knight Rider“ schon Teil einer mobilen Fantasie. Die Ausstellung thematisierte wie aus einst kühnen Konzepten mithilfe von echter Forschung und Innovationsdrang Realitäten werden können.

Neue Mobilität – Neu denken

Bei dieser Reihe geht es nicht nur um das Bestaunen von Exponaten, es soll auch der Dialog und die Interaktion gefördert werden. Der Einfluss der Mobilitätswende auf Fahrer wird hier für Themenbereiche Design, Technologie und Gesellschaft diskutiert: Wie können autonome Fahrzeuge aussehen und was müssen sie ihren Passagieren bieten können? Welche Herausforderungen bringt die digitale Vernetzung in der mobilen Fortbewegung?

Ausgestellt wird dabei unter anderem der VW Sedric, eine autonomes Konzeptfahrzeug mit eingebauter Karaokeanlage – irgendwie muss man sich ja beschäftigen, wenn man keine Acht mehr auf den Verkehr geben muss. Wer noch mehr erfahren möchte, kann in Gruppen durch das Thema „Neue Mobilität“ geführt werden – im sogenannten Speakers Corner gibt es die Möglichkeit, direkt mit Experten ins Gespräch zu kommen.

Die aktuellste Ausstellung im ZeitHaus stellt neue Mobilität in den Fokus. (Bild: Volkswagen)

Fahrzeuge im ZeitHaus

Neben den Ausstellungsreihen und Sonderexponaten ist es vor allem die beeindruckende Vielzahl an geschichtsträchtigen Klassikern, Young- und Oldtimern, die man im ZeitHaus hautnah begutachten kann: So ist ein Nachbau des dreirädrigen Benz Patent Motorwagens aus dem Jahr 1886 ausgestellt – das erste Auto der Welt, gebaut von Carl Benz persönlich. Daneben gibt es Fahrzeuge wie den Rolls Royce Silver Ghost aus dem Jahr 1922 oder das BMW 327 Cabriolet, aus den späten 30er Jahren.

Neben den historischen Meilensteinen gibt es auch popkulturelle Highlights. Seit einigen Jahren besitzt das ZeitHaus zum Beispiel einen DeLorean DMC-12 – jenes Fahrzeug mit dem Marty McFly und Doc Brown 1985 im Film „Zurück in die Zukunft“ ins Jahr 1955 reisten. Auch einen deutschen Filmstar aus dem eigenen Haus kann VW vorweisen: So findet sich im ZeitHaus noch ein orginal Exemplar von Herbie, dem 60er-Jahre Käfer, der die motorisierte Hauptrolle in sechs Filmen und einer Serie spielte.

Natürlich muss man kein Autoexperte sein um den kunstvollen, automobilen Skulpturen ihre Geheimnisse zu entlocken. Für 6€ pro Person kannst du an der Führung „Automobile Geschichten“ im ZeitHaus teilnehmen und von einem geschulten Autonarren die interessantesten Hintergrundinformationen erfahren.

Fast jedes Exemplar hält eine Anekdote bereit, von der du garantiert noch nichts gehört hast: Wusstest du, dass die Türen eines Lamborghini Miuras (im geöffneten Zustand) aussehen wie die Hörner eines Stiers, der auf jemanden zugestürmt kommt? Und dass der damals 23-jährige, legendäre Marcello Gandhini dieses und andere jugendlich-eigensinnige Design-Elemente an einem wenig begeisterten Ferruccio Lamborghini vorbeischmuggeln musste? Herr Lamborghini musste erstmal zu seinem Supersportwagen-Glück gezwungen werden. Er selbst wollte lieber zuverlässige und komfortable GTs bauen, um Ferrari eins auszuwischen.

Ein Rundgang durch die Autostadt

Wolfsburg und Volkswagen sind untrennbare Faktoren. So überrascht es auch nicht, dass die Autostadt den Tourismus der Stadt prägt und viele Themen miteinander vereint: Ausstellungen, Fahrkurse, Kulturevents und Automobilgeschichte. Doch der Reihe nach:

Die Autotürme

Die Autotürme – die größte Parkgarage der Welt – sowie die die vier Schornsteine des Heizkraftwerks prägen das Bild der Autostadt und von Wolfsburg. Sie stehen sinnbildlich für die Fertigung der Fahrzeuge, die VW in der ganzen Welt berühmt gemacht hat. Die zwei knapp 50 Meter hohen Türme sind im Grunde Parksysteme in Hochregal-Form und gleichzeitig Lagerräume der Wagen, die von den Besuchern direkt in Wolfsburg abgeholt werden. Laut VW werden im Durschnitt 500 Autos pro Tag aus den Türmen ausgeliefert – vollautomatisch. Pro Turm finden 400 Fahrzeuge Platz.

Die Autotürme haben insgesamt Platz für 800 Autos. (Bild: Volkswagen)

Die Gelände-Parcours

Ein besonderes Highlight ist auch der angeschlossene Gelände-Parcours. Wem nach Offroad ist, der darf auf dem Areal der Autostadt mit den SUVs und Pickups von VW durch Wassergräben, ausladende Bodenwellen, extreme Steigungen und auf anderen unwegsamen Untergründen sein Können beweisen – natürlich mit professioneller Einweisung. Wer schon immer einmal den Seitenhalt der Sitze des VW Amaroks testen wollte, ist hier genau richtig. Denn bei bis zu 45 Grad Neigungswinkel und maximal ausgereizter Achs-Artikulation, sollte man sich gut am Lenkrad festhalten.

Neben den „realistischen“ Offroad-Hindernissen – für alle, deren Arbeitsweg über die Zugspitze führt – gibt es inmitten des Kurses auch eine riesige Autowippe, die Nervenkitzel garantiert. Die Weiterfahrt ist hier erst möglich, wenn genug Gewicht am vorderen Ende der überdimensionale Spielplatzschaukel angekommen ist. Dann geht es mit zwei Tonnen Auto und Haltegriff-umklammernden Insassen abwärts. Natürlich ist der Offroad-Parcours vor allem dafür da, die Fahrzeugpalette von Volkswagen und den Tochtermarken entsprechend in Szene zu setzen, aber dafür kann man sich in kontrollierter Umgebung in außergewöhnliche Fahrumgebungen selbst testen.

Diese Fahrzeuge können gefahren werden:

Eine Einzelfahrt mit den kompakten SUVs des Konzerns kostet 29 Euro, Kurse mit Touareg oder Amarok schlagen mit 39 Euro zu Buche.

Kommende Events und geplante Veranstaltungen

Um den Sommer und die Pandemie-Lockerungen (im sicheren Maß) zelebrieren zu können, startet die Autostadt mit ihren „Familienwochen“. Das Thema Auto und Mobilität wird hierbei nicht nur Erwachsenen oder gestandenen Autofans greifbarer gemacht. Insbesondere für Kinder und Jugendliche bietet die Autostadt seit Jahren ein enormes Angebot, das nicht nur der bloßen Unterhaltung und Beschäftigung der Kleinen dient.

Die Autostadt ist einer der größten, außerschulischen Lernorte Deutschlands und wurde dafür kürzlich vom Bildungsministerium und von der deutschen UNESCO-Kommission ausgezeichnet. Das Bildungs- und Kursangebot ist vielfältig: Ein Blick auf die Website vorab ist ratsam, damit man die Zeit in der Autostadt effektiv nutzen kann.

3D-Druck und virtuelle Abenteuer

Selbst Hand anlegen und mit einem 3D-Drucker arbeiten? Das geht in der Autostadt: Im Workshop „3D-Druck“ wird Wissen vermittelt, mit plastischen Hilfsmitteln. Dabei lernen die Besucher nicht nur das digitale Zeichnen am Computer und die beliebigen Formen, die dabei herauskommen können. Jeder Teilnehmer darf sich sein eigenes Werk ausdrucken und behalten.

Wer lieber digitale Welten erforscht, kann die Autostadt sogar in Minecraft erreichen. Das erfolgreiche Videospiel erlaubt es Spielern, eigene Welten zu erschaffen und zu bauen. Eine Gemeinschaft begeisterter Gamer hat sich die Mühe gemacht, das gesamte Autostadt-Gelände in Minecraft nachzubauen. In dieser riesigen Welt können junge Digital Natives herumexperimentieren und etwas über Aufbau und die Architektur der virtuellen Autostadt lernen.

Werksbesichtigungen

Sobald es die aktuellen Regularien und Auflagen wieder zulassen, sollte auch eine Werksbesichtigung wieder möglich sein. Mit gläsernem Shuttlebus geht es dabei direkt vom Gelände der Autostadt in die Werkshallen. Dort kannst du live bei der Montage eines Golf 8 oder Tiguan dabei sein. Den dutzenden Roboterarmen dabei zuzusehen, wie sie in einem präzise durchorchestrierten Konzert Teile an eine Rohkarosserie herantragen, ist immer ein besonderes Highlight. Genauso wie die „Hochzeit“ von Chassis und Motor, welche die Bandarbeiter mit perfekt geübten Handgriffen verheiraten.

Einen Ausflug wert

Von Beginn an war die Autostadt in Wolfsburg nicht als reine Abholstation für Autokäufer gedacht und hat sich in seiner 20-jährigen Geschichte zu einem Ausflugsziel für die ganze Familie und Menschen aller Altersgruppen etabliert. Ein durchdachtes Naherholungsgebiet, kombiniert mit Kulturangeboten und Aktivitäten für Groß und Klein bieten nur wenige Ausflugsziele komprimiert auf ein Gelände.

Für Autointeressierte kann das Highlight allerdings nur das ZeitHaus sein, das weitaus mehr als ein reines Werksmuseum von Volkswagen ist. Sicher, gerade bei Sonderausstellungen steht die eigene Marke oft im Vordergrund, doch insbesondere die ausgestellten Autos halten das Versprechen des Museums: Die Überlieferung der über 100-jährigen Geschichte des Automobils vollumfänglich abzubilden.

Titelbild: Autostadt

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