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Winterreifen: Tipps zum Kauf und Zeitpunkt
5. August 2021
Wartung & Pflege

Winterreifen: Tipps zum Kauf und Zeitpunkt

Die „O-bis-O“-Regel kennt wohl fast jeder: Im Oktober werden die Winterreifen aufgezogen und an Ostern werden sie durch Sommer-Pneus abgelöst. Gerade bei nasskalten Witterungsverhältnissen im Herbst und Winter sind gute M+S-Winterreifen (Reifen, die für Wetterlagen mit Matsch und Schnee zulässig sind) essenziell, um sich sicher fortbewegen zu können.

Wieso und wann du Winterbereifung benötigst, welche gesetzlichen Regelungen es gibt und was du beim Winterreifenkauf beachten solltest, erklären wir dir in diesem Artikel.

Wann und wieso du Winterreifen brauchst

Winterreifen dienen maßgeblich der Verkehrssicherheit: Die allgemeinen Witterungsbedingungen im Herbst und Winter und natürlich rutschig-glatter Untergrund durch Eis und Schnee, sind sonst eine gefährliche Herausforderung für Fahrzeug und Fahrer. Sie sind in ihren Eigenschaften auf diese Bedingungen ausgelegt und unterscheiden sich in wesentlichen Merkmalen von Sommerreifen.

Diverse Tests wie vom deutschen Automobilclub ADAC zeigen eindrucksvoll, wie sicher und stabil Autos sich mit Winterreifen auf glatter Fahrbahn bewegen können. Dagegen gleicht die Fahrt mit Sommerbereifung einer unkontrollierten Rutschpartie.

Sind Winterreifen Pflicht?

In Deutschland gibt es zum aktuellen Zeitpunkt keine generelle, sondern lediglich eine situative Winterreifenpflicht. Demnach ist die „O-bis-O“-Regel auch nur als Richtwert und nicht als verpflichtender Zeitraum anzusehen. Prinzipiell gilt die Winterreifenpflicht nur bei winterlichen Straßenverhältnissen. Dazu zählen Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch und Reifglätte. Ausgenommen von dieser Regel sind einspurige Kraftfahrzeuge wie Motorräder, motorisierte Krankenfahrstühle sowie Nutzfahrzeuge für Forst- und Landwirtschaft.

In anderen Ländern, wie Finnland oder Estland, gibt es dagegen feste Zeiträume, in denen das Fahren mit Winterreifen verpflichtend ist. Für den winterlichen Roadtrip ins Ausland ist es ratsam, sich vor Fahrtantritt über die dort herrschenden Regelungen zu informieren. Besonders wenn die Reise in Länder geht, in denen der Winter eisig und schneereich ausfällt.

Schneeflocke und Berg-Piktogram sagen dir, dass du einen anerkannten Winterreifen hast. (Bild: Bridgestone)

Damit ein Winterreifen als solcher anerkannt wird, muss das „Alpine”-Symbol mit Schneeflocken auf drei Gipfeln an der Reifenflanke zu sehen sein. Derzeit sind die bis 2018 hergestellten Reifen mit „M+S“-Kennzeichnung (Matsch und Schnee) noch erlaubt. Sie sind bis September 2024 gültig, ab dann wird von der StVZO (Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung) nur noch das „Alpine”-Symbol anerkannt.

Hinsichtlich der Profiltiefe gelten die gleichen Vorschriften wie bei Sommer- und Allwetterreifen – mindestens 1,6 Millimeter müssen vorliegen. Allerdings ist es gerade bei Winterreifen nicht ratsam, diese bis zur gesetzlichen Grenze herunterzufahren. Jeder Millimeter Profilverlust wirkt sich negativ auf die Leistungsfähigkeit des Reifens aus.

Wirst du in Deutschland bei winterlichen Straßenverhältnissen ohne Winterbereifung erwischt, zahlst du mindestens 60 Euro Bußgeld. Bei Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer werden sogar 80 Euro fällig. Dazu gibt es noch einen Punkt in Flensburg.

Kommt es zu einem Unfall aufgrund grober Fahrlässigkeit, kann das zu Kürzungen der Kaskoleistungen durch den Versicherer führen. Doch nicht nur die Kasko-, auch die Haftpflichtversicherung birgt hier Konfliktpotential. Im Normalfall wird dir bei unangemessener Bereifung eine Teilschuld zugesprochen – das kann am Ende teurer werden als ein guter Satz Winterreifen.

Winterreifen vs Sommerreifen vs Ganzejahresreifen

Auch durch die winterlichste Landschaft fährst du mit Winterreifen gut und sicher. (Bild: Bridgestone)

Optisch sind sich Sommer- und Winterreifen sehr ähnlich – beide bestehen aus schwarzem Gummi und verfügen über ein Profil für bessere Bodenhaftung. Das Reifenprofil sorgt dafür, dass das Wasser bei nasser Fahrbahn verdrängt wird, sodass der Reifen durchgehend Kontakt zur Fahrbahn hat und nicht aufschwimmt. Doch in beiden Punkten unterscheiden sich Sommer- und Winterreifen im Detail.

Da im Sommer mitunter hohe Temperaturen herrschen, werden Sommerreifen aus einer harten Gummimischung hergestellt, um der Wärmebelastung standzuhalten. Allerdings lässt die Elastizität und somit auch die Bodenhaftung bei niedrigen Temperaturen stark nach. Der Bremsweg erhöht sich bei kalten Witterungsbedingungen dadurch deutlich.

Winterreifen setzen dagegen auf deutlich weichere Gummimischungen, die bei niedrigen Temperaturen elastisch bleiben und ausreichend Grip bieten. Im Sommer solltest du sie allerdings nicht fahren. Bei hohen Temperaturen beginnt der Winterreifen regelrecht zu „schmieren“, das heißt, die Fahrstabilität verschlechtert sich und auch der Bremsweg erhöht sich. Diese Effekte verstärken sich laut ADAC-Test weiter bei höherer Profiltiefe in Kombination mit hohen Temperaturen.

Auch die Reifenprofile von Winter- und Sommerreifen unterscheiden sich stark voneinander. Während sich das Profil eines Sommerreifens meist durch wenige parallel verlaufende Rillen und ansonsten eher glatter Oberfläche auszeichnet, machen kleine Lamellen einen Winterreifen aus. Diese Einschnitte verzahnen sich auf Schnee und Eis mit dem Untergrund und sorgen damit für eine bessere Bodenhaftung. Aber Achtung: Manche Winterreifen können nicht so viel Wasser verdrängen wie Sommerreifen. Vor allem bei Starkregen ergibt sich daher eventuell ein erhöhtes Risiko für Aquaplaning.

Interessant für alle, denen der halbjährliche Reifenwechsel zu mühsam ist: Ganzjahresreifen sind sowohl von der Gummimischung als auch im Profil eine Mischung aus Sommer- und Winterreifen. Durch Lamellen wie bei M+S-Winterreifen bist du mit Ganzjahresreifen auch bei Matsch, Eis und Schnee (relativ) sicher unterwegs.

Denn man geht bei Ganzjahresreifen sowohl im Sommer, als auch im Winter, Kompromisse ein. Zwar sind diese Reifen für alle Jahreszeiten geeignet, jedoch können sie weder im Sommer mit Sommerreifen, noch im Winter mit Winterreifen hinsichtlich Fahreigenschaften, Kraftstoffverbrauch, Geräuschentwicklung und Abnutzung mithalten.

Beim Kauf beachten: 7 praktische Tipps

Wintertour durch die Berglandschaft: Mit dem Volvo V90 und passenden Winterreifen kein Problem (Bild: Volvo)

Um sich beim Winterreifenkauf vor unschönen Überraschungen zu bewahren und unnötige Mehrkosten zu vermeiden, haben wir dir sieben Tipps zusammengestellt, die du beachten solltest.

1. Nicht nur Premium-Marken verkaufen gute Reifen

Vermutlich hast du schon häufig von Premium-Reifenherstellern wie Continental, Michelin, Goodyear oder Bridgestone gehört. Reifen dieser Marken sind zwar meistens von herausragender Qualität, aber auch entsprechend teuer.

Doch wusstest du, dass diese namhaften Hersteller auch hochwertige Winterreifen unter anderen Markennamen verkaufen? So bietet beispielsweise Bridgestone unter der Marke Dayton diverse Reifen zu günstigeren Konditionen an. Hinter Uniroyal, Semperit und Barum verbirgt sich übrigens Continental, also auch ein Hersteller von Premium-Winterreifen. Demnach kann es sich preislich lohnen, abseits bekannter, hochpreisiger Marken zu schauen, ohne an Sicherheit einzubüßen.

Um Billigreifen von No-Name-Herstellern solltest du hingegen einen großen Bogen machen, da diese durch mitunter minderwertigen Gummimischungen zur echten Gefahr werden können.

2. Der richtige Zeitpunkt

Antizyklisches Kaufen lohnt sich nicht nur bei der Christbaumbeleuchtung, sondern auch bei Winterreifen. Wer zum Ende des Sommers neue Winterreifen kaufen möchte, greift oftmals deutlich tiefer in die Tasche als im Frühjahr kurz nach dem Wechsel auf die Sommerbereifung. Außerdem lassen sich dann eventuell noch vergünstigte Vorjahresmodelle ergattern.

3. Winterreifen-Vergleichstests

Auf der Suche nach den perfekten Reifen lohnt sich ein Blick auf unabhängige Winterreifen- und Vergleichstests, wie sie zum Beispiel der ADAC anbietet.

Kein Winterreifen ist in allen Disziplinen wie Trockenhaftung, Nasshaftung, Schneehaftung, Eishaftung, Geräuschentwicklung, Kraftstoffverbrauch und Verschleiß gleich stark. Jeder hat Stärken und Schwächen. Demnach gilt es den Reifen zu wählen, der am besten zu den eigenen Umgebungsbedingungen passt. Bist du häufig in flacheren Gebieten mit wenig Schneefall unterwegs, so ist die Schneehaftung wahrscheinlich nicht ganz so wichtig wie die Nasshaftung. Im Alpenvorland ist es dagegen vermutlich umgekehrt.

4. Die richtige Reifengröße

Damit der Reifen sicher auf der für Winterbereifung geeigneten Felge sitzt, muss er die richtige Größe haben. Dabei sind Reifenbreite und -höhe sowie der Durchmesser von Bedeutung. Achte zudem auf die zugelassene Rad-Reifen-Kombination für dein Fahrzeug, denn du solltest nicht jeden Winterreifen an deinem Fahrzeug montieren der passen würde. Die korrekten Reifendimensionen für dein Auto findest du in den Fahrzeugpapieren.

Die Maße des Reifens kannst du an einem Code an der Flanke des Reifens erkennen. Ein Reifen mit dem Code 215/65R15 ist beispielsweise 215 Millimeter breit, 65 Millimeter hoch und hat einen Felgendurchmesser von 15 Zoll. Darüber hinaus ist auch der Speed-Index zu beachten, der die zur Bereifung erlaubte Höchstgeschwindigkeit festlegt. Der Speed-Index V erlaubt beispielsweise eine Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h, Reifen mit dem Speed-Index T sind dagegen nur bis 190 km/h zugelassen.

5. Die "Alpine”-Kennzeichnung

Winterreifen dürfen sich nur durch zwei Erkennungsmerkmale auszeichnen: dem alten „M+S“-Symbol (Matsch und Schnee), oder dem neueren „Alpine”-Symbol. Nach EU-Verordnung wird ab 2024 nur noch Winterbereifung mit diesem Symbol als gültige Kennzeichnung anerkannt. Reifen mit „Alpine”-Symbol unterliegen anderen Qualitätsansprüchen. Im Gegensatz zum vorherigen Standard, müssen sie bei einem Vergleichs-Bremstest auf Schnee Mindestqualitäten erreichen.

6. Hohe Profiltiefe für mehr Grip

Zwar liegt die erlaubte Mindestprofiltiefe in Deutschland bei 1,6 Millimetern, allerdings haben Tests gezeigt, dass bereits bei unter vier Millimetern Profiltiefe die Haftung des Reifens deutlich nachlässt. Die meisten Hersteller raten dringend davon ab, Winterreifen bei einer Profiltiefe von unter zwei Millimetern zu verwenden.

7. Wie alt dürfen Winterreifen sein?

Selbst wenn das Profil noch ausreichend tief ist, sollten gerade Winterreifen nicht zu lange gefahren werden. Mit der Zeit härtet die Gummimischung aus und wird porös, wodurch die Leistungsfähigkeit des Reifens stark abnimmt. Das Reifenalter erkennst du an der DOT-Nummer, die aus vier Ziffern besteht. Als Beispiel: Die Nummer 1820 gibt an, dass der Reifen in der 18. Kalenderwoche des Jahres 2020 produziert wurde. Als Daumenwert gilt, dass ein Reifen ab einem Alter von etwa sechs Jahren ersetzt werden sollte.

Die richtigen Winterreifen für mehr Verkehrssicherheit

Winterreifen sind entgegen ihrer Bezeichnung nicht nur im Winter aufzuziehen, sondern dann wenn es die Straßenverhältnisse erfordern. Bei Schnee, Eis, Tauwetter tragen Winter-Pneus maßgeblich zur Verkehrssicherheit bei. Fährst du ohne angemessene Bereifung und wirst erwischt, wird es teuer.

Ganz zu schweigen von den Risiken, die Verkehrsunfälle bei winterlichen Witterungsbedingungen bergen. Wenn du jedoch unsere Tipps zum Winterreifenkauf im Hinterkopf behältst und dich etwas mit dem Thema auseinandersetzt, kannst du dein Fahrzeug auch in den kalten Monaten mit gutem Gewissen sicher bewegen.

Titelbild: Bridgestone

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