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Welche Führerscheinklassen gibt es?
15. Juli 2020
Regularien

Welche Führerscheinklassen gibt es?

Egal, ob du nun vor deinem ersten Führerschein stehst oder deine vorhandene Fahrerlaubnis nicht alle Fahrzeuge abdeckt, die du gerne nutzen möchtest: Es gibt gleich eine ganze Reihe an Fahrerlaubnisklassen unter denen du diejenige finden musst, die für dich in Frage kommt. Damit du nicht den Überblick verlierst, haben wir hier alles Wichtige zu den unterschiedlichen Führerscheinklassen für dich zusammengefasst.

Die verschiedenen Fahrerlaubnisklassen in Deutschland

Die Führerscheinklassen in Deutschland unterliegen keiner rein deutschen Regelung. Seit dem 1. Januar 1999 gibt es den europäischen Führerschein, welcher auch in Deutschland gültig ist und hier erworben werden kann. Bis auf einige Sonderregelungen, die in den einzelnen Ländern auftreten, gleichen sich seitdem die Führerscheine in den einzelnen Ländern. Die Vereinheitlichung soll den Umgang mit der Fahrerlaubnis in Europa vereinfachen. In den Jahren 2006 und 2013 traten dazu zwei weitere europäische Richtlinien für die Führerscheinklassen in Kraft, die auch heute noch Bestand haben. Neben den EU-Mitgliedsstaaten wird der europäische Führerschein auch in Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz anerkannt.

In Deutschland sind nationale Führerscheine, die vor dem 19. Januar 2013 erworben wurden, zwar nach wie vor gültig, müssen allerdings bis zum 19. Januar 2033 zu EU-Führerscheinen umgeschrieben werden. Führerscheine, die nach dem 19. Januar 2013 ausgestellt wurden, sind nur noch 15 Jahre gültig und müssen danach erneuert werden. Allerdings wird dafür keine erneute Prüfung abgelegt, sondern lediglich eine Verlängerung beantragt.

Bis 1999 gab es in Deutschland noch nummerierte Fahrerlaubnisklassen. Diese finden ihre Entsprechung nun zwar grundsätzlich in den neuen, durch Buchstaben gekennzeichneten Führerscheinklassen, sind allerdings nicht exakt deckungsgleich. Insbesondere die ehemalige Klasse 3, die je nach Ausstellungsdatum neben dem regulären Pkw auch Lkw bis 7,5 Tonnen und verschiedene zwei- und dreirädrige Fahrzeuge beinhaltete, gibt es in dieser Form nicht mehr.

Motorräder: die Führerscheinklassen A, A1, A2 und AM

Bei dem Motorradführerschein gibt es vier Klassen, die sich durch die zulässige Motorleistung voneinander unterscheiden. (Bild: iStock)

Die Führerscheinklassen für Motorräder unterscheiden sich vor allem durch die zulässige Motorleistung voneinander.

Klasse A

Der Motorradführerschein A ermöglicht das Führen aller gängigen zwei- und dreirädrigen Krafträder, unabhängig von Hubraum und Höchstgeschwindigkeit. Für den Erwerb ist ein Mindestalter von 24 Jahren erforderlich, außer du bist bereits seit mindestens zwei Jahren im Besitz der Fahrerlaubnis A2. In diesem Fall kannst du den Motorradführerschein der Klasse A bereits mit 20 Jahren erwerben und musst dazu zwar eine weitere praktische, allerdings keine zweite theoretische Prüfung ablegen. Für dreirädrige Krafträder mit einer Motorleistung über 15 kW gilt ein Mindestalter von 21 Jahren. Im Motorradführerschein A sind die Fahrerlaubnisklassen A1, A2 und AM enthalten.

Klasse A1

Den Führerschein A1 kannst du mit 16 Jahren erwerben. Mit dieser Fahrerlaubnis darfst du zweirädrige Kraftfahrzeuge mit einer Motorleistung von höchstens 11 kW bewegen. Seit 2013 gilt zudem die Regel, dass das Verhältnis von Leistung zu Leergewicht maximal 0,1 kW/kg betragen darf. Der A1 Führerschein berechtigt außerdem dazu, dreirädrige Fahrzeuge bis zu einer Leistung von 15 kW zu führen, sofern die Räder des Fahrzeugs symmetrisch angeordnet sind. Außerdem darf das Fahrzeug einen Beiwagen mitführen.

Klasse A2

Mit der Führerscheinklasse A2 darfst du Krafträder mit einer Motorleistung von bis zu 35 kW und einem Leistungs- und Leergewichtsverhältnis von 0,2 kW/kg fahren. Diesen Führerschein gibt es ab 18 Jahren und enthält automatisch die Führerscheinklassen A1 und AM.

Klasse AM

Der kleinste Motorradführerschein ist die Klasse AM. Diese Fahrerlaubnis kannst du mit 16 Jahren erlangen. Der AM-Führerschein erlaubt das Fahren von zwei-, drei- und vierrädrigen Krafträdern, wie Mopeds, Fahrrädern mit Hilfsmotor, Trikes und Quads mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h.

Pkw: die Führerscheinklassen B, BE und B96

Seit 2011 gibt es in Deutschland eine Sonderregelung zum begleiteten Fahren, die es erlaubt einen Pkw-Führerschein bereits mit 17 zu erwerben. (Bild: iStock)

In Deutschland gibt es nur einen Pkw-Führerschein. Dieser berechtig dich zum Führen von Kraftfahrzeugen bis 3,5 Tonnen, kann allerdings um eine zusätzliche Klasse oder eine Schlüsselzahl für Anhänger erweitert werden.

Klasse B

Der Führerschein der Klasse B gilt für sämtliche Pkw bis 3,5 Tonnen sowie bis zu acht Fahrgästen zusätzlich zum Fahrer und beinhaltet außerdem die Klassen AM und L. Außerdem darf ein Anhänger mit einer zulässigen Gesamtmasse von 0,75 Tonnen oder mehr gezogen werden, solange die Gesamtmasse des Gespanns die 3,5 Tonnen nicht übersteigt.

Das Mindestalter ohne Einschränkungen ist 18 Jahre. Seit 2011 gibt es in Deutschland außerdem eine Sonderregelung zum begleiteten Fahren. Diese erlaubt es, einen Pkw-Führerschein bereits mit 17 zu erlangen und ein Auto zu bewegen, sofern zu jeder Zeit eine eingetragene Begleitperson mitfährt, die mindestens 30 Jahre alt ist, seit mindestens fünf Jahren über die Fahrerlaubnis B verfügt und nicht mehr als maximal einen Punkt im Fahreignungsregister in Flensburg hat. Aber Achtung: In den meisten Ländern außerhalb Deutschlands wird der Führerschein ab 17 nicht anerkannt. Lediglich in Österreich darfst du auch mit diesem Dokument fahren.

Klasse BE

Die BE-Fahrerlaubnis gestattet es, einen Anhänger mit bis zu 3,5 Tonnen Gesamtmasse zusätzlich zum Zugfahrzeug zu bewegen. Die Kombination aus Pkw und Anhänger darf dabei zusammen höchstens sieben Tonnen wiegen. Grundvoraussetzung für die Klasse BE ist ein gültiger B-Führerschein.

Klasse B96

Bei B96 handelt es sich um eine Erweiterung des Führerscheins B. Durch die Erweiterung um die Schlüsselzahl 96 darfst du eine Kombination aus Pkw und Anhänger mit einer Gesamtmasse von bis zu 4,25 Tonnen fahren. Die Klasse B96 ist vor allem für Gespanne mit Wohnanhängern gedacht.

Lkw: die Führerscheinklassen C, CE, C1 und CE1

Bei den Führerscheinklassen für Lkw wird hauptsächlich durch das zulässige Gesamtgewicht unterschieden. (Bild: iStock)

Bei den Führerscheinklassen für Lkw wird zwischen kleinen und großen Lastkraftwagen unterschieden. Maßgeblich ist hier das zulässige Gesamtgewicht.

Klasse C

Der klassische Lkw-Führerschein ist die Klasse C. Mit der C-Fahrerlaubnis dürfen Sattelkraftfahrzeuge über 3,5 Tonnen bewegt werden – ohne Beschränkung des Maximalgewichts. Voraussetzung für den C-Führerschein ist eine gültige Fahrerlaubnis der Klasse B. Der Führerschein C schließt die Klasse C1 mit ein und kann ab einem Mindestalter von 21 Jahren erworben werden.

Klasse CE

Die Klasse CE ist eine Erweiterung des Lkw-Führerscheins. Sie erlaubt das Ziehen eines Gespanns aus einem Lkw über 3,5 Tonnen und einem Anhänger über 0,75 Tonnen. Dementsprechend ist die Voraussetzung für CE lediglich eine gültige Fahrerlaubnis C.

Klasse C1

C1 ist der „kleine Bruder“ der Klasse C. Mit dem C1-Führerschein dürfen Fahrzeuge über 3,5 und bis zu 7,5 Tonnen mit einem Anhänger bis zu 0,75 Tonnen bewegt werden. Das Mindestalter beträgt 18 Jahre und auch hier musst du bereits über einen B-Führerschein verfügen.

Klasse CE1

Entsprechend CE erlaubt die Klasse CE1 die Kombination von einem Zugfahrzeug bis 7,5 Tonnen mit einem Anhänger bis zu 4,5 Tonnen oder mehr, solange das Gesamtgewicht nicht höher als 12 Tonnen ist. Der Führerschein der Klasse CE beinhaltet die Klassen BE und D1E, wenn gleichzeitig auch ein D1-Führerschein vorhanden ist.

Busse: die Führerscheinklassen D, DE, D1 und DE1

Bei Bussen bestimmt die Größe und die Anzahl der Personen, die befördert werden dürfen, die Führerscheinklasse. (Bild: iStock)

Auch bei Bussen richten sich die Führerscheinklassen nach der Größe. Diese wird bestimmt durch die Anzahl der Personen, die befördert werden dürfen. Voraussetzung für einen Busführerschein ist immer eine gültige Fahrerlaubnis B.

Klasse D

Klasse D ist der große Busführerschein. Dieser erlaubt die Beförderung von mehr als 16 Personen. und kann mit 24 Jahren gemacht werden. Zusätzlich darf mit D ein Busanhänger bis 0,75 Tonnen gezogen werden.

Klasse DE

DE ist der große Anhängerführerschein für Busse mit mehr als 16 Sitzplätzen plus Fahrer. Mit diesem Führerschein darfst du eine Kombination aus einem Bus und einem Anhänger über 0,75 Tonnen fahren. Voraussetzung für den DE-Führerschein ist die Fahrerlaubnis D.

Klasse D1

Bereits ab 21 Jahren kann der Führerschein D1 erworben werden. Dieser berechtigt zum Führen eines Kraftfahrzeugs mit Plätzen für bis zu 16 Personen zusätzlich zum Fahrer und ebenfalls zum Ziehen eines Anhängers bis 0,75 Tonnen.

Klasse DE1

Mit dem Führerschein DE1 dürfen kleine Busse mit einem Anhänger über 0,75 Tonnen gefahren werden. Voraussetzung ist der Führerschein D1.

Forst- und landwirtschaftliche Maschinen: die Führerscheinklassen L und T

Bei Fahrzeugen, die in der Forst- und Landwirtschaft eingesetzt werden, gibt es zwei Führerscheinklassen. (Bild: iStock)

Die Führerscheinklassen L und T sind vor allem gedacht für Fahrzeuge, die in der Forst- und Landwirtschaft eingesetzt werden. Andere Führerscheine sind für diese Fahrerlaubnisklassen nicht nötig.

Klasse L

Der L-Führerschein berechtigt zum Fahren einer Zugmaschine mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h – beziehungsweise 25 km/h in Verbindung mit einem Anhänger. Dies betrifft in erster Linie Traktoren, Gabelstapler, Flurförderfahrzeuge, selbstfahrende Arbeitsmaschinen und Futtermischwagen. Die Fahrerlaubnis L kann mit 16 Jahren erworben werden.

Klasse T

Für leistungsstärkere Land- und Forstfahrzeuge benötigst du die Klasse T. Diese erlaubt eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h. Für den Führerschein T musst du 18 Jahre alt sein. Für Zugmaschinen bis 40 km/h kann der Führerschein bereits mit 16 Jahren erworben werden.

Was musst du beachten?

Wie du siehst, sind die Führerscheinklassen in Deutschland eigentlich sehr logisch aufgebaut und bedingen einander teilweise. Wenn du bereits früh weißt, dass du Fahrzeuge aus verschiedenen Fahrerlaubnisklassen nutzen möchtest, kann es von Vorteil sein, die entsprechenden Führerscheine in einem kurzen Abstand zu machen. So sparst du unter Umständen die Kosten für eine weitere Theorieprüfung, da diese nur zwölf Monate gültig ist. Voraussetzung für den Bus- oder Lkw-Führerschein ist immer eine gültige Fahrerlaubnis für Pkw.

Wichtig zu wissen ist außerdem, dass der erste Führerschein (mit Ausnahme von AM, L und T) zunächst nur „zur Probe“ ausgestellt wird. Kommt es während dieser zweijährigen Probezeit zu einem Fehlverhalten, wird dieses in der Regel härter geahndet. Bei Verstößen kann die Probezeit verlängert oder in besonders schweren Fällen, wie Alkohol am Steuer, Fahrerflucht oder der Missachtung einer roten Ampel, der Führerschein entzogen werden.

Die in Deutschland ausgestellten Führerscheine fast aller Fahrerlaubnisklassen sind zwar theoretisch weltweit gültig, in einigen Ländern außerhalb der EU wird allerdings zusätzlich zum Originaldokument eine beglaubigte Übersetzung gefordert.

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