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VW Passat GTE Variant im Test
24. März 2022
Autotests

VW Passat GTE Variant im Test

Sechs Jahre gibt es den VW Passat GTE bereits und nun haben wir uns das neueste Modell nach der Modellpflege genauer angesehen. Die Neuerungen betreffen technische Dinge, wie beispielsweise den Antrieb. Der Verbrenner erhielt einen Ottopartikelfilter, um den Emissionsvorgaben weiterhin gerecht zu werden.

Dieser und weiteren Neuerungen wollen wir in diesem Fahrbericht auf den Grund gehen. Zum Test stand uns ein VW Passat GTE Variant in einem wunderschönen “Aquamarinblau” zur Verfügung.

Exterieur: Träumerisches Blau und VW-Beständigkeit

VW nennt die Lackierung des Passat GTE Variant "Aquamarinblau Metallic". (Bild: heycar)

Das “Aquamarinblau Metallic” steht dem GTE hervorragend und bietet ein breites Spektrum an Nuancen: Von Türkis, das an eine karibische Lagune erinnert, über einen satt leuchtenden Blauton bis zu einem tiefen, nahezu schwarzen Blau.

Unterschiede zum konventionellen Passat finden sich zum einen in kleinen Plaketten am Exterieur, wodurch die Sonderstellung des E-Passats klar wird. Vorne gibt es im Kühlergrill eine Ladeklappe, die man erst auf den zweiten Blick erkennt. Die gegenüber den konventionellen Passatmodellen geänderte Lichtsignatur an der Front bleibt auch der überarbeiteten Version erhalten. Das C-förmige Tagfahrlicht ist typisch für die GTE-Modelle von Volkswagen und tief unten in der Frontschürze integriert.

Die Seitenperspektive offenbart einerseits die klassische VW-Kombi-Silhouette und zum anderen hübsch designte 18-Zoll-Räder, die das Gesamtbild perfekt abrunden. Diese Felgen gibt es übrigens mit AirStop Bereifung – also Reifen, die sich bei Beschädigungen selbstständig mittels Silikonmasse versiegeln – aus für uns unerfindlichen Gründen ausschließlich in Kombination mit der Außenfarbe Aquamarinblau.

Neue Rückleuchten mit der LED-Klick-Klack-Funktion finden sich auch am Plug-in-Hybrid, die im Rahmen des Facelifts auch beim klassischen Passat Variant Einzug hielten.

Innen beständig

Unaufgeregt und übersichtlich: Das Cockpit des VW Passat GTE Variant. (Bild: heycar)

Der Innenraum zeigt zum größten Teil Analogien zum konventionellen Pendant. Unterschiede sind im Detail erkennbar: Dazu gehört die GTE-Oberfläche im volldigitalen Cockpit, diverse blaue Akzente, sowie ein GTE-Logo am Lenkrad.

Die Platzverhältnisse sind Passat-typisch vorne wie hinten überaus großzügig. Vor allem die bequemen ergoComfort Vordersitze ermöglichen Fernreisen, ohne dabei Ermüdungserscheinungen auftreten zu lassen. Auf einer Tour bis ins italienische Südtirol bestätigte sich die ausgeprägte Langstreckentauglichkeit des Autos. Lediglich der Kofferrum wird durch die Unterbringung des Hybrid-Akkus um etwa 100 Liter gegenüber dem konventionellen Passat Variant reduziert. In Anbetracht der Gesamtgröße von verbleibenden 1.613 Litern fällt dies nicht sonderlich ins Gewicht.

Motor und Fahreigenschaften: sauberer und mehr Reichweite

Den 1,4-Liter-Vierzylinder und den E-Motor gibt es auch im Motorraum des Konzernbruders Skoda Superb Combi iV. (Bild: heycar)

Beim Antrieb hat sich im Vergleich zum Vorgänger an der Basis nichts geändert. Der Antriebsstrang besteht aus einem 1.4-Liter-Vierzylinder mit einem E-Motor. Die gleiche Motorisierung wird auch im Skoda Superb Combi iV verwendet.

Die Kennzahlen blieben mit 218 PS Systemleistung und 400 Newtonmetern Drehmoment identisch. Hinzu kam ein Ottopartikelfilter, wodurch sich die Leistungsdaten nur marginal reduzierten. So bringt es das aktuelle Modell auf 222 km/h – drei weniger als vorher. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h dauert nun 7,6, exakt zwei Zehntelsekunden länger.

Weiterhin wird der GTE nur mit Frontantrieb ausgestattet, gestartet wird grundsätzlich im E-Modus – bis entweder der Akku leer ist oder manuell eine alternative Fahrstufe gewählt wird. Ist der Akku bereits leer, springt der Benziner sofort an.

Als Schaltgetriebe fungiert weiterhin das 6-Stufen-DSG, welches zusätzlich eine „B“-Stellung hat, die im Schubbetrieb besonders stark rekuperiert – also Bremsenergie zurückgewinnt. In der Praxis lernt man sehr schnell, dieses Feature zu schätzen und nutzen.

Diverse Fahrmodi zeigen eine spürbare Spreizung auf. Als Besonderheit besitzt der Passat einen GTE-Mode: Im Grunde ist das der „Öko-GTI-Modus“, mit dem der elektrische Teil des Hybridsystems als Booster fungiert und das den Verbrenner mit maximaler Power unterstützt. Nur in diesem Modus stehen die vollen 218 PS Systemleistung bereit.

Auch die angenehme Lenkung wird durch die Fahrmodi stark beeinflusst. So ist sie in “Comfort”-Programm sehr leichtgängig, im “Sport”-Programm dagegen schön straff und direkt. Dank einer austarierten Federung und des langen Radstands besitzt der Kombi einen unerschütterlichen Geradeauslauf. Gerade auf Langstrecken ein Garant für Reisekomfort.

Der GTE ist eine gute Option als Pendlerfahrzeug, wenn man man feste Ladepunkte auf der Strecke nutzt. Man sollte den Plug-in-Hybrid bewusst fahren – das erfordert ein Umdenken und setzt das Nutzen der Nachladefunktion dringend voraus. Ansonsten ist der Wirkungsgrad schlechter als bei vergleichbaren Verbrenner-Modellen.

Wenn regelmäßig geladen wird, ist der Passat GTE oft elektrisch unterwegs und spielt damit seine Vorteile souverän aus. Während der Fahre spürte man das Gewicht des GTE deutlich, besonders in schnell gefahrenen Kurven. Dennoch zeigte er viel Traktion trotz Frontantrieb. Eine Anfahrschwäche, wie sonst beim Einsatz eines DSGs, gab es hier nicht, denn in der Regel wurde elektrisch angefahren. Die Bremsen ließen sich gut dosieren. Der Bremsvorgang zeigte aber klare Unterschiede zum konventionellen Passat, weil die Rekuperation mit in diesen einbezogen wird.

Beim Verbrauch gab es hingegen Minuspunkte. Auf Langstrecke mit leerem Akku und bei maximal 120 km/h pendelte sich der Verbrauch bei 6,9 Litern auf 100 Kilometer ein. Nur 20 km/h mehr und der Verbrauch stieg um fast zwei Liter an. Im Drittelmix ergab sich dabei ein Verbrauch von neun Litern auf 100 Kilometer. Nutzten wir die Aufladefunktion während der Fahrt, schluckte der Kombi zwischen 11-13 Litern. Die Sparrunde absolvierte der Plug-in-Hybrid mit 4,9 Litern – wohlbemerkt mit leerem Akku.

Die Hybridtechnik

(Bild: heycar)

Mit dem Facelift erhielt der GTE eine größere Hybridbatterie, wodurch die theoretische Reichweite im E-Modus auf insgesamt 66 Kilometer anstieg. Soweit die Theorie. In unserem Praxistest kamen wir in drei Versuchen auf einen Reichweitenschnitt von 41 Kilometern. Besonders sportives Fahren reduzierte die knappe Reichweite erheblich.

Positiv ist die Option, den Ladezustand des Akkus “einzufrieren”, um ihn zu einem späteren Zeitpunkt abzurufen sowie die Möglichkeit, die Batterie mithilfe des Benzinmotors aufzuladen. Allerdings muss beim Letzteren mit deutlich erhöhtem Verbrauch gerechnet werden.

Das Zusammenspiel der beiden Antriebe erwies sich in allen Belangen als harmonisch und gut aufeinander angestimmt. Rein elektrisch kann der VW Passat GTE Variant bis zu 130 km/h schnell bewegt werden. Das ist in der Praxis allerdings schwierig, denn Steigungen, Gegenwind und andere Aspekte erwecken den Verbrenner meist schon bei geringeren Geschwindigkeiten als unterstützenden Partner.

Assistenz, Technik und Komfort

Das HUD hilft dabei, auch während der Fahrt den Überblick zu behalten. (Bild: heycar)

Der GTE ist im Vergleich zu seinen konventionellen Pendants üppig ausgestattet. Einige Features sind erstmals für diesen Kombi verfügbar: das 2.500 Euro teure IQ.Light zum Beispiel. Die LED-Scheinwerfer bieten einen erstklassig hellen Lichtteppich, der eine einwandfreie Ausleuchtung sicherstellt. Das Head-up Display wird mittels Plexiglas-Scheibe realisiert und kostet 565 Euro extra. Da der Blick dadurch deutlich öfter auf der Fahrbahn bleibt, ist das eine empfehlenswerte Funktion.

Die lange Startphase des gesamten Infotainments hingegen viel negativ ins Gewicht. Der langwierige Boot-Vorgang startete auch dann neu, wenn die Zündung nur für Sekunden ausgeschaltet war. Eine ausgezeichnete Verkehrszeichenerkennung, eine induktive Ladestation, Android Auto und Apple CarPlay, eine Sprachbedienung und eine Bluetooth-Freisprechfunktion, sowie das Digital Cockpit waren im Testauto ebenfalls verbaut und machten eine gute Figur.

Die Klimaautomatik regulierte die Innentemperatur schnell, aber nicht vollkommen zugfrei. Mittels App kann das Auto auch vorklimatisiert werden, was allerdings immer auf Kosten der Akkuladung funktioniert. Der Lüftungseffekt ist allerdings ausgeprägter als bei konventionellen Modellen. Die Lenkradheizung heizt homogen und wird auch direkt am Lenkrad aktiviert. Das schlüssellose Zugangssystem besitzt an allen Türgriffen Sensoren und die elektrische Heckklappe kann per Fußschwenk betätigt werden.

Die 360-Grad-Sicht hilft beim Einparken und schafft noch mehr Übersicht zur Rückfahrkamera. (Bild: heycar)

Die 360-Grad-Kamera „Area View“ für 870 Euro extra als Ergänzung zur Rückfahrkamera erleichtert das Rangieren enorm und beim Verriegeln werden die Außenspiegel elektrisch angeklappt. Die elektrisch ver- und entriegelbare Anhängerkupplung kostet 925 Euro Aufpreis und macht aus dem Kombi ein einwandfreies Zugfahrzeug mit maximaler Anhängelast von 1.600 Kilogramm.

Varianten und Preise des VW Passat GTE Variant

Der Einstiegspreis für den teilelektrisierten Kombi liegt bei 45.860 Euro und damit ca. 1.000 Euro über der Limousine. Zur Grundausstattung gehören unter anderem die 3-Zonen-Klimaautomatik, 17-Zoll-Leichtmetallräder und einiges mehr. Lässt man so gut wie nichts auf der Optionsliste aus, kommt man auf einen Preis von gut 68.000 Euro. Dafür gibt es eine Vielzahl an Annehmlichkeiten, die kaum Wünsche offenlassen. Zieht man den Umweltbonus von aktuell 2.678 Euro ab, bleibt der vollausgestattete VW Passat GTE Variant bei knapp über 65.000 Euro.

Fazit: Alternativer Lademeister

Der Passat GTE ist das perfekte Auto für alle, die den VW-Klassiker mit alternativem Antrieb fahren wollen. (Bild: heycar)

In Summe bietet Volkswagen mit dem Passat GTE eine Alternative für alle, die dem Passat treu bleiben möchten, aber einen alternativen Antrieb erwägen. Dank E-Kennzeichen gibt es vielfältige Privilegien und auch Anschaffungs- und Unterhaltungskosten sind dank Förderungen überschaubar.

Im direkten Vergleich mit dem Skoda Superb Combi iV zeigt sich der Wolfsburger einen Hauch wertiger und zeigt eine sportliche Seite, die dem Superb fremd ist. Der „GTE-Boost“ dient als eine Art Alleinstellungsmerkmal und schüttelt dadurch etwaig aufkommende Langeweile eines Familienkombis ab.

Dem gegenüber steht ein selbstbewusster Anschaffungspreis. VW ruft für den GTE Variant mindestens 45.810 Euro auf. Unser fast voll ausgestatteter Testwagen bringt es auf 63.000 Euro und das war längst nicht das Ende der möglichen Ausstattungsliste. Das ist viel Geld, das jedoch in ein ausgereiftes und topmodernes Auto investiert wird.

Stundenlange Fahrten sind mit dem GTE problemlos zu bewältigen, wie unsere Tour bis Südtirol beweisen konnte. Wer auf der Suche nach passenden Alternativen ist, sollte sich den erwähnten Skoda Superb Combi iV, Volvo V60 Recharge, Peugeot 508 SW Hybrid oder den Kia Optima SW Plug-in-Hybrid genauer anschauen.

Technische Daten: Volkswagen Passat GTE Variant

Allgemeines
Kompletter NameVW Passat Variant GTE DSG
Modellstart11/2020
Motor
Anzahl Zylinder, Anordnung4, Reihe
Hubraum in ccm1.395
Leistung (kW/PS)160/218
Max. Drehmoment (Nm)400
KraftstoffartSuper/Strom
Tankvolumen in l50
Batteriekapazität (Brutto) in kWh13
Elektrische Reichweite in km (NEFZ)68
SchadstoffklasseEuro 6d-ISC-FCM (WLTP) 36AP-AR
Getriebeart
GetriebeAutomat. Schaltgetriebe (Doppelkupplung)
Anzahl Gänge6
AntriebFront
Abmessungen, Gewichte, Ladevolumen
Länge in mm4.773
Breite (ohne Spiegel) in mm1.832
Höhe in mm1.521
EG-Leergewicht in kg1.759
Zuladung maximal in kg511
Laderaumvolumen min. in l483
Fahrleistungen (laut Hersteller)
Höchstgeschwindigkeit in km/h222
Beschleunigung 0-100 km/h in s7,6
Verbrauch (laut Hersteller)
Kombiniert in l/100 km (WLTP)1,1
CO2-Emission in g/km (WLTP)27
CO2-EffizienzklasseA+
Preis
Einstiegs-Listenpreis in €45.810
Preis Testwagen in €63.000

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Titelbild: heycar

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