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Vertragswerkstatt oder freie Werkstatt – was sind die Unterschiede?
2. September 2021
Wartung & Pflege

Vertragswerkstatt oder freie Werkstatt – was sind die Unterschiede?

Egal wie fürsorglich man mit seinem Fahrzeug umgeht, die Fahrt in die Werkstatt ist nur eine Frage der Zeit. Sei es die regelmäßige Inspektion, eine Verschleißreparatur oder gar ein Unfallschaden – irgendwann trifft es jedes Fahrzeug. Wo ist man dabei am besten aufgehoben: in einer Vertragswerkstatt oder einer freien Werkstatt? Wir erläutern dir in diesem Artikel die Unterschiede und zeigen dir die jeweiligen Vor- und Nachteile auf.

Die Unterschiede

Eine Vertragswerkstatt ist, wie es der Name bereits vermuten lässt, vertraglich an einen oder mehrere Fahrzeughersteller gebunden. Oftmals decken Vertragswerkstätten direkt alle Marken eines ganzen Automobilkonzerns ab, so bietet eine VW-Vertragswerkstatt nicht selten ihren Service auch für Audi-, Skoda- und Seat-Modelle an.

Eine freie Werkstatt ist an keinen Automobilhersteller gebunden. Sie bieten ihre Leistungen meist für Fahrzeuge zahlreicher Hersteller an. Es gibt jedoch freie Werkstätten, die sich auf bestimmte Marken spezialisiert haben. Sie werden üblicherweise als einzelbetriebliche Meisterwerkstatt geführt. Daneben findest du auch Ketten wie ATU, die ihren Service markenübergreifend anbieten.

Die Vor- und Nachteile einer freien Werkstatt

Eine freie Werkstatt macht aus, dass sie ihre Leistungen für sehr viele Marken anbieten kann, da sie sich in keinerlei vertragliche Abhängigkeiten begibt. Während es in bestimmten Orten nur wenige Vertragswerkstätten gibt, ist die Anzahl an freien meistens um einiges höher. Dementsprechend hast du bei dringenden Problemen in einer freien Werkstatt bessere Chancen, zeitnah einen Termin zu bekommen, weil es eine größere Auswahl gibt.

Darüber hinaus sind sie nicht verpflichtet, Originalersatzteile des Herstellers zu verwenden. Diese sind mitunter teurer als Ersatzteile von Drittherstellern. Auch der Einbau von geprüften Gebrauchtteilen ist ihnen erlaubt. Hierdurch hat eine freie Werkstatt erhebliche Kostenvorteile und kann ihre Leistungen zu geringeren Preisen anbieten.

Ein weiterer Grund für die geringeren Kosten ist jedoch das geringere Leistungsangebot einer freien Kfz-Werkstatt. Moderne Fahrzeuge sind heutzutage sehr komplex, sodass für aufwendige Reparaturen oftmals marken- oder sogar modellspezifisches Spezialwerkzeug benötigt wird. Da eine freie Werkstatt nicht für alle Fahrzeugtypen solch kostenintensives Werkzeug anschaffen kann, beschränkt sich der Leistungsumfang eher auf Standardservice und -reparaturen.

Die Vor- und Nachteile einer Vertragswerkstatt

Eine Vertragswerkstatt bietet den Vorteil, dass sie sich auf einen oder mehrere Hersteller spezialisieren und dir somit umfassende Leistungen – vom Standardservice bis hin zu Spezialreparaturen – anbieten kann. Durch Spezialwerkzeuge sind sie in der Lage, deutlich aufwendigere und kompliziertere Reparaturen durchzuführen als freie Werkstätten.

Auch die Fehlersuche gestaltet sich durch auf bestimmte Marken zugeschnittene Diagnosegeräte wesentlich effektiver und effizienter. Außerdem verbauen Vertragswerkstätten in der Regel ausschließlich neue Originalersatzteile vom Hersteller, sodass du sicher sein kannst, dass ein qualitativ hochwertiges Ersatzteil verbaut wird.

Auf der anderen Seite haben der erweiterte Leistungsumfang und das Angebot von Originalersatzteilen ihren Preis. Die Anschaffung spezieller Werkstattsysteme ist mit hohen Kosten verbunden, die üblicherweise auf die Stundensätze der Mitarbeiter und somit auch auf deine Rechnung umgelegt werden. Bei vergleichbaren Leistungen sind Vertragswerkstätten daher in der Regel teurer als freie Werkstätten. Darüber hinaus ist nicht in jedem Ort für jede Marke eine passende Werkstatt zu finden.

Vertragswerkstätten sind auf bestimmte Automarken spezialisiert und können auch bei umfangreichen und komplizierten Reparaturen helfen. (Bild: iStock)

So findest du die passende Autowerkstatt

Was macht eine gute Werkstatt aus? Im Folgenden listen wir dir Kriterien und erklären, wann du welche Werkstatt aufsuchen solltest.

1. Ordnung

Bevor du dein Auto in die Hände des zuständigen Personals übergibst, solltest du dir einen Überblick über die Werkstatt verschaffen. In seriösen Werkstätten nimmt sich ein Meister oder Geselle auch gerne mal ein paar Minuten Zeit, um dir die Werkstatt kurz zu zeigen. Wirst du direkt abgewiesen oder findest ein chaotisches Durcheinander vor, so solltest du von dieser Werkstatt Abstand nehmen. Ist sie dagegen sauber und ordentlich, so kannst du von einer strukturierten Arbeitsweise des Personals ausgehen.

2. Kostenvoranschlag

Eine seriöse Werkstatt erstellt dir bereits vorab einen detaillierten Kostenvoranschlag. In diesem stellt sie all ihre geplanten Leistungen inklusive einer Kostenübersicht strukturiert vor. Laut Gesetzgeber darf dieser Kostenvoranschlag nicht eigenmächtig und im erheblichen Maße durch Tätigkeiten der Werkstatt überschritten werden. Als Faustregel kann hier eine zulässige Überschreitung von etwa 15 Prozent angenommen werden. Übersteigen die tatsächlichen Kosten den Wert des Kostenvoranschlags, hat dich die Werkstatt umgehend zu informieren und die Freigabe einzuholen.

3. Verhalten bei unerwarteten Zwischenfällen

Nicht immer läuft alles wie geplant. Stößt die Werkstatt auf ein Problem während der Reparatur (Lieferverzögerung eines Ersatzteils), sollte sie dich schnellstmöglich darüber informieren.

4. Bearbeitung nach Herstellervorgaben

Üblicherweise geben Autohersteller den Werkstätten klar vor, wie bestimmte Service- und Reparaturtätigkeiten an ihren Fahrzeugen vorgenommen werden müssen. Diese Vorgaben werden in Inspektionslisten festgehalten, die es abzuarbeiten und zu dokumentieren gilt.

5. Rechnung

Nach erbrachter Leistung stellt eine seriöse Werkstatt eine detaillierte Rechnung, inklusive ausgewiesener Mehrwertsteuer aus und erklärt dir als Kunden, welche Tätigkeiten aus welchem Grund durchgeführt wurden.

Wann zur Vertragswerkstatt und wann zur freien Werkstatt?

Hast du einen Neuwagen gekauft und sind Werkstatttätigkeiten im Rahmen der zweijährigen Sachmängelhaftung notwendig, solltest du deinen Wagen auf jeden Fall in eine Vertragswerkstatt bringen. Nach der gesetzlichen Regelung darf eigentlich nur der Händler, bei dem du das Fahrzeug gekauft hast, Nachbesserungen vornehmen. Wurde der Wagen nach den allgemeinen Neuwagen-Verkaufsbedingungen erworben, dann dürfen diese Nachbesserungstätigkeiten allerdings in jeder Vertragswerkstatt durchgeführt werden. In diesem Fall musst du dich nicht vor hohen Kosten fürchten, denn alle Kosten im Rahmen der Sachmängelhaftung trägt der Automobilhersteller.

Auch Leistungen im Rahmen der Herstellergarantie sollten in einer Vertragswerkstatt durchgeführt werden. Sie sind innerhalb der Garantiebedingungen kostenfrei. Kommt es zu komplizierten Fehlern, die sich nicht durch Standardvorgehen beheben lassen, bietet sich aufgrund der umfassenden Ausstattung an speziellen Werkstattsystemen ebenfalls die Fahrt in eine Vertragswerkstatt an.

Fallen innerhalb der Garantiezeit Reparaturen außerhalb der Garantiebedingungen an, so können sie durch eine freie Werkstatt durchgeführt werden. Gemäß einer EU-Regelung dürfen diese Reparaturen nicht zum Verlust der Garantie führen, sondern müssen von den Herstellern akzeptiert werden. Voraussetzung ist jedoch, dass die Reparaturen nach den Vorgaben der Fahrzeughersteller umgesetzt werden.

In freien Werkstätten kommt man oft etwas günstiger weg und bekommt schneller einen Termin. (Bild: iStock)

Dies gilt auch für Inspektionsleistungen, die in freien Werkstätten mit einem Stempel im Serviceheft bestätigt werden. Für den Gebrauchtwagenmarkt sind Stempel einer Vertragswerkstatt positiver für den Verkaufspreis. Es empfiehlt sich daher, Reparaturen und Inspektionen erst bei einem Fahrzeugalter von vier Jahren in einer freien Werkstatt durchführen zu lassen. Dann hat der mögliche Preisverfall kein allzu hohes Gewicht mehr.

Es kommt auf das Fahrzeug und den Service an

Die Frage, ob eine freie Werkstatt oder eine Vertragswerkstatt zu bevorzugen ist, lässt sich pauschal nicht eindeutig beantworten. Ist das Fahrzeug noch sehr neuwertig und innerhalb der Garantiezeit, so empfehlen wir dir die Fahrt zur Vertragswerkstatt. Das gilt auch für aufwendige Reparaturen.

Bei älteren Fahrzeugen und Standardreparaturen oder Inspektionen ist eine freie Werkstatt jedoch eine Alternative, die mit günstigeren Preisen überzeugen kann. Am besten solltest du bei der Wahl der passenden Werkstatt immer unsere fünf Kriterien im Hinterkopf behalten.

Titelbild: iStock

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