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Vergleichs-Test: Civic Type R vs i30 N Performance
30. Januar 2020
Autotests

Vergleichs-Test: Civic Type R vs i30 N Performance

Are you ready to rumble??? In unserem zweiwöchigen Vergleichs-Test prallen die beiden aktuell heißesten Kompaktsportler aus Fernost aufeinander. In der roten Ecke parkt selbstbewusst der Honda Civic Type R. In knapp 20 Jahren hat sich der Japaner einen festen Platz in der allerersten Hot-Hatch-Reihe erarbeitet und auch die neueste Generation wird hochgelobt. In der blauen Ecke als Herausforderer lauert der Hyundai i30 N Performance. Das erste Hochleistungsmodell der südkoreanischen Marke hat viele Kritiker auf Anhieb überzeugt, darf also als starker Gegner für den Routinier betrachtet werden. Wir sind gespannt, wer das Duell in zehn Runden am Ende für sich entscheidet. Ring frei!

1 - Exterieur

Es gibt wohl kaum ein aktuelles Modell, das für sein Design so viel Prügel beziehen muss wie der Honda Civic Type R. Nun ja, gewissermaßen zurecht. Die ausladenden und zerklüfteten Schürzen an Front und Heck, der Luftschlitz auf der Motorhaube, der Heckdiffusor und die Diffusoren auf dem Dach, die drei Auspuffrohre, die enormen (simulierten) Lufteinlässe und natürlich der gigantische Heckspoiler. Es wirkt, als hätte Honda an den Civic Type R wirklich alles drangepappt, was im Tuning-Regal herumlag. Das macht den Hot Hatch für neun von zehn Erwachsenen regelrecht zur Peinlichkeit.

Wie man es besser macht, zeigt der Hyundai i30 N Performance. Hier ist alles zwei Nummern dezenter gehalten und die Gesamterscheinung wirkt stimmiger, weil die einzelnen Designelemente besser harmonieren. So ist die Frontschürze beispielsweise wesentlich aufgeräumter gestaltet und der Spoiler wird eher angedeutet als ausbuchstabiert. Schmale rote Leisten und rote Bremssättel wirken auf subtile Weise auflockernd und sportlich.

Rundensieg: Hyundai i30 N Performance

2 - Interieur

Was dem i30 N Performance außen gelingt, kann er im Innenraum nicht bieten: subtile Sportlichkeit. Etwas pointiert ausgedrückt wirkt das Interieur dröge und uninspiriert. Im Grunde deutet außer den Sportsitzen nichts darauf hin, dass man im leistungsstärksten Modell der Reihe sitzt. Das wäre vollkommen in Ordnung, wenn man stattdessen auf Luxus gesetzt hätte. Hat man aber nicht. Der i30 N Performance wirkt mit seinen Stoffsitzen und prominenten Hartplastikelementen eher wie ein Einsteigermodell. In wie weit dieses Problem durch das Komfort-Paket für 1.700 Euro Aufpreis gelöst wird, können wir nicht beurteilen. Der Katalog verspricht immerhin Teilledersitze und auf Fotos sieht man rote Zierelemente.

Unser Honda Civic Type R hatte eben so ein Paket: das Interieur-Carbon-Paket für 1.790 Euro. Dieses stattet den Innenraum mit einigen veredelnden Carbon-Verkleidungen aus. Aber auch ohne dieses Extra hätte der Japaner den Vergleich wohl gewonnen: Die Materialien sind hochwertiger, wie ein Schaltknauf aus Aluminium und Velourslederimitat auf der Mittelkonsole und an den Türen beweisen. Bis auf die knallroten (und perfekt ausgeformten) Sportsitze ist der Innenraum in dezentem Anthrazit gehalten, das nur hier und da von roten Zierelementen durchbrochen wird. Schön sieht auch das angeschrägte Armaturenbrett aus, das eine gute Sicht auf den Tacho ermöglicht und dem Innenraum die Wucht nimmt. Eine Metall-Plakette mit der Seriennummer und das dem Type R vorbehaltene rote Honda-Emblem auf dem Lenkrad machen klar, dass man nicht in irgendeinem Auto sitzt.

Rundensieg: Honda Civic Type R

3 - Fahrwerk

Das Fahrwerk des Honda Civic Type R ist phänomenal, darum geht dieser Punkt an den Japaner. Besonders hervorheben muss man hier die drei Fahrmodi Comfort, Sport und R, denn sie machen wirklich einen spürbaren Unterschied im Fahrverhalten. Während man im Comfort-Modus mit überaus leichtgängiger Lenkung und angenehmer Dämpfung durch die Gegend gondelt, wird der Civic Type R im R-Modus zum Brett mit direkterer Lenkung. Der Sport-Modus ist dazwischen angesiedelt. Zwar bietet auch der i30 N Performance verschiedene Fahrmodi, doch der Unterschied zwischen ihnen ist weniger ausgeprägt und der Normalmodus kommt in Sachen Komfort nicht den Civic Type R in zahmster Einstellung heran.

Auf den ersten Blick kann man meinen, dass der i30 N Performance der wildere der beiden Kompaktsportler ist, denn er federt härter und lenkt direkter ein. Auch präsentiert er sich mit seinen geringeren Maßen agiler. Doch man darf sich nicht täuschen lassen: Die Tatsache, dass man den Civic Type R im Alltagstest nicht im Geringsten aus der Ruhe bringen kann, beweist nicht seine Trägheit, sondern wie viel Luft nach oben hier noch ist – immerhin hat der Wagen Rekorde für die schnellste Runde eines Serienfahrzeuges mit Frontantrieb auf mehreren Rennstrecken aufgestellt, unter anderem auf dem Nürburgring.

Auch die Bremsen des Civic Type R überzeugen einen Tick mehr. Sie lassen sich etwas feiner dosieren, wodurch sie zum angenehmen Alltagsfahrgefühl des Wagens wesentlich beitragen. Einziges Manko: Beim Stopp aus niedrigen Geschwindigkeiten quietschen sie mitunter ein wenig. Doch hier macht es der i30 N Performance auch nicht besser: Auf den letzten Metern haben seine Bremsen ein kratzendes Geräusch erzeugt. Ob diese Probleme sich durch die ganze Modellreihe ziehen, wissen wir natürlich nicht. Zumindest über den Civic Type R haben wir aber so etwas gehört.

Rundensieg: Honda Civic Type R

4 - Getriebe

Beide Testwagen haben ein Sechsgangschaltgetriebe und beide Getriebe überzeugen. Da die Schaltwege beim Honda kürzer sind und die Gänge insgesamt flüssiger reinflutschten, geht dieser Punkt dennoch klar in die rote Ecke. Tatsächlich ist die Schaltung des Civic Type R eines der Pfunde, mit dem er am klarsten wuchern kann.

Rundensieg: Honda Civic Type R

5 - Leistung

Hier verhält es sich ähnlich wie beim Punkt Fahrwerk: Der erste Eindruck trügt. Nach den ersten Metern im i30 N Performance denkt man sich: „Wow!“ Nach den ersten Metern im Civic Type R: „Hmmm.“ Mit anderen Worten: Der i30 N Performance hält sein Temperament weniger zurück. Die Gasannahme ist überaus direkt und an der Ampel fährt man immer zackig weg, weil man praktisch gar nicht anders kann. Im richtigen Gang sind auch auf Landstraße und Autobahn noch beeindruckende Sprints möglich. Da gibt es wirklich gar nichts zu meckern; der Hyundai holt viel aus seinen 275 PS heraus.

Doch der Civic Type R hat eben 45 PS mehr. Und das merkt man auch, man muss ihn nur etwas nachdrücklicher kitzeln und er entfaltet eine beeindruckende Kraft. Vor allem wenn der Wagen schon in Bewegung ist und man im dritten, vierten, fünften Gang das Gaspedal durchdrückt, zaubert einem der Vortrieb ein Lächeln aufs Gesicht und man versteht endlich, warum Autofans so einen Hype um das Modell veranstalten. Leider haben uns nasse Fahrbahnen und die Winterreifen beim Testen der Performance der beiden Wagen etwas limitiert (Stichwort: mangelnde Traktion und deutliches Untersteuern). Trotzdem steht fest: Der Civic Type R ist der bessere Sprinter und fährt schneller.

Rundensieg: Honda Civic Type R

6 - Sound

Beim Sound enttäuscht der Civic Type R, denn im Grunde ist gar kein Sound vorhanden – zumindest nicht vom Auspuff. Wir sind mit dem Wagen sogar in eine Halle gefahren und haben dort Gas gegeben. Nichts! Alles, was der Fahrer hört, ist Motor. Dieser klingt ok, aber ein Sportwagen sollte auch auf der Straße hörbar sein.

Der Sound des i30 N Performance ist hier einem Hot Hatch deutlich angemessener: Bei geöffneten Klappen macht sich die Abgasanlage mit einem röchelnden Kratzen bemerkbar, das ab und an von einem Knallen unterbrochen wird. Wessen Fall das nicht ist, der kann die Klappen schließen und unauffälliger dahinrollen. Man hat also die Wahl.

Rundensieg: Hyundai i30 N Performance

7 - Platz und Praktikabilität

In beiden Autos haben Personen mit ungefähr derselben Größe Platz, wobei der Honda in Sachen Beinfreiheit besser dasteht, während der Hyundai mehr Kopffreiheit bietet. Der Kofferraum des Civic Type R ist etwas größer als der des i30 N Performance und wird nicht von einer Querverstrebung unterbrochen, die im Hyundai zur Verbesserung der Karosseriesteifigkeit verbaut ist (180 Euro Aufpreis). Außerdem bietet er vier praktische Ösen, um Ladung zu sichern.

Im i30 N Performance wiederum kann man auf der Rückbank eine Armlehne mit Cup-Holdern herunterklappen und durch die entstehende Öffnung längliche Gegenstände leicht verladen. Darüber hinaus ist der Koreaner 22 Zentimeter kürzer und 8 Zentimeter schmaler, womit er wendiger im Stadtverkehr ist. Nicht zuletzt bietet er auch die bessere Rundumsicht. Im Civic Type R wird diese von einer massiven C-Säule und dem unteren Teil des Spoilers samt Scheibenwischeranlage stark eingeschränkt.

Rundensieg: Hyundai i30 N Performance

8 - Ausstattung

Hier haben sich keine großen Unterschiede gezeigt. Beide Wagen sind gut ausgestattet. Trotzdem sind uns natürlich einige Dinge aufgefallen. Im Honda haben wir eine Sitz- und ja, auch eine Lenkradheizung vermisst, immerhin fand der Test im Winter statt. Beim i30 N Performance kostet das Navi 600 Euro Aufpreis, zumindest in der Variante GT ist es beim Civic Type R Serie.

Der Hyundai verfügt über eine Launch-Control, der Honda nicht. Allerdings begrenzt er die maximale Drehzahl im Leerlauf, um einen schnellen Start ohne durchdrehende Reifen zu gewährleisten. Beides haben wir nicht auf Funktion getestet. Die aktiven Spurhalteassistenten haben uns in beiden Wagen nicht gänzlich überzeugt. Im Honda wackelt das Lenkrad hin und her, der Hyundai erkennt teilweise dicke und durchgezogene Fahrbahnbegrenzungen nicht.

Beide Wagen gibt es nur in einer Farbe ohne Aufpreis: Rot. Die fünf Alternativen kosten beim Civic Type R allesamt 590 Euro extra. Beim i30 N Performance gibt es „Polar White“ für 250 Euro, die übrigen drei Farben kosten auch 590 Euro. Bei den Felgen bietet der Honda mit 20-Zöllern eine Nummer mehr als der Hyundai. Außerdem kann der Japaner mit Brembo-Bremsen aufwarten.

Rundensieg: Unentschieden

9 - Infotainment-System und Usability

Der i30 N Performance ist insgesamt aufgeräumter eingerichtet. Tatsächlich ist das Cockpit in dieser Hinsicht kaum zu übertreffen. Die Schalterleisten sind gut gruppiert und alles ist dort, wo man es erwarten würde bzw. wo man es direkt findet. Schön sind die analogen Instrumente. Das Infotainment-System inkl. Navi lässt sich intuitiv bedienen und stellt einen vor keine Herausforderung.

Im Honda wirkt alles etwas antiquierter. Die Schalteranordnung ist auch hier ok und doch das Infotainment-System fällt gegenüber dem des Hyundai zurück. Die Grafik ist grobschlächtiger und beim Radio werden seltsame Begriffe benutzt wie „Ensemble“ oder „Dienst“, die man nicht auf Anhieb versteht. Außerdem gibt es am Radio keinen Drehknopf für die Lautstärke, sondern nur einen Touch-Regler.

Dafür bietet der Civic Type R eine clevere Lösung für den Anschluss von Smartphones: Die Kabel lassen sich durch eine Öffnung hinter der induktiven Ablage durchführen und in einer Halterung befestigen. Die USB-Slots sind dann gewissermaßen hinter der Mittelkonsole verbaut. Das verhindert Kabelgewirr und schafft Ordnung.

Ein Highlight des i30 N Performance verbirgt sich hinter dem Label „N Grin Control System“: Über zwei Tasten am Lenkrad und über den Touchscreen in der Mittelkonsole kann man nicht nur die Fahrmodi variieren, sondern im Custom Mode auch jedes einzelne Regelsystem individuell modifizieren. So kann man beispielsweise mit weicher Federung, gedrosselter Gasannahme, aber mit lautem Auspuff fahren. Im Civic Type R fehlt diese tiefergehende Modifizierungsmöglichkeit.

Rundensieg: Hyundai i30 N Performance

10 - Preis/Leistung

Der von uns getestete i30 N Performance kostet laut Liste 36.170 Euro, der Civic Type R GT 42.980 Euro. In unseren Augen spiegelt dieser Preisunterschied ziemlich genau die Unterschiede in Performance und Innenraumausstattung wider. Hier liegt der Honda einfach vorne. Mit anderen Worten: Wer die knapp 7.000 Euro mehr auf den Tisch liegt, bekommt dafür auch entsprechend mehr Auto.

Rundensieg: Unentschieden

Und nach zehn Runden heißt es …

… unentschieden! Sowohl der Honda Civic Type R als auch der Hyundai i30 N Performance konnten vier Wertungen für sich entscheiden. Zwei Mal herrschte Gleichstand. Natürlich ist ein Unentschieden immer ein wenig unbefriedigend. Doch in diesem Fall geht es unserer Meinung nach voll in Ordnung.

Beide Kompaktsportler haben geradezu komplementäre Stile bewiesen. Äußerlich pubertär ist der Civic Type R im Fahrverhalten gelassen und souverän. Erst wenn man ihn zwingt, entfaltet er seine brachiale Natur. Der Hyundai i30 N Performance hingegen legt ein erwachsenes Erscheinungsbild an den Tag und wirkt im Innenraum geradezu bieder. Dafür fährt er sich zappeliger und hängt nervöser am Gas, so als könne er seine jugendlichen Kräfte kaum zurückhalten. Da beide Modelle in Sachen Preis-Leistung gleich gut dastehen, läuft am Ende alles auf die Frage hinaus, was einem lieber ist.

Die wichtigsten Daten im Vergleich

Zum Abschluss hier noch die wichtigsten Daten der beiden Hot Hatches in der Übersicht. Alle Daten stammen von den beiden Herstellern.

Honda Civic Type RHyundai i30 N Performance
MotorR-4-Otto-TurboR-4-Otto-Turbo
Hubraum in ccm1.9961.998
Max. Leistung (kW/PS bei U/min)235/329 bei 6.500202/275 bei 6.000
Max. Drehmoment (Nm bei U/min)400 bei 2.500-4.500353 (Overboost: 378) bei 1.750-4.200
Höchstgeschwindigkeit in km/h272250
Beschleunigung 0-100 km/h in s5,86,1
KraftstoffartSuper PlusSuper
Verbrauch innerorts in l/100 km9,110,6
Verbrauch außerorts in l/100 km7,16,1
Verbrauch kombiniert in l/100 km7,87,8
Einstiegspreis in Euro37.59033.100

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Moritz Pohl
Moritz Pohl

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