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Unfallwagen oder Bagatellschaden: Unterschiede und Auswirkungen
8. März 2022
Finanzierung & Versicherung

Unfallwagen oder Bagatellschaden: Unterschiede und Auswirkungen

Ein Unfallwagen? Schnell denkt man bei diesem Begriff an Gebrauchtwagen mit eingedrückter Frontpartie. An geöffnete Airbags, an Heckstoßstangen in U-Form, an Fahrzeug-Inserate, die ein Wrack eines Autos zeigen. Doch wie sieht die Definition bei einem fahrbereiten Modell mit Delle an der Seite aus? Bei einem ansonsten top-erhaltenen Gebrauchten mit abgeschürftem Seitenspiegel? Oder wenn die beste Vertragswerkstatt der Stadt eine Kaltverformung wieder in einen 1A-Zustand zurückbügelte?

Was einzelne Käufer oder Verkäufer unter „unfallfrei“ verstehen, kann sich stark voneinander unterscheiden. Schlimmstenfalls können dadurch viele, scheinbar unkomplizierte Verkaufsabschlüsse in gerichtlichen Auseinandersetzungen enden und Kaufverträge ihre Gültigkeit verlieren. Tendenziell sprechen Sachverständige nämlich früher von einem Unfallwagen als der Volksmund.

Wann der Begriff „unfallfrei“ in Gebrauchtwagen-Annoncen und Fahrzeug-Kaufverträgen stehen darf? Was die Bezeichnungen Bagatellschaden und Offenbarungspflicht in diesem Zusammenhang bedeuten? Und was bei Irrtümern oder absichtlichen Falschangaben droht? All das klärt dieser Text.

Ab wann der Gebrauchtwagen als Unfallfahrzeug zählt

Vorweg: Wer eine allgemeingültige Definition des Begriffs Unfallwagen sucht, wird im Internet zwar fündig – inklusive Checkliste und Präzedenzfall mit Aktenzahl. Doch belastbar sind derartige Ratgeber nicht. Erstens, weil Gerichte im Zusammenhang mit (Vor-)Beschädigungen am Gebrauchtwagen bereits höchst unterschiedlich urteilten.

Zweitens, weil die Gesetzeslage schlicht keine absoluten Wahrheiten für jedes erdenkliche Modell hergibt. Laut Paragrafen § 434 des BGB ist eine Ware frei von Sachmängeln, wenn sie für die gewöhnliche Verwendung eine Beschaffenheit aufweist, die bei vergleichbaren Waren als üblich gilt. Nutzbar und vergleichbar mit anderen Gebrauchten? Da bleibt Interpretations-Spielraum.

Zumindest ein klarer Trend zeichnet sich anhand bisheriger Urteile ab: Gebrauchtwagen- oder Leasing-Rückläufer werden schneller zum Unfallwagen als landläufig angenommen. Als entscheidend gilt eine äußere Krafteinwirkung. Damit spielen Gebrechen an Verschleißteilen (Querlenker-Gummis etc.) für diese Beurteilung keine Rolle – während Rempler in der Kolonne oder beim Einparken das Prädikat „unfallfrei“ bereits verhindern können.

Und zwar dauerhaft. Denn der Status als Unfallwagen bleibt bestehen, selbst wenn der Schaden lediglich ein Anbauteil betrifft und vielleicht schon längst beseitigt wurde. Gleichzeitig zählt nicht jeder noch so kleine Kratzer. Denn diese könnten vom Sachverständigen als Bagatellschäden eingestuft werden.

Bagatell-Schäden: Die (schwammige) Welt der Kleinigkeiten

Die Unterscheidung zwischen Bagatell- und Unfallschäden sind nicht immer glasklar. (Bild: iStock)

Frei formuliert handelt es sich bei Bagatellschäden um Kleinigkeiten. Um all das, womit ein Autokäufer eben rechnen sollte, wenn das Kfz nicht direkt aus dem Neuwagen-Schauraum kommt – normale Gebrauchsspuren. Doch was das konkret bedeutet, kann in der Rechtsprechung stark variieren.

Ein Beispiel: Der Bundesgerichtshof wollte im Jahr 2007 nur geringfügige äußere Lackschäden als Bagatellschäden werten, schloss selbst leichte Blechschäden mit geringem Reparaturaufwand aus (Az. VIII ZR 330/06). Kurz darauf sah das Oberlandesgericht Düsseldorf Blechschäden sehr wohl noch als Bagatellschaden an (Az. VIII ZR 330/06).

Ob die Stoßstange nun nicht einmal angekratzt oder bereits eingedrückt sein darf? Hängt laut Rechtsexperten und Sachverständigen neben der Art des Schadens am Alter des Fahrzeuges, an der Laufleistung, am Verkaufspreis und an den Kosten der Reparatur. Eben jenen Punkten, die Gerichte bei ihren Urteilen mitberücksichtigen.

Beim 300.000 Kilometer weit gereisten Kleinwagen aus den 90er-Jahren wird eine Lackabschürfung weniger Auswirkung zeigen als beim Sportwagen-Sammlerstück. Worin diese Auswirkung nun besteht? An der Einstufung als Unfallwagen scheitert der Verkaufserfolg nicht zwingend. Was sich ändern sollte, ist die Kommunikationsweise des Verkäufers.

Offenbarungspflicht: Kommunikation der Unfallschäden

Im Fahrzeug-Inserat macht sich der Begriff „unfallfrei“ immer gut. Doch rechtlich sauber bleibt nur, wer etwaige bekannte Beschädigungen offenlegt. Und damit möglicherweise von einem “Unfallfahrzeug” spricht – jedenfalls wenn diese Schäden über den Status eines Bagatellschadens hinausgehen.

Etwaige Auswirkungen auf Preis und Verkaufserfolg? Hängen erneut stark an Fahrzeug und Situation. Wer häufig das Auto wechselt, weiß ohnedies: Im Verkaufsgespräch gibt es nicht bloß Schwarz und Weiß. Ernsthafte Interessenten werden sowieso nach den Details der Beschädigungen fragen. Verschweigt ein Verkäufer wissentlich signifikante Schäden, könnte der Verkaufsabschluss erst recht platzen – selbst im Nachhinein. Dann nämlich, wenn der Neu-Eigentümer einen vertuschten Schaden an seinem als „unfallfrei“ angepriesenen Gebrauchtwagen entdeckt.

Käufer-Perspektive: Konsequenzen, Möglichkeiten und Rechte bei Sachmangel

Der Begriff “Sachmangel” meint in diesem Kontext: Ein Verkäufer labelte das Auto als “unfallfrei”, der Käufer entdeckte nach Kauf-Abschluss doch einen Schaden. Dabei muss gar nicht um eine eingeschränkte Funktionsweise gehen. Entscheidend ist die Diskrepanz zwischen Kaufvertrag (bzw. Verkaufsgespräch) und Realität.

In der Praxis kann dem neuen Besitzer etwa ein abenteuerlich großes Spaltmaß an einer Stelle den Hinweis auf einen vergangenen Crash liefern, eine zweite Lackschicht auffallen, oder ein Klumpen Karosserie-Kittmasse entgegenkommen.

Pech gehabt, gekauft ist gekauft? Eben nicht. Wenn im Kaufvertrag tatsächlich das Wort „unfallfrei“ ohne etwaige Einschränkungen steht, kann der Käufer mehrere Rechte geltend machen. Einerseits würde ein Gericht womöglich einem Rücktritt vom Kauf stattgeben. Daneben könnte der Käufer Schadensersatzforderungen geltend machen oder auf eine nachträgliche Reduzierung des Kaufpreises (Rückzahlung) bestehen. Denkbar ist in einzelnen Fällen, dass der Verkäufer anstelle des Unfallfahrzeuges ein wie im Kaufvertrag beschriebenes Auto auftreiben muss.

Diese (möglichen) Forderungen kann der Käufer auch dann geltend machen, wenn alle Gewährleistungen ausgeschlossen sind. Das heißt: Privatverkäufer könnte das ähnlich treffen wie gewerbliche Autohändler. Bei einer vorsätzlichen Täuschung könnten Verkäufer zusätzlich eine Strafzahlung erwarten. Also dann, wenn sie von einem Unfallschaden wussten und ihn bewusst verschwiegen. Bei Wiederholungstätern sieht der Gesetzgeber sogar eine Haftstrafe vor.

Wissens-Mitteilungen: Chancen zur Absicherung für Verkäufer

Karosserieschäden, die mit Kittmasse ausgebessert wurden, sollten beim Verkauf unbedingt angegeben werden. (Bild: iStock)

Täuschung und Betrug sind denkbar – doch in diesem Kontext der seltenere Auslöser für (Rechts-)Streitigkeiten. Stellt sich ein Gebrauchter im Nachhinein als Unfallwagen heraus, lief die Sache viel häufiger folgend ab: Der Verkäufer berührte mit diesem Auto tatsächlich nichts, doch er erwarb das Modell ebenfalls gebraucht. Der Unfallschaden stammte also (vermutlich) von einem der Vorbesitzer.

Steht im Kaufvertrag „unfallfrei“, hätte der Verkäufer aus rechtlicher Sicht dennoch schlechte Karten. Die Forderungen des Käufers wären mit hoher Wahrscheinlichkeit berechtigt, nur eine Strafzahlung (wie bei absichtlichem Verschweigen denkbar) bliebe aus.

Anders wird es tendenziell laufen, wenn der Verkäufer das Vorleben seines Autos in Kaufvertrag (und Inserat) ausklammert. Dafür empfehlen Rechts-Experten sogenannte Wissens-Mitteilungen: „Unfallfrei laut Vorbesitzer“, „Unfallschaden unbekannt“, „Unfallschaden nicht bekannt“ wären allesamt Relativierungen, die rechtliche Schwierigkeiten vermeiden könnten. Zusätzlich kann der Verkäufer darauf hinweisen, dass diese Einschätzung nicht von einem Gutachter oder Sachverständigen stammt

Autokauf und Unfallschäden: Fazit und Tipps für die unfallfreie Praxis

Der Unterschied zwischen Unfallschaden und Bagatellschaden kann je nach Auto und Situation variieren. Konkrete Auflistungen und bisherige gerichtliche Entscheidungen dienen bestenfalls als grobe Orientierung. Will ein Autoverkäufer eine belastbare Empfehlung, kann er vorab einen Gutachter zu Rate ziehen. Auf die Preisgestaltung muss sich dessen Urteil nicht zwingend auswirken. Anders sieht es bei der Offenbarungspflicht aus: Unfallschäden müssen kommuniziert werden, sind idealerweise im Kaufvertrag vermerkt.

Daraus ergibt sich eine klare Empfehlung für die wünschenswerte Praxis – nämlich eine, die ohne Gutachter, Sachverständige und Richter auskommt: Wer sein Auto anbietet, sollte von Beginn an sämtliche kleineren und größeren Schönheitsfehler des Fahrzeuges offenlegen. Selbst jene Kratzer und Schrammen, die vermutlich in den Bereich der Bagatellschäden fallen.

So sind grobe Nachverhandlungen beim Preis weniger wahrscheinlich. Daneben erleichtert es die Ausgangslage bei Reklamationen nach Kaufabschluss. Umso mehr, wenn die betreffenden Stellen im Kaufvertrag vermerkt sind. Zusätzlich kann eine Wissensmitteilung („Unfallschaden nicht bekannt“ o.ä., siehe oben) sinnvoll erscheinen, wenn sie denn der Wahrheit entspricht.

Fahrzeugkäufer vermeiden Probleme, in dem sie das Auto bei der Besichtigung so genau wie möglich inspizieren – unter anderem in Bezug auf Spaltmaße (Abstände zwischen Anbauteilen) und das Schließen von Türen und Kofferraumklappe. Hakt es an einer dieser Stellen, könnte ein (mäßig) reparierter Unfallschaden der Grund sein. Im Zweifel sollte ein technisch versierter Bekannter mit zum Termin, wenn es mit dem Fahrzeugkauf ernst wird. Nicht immer kennt der Verkäufer die Vorgeschichte des Autos im Detail, bemerkte einen einstigen Unfallschaden womöglich selbst noch nicht.

Klar ist aus beiderlei Perspektiven: In Summe geht es beim Autokauf weder um juristische Spitzfindigkeiten, noch vertuschte Schäden. Sondern darum, dass ein lohnendes Auto zu einem fairen Preis den Verkäufer wechselt. Und das klappt in den meisten Fällen. Besonders dann, wenn alle Beteiligten offen kommunizieren.

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