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Test: Mit dem VW Polo GTI an die Ostsee
28. Februar 2020
Autotests

Test: Mit dem VW Polo GTI an die Ostsee

Am Tag vor unserer Abreise kennen die Nachrichten nur ein Thema: Sturmtief Sabine zieht auf Deutschland zu. Das ganze Land schließt die Läden und deckt sich mit Tütensuppen ein. So zumindest kommt es einem vor. Und ich? Fahre mit meiner Familie an die Ostsee. Schließlich habe ich einen Auftrag: den VW Polo GTI auf seine Reisetauglichkeit hin testen.

Der Plan: Mit meiner Frau und unseren zwei kleinen Kindern Swinemünde besuchen. Ein gerade eröffnetes Hotel gewährt stattliche Rabatte und lockt mit einem geräumigen Spa-Bereich, in dem einem Sabine ziemlich egal sein kann. Auf dem Rückweg wollen wir uns noch Stralsund anschauen. Und dann geht es auch schon zurück nach Berlin.

Genug Platz ist da

Geeignet für Kurztrips: der Kofferraum des VW Polo GTI

Vor der Abreise war natürlich meine größte Sorge, dass wir unser ganzes Gepäck nicht in den Wagen hineinbekommen. Immerhin ist der Polo ein Kleinwagen, auch wenn er seit seiner Marktpremiere im Jahr 1976 um 50 Zentimeter gewachsen ist. Ein Kinderwagen sorgt in unserem Fall außerdem für erschwerte Bedingungen.

Dank Tetris-Erfahrung hat es am Ende aber geklappt, alles unterzubringen. In einen zweiwöchigen Strandurlaub mit Unterkunft in einer Ferienwohnung würde ich mit dem Auto nicht unbedingt fahren. Aber wenn man für ein paar Tage in ein gut ausgestattetes Hotel fährt, kann man auch mit Kind und Kegel im Polo Platz nehmen. Wobei, wenn ich an das Gepäck manch anderen Gastes in unserem Hotel denke, sollte ich hier nicht verallgemeinern. In nackten Zahlen beträgt das Kofferraumvolumen des kleinen Wolfsburgers jedenfalls 305 Liter.

Sein Design gefällt … mir zumindest

Rote Zierelemente verleihen dem Polo GTI ein sportlicheres Aussehen

Im Vergleich mit den drei anderen Hot Hatches, die wir bislang getestet haben (Kia Ceed GT und Honda Civic Type R im Vergleich mit dem Hyundai i30 N Performance), wirkt der Polo GTI am erwachsensten. Für junge Heißsporne um die 20 dürfte das ein Minuspunkt sein, doch für alle Fans von Understatement ist es auf jeden Fall ein sehr großer Pluspunkt.

Gut gefallen haben mir die dezenten Details, die den Wagen vom Standardmodell abgrenzen, beispielsweise der GTI-Schriftzug am Kühlergrill, den vorderen Kotflügeln sowie am Heck. Auch eine rote Zierleiste, die sich über den Grill bis in die Scheinwerfer hineinzieht, sieht super aus - besonders wenn das Tagfahrlicht angeschaltet ist. Der dunkelgraue Lack des Testwagens passt natürlich besonders gut zu diesen roten Akzenten, zu denen sich auch noch die Bremssättel gesellen.

Schicker Innenraum

Der Innenraum bietet nicht überall Top-Materialien, wirkt aber dennoch hochwertig

Auch im Innenraum ist es die Farbe Rot, die für ein sportliches Grundgefühl sorgt. Setzt man sich zum ersten Mal in den Polo GTI, meint man gar in einem gut ausgestatteten Mittelklassewagen zu sitzen, nicht in einer giftigen Rennsemmel. Geschmackssache sind allerdings die Sitze im traditionellen GTI-Schottenmuster. Mein Fall sind sie nicht und bei meinem eigenen Exemplar würde ich sie austauschen – was Aufpreis kostet.

Von der Ergonomie her haben mich die Sitze hingegen überzeugt. Sie bieten einen guten Seitenhalt und sind trotzdem bequem. Auch hier gelingt es dem Polo GTI ein sportliches Feeling zu schaffen, ohne in Bereiche abzudriften, für die einem Begriffen wie “aufgemotzt” einfallen. Plant man auf dem Vordersitz häufiger Kinder zu transportieren, sollte man vorab checken ob der Kindersitz zwischen die doch recht engen Seitenpolster passt. Bei unserem Modell ging es gerade so. Ist der Kindersitz zu breit, lässt er sich nicht mehr vernünftig festschnallen.

Die Rückbank ist … naja eine Rückbank halt. Hier merkt man dann doch, dass man es mit einem Polo zu tun hat und nicht mit einem Hochdach- oder einem Mittelklasse-Kombi. Der Kindersitz und der "Maxi Cosi" ließen sich dank der auffallend einfach zu erreichenden Isofix-Verankerungen spielend befestigen. Doch auf den Mittelsitz passte danach ganz sicher niemand mehr. Und die Beinfreiheit? Ist ausreichend. Man kann im Polo GTI mit vier Erwachsenen sitzen – zumindest wenn keine überdurchschnittlich großen Leute einsteigen.

Insgesamt kann man sagen, dass im Innenraum mit wenig Aufwand viel Effekt erzeugt wurde. Obwohl viel Hartplastik verbaut ist, zum Beispiel an den Türen, sind „Look and Feel“ großartig: Es klappert nichts und alles ist top verarbeitet. Auch der dunkelgraue Fahrzeughimmel macht einen Spitzeneindruck!

Up to date?

Das bordeigene Navi im Polo GTI funktioniert einwandfrei

Wie steht es um die Assistenzsysteme und das Infotainment-System? Mittelmäßig. Hier hat der Polo GTI zwar einiges zu bieten, doch er lässt auch die eine oder andere technische Neuerung vermissen. Die Adaptive Cruise Control funktioniert super und bremst bis zum Stillstand herunter, wenn es notwendig ist. Der Abstandshalter ist mit einem nahenden Auto aufwändig visualisiert und hilft so beim vorausschauenden Fahren. Etwas nervig ist, dass man die Geschwindigkeit lediglich in Zehnerschritten einstellen kann – und über Umwege in Einserschritten. Die goldene Mitte – Fünferschritte – wäre hier die beste Wahl gewesen.

Ebenfalls an Bord ist ein aktiver Parkassistent. Ob man ihn braucht, ist eine andere Frage. Erstens ist der Polo GTI ein handliches Auto, das man dank Rückfahrkamera und Parksensoren problemlos selbst ein- und ausparken kann. Zweitens hat der Parkassistent nicht wirklich reibungslos funktioniert. So hat er beispielsweise einmal versucht, in eine längs zur Fahrbahn ausgerichtete Parktasche quer einzuparken. Gut: Man kann die Seitenspiegel automatisch absenken und den Randstein ins Visier rücken.

Vermisst habe ich einen aktiven Spurhalteassistent. Gerade als es auf dem Hinweg dank der schon erwähnten Sabine recht windig zuging, kam der Polo GTI ab Tempo 140 schon ein wenig ins Schwimmen. Ein mitlenkendes Auto hätte die Fahrt wahrscheinlich um einiges entspannt. Ebenfalls nicht geboten wird eine Verkehrszeichenerkennung.

Ein „b“ auf den Seitenlautsprechern zeigt an, dass man sich über ein „Beats“-Audiosystem freuen kann … wenn man Hip-Hop-Hörer ist und gerne den Bass aufdreht. Für feinsinnigere Hörer ist die Marke nicht unbedingt ein Traum, aber ich denke, zur Zielgruppe eines sportlichen Kleinwagens passt sie ganz gut. Und man muss sagen, dass sie wirklich ziemlich druckvolle Klänge erzeugt. Sehr positiv aus meiner Sicht: Die Klangeinstellungen wie Equalizer oder Balance lassen sich direkt aus dem Hauptmenü ansteuern und müssen nicht im siebten Untermenü aufgespürt werden.

Der Tacho ist digital, sodass man verschiedene Ansichten wählen kann

Die Anzeigetafel ist voll digital gestaltet, was eine prima Sache ist. Leider ist es nicht möglich, die Karte des Navis auf beiden Displays anzuzeigen, sprich auf dem großen Display in der Mittelkonsole ist eine rausgezoomte Übersicht zu sehen und im Mäusekino auf dem Tacho eine reingezoomte Karte mit Details. Genial ist allerdings die Möglichkeit, via Setup im Menü bis zu drei Ansichten zu speichern und diese bei Bedarf direkt abzurufen. So kann man etwa eine Ansicht erstellen, die auf Navigation optimiert ist, die man dann immer nutzt, wenn man mit Navi fährt.

Das Navi selbst ist ziemlich klar gegliedert und die Bedienung funktioniert einwandfrei. Auch Sprachbefehle funktionieren gut. Die “Touch”-Tasten um den Bildschirm lassen sich gut bedienen. Leider ist das glänzend polierte Material ein Magnet für Fingerabdrücke und will häufig poliert werden.

Ein Punkt noch, der mich als bekennenden „Android Auto“-Fan stört: Man kann sich keinerlei Infos von der App auf das große „Active Info“-Display legen. Dafür gefällt mir, dass das eher dezente GTI-Design im Digital-Kosmos des Polos weitergeführt wird. Auch hier dominieren Rot und Schwarz. Das Hauptmenü ist aufgeräumt, Wischgesten werden sehr flüssig angenommen – fast wie bei einem iPad.

So fährt sich der Kraftprotz

200 PS sind kein Pappenstiel und der Polo GTI ist definitiv ein sportliches Auto. Bei nasser Februar-Fahrbahn brauchte er respektable acht Sekunden auf hundert (ohne die verfügbare Launch Control, die man einschaltet, indem man im Sport-Modus die ESP-Taste lange drückt, dann Gas und Bremse gleichzeitig betätigt und abschließend Bremse loslässt, um loszufahren). Dennoch kann man sich nicht so recht vorstellen, dass echte Petrol-Heads mit dem Feeling des Wagens vollkommen zufrieden sind. Zu zahm geht es im Normal-Modus zu (und im Eco-Modus erst recht). Der Konkurrent aus Köln, der Ford Fiesta ST, präsentiert sich hier um einiges giftiger.

Andererseits ist es eben auch eine Qualität, ein Allrounder zu sein – was man ja auch dem großen Bruder Golf GTI nachsagt: Nicht die sportlichste Performance, aber dafür ein nahezu unschlagbares Gesamt-Paket, das Sportlichkeit und Alltagstauglichkeit wie kein zweiter Hot Hatch vereint. Der Polo GTI ist hier ähnlich einzustufen.

Und noch einmal: Er ist, gemessen am Durchschnitts-Pkw, definitiv ein sportliches Auto mit überzeugender Leistung. Gerade bei höheren Geschwindigkeiten entfaltet der 2-Liter-Turbo noch genügend Durchzugskraft für imposante Zwischensprints, um Überholvorgänge auf der Autobahn mühelos zu meistern. Das 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe spricht sehr direkt an und lässt einen die Handschaltung keineswegs vermissen – weder auf kurvigen Landstraßen, wo der Kleine richtig Spaß macht, noch sonst wo.

Der Verbrauch lag nach unserer Reise, die hauptsächlich aus Autobahnfahrten mit moderatem Tempo bestand, bei guten acht Litern. Ein Kritikpunkt ist die Größe des Tanks, die bei 40 Litern liegt: Ich weiß nicht, ob die Fahrten in der Stadt vor Beginn der Reise ihn schon weiter geleert hatten, als ich dachte. Aber kaum waren wir unterwegs, war er gefühlt ruck-zuck leer. Auch rein rechnerisch kommt man beim gemessenen Verbrauch keine 500 Kilometer weit. Hier hätte VW ruhig zehn Liter mehr Volumen verbauen können.

Fazit

Für kürzere Reisen ist der Kleinwagen aus Wolfsburg geeignet, für längere weniger

Als Reiseauto für lange Autobahnstrecken eignet sich der VW Polo GTI nur bedingt. Seine Leistung ist auf jeden Fall ausreichend und die Cruise Control macht einen super Job. Allerdings wird der kleine Wagen bei hohen Geschwindigkeiten schnell unruhig und fühlt sich irgendwann instabil an. Die Höchstgeschwindigkeit von knapp 240 km/h auszureizen dürfte bei den meisten Fahrten ein utopisches Ziel sein. Auch die starken Windgeräusche laden nicht zum ganz schnellen Fahren ein. So ist der Polo GTI eher ein Fahrspaß bietender (Zweit-)Wagen für den Stadtalltag, mit dem man aber durchaus auch mal etwas transportieren oder einen Kurztrip unternehmen kann.

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Technische Daten VW Polo GTI

Allgemeines
Kompletter NameVW Polo GTI OPF DSG
Modellstart12/2018
Motor
Anzahl Zylinder, Anordnung4, Reihe
Hubraum1984 ccm
Max. Leistung (kW/PS bei U/min)147/200 bei 4.400
Max. Drehmoment (Nm bei U/min)320 bei 1.500
KraftstoffartSuper
Tankvolumen in Liter40
MotoraufladungTurbo
SchadstoffklasseEuro 6d-TEMP-EVAP (WLTP)
Abmessungen, Gewichte, Ladevolumen
Länge in mm4.067
Breite (ohne Spiegel) in mm1.751
Höhe in mm1.438
EG-Leergewicht in kg1.355
Zuladung maximal in kg425
Laderaumvolumen min. in l305
Laderaumvolumen max. in l1.079
Fahrleistungen (laut VW)
Höchstgeschwindigkeit in km/h238
Beschleunigung 0-100 km/h in s6,7
Verbrauch (laut VW)
Innerorts in l/100 km (NEFZ)7,3
Kombiniert in l/100 km (WLTP)7,0
CO2-Emission in g/km (WLTP)159
CO2-EffizienzklasseC
Preis
Einstiegs-Listenpreis in €23.635
Benedikt Baur
Benedikt Baur

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