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Tesla Model Y Long Range AWD im Test
7. Juni 2022
Autotests

Tesla Model Y Long Range AWD im Test

Pros & Cons

Geräumiges Interieur
Effizienter & reichweitenstarker Antrieb
Durchdachte Software
Ladenetz
Softwareupdates
Verarbeitungsqualität
Fahrwerksabstimmung
Geräuschkomfort
Assistenzsysteme

Das Prinzip Konkurrenz kannte Tesla bisher nur aus Erzählungen. Das Model-S-Urgestein und das große Model X SUV fuhren mit ihrer Kraft, Reichweite, Intention und auch preislich auf praktisch unbespielten Wiesen. Nicht einmal die Mittelklasse-Limousine Model 3 fand zum Marktstart 2017 einen direkten, rein-elektrischen Gegner. Polestar 2 und BMW i4 rückten später auf.

Beim Model Y ist die Ausgangssituation ganz anders. Teslas Elektro-SUV-Crossover sortiert sich mit 4,75 Metern Länge am oberen Ende der SUV-Kompaktklasse ein. In ein Erfolgssegment, wo sich mittlerweile einige Hersteller tummeln: Das Model Y fährt etwa auf Scheinwerferhöhe mit VW ID.4, Skoda Enyaq, Ford Mustang Mach-E und Hyundai Ioniq 5. Außerdem den gehobenen Mittelklässlern BMW iX3, Mercedes EQC und Jaguar I-Pace – ein bunter Elektro-Haufen aus SUVs mit verschiedenen Qualitäten, die aber allesamt ungefähr dasselbe Publikum anvisieren.

Dabei geht es um Strom gegen Tradition: Gibt es für vergleichbares Geld tatsächlich vergleichbare Autos? In kaum einem anderen Segment dürfte die Schere des Erwartbaren so weit auseinandergehen, wie in der geräumigen Elektro-SUV-Mittelklasse. Von knapp 35.000 Euro für ein Einstiegsmodell des Skoda Enyaq (inkl. Umweltförderung) bis über 100.000 Euro für einen vollausgestatten Jaguar I-Pace ist hier alles möglich. Auch bei Tesla kann der Preis über 80.000 Euro klettern. Unser getestetes Model Y Long Range AWD ist die Variante mit hoher Normreichweite und Allradantrieb.

Das Fahrzeug stammt leider noch nicht aus Brandenburger Produktion, es handelt sich um ein chinesisches Modell, das aber für den europäischen Markt produziert wurde. Technisch sollten die Modelle identisch sein. Hat das Model Y auch in Deutschland das Zeug zur Vorzeige-Familienkutsche? Wie schlägt es sich gegen die breite Konkurrenz? Das klärt unser Test.

Tesla Model Y Long Range AWD: Karosserie und Design

Kaum Ecken und Kanten, dafür große Ähnlichkeit zum Model 3. (Bild: TeamOn)

Nach einem klassischen SUV sieht das Model Y nicht aus. Es bringt zwar die hohe, ausladende Karosserie mit, aber kaum Bodenfreiheit. Die neuen Elektro-SUVs nutzen ihre Form eher wie einen großen Pullover: Darunter fällt es nicht auf, dass sich ordentlich Kilos in der Körpermitte ansammeln. Die Problemzone Akku versteckt sich galant in jenen Blechen, die im Segment nun einmal üblich sind. Kein Tesla-Phänomen, aber dennoch bemerkenswert.

Leider mangelt es dabei an jeglicher Form von Eigenständigkeit. Ecken und Kanten sucht man vergeblich. Insgesamt wirkt das Handseifen-förmige Model Y wie ein aufgepumptes Model 3. Technisch ist es davon auch nicht weit entfernt, was wiederum gut ist.

Innenraum, Verarbeitung und Raumangebot des Tesla Model Y

In jedem Fall hilft der Anbau nach oben den Passagieren. Generell gelingt es Tesla, auf der Grundfläche des Autos viel Platz unterzubringen. Anders als im Model 3 können Erwachsene im Model Y hinten gut sitzen. Die vorderen Plätze sind äußerst großzügig. Für die USA ist sogar eine dritte Sitzreihe im Angebot, die scheint es aber nicht nach Europa zu schaffen. Stattdessen gibt es 971 bis 2.158 Liter Kofferraum – das Volumen eines VW Touran ohne die Bus-Form. Beim Transport eines Kühlschranks wird es dennoch eng. Die abgerundete, abfallende Dachlinie, in der sich viel Stauraum versteckt, hat nicht grade die Form der meisten Haushaltsgeräte.

Leider verpufft die Begeisterung über die großzügigen Platzverhältnisse schon nach den ersten Metern. Denn das getestete Auto nervt mit einem Klappern aus dem Bereich der A-Säule auf der Fahrerseite, sowie Rumpeln von der Hinterachse. Beides lässt sich nicht fix beheben und stört auf Dauer enorm. Schade, denn eigentlich gelten die Tesla-Fahrzeuge aus chinesischer Produktion (für den Export) als besonders gut verarbeitet. Davon merken wir während der Fahrt nichts. Immerhin: Die oft kritisierten Spaltmaße waren im Testauto in Ordnung.

Wie man ersten Medienberichten entnehmen konnte, stimmte die Qualität bei der Auslieferung der ersten Y-Modelle aus der deutschen Gigafactory hingegen noch nicht. Erste Kunden beschwerten sich über ungleichmäßige Spaltmaße, schief eingepasste Schweinwerfer oder Kratzer. CAR-Direktor Ferdinand Dudenhöffer hält diese Probleme im Gespräch mit Business Insider allerdings für erwartbar und geht davon aus, dass sich die Qualitätsschwankungen nach den ersten Monaten einpegeln werde.

Den Innenraum des Model Y gestaltet Tesla analog zum Model 3 sehr spartanisch. Der Hersteller verteilt zwar viele Ablageflächen im Interieur, Knöpfe und Schalter sind allerdings fast verschwunden. Beim Aufräumen landete der Taster für die Warnblinkanlage sogar im Dachhimmel – keine besonders prominente Position. Die Touch-Tasten reagieren zwar besser als im VW ID.4, wer mit ihnen da nicht warm wurde, wird es hier aber auch nicht unbedingt.

Tesla Model Y: Infotainment, Bedienung und Assistenzsysteme

Alles läuft über das zentrale Display und das ist zumindest für Tesla-Neulinge erst mal gewöhnungsbedürftig. (Bild: TeamOn)

Die meisten Funktionen steuert das Model Y ohnehin mit einem riesigen, zentralen Touch-Display. Das macht das Auto weiterhin besser als die Konkurrenz. Tesla legt großen Wert auf logische Menüführungen und klare Strukturen. An einigen klug gewählten Punkten regulieren zusätzlich die Drehrädchen am Lenkrad. Im Zweifel hilft die gute Spracherkennung. Tesla-typisch bleibt dabei noch Platz für Spielereien: Ein simuliertes Kaminfeuer, Flatulenzen als Blinkergeräusch oder versteckte Mini-Games sind unnötig, aber eine Abwechslung.

Es erfordert Gewöhnung das Zentraldisplay als einzige Anzeige zu akzeptieren. Ein Head-up-Display täte dem Auto gut, denn der Blick aufs Tempo geht stets nach rechts-unten, etwas zu weit weg von der Straße. Es funktioniert zwar, ginge aber deutlich besser. Eine ganz nützliche Spielerei: Das Navi-Display zeigt die Fahrzeuge der näheren Umgebung an.

Tesla schreibt sich das Thema Assistenz groß auf die Agenda. Der Hersteller verspricht vollautonomes Fahren, im Tesla-Sprech „FSD“ (Full Self-Driving) genannt, was es allerdings bei weitem noch nicht ist – vollautonom wäre Level 4 bis 5 Autonomie. Und obwohl die teilautonomen Funktionen (Level 2) bereits „Autopilot“ heißen, fühlen wir uns im assistierten Modus nicht besonders sicher. Verkehrszeichen erkennt das Auto nur selten korrekt. Und es verlässt sich vollständig auf Kameras. Tesla möchte die Lücke zu teuren Sensoren (wie Lidar) mit Algorithmen schließen. Wir sind skeptisch.

Motor, Verbrauch, Fahrwerk und Lenkung des Tesla Model Y Long Range AWD

Sein Antrieb ist seine große Stärke: Die Leistung und Effizienz der Synchron- und Asynchronmotoren zeichnen das Model Y aus. (Bild: TeamOn)

Die große Stärke des Model Y ist sein Antrieb. Vom ersten Moment an begeistern Kraft und Spontaneität. Dass der schwere Tesla in glatt fünf Sekunden auf Tempo 100 rennt ist beeindruckend; Elektro-Drehmoment hin oder her. Wirklich besonders an den Motoren aber ist ihre Effizienz. Tesla baut unterschiedliche Elektromotoren an die Achsen. Ein Synchronmotor hinten und ein Asynchronmotor vorn erreichen ihre besten Wirkungsgrade in verschiedenen Leistungsbereichen und ergänzen sich deshalb.

Im Test verbraucht das Model Y auf der Autobahn mit 130 km/h etwa 18 kWh pro 100 Kilometer. Auf der Pendelstrecke errechnet der Bordcomputer 14 kWh. Beides sind ausgezeichnete Werte, nicht nur gemessen am Fahrzeugsegment. Auf der Langstrecke sind 400 Kilometer möglich, beim Pendeln sogar 550 Kilometer. Dabei gilt es zu erwähnen, dass im Testzeitraum Temperaturen von knapp 20° C herrschten. Die Temperierung von Akku und Innenraum kostete also nur wenig Strom.

Ist der Akku leer, lädt das Model Y an Tesla-Superchargern mit bis zu 250 kW. Solche Ströme sind allerdings nur bei niedrigem Ladestand und vorkonditioniertem Akku möglich. Im Test fahren wir dafür den Akku nicht leer genug. Während des Ladevorganges fällt die Leistung linear ab. Bei ungefähr halbem Ladestand passiert er die 100-kW-Marke. Bei 80 Prozent lädt er nur noch mit 50 kW. In diesem Segment gute Werte.

So sehr das Model Y beim Antrieb und Laden brilliert, so sehr patzt es bei der Abstimmung. Kurz gesagt: Teslas Federn und Dämpfer sind viel zu straff. Möglich wäre, dass sie aus dem Model 3 stammen und mit dem höheren nicht Gewicht klarkommen. Das Auto gibt Unebenheiten hölzern und rumpelig wieder, obwohl nur die kleinen 19-Zoll-Felgen installiert sind. Die Kombination mit einer betont direkten Lenkung soll „Sport“ andeuten, aber das geht gehörig schief. Zudem gibt die elektrische Lenkung zu wenig Feedback, um wirklich sportlich zu sein – dadurch fährt sich das Model Y unangenehm. Hinzu kommen laute Abrollgeräusche der aufgezogenen Winterräder. Zu einem Familienauto passt all das nicht.

Tesla Model Y Long Range AWD: Preise, Ausstattung, Alternativen

In Deutschland gibt es das Model Y in zwei Varianten, los geht es ab 56.990 Euro. (Bild: TeamOn)

Das Preismodell des Model Y ist angenehm simpel: In Deutschland gibt es zwei Varianten (Long Range oder Performance) und nur wenige Extras. Die getestete Version mit höherer Reichweite kostet 56.990 Euro. Die einzigen funktionalen Extras sind der erweiterte Autopilot (3.800 Euro), der Spurwechsel und automatisches Einparken beherrscht. Für 7.500 Euro Aufpreis verspricht Tesla „in naher Zukunft“ einen „City-Lenkassistent“ anzubieten und das „Potenzial für autonomes Fahren“. Eine Anhängerkupplung gibt es für 1.350 Euro.

Hinzu kommen einige Optik-Optionen: 1.200 Euro für ein weißes Interieur, bis zu 2.200 Euro sowohl für andere Farben als auch 20-Zoll-Felgen. In Anbetracht der miserablen Fahrwerksabstimmung raten wir von den großen Felgen ab. Außerdem kommt man mit den wenigen Optionen dennoch schnell auf über 80.000 Euro beim Performance Model. Interessant: Stand Mai 2022 gibt Tesla an, neu bestellte Fahrzeuge zwischen September und November 2022 ausliefern zu können.

Ein Anreiz, denn die Wartezeiten bei der Konkurrenz sind teilweise deutlich länger. Zudem soll für Erstzulassungen im Jahr 2023 die Elektroauto-Förderung sinken. Hersteller und Bund fördern das Model Y mit insgesamt 7.500 Euro. Achtung: Dienstwagenfahrer können nur Fahrzeuge mit einem Bruttolistenpreis von 60.000 Euro mit 0,25 Prozent versteuern. Darunter fällt beim Model Y nur das Long Range Modell in der Grundausstattung.

Die Konkurrenz steigt günstiger ein als das Tesla Model Y. Einen Skoda Enyaq gibt es mit vergleichbarer Norm-Reichweite bereits ab knapp 45.000 Euro – abzüglich 9.000 Euro Elektroauto-Bonus. Die Variante ist allerdings deutlich langsamer und nicht so gut ausgestattet. Mit ansatzweise ähnlichen Fahrwerten (Enyaq RS Coupé: 6,5 s bis Tempo 100, 180 km/h Spitze) übertrifft der Skoda den Tesla bereits im Preis. Aber die Konkurrenz ist breit aufgestellt, Alternativen gibt es genug.

Fazit

Das Model Y ist ein gutes Elektroauto, allerdings wiegen Schwächen wie die Fahrwerksabstimmung schwer. (Bild: TeamOn)

Das Tesla Model Y erarbeitet sich bei allen modernen E-Auto-Kriterien einen ordentlichen Vorsprung. Das Crossover bewegt sich flink und sparsam, fährt weit und lädt schnell – auch wenn Beschleunigung und Peak-Ladeleistung im Autoquartett mehr nützt als im echten Leben. Zudem bietet es eine gut durchdachte Software samt innovativer Menüführung (vielleicht immer noch die Beste) und eine Menge Platz.

In Isolierung würden diese Punkte das Model Y zu einem sehr guten Auto machen – wären da nicht einige Schwächen. Tesla hat die Verarbeitungsqualität verbessert, aber sie ist noch nicht gut genug. Deutliches Klappern und Rumpeln bei einem neuen Auto sind in der 60.000-Euro-Klasse untragbar. Noch schlimmer: Die polterige Fahrwerksabstimmung dürfte für viele Interessenten ein echtes Ausschlusskriterium sein. Eine Probefahrt im Model Y vor dem Kauf ist Pflicht.

Technische Daten: Tesla Model Y Long Range AWD (2022)

Allgemeines
Getestetes ModellTesla Model Y Long Range AWD
Marktstart08/2021
Antrieb
MotorAsynchronmaschine vorn, permanenterregte Synchronmaschine hinten
Max. Leistung in kW/PS378/514
Drehmomentnicht bekannt
Akkukapazität in kWh (netto)77
Ladeleistung max. AC/DC in kW11/250
Ladedauer in Minuten (0-80 %)25
Reichweite in km (kombiniert WLTP)533
AntriebAllrad
Abmessungen, Gewichte, Ladevolumen
Länge in mm4.751
Breite (ohne Spiegel) in mm1.92
Höhe in mm1.624
Radstand2.890
EG-Leergewicht in kg1.984
Zuladung maximal in kg387
Kofferraumvolumen min. in l971
Kofferraumvolumen max. in l2.158
Anhängelast gebremst in kg1.600
Fahrleistungen (laut Hersteller)
Höchstgeschwindigkeit in km/h217
Beschleunigung 0-100 km/h in s5,0
Verbrauch (laut Hersteller)
Kombiniert in kWh/100 km (WLTP)16,9
Testverbrauch17,9 kWh/100 km (Autobahn), 13,8 kWh/100 km (Pendelstrecke)
Test-Reichweite430 km (Autobahn), 550 km (Pendelstrecke)
Preis
Einstiegs-Listenpreis in €56.990
Preis Testwagen in €56.990

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Titelbild: TeamOn

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