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Super E10 tanken: Unterschiede, Vorteile und Nachteile
23. August 2022
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Super E10 tanken: Unterschiede, Vorteile und Nachteile

Der Kraftstoff Super E10 ist nicht besonders beliebt. Als er im Januar 2011 an die deutschen Tankstellen kommt, trauen sich nur wenige Kunden an den neuen Sprit – obwohl er schon damals günstiger ist als herkömmliches Super E5. Häufig liegt das an der Angst vor Defekten am Auto, weil der Kraftstoff nicht dafür geeignet sein könnte. Damals war nicht für jeden sofort ersichtlich, ob ein Auto E10 verträgt oder nicht.

Aber selbst jetzt, gut zehn Jahre nach seiner Einführung, verkauft sich Super E10 nur mäßig. Im Jahr 2020 macht E10 nur 14 von 100 verkauften Litern Kraftstoff in Deutschland aus. Zur Einordnung: Alle Benzinkraftstoffe (E5, E10, Super Plus, 100 und 102 Oktan) erreichen in Deutschland ungefähr 56 Prozent Marktanteil unter den fossilen Fahrzeugtriebstoffen. Daraus folgt: Statistisch gesehen tankt nur etwa ein Viertel derer E10, die tatsächlich E10 tanken könnten.

Doch im Jahr 2022 steigt das Interesse. In Zeiten drastisch steigender Kraftstoffpreise überdenken manche Autofahrende ihre Entscheidung: Im Jahr 2021 liegt der Anteil von E10 schon bei 17 Prozent, im zweiten Quartal 2022 bei 22,8 Prozent. Wer jetzt über eine Umstellung nachdenkt, der sucht Gewissheit: Verträgt mein Auto E10? In diesem Artikel erfährst du, warum E10 einen schlechten Ruf hat, wo seine Nachteile liegen, wann sich der Umstieg lohnt und ob dein Auto für E10 geeignet ist.

Was ist der Unterschied von Super E10 und Super 95?

Die Bezeichnung E10 sagt aus, dass Super E10 maximal zehn Prozent Ethanol enthält. Ethanol ist auch bekannt als Äthylalkohol, oder ganz einfach „Alkohol“. Chemisch betrachtet macht es für den Motor keinen Unterschied, woher dieser Alkohol kommt. Gemeint ist im Speziellen aber Bioethanol: Ein alkoholischer Kraftstoff der aus Pflanzen (sogenannter Biomasse aus z.B. Zuckerrüben, Mais, Getreide) besteht – anders als Benzin, das aus Erdöl gewonnen wird. Der Vorteil von Bioethanol ist, dass es CO2-neutral verbrennt. Beim Verbrennen entsteht nur die Menge CO2, die zuvor beim Wachstum der Pflanze gebunden wurde. Die Rohstoffe wachsen nach; Ethanol macht uns also ein Stückweit unabhängiger von Öl.

Eigentlich ist die Beimischung von Ethanol schon im Jahr 2011 nichts Neues gewesen: Seit 1985 gibt es Super 95 an deutschen Tankstellen. Dieser Kraftstoff enthält laut Norm (DIN EN 228) bis zu 5 Prozent Ethanol. Mehr wollte man damals nicht wagen, um die Grund-Eigenschaften des Benzins (speziell die Klopffestigkeit) nicht zu verändern. E10 enthält also nichts Neues. Es wird lediglich der maximal zulässige Anteil des ohnehin beigemischten Ethanols erhöht.

Was sind die Vor- und Nachteile von Super E10?

Neben E5 und E10 bei Benzin, gibt es auch B7 für Diesel, mit 7% Bio-Methanol. (Bild: iStock)

Prinzipiell eignen sich Benzin und Ethanol, um Verbrennungsmotoren zu betreiben. Aber die beiden Stoffe unterscheiden sich deutlich. Entsprechend haben sie verschiedene Eigenschaften. Die beeinflussen zum Beispiel den Verbrauch, den Schadstoffausstoß und die Kompatibilität mit den verschiedenen Fahrzeugen.

Der wohl wichtigste Punkt: Ethanol verfügt über einen geringeren Energiegehalt. In einem Liter Ethanol stecken ungefähr 30 Prozent weniger Energie als in einem Liter Benzin. Andererseits hat Ethanol eine vergleichsweise hohe Oktanzahl von 130. Daraus folgt, dass darauf abgestimmte Motoren relativ betrachtet mit Ethanol mehr Leistung generieren können. Wie sich die Beimischung von Ethanol auf den Kraftstoffverbrauch genau auswirkt, liest du im nächsten Abschnitt.

Ebenso können bestimmte Materialien in sehr speziellen Szenarien auf Ethanol reagieren. Konkret geht es um das, was Experten die „Säure-Base-Reaktivität“ nennen. Sie bedingt, dass Super E10 nicht pauschal für alle Benziner geeignet ist, sondern nur für fast alle. Immerhin: Derzeit gibt es kaum einen Neuwagen mit Benzinmotor, der kein E10 verträgt.

Verbraucht mein Auto mehr, wenn ich E10 tanke?

Die kurze Antwort lautet: Unter Umständen – aber nicht so viel, dass du es tatsächlich merkst. Der geringere Energiegehalt von Ethanol sorgt dafür, dass in einem Liter Super E10 weniger Energie steckt als in einem Liter Super 95 (E5). Der Mehrverbrauch beträgt rein rechnerisch etwa 1,7 Prozent. Wenn dein Auto mit Super 95 also 7,4 Liter pro 100 Kilometer verbraucht, verbraucht es mit E10 theoretisch 7,5 Liter auf die gleiche Strecke.

In der Praxis fällt der Unterschied oft geringer aus. Ein Vergleichstest aus dem Jahr 2019 im Auftrag des Bundesverbandes der deutschen Bioethanolwirtschaft zeigt, dass manche Autos mit E10 sogar sparsamer unterwegs sind als mit Super 95. Während der getestete Ford Fiesta 1.1 genau den errechneten Mehrverbrauch von 1,7 Prozent aufweist, verbraucht ein Opel Corsa 1.4 bei der Prüfstandsfahrt mit E10 sogar 2,2 Prozent weniger als mit E5.

Neben dem Fiesta und dem Corsa fahren ein VW Golf, ein Renault Mégane und ein BMW 318i den gleichen Test. Bei den drei größeren Fahrzeugen verringert sich der gemessene Verbrauch ebenfalls minimal. Interessant: Bei vier der getesteten Autos sinken während des Vergleichs die Stickoxidemissionen. Alle stoßen weniger Feinstaub aus.

Wenn dein Auto die errechneten 1,7 Prozent mehr verbraucht, fährst du mit E10 dennoch besser. Denn der Kraftstoffpreis gleicht den Mehrverbrauch von E10 mehr als aus: Aktuell kostet ein Liter Super E10 bundesweit etwa sechs Cent weniger als Super 95. Du bezahlst für E10 pro 100 Kilometer also 45 Cent weniger. Dagegen stehen knapp 20 Cent mehr Verbrauch – ergibt einen Preisvorteil von 25 Cent pro 100 Kilometer für E10. Bei 15.000 Kilometern jährlicher Fahrleistung sparst du so mindestens 40 Euro.

Kann mein Auto E10 tanken?

Es gab und gibt nur wenige Autos, die E10 nicht vertragen: Der Golf 5 mit 1.6-FSI-Motor (110 PS) erhielt von VW damals zum Beispiel keine Freigabe. (Bild: VW)

Als E10 2011 in Deutschland auf den Markt kommt, erteilen die Hersteller Freigaben für ihre Fahrzeuge. Opel und VW geben zum Beispiel fast die gesamte Modellpalette für Super E10 frei. Ausnahmen benennen sie deutlich. Andere Autobauer sind damals weniger kundenorientiert. Nissan gibt zum Beispiel nur Autos ab Baujahr 2000 frei, Mazda nur die aktuellen Modellreihen, Lada nur ganz neue Autos. Das bedeutet nicht, dass ältere Modelle dieser Marken zu der Zeit kein E10 vertragen. Aber diese und einige weitere Hersteller haben sie nicht nachträglich daraufhin überprüft.

Das sorgte 2011 für Verunsicherung. Denn für Kunden ist nicht ersichtlich, warum ein Nissan Micra aus dem Jahr 1999 kein E10 verträgt – einer aus 2000 hingegen schon. Das Thema „Langzeitschäden“ machte die Runde in Internetforen und Gerüchte über zerstörte Dichtungen schürten Ängste. Zu Unrecht, zeigen Erfahrungen: In den USA ist E10 seit 1972 Standard.

Es gibt nur bei einigen, wenigen Fahrzeugen Probleme mit E10. Denn die erwähnte Säure-Base-Reaktivität führt dazu, dass Ethanol Leichtmetalle angreifen kann, wenn es hohem Druck ausgesetzt ist. Solche Drücke gibt es in Direkteinspritzern. Und einige von ihnen sind damals tatsächlich nicht auf den höheren Ethanolgehalt ausgelegt, zum Beispiel der Motor des VW Golf 5 1.6 FSI mit 110 PS. Deshalb erhalten sie keine Freigabe. Abgesehen von seltenen Ausnahmen aber, sind es fast nur Hochleistungs-Motoren die E10 nicht so gut vertragen. Insbesondere solche, die gerne schnell und hoch drehen. Diese sollten aber ohnehin eher Super-Plus tanken.

Bei den meisten neueren Autos sagt dir schon der Hinweis in der Tankklappe, ob der Motor Super E10 verträgt. Steht dort nichts, wirf einen Blick in die Bedienungsanleitung. Ist die ebenfalls nicht aufzufinden, schau in die Übersicht der Deutschen Automobiltreuhand (DAT). Wenn der Hersteller dein Auto für Super E10 freigegeben hat, kannst du es problemlos tanken. Es führt nicht zu Schäden an Motor oder Kraftstoffsystem.

Kommen E15 oder E20 Benzinsorten?

Jede Maßnahme, die den CO2-Ausstoß des Individualverkehrs senkt, hilft der Umwelt. Deshalb liegt es nahe, den Ethanolanteil von Super-Kraftstoffen weiter zu erhöhen. Die USA setzen das bereits um: Seit 2019 wird in den USA ganzjährig E15 getankt. Damit will das Land seine Landwirte unterstützen.

Im Herbst 2020 äußert ADAC-Chef Karsten Schulze den Vorschlag, in Deutschland einen Super-Kraftstoff mit 20 Prozent Ethanol zu etablieren, um die CO2-Sparpotenziale im Fahrzeugbestand weiter auszunutzen. Bisher hat er keine Unterstützer aus der Politik dafür gefunden. Langfristig soll sich ohnehin die Elektromobilität etablieren. Wir gehen deshalb nicht davon aus, dass in Deutschland E15 oder E20 an die Tankstellen kommen.

Fazit: E10 ist die bessere Alternative

Super E10 ist viel besser als sein Ruf. Der Kraftstoff verringert den CO2-Ausstoß, nutzt nachwachsende Rohstoffe und kostet weniger als Super E5. Auch wenn im Internet an mancher Stelle etwas anderes zu lesen ist: E10 macht Motoren, die dafür freigegeben sind, nicht kaputt. Auch nicht deren Dichtungen.

Schädlich ist Super E10 nur für sehr wenige Fahrzeuge. Welche das sind, lässt sich bei neueren Modellen (ab 2011) lückenlos nachvollziehen. Auch für etwas ältere Baujahre ab dem Jahr 2000 liegt bei den meisten Herstellern die Freigabe vor, ausgenommen die Einzelfälle, in denen es technisch begründete Bedenken gibt. Leider sind nicht alle Hersteller so serviceorientiert, dass sie die Verträglichkeit ihrer kompletten Modellpalette prüfen. Zu einigen ihrer älteren Fahrzeuge gibt es deshalb nur unzureichende Informationen.

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** Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO2 -Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem 'Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO2 -Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen' entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist.

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