1. Startseite
  2. Wartung & Pflege
  3. Spritsparen: Tipps für weniger Verbrauch
Spritsparen: Tipps für weniger Verbrauch
7. Juli 2022
Wartung & Pflege

Spritsparen: Tipps für weniger Verbrauch

Mittlerweile weiß ganz Deutschland: Die zwei vorm Komma wird beim Spritpreis zur neuen Normalität. Nicht bloß kurzzeitig, an entlegenen Autobahntankstellen. Nicht nur für den zig-oktanigensuper-Performance, Marketing-Spezial-Sprit. Sondern flächendeckend und über alle Sorten von Benzin und Diesel hinweg. Grundsätzlich können Autofahrende nur zwischen drei Sofort-Maßnahmen wählen, wenn rasche Änderungen gefragt sind: Fahrstil anpassen. Tankstelle gezielt wählen. Oder eben die Fahrgewohnheiten ändern. 

Geht es nach Sinn und Machbarkeit, passt diese Aufreihung. Wer den Sprit effizienter nutzt, kommt schlicht günstiger durch den Alltag – ADAC-Experten sprechen von rund 20 Prozent Einsparungspotenzial. Die Suche nach der günstigsten Tankstelle kann ebenfalls Geld sparen, verkompliziert aber womöglich die täglichen Wege. Je nach Entfernung hält sich das Einsparungspotential außerdem in Grenzen. Und tiefgreifende Änderung der Fahrstrecken und Fahrgewohnheiten? Die funktionieren natürlich, hängen aber stark an der persönlichen Umsetzbarkeit und an Fragen fernab des automobilen Kosmos; von Wohnsituation bis Erreichbarkeit der Arbeitsstelle.  

Welche Tricks hinter dem Steuer sparen Dir wirklich Sprit? Welche Rolle spielt die Fahrzeugtechnikdabei? Welche ewig kursierenden Tipps sind bei genauerer Betrachtung Mythen? Und mit welchen Apps findestDu den günstigsten Liter der Stadt? Das alles klärt dieser Ratgeber. 

Spritsparendes Fahren: So sinkt der Verbrauch

Das 3-Liter-Auto existiert. Und ist nicht zwingend ein Minimal-Diesel im Stile des gleichnamigen VW Lupo. Nicht einmal ein Hybrid-Modell, mit kreativ-errechnetem Verbrauch bei vollgeladenem Akku. Sondern potenziell (d)ein herkömmlicher Klein- oder Kompaktwagen. Jedenfalls dann, wenn dein Fahrstil passt. Das zeigen die Ergebnisse von Spritspar-Wettbewerben, bei denen Teilnehmer auf vorgegebenen Strecken das Minimum an Spritverbrauch rausholen.

Jährlichen, etwa im Nachbarland Österreich, fahren Mitte-2000er-Jahre Modelle vom Diesel-betriebenen VW Polo und Golf, bis zum Basis-Benziner des ersten Smart Forfour, teils unter der 3-Liter-Marke. Zur Einordnung: Letzterer verbraucht laut Herstellerangabe 5,4 Liter Super-Benzin. Bei größeren Motoren, mit wesentlich mehr Leistung, sind noch wesentlich größere Effizienz-Gewinne möglich. Zugegeben, wir sprechen von Aggregaten auf Betriebstemperatur. Von Strecken mit eingeschränktem Verkehrsaufkommen. Und von Geschwindigkeiten die meist unterhalb der 70 km/h liegen. Klar dass man die Herstellerangaben im Alltag nicht so nebenbei unterbietet. Die eingangs-erwähnten 20 Prozent Einsparungspotenzial sind allerdings durchaus machbar! 

Motorbremse statt Fußbremse

Beide Pedale kosten Sprit - Die Motorbremse ist effizienter als das Bremspedal. (Bild: iStock)

Viele Tricks der Spritspar-Rekorde lassen sich aber auf den Alltag übertragen. Etwa der Leitsatz: Motorbremse statt Fußbremse. Nicht missverstehen: Bevor das Auto ins Heck des vorausfahrenden PKW eintaucht, sollte der Fuß lieber auf das Bremspedal treffen. Doch fernab von Not- und Gefahrensituationen gilt: Je seltener der Fahrer die Bremse verwendet, desto effizienter. Denn sobald sich die Bremszangen die Scheibe schnappen, geht zuvor aufgebaute Energie in Wärme über. 

Wer Tempo abbauen muss, sollte das früh und rollend erledigen. Also entweder vom Gas gehen oder gleich in den Leerlauf wechseln. Der Vorteil der Motorbremse beim Gas-Wegnehmen? Die Schubabschaltung, wie sie in den meisten Modellen seit Mitte der 90er-Jahre verbaut wird. Hierbei dreht das Fahrzeug die Spritzufuhr ab, hält die Kurbelwelle des Motors quasi mittels der Bewegung der Räder am Laufen.

Mit der Momentan-Verbrauchsanzeige lässt sich das überprüfen. Bei der Verzögerung per Motorbremse schaltet die Anzeige auf Null. So lange jedenfalls, bis der Motor knapp an der Grenze des Absterbens anlangt – dann schießt das Steuergerät wieder Treibstoff zu. Dieser Punkt lässt sich ebenfalls über die Momentan-Verbrauchsanzeige eruieren. Noch leichter klappt es per Gehör und Gefühl. Wer mit der Motorbremse „dahinruckelt“, übertreibt die Sache aber und erhöht den Verbrauch wieder. Ein „klopfender“ Motor verbraucht sogar mehr als einer im Richtigen Drehzahlbereich. 

Rollen lassen im Leerlauf – besser nur bergab

Der Leerlauf lohnt sich in der Regel nur bei langen Ausrollstrecken. (Bild: iStock)

Entgegen einer weitverbreiteten Annahme, fließt Kraftstoff beim Rollen lassen im Leerlauf weiter. Dafür bleibt vom zuvor aufgebauten Schwung mehr übrig. Bei langen Bergab-Passagen oder wenn man weiß, dass man auf eine weit-entfernte rote Ampel zurollt, kann sich das lohnen. Wir empfehlen: Im Zweifel den manuellen Schalthebel in den Leerlauf rücken. Denn wer lange Zeit auf der Kupplung verweilt, belastet das Drucklager unnötig.

Auf keinen Fall sollte man aber auf die Idee kommen, den Motor bergab einfach auszuschalten. Dann funktioniert auch die Servolenkung nicht mehr, sowie alle anderen elektrischen Funktionen. Zwar wird bei modernen Autos nicht mehr automatisch die Lenkradsperre eingerastet während der Fahrt, aber die Lenkung wird sofort massiv schwerfälliger, ebenso die Bremse. Es wäre nicht das erste Mal, dass unvorbereitete Leute infolgedessen einen Unfall gebaut haben. 

Niedrige Drehzahl und frühes Hochschalten

Und beim Fahren mit konstanter Geschwindigkeit? Empfehlen wir niedrige Drehzahl und frühes Hochschalten. Im Idealfall wählt man den höchstmöglichen Gang für die angepeilte Geschwindigkeit (ohne dass der Motor ruckelt). Damit bleibt die Drehzahl niedrig, die eingespritzte Treibstoffmenge gering. Eine konkrete und für alle Verbrenner gültige Mindest-Drehzahl existiert nicht. 

Wie bei der Motorbremse lässt sich die optimale Nutzung nur erfühlen: Zeigen Momentan-Verbrauchsanzeige steigenden Verbrauch bei konstantem Tempo (und konstanter Topografie der Strecke)? Eventuell bei gleichzeitigem Ruckeln? Dann kämpft das Aggregat gegen das Absterben und konsumiert trotz Minimal-Drehzahl unnötig viel Sprit. Ein paar hundert Umdrehungen weiter oben läuft die Sache dann wieder rund und sparsam.  

Wenn schon keine konkrete Drehzahl, so können wir zumindest eine Faustregel liefern: Zumeist klappt die Sache auf ebener Strecke mit Drehzahlen unterhalb der 2.000 Touren, bei den meisten gängigen Benzinern wie Diesel-Modellen. 

Sanft beschleunigen und früh hochschalten

Beim Tempo erhöhen sollten Fahrer sachte beschleunigen und früh hochschalten. Denn die alte Weisheit vom schnellen Tempo-Aufbau funktioniert in der Spritspar-Praxis nur mäßig. Klar, die Zeit in der hohe Treibstoffmengen in den Brennraum fließen, nimmt ab. Doch in der Gesamtbetrachtung kommt der zurückhaltende Gasfuß günstiger weg. Vor allem, wenn die Hand recht bald an Schalthebel oder Schaltwippe nachlegt. 

Spritsparen: Diese Assistenten gibt’s im Auto

"Und kost' Benzin auch drei Mark zehn" - Tanken macht momentan keinen Spaß. (Bild: iStock)

Moderne Autos verfügen – neben Momentan-Verbrauchsanzeige und Schubabschaltung – über weitere Hilfsmittel für geringeren Verbrauch. Etwa über Fahrmodi, bei denen das Fahrzeug im Eco-Modus die Gaspedal-Kennlinie anpasst. Außerdem wechseln Fahrzeuge mit Automatikgetriebe die Handlungslogik beim Hoch- und Runterschalten, belassen die Drehzahl automatisch im niedrigen Bereich. Wie das Auto im Detail agiert, hängt von den Vorlieben und Detaileinstellungen des Fahrers ab. Viele PKW erlernen inzwischen typische Fahrweise des Piloten, korrigieren ihre Schaltzeitpunkte unter Umständen weiter nach unten.

Fahrer mit manuellen Getrieben können sich dagegen an der Schaltanzeige im Display des Bordcomputers orientieren. Dort wird ein Gang vorgeschlagen. Wie gut der für die nächsten hundert Meter tatsächlich passt, hängt von der Cleverness des Fahrzeugs ab. Viele moderne PKW generieren Informationen zum Streckenverlauf aus dem Navi-Kartenmaterial oder über eine Kamera im Bereich des Innenspiegels. Dann werden die Vorschläge unter Umständen konkreter, etwa ein frühes Gas-Wegnehmen wenn eine Tempobeschränkung oder eine Verkehrseinschränkung folgt. 

Werden Informationen zum Streckenverlauf mit dem Tempomat gekoppelt, passt das Auto sein Tempo außerdem früh genug für enge Kurven an. Oder entscheidet bei Bedarf über den Wechsel in den Leerlauf. Denn die zuvor beschriebene Entscheidung zwischen Motorbremswirkung (inklusive Schubabschaltung) und Leerlauf lässt sich an die Elektronik delegieren.  

Wer seinem Automatik-Auto das „Segeln“ gestattet, rollt bei längerer Gas-Wegnahme irgendwann im Leerlauf. Eine Start-Stopp-Automatik stellt selbstständig das Aggregat ab, wenn der PKW zum Halt kommt oder eine bestimmte (niedrige) Geschwindigkeits-Schwelle unterschreitet. Fahrzeuge mit diesem System kommen ab Werk mit Starter und Batterie, die mit der Mehrbelastung zurechtkommen. Klammern wir Eignung und Verschleiß der Technik aus, kann das Abstellen bei längeren Stopps, in Fahrzeugen ohne Start-Stopp-System, ebenfalls den gewünschten Effekt bringen. Schon ab ca. 8 bis 12 Sekunden Standzeit, lohnt es sich den Motor abzuschalten. 

Spritpreis: Apps und Preis-Zusammensetzung

Ob nun das Spritsparen passabel gelingt oder der innere Schweinehund den rechten Fuß doch wieder stärker und länger aufs Gaspedal drückt: Der Spritpreis wird Gemüter weiterhin schneller erhitzen als der verbrannte Treibstoff den Motorblock. Zum ursprünglichen Preis eines Liters Benzin oder Diesel kommen Steuersätze seitens des Staates und Margen seitens der Tankstellenbetreiber hinzu. Spätestens wenn der Liter Flüssiggold den gesalzenen Preis des Liters Softdrink im Tankstellenshop übersteigt, stößt das Konsumenten auf. Doch wer sich über die viel zitierten „mehr als die Hälfte“ an Steuersätzen echauffiert, liegt falsch.  

Laut ADAC landen beim Diesel rund 38 Prozent des Endverbraucher-Preises beim Staat, beim Benzin sind es 48 Prozent. Der Rest des gezahlten Betrages entfällt im weitesten Sinn auf Förderung des Rohöls, Weiterverarbeitung, Transport und Marge der Tankstellenbetreiber. Womit zumindest eine Gemeinsamkeit zum herkömmlichen Verbrauchsgut von der Shop-Limonade bis zum Müsliriegel besteht: Der Preis bleibt eine wichtige Stellschraube der Anbieter.  

Das Bundeskartellamt erfasst für Deutschland Preisschwankungen im Bereich von durchschnittlich 10 bis 12 Cent pro Tag. Am teuersten sei der Liter Benzin oder Diesel gegen acht Uhr morgens, am günstigsten abends zwischen 18 und 20 Uhr. Wer den Überblick für seine Region behalten möchte, kann sich einer Tankstellen-App bedienen. Zu den bleibetesten Angeboten zählen „clever-tanken.de“, wo Kunden neben den aktuellen Preisen eine statistische Auswertung der Preisentwicklung einsehen können. Wer dagegen nach der günstigsten Option auf ungewohnten Wegen sucht, wird womöglich mit der „ADAC Spritpreise-App“ glücklicher. Der Autofahrerclub koppelt die Preis-Info mit einem passablen Routenplaner. Außerdem ploppen hier keine Werbungen auf.

Wir empfehlen jedenfalls: Die Jagd nach dem Top-Tarif sollten preisbewusste Fahrer in die täglichen Wege integrieren. Denn wer abends noch extra zur Tankstelle aufbricht, verbraucht übermäßig viel Sprit. Insbesondere bei einem kalten Motor. Denn bis das Aggregat Betriebstemperatur erreicht, wählt die Elektronik ein fetteres Gemisch. Sprich: Der Anteil des Treibstoffs am Sprit-Luft-Gemisch ist höher. So verbrennt man wortwörtlich jegliche, potenzielle Ersparnis an der Zapfsäule.

Titelbild: iStock

Artikel Teilen

Das könnte dich auch interessieren:

12. September 2022

Smart Repair: Möglichkeiten und Grenzen der Schnell-Reparatur

Einfache Schadensbeseitigung statt neuer Teile und Lack: Was kann Smart Repair? Was kostet es und wie lange hält es?

Weiterlesen
23. August 2022

Super E10 tanken: Unterschiede, Vorteile und Nachteile

Die Benzinsorte E10 hat einen schlechten Ruf. Zu Unrecht, denn Super E10 spart Geld und hilft der Umwelt. Die Fakten.

Weiterlesen

3Bei Abschluss eines 3-Wege-Finanzierungsvertrags für ausgewählte Gebrauchtfahrzeuge über die Click & Collect Funktion. Bis 02.11.22, 11:00 Uhr. Aktionsbedingungen gelten.

** Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO2 -Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem 'Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO2 -Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen' entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist.

Mit Klick auf "Akzeptieren" erteilst du uns deine Einwilligung, dass wir deine Nutzung unserer Plattform durch Cookies und andere Technologien (von heycar und Dritten) nachverfolgen, um deine Nutzungserfahrung und dir angezeigte Werbung zu analysieren und personalisieren (mehr Details).

Du stimmst damit auch zu, dass deine Daten hierbei ohne geeignete Datenschutzgarantien an Partner in sog. Drittländern übermittelt werden können, die kein angemessenes Datenschutzniveau bieten, wie z.B. die USA aufgrund staatlicher Zugriffsmöglichkeiten.

Alternativ kannst du deine Einstellungen im Cookie Dashboard jetzt und jederzeit später individuell anpassen. Willst du keine Einwilligung erteilen, dann klick bitte .

Details anzeigen