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Smart Repair: Möglichkeiten und Grenzen der Schnell-Reparatur
12. September 2022
Wartung & Pflege

Smart Repair: Möglichkeiten und Grenzen der Schnell-Reparatur

Die Zeit unlackierter Plastik-Leisten und Kunststoff-Stoßstangen am Auto ist größtenteils vorbei. Das hat optische Gründe: Mit lackierten Stoßfängern werden Autos (für die meisten Augen) zwar hübscher, aber auch empfindlicher gegen Kratzer im Lack. Minimale Kontakte mit anderen Fahrzeugen oder ein ungeschicktes Ausparkmanöver in der Tiefgarage führen bereits zu sichtbaren Schäden. Und deren Behebung wird in der Vertragswerkstatt teuer.

Eine Delle am Kotflügel inklusive leichter Absplitterung des Lacks? In Markenwerkstätten ist man da schnell bei mehr als 400 Euro. Verständlich, denn nach den Reparaturvorgaben der Hersteller wird in solchen Fällen entweder großflächig lackiert oder das betreffende Teil gleich komplett getauscht. Damit sieht das Auto zwar wieder wie neu aus. Aber der Aufwand einer solchen Reparatur lohnt oftmals nur, wenn sie die Versicherung bezahlt.

Smart Repair ist in vielen Fällen die preiswertere und sinnvollere Alternative für den eigenen Geldbeutel. Der Begriff meint im Kern die Beseitigung kleiner Schäden mit möglichst geringem Aufwand. Dabei ist „Smart Repair“ kein konkretes Verfahren. Es handelt sich um einen Sammelbegriff für kleine Maßnahmen bei Schäden an Karosserie, Anbauteilen oder Windschutzscheibe. Bei welchen Schäden ergibt Smart Repair konkret Sinn? Wo liegen die Möglichkeiten und Grenzen der meistgenutzten Reparaturverfahren? Und was sollten Interessenten beachten? Das alles klären wir hier anhand häufiger Bagatellschäden am Kfz.

Schrammen an Kotflügel, Türen Schweller: Spot Repair bei Lackschäden

Profi-Werkstätte können den Originallack messen und passgenau nachmischen für die Ausbesserung. (Bild: iStock)

Spot Repair lässt sich als eine Unterkategorie von Smart Repair begreifen. Der Begriff beschreibt Ausbesserungsarbeiten an lackierten Karosserieteilen. Dabei wird nur wenig mehr als die betroffene Stelle (der Spot) behandelt, zu einer weitläufigen Lackierung kommt es also nicht. Experten erachten diese Methode bei Lackschäden bis zu einer Größe von rund 3,5 Zentimetern Durchmesser als sinnvoll.

Die Werkstatt schleift die betreffende Stelle an, grundiert sie und trägt anschließend mit einer klein dimensionierten Lackierpistole oder einer Spraydose den entsprechenden Lack auf. Wie gut der neue Lack dabei mit der ursprünglichen Lackfarbe des Fahrzeuges harmoniert, hängt vom betriebenen Aufwand und vom Preis der Reparatur ab. Denn unter dem Einfluss von Wetter und Sonne verändert sich die einstige Originalfarbe des Autos oftmals. Der laut Spezifikation korrekte Lack sticht später am Fahrzeug auffällig heraus.

In anderen Fällen wird aus Kostengründen von vornherein nur ein ähnlicher Farbton verwendet. Für ein besseres Ergebnis bieten Karosserie-Fachbetriebe Systeme zur Erkennung und Reproduktion der aktuellen Lack-Farbe des Autos und mixen extra für Spot-Repairs die Farbe an. Doch solch Perfektion kostet: Der Preis für die Reparatur liegt meist klar jenseits der 150-Euro-Marke je behandelter Stelle. Basis-Preise mit Lack aus dem Regal starten im Bereich von 50 bis 80 Euro.

Leider lässt sich Spot Repair nicht in allen Fällen anwenden. Einschränkungen existieren neben der Größe des Lackschadens auch in Bezug auf seine Position. Die meisten Anbieter empfehlen die Anwendung im unteren Karosseriebereich. Einerseits, weil dort Unstimmigkeiten der Farbtöne weniger auffallen, andererseits, weil Spot Repair auf geraden und liegenden Flächen (Motorhaube, Dach oder Kofferraumdeckel bei Limousinen) generell weniger stimmig gelingt und wirkt.

Hagelschaden an Karosse und Anbauteilen: „Dellen-Drücken“

Mit Hilfe aufgeklebter Stifte können leichte Dellen im Lack ausgebeult werden. (Bild: iStock)

Hagelschäden betreffen in der Regel einen Teil des Fahrzeuges, der sich nur unter enormem Arbeitsaufwand austauschen lässt: Das Fahrzeugdach. In der Praxis füllen Werkstätten nicht selten daher die Vertiefungen mit Spachtelmasse auf und lackieren großflächig. Doch es gibt auch eine Smart-Repair-Methode für Hagelschäden. Sie kommt oft ohne einen Milliliter Lack aus. „Dellen-Drücken“ lautet der umgangssprachliche Begriff für das Herausdrücken der Beulen vom Fahrzeuginneren aus. Spezialisten nutzen dafür ein Set geformter Haken. Eine separate Beleuchtung hilft, die betreffenden Stellen besser aufzuspüren und das Ergebnis der Millimeterarbeit im Verlauf zu kontrollieren.

Einzige Grundbedingung: Die Lackoberfläche muss intakt sein. Ansonsten splittert die Farbe im Laufe des Prozesses ab. Dellen und Hagelschäden an schwer zugänglichen Stellen können mit dieser Smart-Repair-Methode dagegen durchaus ausgebessert werden. Befindet sich die unplanmäßige Vertiefung an einer Karosserie-Rundung, kann der Techniker kleine Stifte an der Außenseite anbringen. Dann wird gezogen anstatt gedrückt. In diesem Fall werden im Nachgang zumeist doch kleine Lackierarbeiten notwendig.

Dieser kleine Überblick über Möglichkeiten und Maßnahmen des „Dellen-Drückens“ zeigt bereits: Konkrete Preise je Delle lassen sich nicht seriös und für unterschiedliche Fahrzeugmodelle angeben. Auch deshalb, weil vor der eigentlichen Arbeit an der Karosserie selbst die Freilegung der betroffenen Stelle im Innenraum steht. Ehe der Mechaniker das nackte Innenraum-Blech sieht, muss er in den meisten Fahrzeugen große Teile der Inneneinrichtung entfernen. Dennoch nennen wir eine Zahl zur Einordnung: Bis zu 100 Euro pro Delle gelten als realistisch. In der Praxis sinkt der Preis oft, wenn (wie beim Hagelschaden) mehrere Dellen auf derselben Fläche behandelt werden.

Smart Repair an der Stoßstange: Beseitigung von Rissen

Größere Dellen beispielsweise in der Motorhaube werden mit Druck angesaugt und ausgebeult. (Bild: iStock)

Irgendwann gewannen im Autodesign die Ästheten über die Pragmatiker: Stoßstangen waren einst entweder unlackierte Klumpen, oder tatsächliche Stangen, die auf der Frontschürze angebracht waren und nach zu vielen Stößen einfach gewechselt wurden. In neueren Automodellen sind sie meist nur noch Zierrat in Wagenfarbe, sowie aerodynamisches Hilfsmittel. Das Grundmaterial über dem eigentlichen metallenen Stoßstangen-Kern besteht aus Kunststoff. Und der kann reißen, etwa wenn etwas beim Ausparken oder Zurücksetzen im Weg stand. Ein solcher Riss fällt an einer Stoßstange in Wagenfarbe als schwarzer Spalt auf.

Eine Alternative zum Tausch der gesamten Kunststoff-Haut der Stoßstange: Die Re-Stabilisierung mittels eines Draht-Geflechts. Bei dieser Smart-Repair-Methode wird das Metallgewebe mit dem Kunststoff verschmolzen und die verbliebene Stelle mit Spachtelmasse aufgefüllt. Anschließend muss auf kleiner Fläche lackiert werden.

Selbst wenn der sichtbare Teil des Stoßfängers nur bedingt für die Crashsicherheit verantwortlich ist, muss eine gewisse Grundstabilität des Plastik-Gebildes erhalten bleiben. Diese Bedingung definiert die Grenze von Smart Repair bei Rissen im Stoßfänger. Ist der Riss zu lang, kann das eingefügte Netz die Festigkeit meist nicht wieder herstellen. Deshalb empfiehlt sich eine Vorab-Besichtigung im jeweiligen Reparaturbetrieb. Ist die Reparatur möglich und sinnvoll, veranschlagen Werkstätten zumeist Preise im Bereich knapp unterhalb von 100 Euro.

Steinschläge: Smart Repair an der Windschutzscheibe

Steinschläge in der Windschutzscheibe sind zunächst unscheinbar, sollten aber direkt behandelt werden. (Bild: iStock)

Einst galt der Windschutzscheiben-Wechsel am Auto als Kleinigkeit. Mit einem Stück Draht und etwas Geschick ließ sich die Gummi-Dichtung aus dem Rahmen enthebeln, um die neue Scheibe spannen und wieder einsetzen. Heute erfordern Ein- und Ausbau einer Autoscheibe spezielles Werkzeug, einen speziellen Klebstoff und viel Zeit. Zusätzlich verkomplizieren oft Fahrassistenz-Systeme wie Kamera, Radar-Sensoren oder der Regensensor im Bereich des Innenspiegels den Prozess. Mehr als 600 Euro veranschlagen Vertragswerkstätten üblicherweise. Viel Geld gemessen daran, wie rasch und unverschuldet ein Steinschlag entstehen kann.

Sollte man ihn also ignorieren und weiterfahren? Das klappt, wenn überhaupt, allenfalls bis zur nächsten Hauptuntersuchung. Und kann sich schon zuvor negativ auswirken. Etwa, wenn sich die kleine Beschädigung durch Erschütterungen und Wärme-Unterschiede zwischen dem beheizten Innenraum und der Außentemperatur zu einem stattlichen Sprung oder Riss entwickelt.

Als günstigste Lösung gegen Steinschläge gilt die Beseitigung mittels eines Harzklebers. Hierbei wird die Stelle im ersten Schritt gereinigt und mittels einer Vakuumpumpe von Luft befreit. Danach kann der transparente Harzkleber die Stelle auffüllen. Nach dem Polieren der Stelle lässt sich üblicherweise keine Spur einer Beschädigung mehr finden.

Spezialisierte Anbieter wie Carglass veranschlagen Preise im Bereich ab rund 60 Euro aufwärts. Doch Achtung: Nur Beschädigungen bis zu einer Größe von rund 5 Millimetern dürfen auf diese Art behandelt werden. Und das auch nur, solange sie einzeln und nicht in größerer Menge auftreten. Eine von mehreren Einschlägen übersäte Scheibe muss ebenso vollständig getauscht werden wie eine Windschutzscheibe, die einen eindeutigen Sprung aufweist. Daneben bleibt die bekannteste gesetzliche Einschränkung dieser Reparaturmethode: Sie darf nur bei Steinschlägen angewandt werden, die sich außerhalb des direkten Sichtfeldes befinden.

Fazit: Vorteile, Anwendung und Risiken von Smart Repair

Kleine Schäden am Auto können leicht ausgebessert werden – bevor sie sich verschlimmern und teuer werden. (Bild: iStock)

Von Schäden an der Karosserie über Schrammen an Anbauteilen bis zum kleinen Windschutzscheiben-Steinschlag: Smart Repair kann die Kosten einer Reparatur um einige hundert Euro drücken. Ein teurer Teile-Tausch und eine großflächige Lackierung entfallen. Das lohnt sich vor allem dann, wenn der Schaden selbst und nicht von der Versicherung getragen werden soll, damit sich aus der Regulierung keine Höhereinstufung ergibt. Oder auch, wenn der Gebrauchtwagen vor dem Verkauf mit möglichst kleinem Aufwand hübscher werden soll. Gleichzeitig sind den Smart-Repair-Verfahren in allen Varianten klare Grenzen gesetzt. Bei einigen Beschädigungen fällt Smart Repair von vornherein aus.

Daneben besteht in einigen Fällen ein Qualitätsunterschied zur “richtigen” Reparatur, etwa wenn beim Ausbessern von Lackschäden ein sichtbarer Unterschied zum Original-Lack bleibt. Dies ist auch das wesentliche Risiko von Smart Repair. In einer ADAC-Studie aus dem Jahr 2015 erreichten nur sechs von 20 Betrieben eine ästhetisch einwandfreie Instandsetzung. Gleichzeitig bleibt das Risiko überschaubar: Geht der günstige Smart-Repair-Versuch schief, bleibt immer noch die klassische Reparatur als Option.

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Titelbild: iStock

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