heycar Ladeanimation mit Herzbildheycar Ladeanimation mit Autobild
Ratgeber: Anhängelast beim Pkw
25. November 2020
Regularien

Ratgeber: Anhängelast beim Pkw

Etwas an den Haken nehmen, was vom Fleck ziehen: Für die Anhängelast eines Autos gibt es anschauliche Umschreibungen. Gemeint ist immer das Gewicht, das ein Fahrzeug ziehen darf, sprich die Summe aus dem Gewicht des Anhängers und dem der Ladung.

Mit einem kleinen Hänger vom Baumarkt haben die meisten Autos kein Problem. Sofern sie mit einer Anhängerkupplung ausgestattet sind, haben auch kleinere Pkw dazu genügend „Zuglast“, wie die Anhängelast auch genannt wird. Doch wenn es um höhere Gewichte geht, kommen Autos an ihre Grenzen.

Hast du einen Bootstrailer zu ziehen, einen Wohnwagen oder einen Pferdeanhänger, wird es spannend – allein, weil längst nicht mehr jedes Auto infrage kommt. Mit einem Kompaktwagen sieht es eher schlecht aus, mit einem VW Touareg oder Land Rover Defender viel besser. Aber selbst wenn die Anhängelast genügend hoch ist, gibt es noch offene Fragen.

Laut Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) macht es zum Beispiel einen Unterschied, ob du einen Geländewagen oder einen Kombi fährst. Und denkst du darüber nach, mit einem Elektroauto einen Hänger zu ziehen? Auch da kommt es aufs Modell an. Zunächst aber zum Grundsätzlichen.

Was genau ist die Anhängelast?

Hier besteht Verwechslungsgefahr, denn es handelt sich nicht um die zulässige Gesamtmasse (zGM) des Anhängers. Diese berechnet sich aus der Achslast zuzüglich der Stützlast und darf nicht überschritten werden, indem du den Anhänger überlädst.

Die Anhängelast ist demgegenüber dem Auto zugeordnet, das etwas ziehen soll. Sie liegt bei Klein- und Kompaktwagen meist zwischen 400 Kilo und gut einer Tonne, während manches SUV 3,5 Tonnen ziehen darf – was in Sachen Anhängelast dann auch die rechtliche Obergrenze für jeglichen Pkw in Deutschland darstellt.

Um ein Boot zu ziehen, braucht man ein Auto mit hoher Anhängelast (Bild: iStock)

Weil die tatsächliche Masse maßgeblich ist, kannst du auch einen Anhänger ankuppeln, dessen zulässiges Gesamtgewicht (zGG) über der Anhängelast des Pkws liegt. Nur musst du dann darauf achten, lediglich so viel Ladung an Bord zu nehmen, dass die Anhängelast faktisch nicht überschritten wird, du also unter der für den Anhänger erlaubten maximalen Zuladung bleibst.

Abgrenzen musst du die Anhängelast auch von der Stützlast. Diese beschreibt die senkrecht auf die Anhängerkupplung wirkende Kraft eines Anhängers in Kilo. Zur Berechnung der Anhängelast muss sie in manchen Fällen aber trotzdem herangezogen werden. Denn immer, wenn die zulässige Gesamtmasse des Anhängers höher ist als die Anhängelast, erhöht sich das erlaubte tatsächliche Anhängergewicht um die Stützlast. Das ist aber ein Spezialfall, den wir uns weiter unten noch einmal ansehen.

Wie finde ich Angaben zur Anhängelast?

Erstmal solltest du die Anhängelast deines Autos herausfinden. Die Maximalwerte variieren je nach Motorisierung und Getriebeart, je nachdem, ob du ein Modell mit Front- oder Allradantrieb besitzt, ja sogar nach der Ausstattung. Ist der Wagen bereits zugelassen, finden sich entsprechende Angaben in den Fahrzeugpapieren.

Genauer gesagt im Fahrzeugschein. So steht in der Zulassungsbescheinigung Teil I, auch Fahrzeugschein genannt, im Feld O.1 die „technisch zulässige Anhängelast gebremst in kg“ und unter O.2 das „technisch zulässige Anhängelast ungebremst in kg“. Wenn du für dein Auto noch den alten Fahrzeugschein besitzt, der zum Oktober 2005 bei Neuzulassung durch die Zulassungsbescheinigung ersetzt wurde, findest du Angaben zu ungebremsten und gebremsten Anhängelasten dort unter den Punkten 28 und 29. Weiter unten findest du auch eine Tabelle, mit der gebremsten Anhängelast verschiedener SUVs und Geländewagen. Andere Pkws mit einer besonders hohen Anhängelast, sind in einer zweiten Tabelle zu finden.

Ungebremste Anhänger dürfen eine zulässige Gesamtmasse (zGM) von 750 kg nicht überschreiten (Bild: iStock)

Wie unterscheiden sich gebremste und ungebremste Anhängelast?

Gebremst? Ungebremst? Die Unterscheidung gibt es, weil es Anhänger mit und ohne Auflaufbremse gibt. Diese funktioniert unabhängig von den Bremsen am Auto und wirkt auf den Anhänger, sobald dieser auf das Zugfahrzeug aufzulaufen droht – bei Bergabfahrten oder wenn das Auto langsamer wird. Der Baumarktanhänger besitzt keine Zusatzbremse, ein Wohnwagen oder Bootstrailer praktisch immer. Anhänger mit einer zulässigen Gesamtmasse ab 750 Kilogramm müssen laut Gesetz mit einer Auflaufbremse ausgerüstet sein.

Welche rechtlichen Grenzen gibt es?

Die in den Fahrzeugpapieren ausgewiesene „technische Anhängelast“, die du bei Neuwagen auch in den Prospekten unter den technischen Daten findest, ist die Angabe darüber, was ein Pkw konstruktionsbedingt zu ziehen in der Lage ist. Die rechtlichen Vorgaben sind in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung in Paragraph 42 festgeschrieben. Es gibt zwei Grundregeln:

  • Die tatsächliche Anhängelast bei Pkw darf nicht größer sein als das zulässige Gesamtgewicht des Zugfahrzeugs

  • Für viele Geländefahrzeuge und SUV gilt jedoch, dass die Anhängelast das Anderthalbfach ihres zulässigen Gesamtgewichts betragen darf. Voraussetzung: Sie erfüllen die Definition als entsprechendes Geländefahrzeug in Anhang II der Richtlinie 70/156/EWG

In beiden Fällen gilt, dass mit dem normalen Pkw-Führerschein ohne Weiteres nicht mehr als die erwähnten 3,5 Tonnen gezogen werden dürfen. Entscheidend dafür, wie viel Ladung im Gespann mitfahren darf, sind die beiden Angaben zur Anhängelast einerseits und zum zulässigen Gesamtgewicht des Anhängers andererseits. Es gibt drei Varianten:

  1. Anhängelast und zulässige Gesamtmasse des Anhängers sind gleich groß Beispiel: Die Anhängelast liegt bei maximal 1.300 Kilo, und auch der Anhänger (Leergewicht 150 Kilo) darf mit Ladung höchstens 1.300 Kilo wiegen. Daraus ergibt sich: Du darfst die Differenz von Anhängelast und Leergewicht, also 1.150 Kilo, zuladen.

  2. Die erlaubte Anhängelast ist höher als das Maximalgewicht des Anhängers Beispiel: Die Anhängelast liegt bei wiederum maximal 1.300 Kilo, aber der Anhänger (Leergewicht 150 Kilo) darf mit Ladung höchstens 1.000 Kilo wiegen. Daraus ergibt sich: Du darfst die Differenz von zulässigem Gewicht des Anhängers und seinem Leergewicht, also 850 Kilo, zuladen. Die Anhängelast des Zugfahrzeugs ist nicht ausgereizt.

  3. Die erlaubte Anhängelast ist niedriger als das Maximalgewicht des Anhängers Beispiel: Die Anhängelast liegt bei 750 Kilo, aber der Anhänger (Leergewicht 150 Kilo) darf mit Ladung wiederum 1.000 Kilo wiegen. Der Logik folgend, läge die maximale Zuladung bei der Differenz von zulässiger Anhängelast und dem Leergewicht des Anhängers, also bei 600 Kilo. Doch es gilt der oben angesprochene Spezialfall: Denn ist das zulässige Gesamtgewicht des Anhängers höher als die Anhängelast, darf diese um die Stützlast höher liegen. Beträgt die Stützlast in unserem Beispiel, sagen wir, 50 Kilo, dann darf der Anhänger plus Ladung 800 kg wiegen.

Große SUV wie der VW Touareg haben oft eine hohe Anhängelast (Bilder: VW)

Tabelle: Pkw mit viel Zugkraft

Größere SUV und Geländewagen eignen sich besonders als Zugfahrzeuge, aber auch manche Kombis, Vans oder Pick-ups. In der Übersicht führen wir Autos auf, die auch mit Wohnwagen, Pferde- oder Bootstrailern gut zurechtkommen:

SUV und Geländewagen je nach Ausführung und Auflage:
ModellMax. Anhängelast in kg
Jeep Wrangler3.500
Land Rover Defender3.500
Mercedes G-Klasse3.500
VW Touareg3.500
BMW X63.000 bis 3.500
Audi Q72.700 bis 3.500
BMW X52.700 bis 3.500
Mercedes GLE2.700 bis 3.500
Land Rover Discovery2.500 bis 3.500
Jeep Grand Cherokee1.588 bis 3.500
Cadillac Escalade2.575 bis 3.020
Volvo XC902.500 bis 2.700
Hyundai Santa Fe2.000 bis 2.500
Mercedes GLC2.000 bis 2.500
VW Tiguan1.600 bis 2.500
BMW X32.000 bis 2.400
Volvo XC602.100 bis 2.400
Audi Q51.750 bis 2.400
Jaguar F-Pace1.600 bis 2.400
Seat Tarraco1.800 bis 2.300
Skoda Kodiaq1.600 bis 2.300
Skoda Superb1.600 bis 2.200
Hyundai Tucson1.400 bis 2.200
Skoda Karoq1.200 bis 2.100
Skoda Yeti1.200 bis 2.100
Ford Edge2.000
BMW X11.700 bis 2.000
Mercedes GLB1.600 bis 2.000
Renault Koleos1.500 bis 2.000
Toyota RAV41.500 bis 2.000
Nissan Qashgai1.200 bis 2.000
Subaru Forester1.870
Renault Kadjar1.350 bis 1.800
VW Touran1.300 bis 1.800
Peugeot 50081.200 bis 1.500
Suzuki Jimny1.300
Suzuki Vitara1.200
Andere Segmente:
ModellMax. Anhängelast in kg
VW T52.000 bis 2.500
Audi A6 Avant1.800 bis 2.500
Volvo V902.000 bis 2.400
VW Passat Variant1.800 bis 2.200
Opel Insignia Sports Tourer2.100
Chrysler 300C Touring1.900
VW Caddy1.400 bis 1.500
Ford Focus1.100 bis 1.800

Elektroautos sind selten Zugfahrzeuge

E-Autos mit Anhängerkupplung sind selten. Der Grund: Mit Rücksicht auf eher dürftige Reichweiten möchte man den Stromverbrauch durch Lasten nicht noch erhöhen. Allerdings können sich die Anhängelasten von Audi e-tron oder Mercedes EQC mit je 1.800 Kilo sehen lassen. Übertroffen werden sie vom Tesla Model X mit bis zu 2.250 Kilo, das den Anhängerhaken sogar in Serie hat.

Auflastung: Auf den D-Wert achten

Die Stützlast, die eine Anhängerkupplung aushält, ist das Eine. Doch auch ihr in Kilonewton (kN) angegebener D-Wert, der die Deichselkräfte zwischen Fahrzeug und Hänger bemisst, ist von Bedeutung. Liegt der Wert niedrig, kann dies das Potenzial schmälern. Vor allem also, wenn du eine Anhängerkupplung nachrüsten oder austauschen möchtest, gilt es auch auf einen genügend hohen D-Wert zu achten, um die zulässige Anhängelast deines Autos auszuschöpfen. Hier kannst du also die Anhängelast erhöhen.

Senkrecht auf die Anhängerkupplung wirkt die Stützlast, über die Deichselkräfte gibt der D-Wert Aufschluss (Bild: iStock)

Eine Anhängelasterhöhung, auch Auflastung genannt, kannst du auch durch den Austausch relevanter Teile am Auto erzielen, allem voran einer robusteren Kupplung. Die Lasterhöhung muss allerdings vom TÜV abgenommen und in den Fahrzeugpapieren eingetragen werden. Zulässige Gesamtmassen dürfen aber auch dabei nicht überschritten werden, und der Effekt der Maßnahmen ist oft minimal. Zudem ist die Auflastung mit einer Steigungsbegrenzung verbunden, das solltest du vor Fahrten in die Berge beachten.

Wann benötige ich einen Zusatzführerschein?

Liegt die zulässige Gesamtmasse des Zugfahrzeugs nicht über 3,5 Tonnen und die des Anhängers nicht bei mehr als 750 KiIo, besteht für Inhaber eines Autoführerscheins keine weiterer Handlungsbedarf, es genügt die Fahrerlaubnis der Klasse B – dessen Grenzen damit allerdings gesetzt sind. Denn hat das Gespann über 3,5 Tonnen und der Anhänger mehr als 750 Kilo (aber maximal 3.500 Kilo zulässige Gesamtmasse), muss der zusätzliche Anhängerführerschein BE vorhanden sein.

Um es zu verdeutlichen: Mit dem Führerschein für Autos des Klasse B bis zu einer zulässigen Gesamtmasse von 3,5 Tonnen darf ein schwerer Anhänger nur gezogen werden, wenn das Gespann dabei nicht 3,5 Tonnen überschreitet. Hängt nur ein 750-kg-Hänger hinten dran, darf das Gespann allerdings 4,25 Tonnen zulässige Gesamtmasse haben.

Möchtest du nun zum Beispiel mit einem Kombi oder Kompakt-SUV einen Wohnwagen oder Ähnliches mit einer zulässigen Gesamtmasse von über 750 Kilo ziehen? Für solche realistischen Anwendungsfälle kann man sich nach einer Fahrerschulung die Schlüsselziffer B96 eintragen lassen, seinen Klasse-B-Führerschein also aufstocken, ohne den BE-Führerschein machen zu müssen.

Allerdings darf das Gespann dann ebenfalls nicht mehr als 4,25 Tonnen wiegen und – wir erinnern uns an die StVZO – die Anhängelast nicht über dem zulässigen Gesamtgewicht des Pkw liegen bzw. bei vielen Geländewagen und SUV das Anderthalbfache des Gesamtgewichts nicht übersteigen.

Geprüfte Gebrauchtwagen bei heycar

Liebäugelst du mit einem neuen Gebrauchten? Dann ist heycar die richtige Adresse für dich. Warum? Weil du bei heycar rund 300.000 geprüfte Gebrauchtwagen in Top-Qualität findest. Kein Fahrzeug auf unserer Liste ist älter als 8 Jahre und mehr als 150.000 Kilometer gelaufen. Und weil sie so jung und gut in Schuss sind, haben sie alle eine Garantie. Klingt gut? Dann schau dir unser Angebot doch mal an!

Artikel Teilen

Das könnte dich auch interessieren:

26. März 2021

Autokauf in Zeiten von Corona: das solltest du beachten

Lese hier, was du beim Autokauf mitten in der Corona-Pandemie alles beachten musst.

Weiterlesen
26. Februar 2021

Richtiges Verhalten bei Autounfällen

Was tun nach einem Autounfall? Erfahre, wie das richtige Verhalten aussieht, und nimm eine praktische Checkliste mit.

Weiterlesen
** Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO2 -Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem 'Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO2 -Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen' entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist.
*** Dieser Pkw unterliegt der Differenzbesteuerung gem. § 25 a UStG. Die MwSt. wird in der Rechnung nicht ausgewiesen.
Mit Klick auf "Einverstanden" stimmst du zu, dass wir Deine Nutzung unserer Plattform durch Cookies und andere Technologien (von heycar und Dritten) nachverfolgen, um deine Nutzungserfahrung und dir angezeigte Werbung zu analysieren und personalisieren (mehr Details). Du stimmst damit auch zu, dass deine Daten hierbei ohne geeignete Datenschutzgarantien an Partner in sog. Drittländern übermittelt werden können, die kein angemessenes Datenschutzniveau bieten, wie z.B. die USA aufgrund staatlicher Zugriffsmöglichkeiten. Alternativ kannst du deine Einstellungen im Cookie Dashboard jetzt und jederzeit später individuell anpassen.