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Prototypen: Autos, die nie in Serie gingen
17. Juni 2021
Autogeschichte

Prototypen: Autos, die nie in Serie gingen

Auf Automobilmessen und Websites verschiedener Automobilhersteller sind dir bestimmt schon häufig Fahrzeuge aufgefallen, die du noch nie auf der Straße gesehen hast. Hierbei handelt es sich meist um Prototypen oder Designstudien – meist mit futuristischer Aufmachung und neuartigen Technologien, die jedoch oftmals nicht in dieser Form in Serie gehen.

Welche vielversprechenden Prototypen es in der Vergangenheit gab, wieso Automobilhersteller sie überhaupt entwickeln und was letztendlich mit den Fahrzeugen passiert, erklären wir in diesem Beitrag.

Diese Prototypen wurden nie in Serie produziert

In der Historie gab es zahlreiche Prototypen, die es nie zur Serienreife gebracht haben. Wir haben dir an dieser Stelle verschiedene Studien unterschiedlicher Hersteller zusammengefasst, damit du dir einen breiten Überblick verschaffen kannst.

BMW

Der prestigeträchtige Automobilhersteller mit Sitz in München hat in seiner Geschichte einige interessante Prototypen präsentiert. Zwei interessante Konzepte stellen wir im Folgenden vor:

BMW 2002 GT4

Der BMW 2002 GT4 wurde vom italienischen Designer Pietro Frua entworfen (Bild: BMW)

Auf Basis des BMW 2002 ti schuf der italienische Designer Pietro Frua Ende der 60er Jahre ein einzigartiges Fahrzeug. Das Auto wirkte wie wilder Mix aus BMW CS und italienischem Design. Frua taufte sein Kunstwerk auf den Namen BMW 2002 GT4, den Entwurf und Bau leistete er komplett in Eigenarbeit. Die Plattform für das Modell blieb weitgehend unverändert. Lediglich das Fahrwerk wurde an die etwas höhere Gewichtsbelastung durch die schwerere Coupé-Karosserie angepasst.

Die Karosserie selbst war allerdings eine Eigenentwicklung Fruas. Außer an Blinker, Scheibenwischer und Türöffnern bediente er sich für seine Designstudie keiner weiteren BMW-Bauteile. Trotz der außergewöhnlichen Karosserieform und der soliden Technik konnte Pietro Frua BMW nicht überzeugen, das Fahrzeug in Serie zu produzieren. So bleibt der BMW 2002 GT4 bis heute ein einzigartiger Prototyp.

BMW 328 Hommage

Anlässlich des 75. Geburtstag wurde der BMW 328 von den Münchnern als Prototyp modernisiert. (Bild: BMW)

Im Jahr 2011 feierte der Rennwagen BMW 328 seinen 75. Geburtstag. Anlässlich des Jubiläums präsentierte BMW einen Prototyp, der den Namen des legendären Rekordwagen aus den 30er Jahren aufgriff und um den Namenszusatz „Hommage“ erweiterte.

Als Basis des nur 1.300 Kilogramm leichten Konzeptfahrzeugs diente der BMW Z4. Auf dessen Plattform wurde eine Karosserie aus sehr leichtem und trotzdem widerstandsfähigem Carbon gesetzt. Auch beim Motor griff BMW auf die Palette des Serien-Z4 zurück und baute das bekannte 3,0-Liter-Aggregat mit sechs Zylindern ein.

Zwar ist über die genauen Fahrleistungen des Prototyps nichts bekannt, jedoch dürfte er auch leistungstechnisch ein würdiger Nachfolger seines 80 PS starken und 150 km/h schnellen Vorfahren sein.

VW

Auch Volkswagen hat in seiner Historie einige Prototypen veröffentlicht, die es leider nicht in die Serienproduktion schafften. Auch hier rücken wir zwei spannende Studien ins Scheinwerferlicht.

VW Auto 2000

Das Auto 2000 wurde im Jahr 1981 im Rahmen des gleichnamigen Projekts des Bundesforschungsministeriums vorgestellt. Das Auto 2000 war VWs Vorstoß in diesem Forschungsprojekt und sollte eine sichere, alltagstaugliche und sparsame Mobilität der Zukunft darstellen.

Die Karosserie war schnörkellos und geradlinig designt, lediglich das schräg verlaufende Heck stach optisch heraus. Die Karosserie war zum Großteil aus leichtem Kunststoff gefertigt, um in Verbindung mit dem 1,2-Liter-Dieselmotor mit drei Zylindern und 53 PS einen sehr geringen Kraftstoffverbrauch zu erzielen. In Serie schaffte es das Auto 2000 trotzdem nicht, obwohl sich zumindest Details der Frontpartie im fünf Jahre später präsentierten VW Passat B3 wieder fanden.

VW W12 Coupé

Rekordhalter und Beweis, dass VW auch kraftvolle 12-Zylinder-Motoren bauen kann: VW W12 (Bild: VW)

VW ist hauptsächlich durch seine hochwertigen Fahrzeuge in der Kompakt- und Mittelklasse bekannt. Mit dem Prototyp VW wagte sich der Automobilhersteller aus Wolfsburg 1997 an eine Studie eines Supersportwagens, der so gar nicht ins Markenportfolio passen wollte und gerade deshalb so beeindruckend war.

Ausgestattet mit einem kraftvollen W12-Motor hat der Luxussportwagen alles, was man sich von einem solchen Wagen vorstellt: Flügeltüren, eine typische ultra-flache Front, ein mächtiges Heck und ein durchgehendes Glasdach. Dazu erreichte es eine Spitzengeschwindigkeit von 350 km/h und schaffte den Sprint von 0 auf 100 in unter 3,5 Sekunden. 2001 stellte das Coupé einen 24-Stunden-Weltrekord im italienischen Nardo auf – den man im Folgejahr direkt brach und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 322 km/h erreichte.

Auch wenn der Wagen nie in Serie ging, Volkswagen wollte mit der Studie seine Fähigkeiten bezüglich der Entwicklung eines Hochleistungsmotors beweisen – und das gelang dem Unternehmen eindrücklich. Die Motor-Technologie wurde sowohl im VW Phaeton W12 als auch im Bentley Continental GT verbaut.

Weitere interessante Prototypen diverser Automobilhersteller

Neben VW und BMW haben viele weitere Hersteller innovative Raritäten vorgestellt, eine kleine Auswahl haben wir hier für dich zusammengestellt.

Mercedes-Benz Vision SLA

Auch der A-Klasse-Roadster Vision SLA ging nie in Serie. (Bild: Daimler)

Der Mercedes-Benz Vision SLA wurde im Jahr 2000 auf der North American International Motorshow im US-amerikanischen Detroit vorgestellt. Bei dieser Studie handelte es sich um einen Roadster, der auf der Plattform der A-Klasse aufgebaut wurde.

Dank des 1,9-Liter-Benziners mit 125 PS in Verbindung mit einem Leergewicht von unter einer Tonne schaffte es der Prototyp in unter acht Sekunden von 0 auf 100. In Serie ging der kleine Roadster zwar nie, doch Designelemente wie die LED-Technik in Blinker und Rückleuchten sowie die an die Formel 1 angelehnte Motorhaube wurden drei Jahre später im Mercedes SLR McLaren verwendet.

Opel RAK e

Kein Raketenauto mehr, dafür eine moderne Interpretation des RAK2 mit Elektromotor: Der Opel RAK e (Bild: Opel)

In Anlehnung an den Rekordwagen RAK2, der 1928 einen Geschwindigkeitsrekord von 238 km/h mithilfe von 24 Feststoffraketen aufstellte, präsentierte Opel im Jahr 2011 das Elektromodell RAK e auf der IAA in Frankfurt. Geschwindigkeitsrekorde brach dieser Prototyp zwar nicht, durch seine futuristische Optik erinnert der Wagen trotzdem entfernt an eine Rakete. Während der Zweisitzer vorne eine recht normale Spurbreite aufwies, lagen die beiden Hinterräder so nah zusammen, dass sie auf den ersten Blick wie ein einzelnes Rad erschienen.

Audi Quattro Spyder

Leichtbau-Coupé mit Alukarosserie: Audi Quattro Spyder (Bild: Audi)

Audi stellte den Audi Quattro Spyder im Jahr 1991 auf der IAA Frankfurt vor. Der Rennwagen aus der Luxusklasse mit einem V6-Leichtbau-Coupé mit Alukarosserie verfügte über 174 PS und permanentem Allradantrieb. Die Präsentation des sportlich-luxuriösen Audi Quattro Spyders zog viele Kaufinteressierte an. Doch Audi stoppte das Projekt – trotz zahlreicher Vormerkungen – im letzten Moment aufgrund zu hoher voraussichtlicher Produktionskosten.

Wieso bringt die Entwicklung von Prototypen?

Automobilhersteller forschen ständig und präsentieren eine Vielzahl verschiedener Prototypen und Designstudien. Hinter jedem Modell steht entsprechend großer Entwicklungsaufwand und dennoch schaffen es lange nicht alle Prototypen in die Serienentwicklung. Es stellt sich also die Frage, warum Automobilhersteller überhaupt Zeit und Geld in die Entwicklung von Prototypen investieren?

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass es sich bei den meisten Prototypen um Machbarkeitsstudien handelt. Häufig ist es gar nicht Ziel des Automobilherstellers, das Fahrzeug in genau dieser Form in Serie zu bringen. Vielmehr dienen Prototypen als Versuchsträger für Fahrzeugfunktionen und -systeme in einem sehr frühen Entwicklungsstadium.

Die Automobilhersteller wollen herausfinden, wie weit sie in der Entwicklung neuartiger Systeme bereits fortgeschritten sind und was zum aktuellen Zeitpunkt technisch möglich ist. Hierbei geht es um die reine Machbarkeit und nicht um die gleichzeitige Entwicklung hin zur Serientauglichkeit. Das würde weitreichende Optimierungen in Hinblick auf Produzierbarkeit und Entwicklungskosten sowie die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben voraussetzen.

Darüber hinaus dienen Prototypen und Designstudien auch als Marketinginstrument für das eigene Unternehmen. Sowohl Design als auch technische Innovationen sollen potentiellen Kunden zeigen, wie sich der Hersteller die Mobilität der Zukunft vorstellt und wozu er bereits in der Lage ist. Vor allem auf Messen werden solche Designstudien gerne einem großen Publikum präsentiert.

Demnach kann festgehalten werden, dass die meisten Prototypen zwar nicht in der Form in Serie gehen, in der sie entwickelt und produziert wurden. Allerdings leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung zukünftiger, innovativer Komfort- und Sicherheitssysteme.

Was passiert mit den Studien?

Prototypen, die nicht in Serie gehen, repräsentieren den Innovationstrieb und die Philosophie eines Automobilherstellers. Sie sind damit ein wichtiger Bestandteil der Historie des Unternehmens.

Aus diesem Grund werden die meisten Prototypen öffentlichkeitswirksam ausgestellt. Auch wenn sich einige Raritäten nicht in dieser Form durchgesetzt haben oder erst gar nicht verwirklicht werden konnten, so fanden sich jedoch einige innovative Elemente Jahre später in anderen Modellen wieder.

Auch serienferne Prototypen haben ihren Zweck

In der Vergangenheit wurden bereits viele Prototypen entwickelt, die nie in Serie gingen, was letztendlich auch nicht das Ziel dieser Modelle war. Vielmehr sollen Ideen verwirklicht und Machbarkeitsstudien umgesetzt werden, um die Weichen für die Entwicklungen der nächsten Jahre zu stellen.

Außerdem präsentiert ein Hersteller so seine DNA und zeigt potenziellen Kunden das Innovationspotential des Unternehmens und die Werte, die es vertritt. Prototypen sind oftmals für die Außenwahrnehmung und die Entwicklungsrichtung des Automobilherstellers wichtig. Du darfst auf die kommenden Designstudien für die schnellsten Rennwagen, die innovativsten Antriebsformen und die neuesten Mobilitätskonzepte gespannt sein.

Titelbild: Volkswagen

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