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Oldtimer und Youngtimer: Unterschiede, Klassen und Besonderheiten
2. März 2022
Kaufratgeber

Oldtimer und Youngtimer: Unterschiede, Klassen und Besonderheiten

Alte Liebe rostet nicht. Vor allem wenn das Blech gut gepflegt wird, oder dank Verzinkung kein Rost entstehen kann. Nach 30 Jahren kann ein altes Auto offiziell zum Oldtimer werden und bekommt ein H-Kennzeichen. Dann genießt es einige Privilegien wie etwa steuerliche Vergünstigungen und Sonderkonditionen bei der Versicherung. Aber auch Autos ab 20 Jahren, sogenannte Youngtimer, können von Vorteilen profitieren. Welche das sind, was Besitzer dafür tun müssen und wie ein Youngtimer zum Oldtimer wird, erklärt dieser Ratgeber.

Was ist ein Oldtimer?

Insgesamt 660.000 Fahrzeuge führte das Kraftfahrt-Bundesamt 2021 in Deutschland als Oldtimer. Das ist 11 Prozent mehr als noch im Vorjahr und ein historischer Höchststand. Etwa ein Zehntel des Bestandes entfällt auf historische Motorräder, Anhänger, Busse oder Lkw. Unterm Strich setzte sich damit ein seit Jahren anhaltender Trend fort: Noch nie gab es auf deutschen Straßen mehr Autos mit dem berühmten H-Kennzeichen.

Wann ein Auto offiziell zum Oldtimer wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zuerst: Oldtimer ist ein deutscher Begriff, im Englischen spricht man von “Classic Car” oder “Vintage Car”. Damit ein Fahrzeug in Deutschland als Oldtimer anerkannt wird, muss es mindestens 30 Jahre alt sein. Zudem muss es sich in einem guten oder zumindest erhaltungswürdigen Original-Zustand befinden.

Ein H-Kennzeichen erhält ein 30 Jahre altes Auto aber nicht automatisch, sondern erst auf Antrag. Bevor das Auto offiziell zum Oldtimer wird, muss ein Sachverständiger den Zustand des Autos prüfen. Dabei geht es vor allen Dingen auch um die optische Unversehrtheit. Gutachter nutzen zur Bewertung hierbei ein Notensystem zwischen 1-5. Zustandsnoten zwischen 2 und 3 werden für Fahrzeuge mit Gebrauchtspuren, aber ohne größere Mängel verteilt. Nicht selten bekommen Fahrzeuge dabei auch (inoffizielle) Plus- oder Minusnoten wie 2- oder 3+, die die Einteilung noch etwas genauer machen.

Wie original muss ein Oldtimer sein?

Ein Oldtimer muss nicht bis auf die letzte Schraube aus Originalteilen bestehen, um sich für ein H-Kennzeichen zu qualifizieren. Es ist erlaubt, dass baugleiche oder bauähnliche Teile von völlig anderen Herstellern verwendet werden, um das Fahrzeug am Leben zu halten. Etliche Ersatzteile und Hersteller gibt es ohnehin längst nicht mehr. Was viele dabei nicht wissen: selbst Tuning ist in einem gewissen Rahmen erlaubt. Wie weit diese Grenzen gedehnt werden können, liegt aber komplett im Ermessen des jeweiligen TÜV-Prüfers.

Zeitgenössische Veränderungen sind in Ordnung. Dass Oldtimer nur aus Hersteller-Teilen bestehen müssen, ist ein Mythos. Allerdings müsste man alle Veränderungen so auch früher umgesetzt haben können. Im Idealfall werden nur Originalteile von Nachrüstern aus der Zeit verwendet, die auch damals für das entsprechende Auto gedacht waren. Mindestens aber müssen sie den Originalen nachempfunden sein.

Kurzgesagt: Neue BBS Classic-Design-Felgen an einem ansonsten unberührten VW Corrado gehen in Ordnung. Das 00er-Jahre GFK-Bodykit, dass diesen Klassiker oft ziert, nicht. Umfassendere Veränderungen führen dazu, dass die Anerkennung als Oldtimer verwehrt wird; insbesondere unter der Haube sollte stets ein Orginalmotor verbaut sein. Historische Tuning-Fahrzeuge aber – man denke an Alpina BMWs, Gemballa oder RUF Porsches – sind im vollen Umfang H-Kennzeichen-fähig. Selbst wenn die Firmen damals keinen Hersteller-Status hatten, wie etwa RUF.

Was ist ein Youngtimer?

Jetzt schon ein Klassiker und gefragter Youngtimer: Die dritte Generation des Mazda RX-7 (1991 bis 2002). (Bild: Mazda)

Youngtimer-Autos parken zeitlich gesehen zwischen Gebrauchtwagen und Oldtimern. Eine genaue Definition gibt es nicht, auch eine offizielle Kenntlichmachung, etwa in Form eines besonderen Kennzeichens, existiert nicht. In aller Regel handelt es sich bei Youngtimern um Fahrzeuge im gut erhaltenen Zustand, die älter als normale Gebrauchtwagen sind. Die Autos sind in der Regel zwischen 15 und 29 Jahre alt und somit jünger als Oldtimer.

Wo liegt der Unterschied zwischen Young- und Oldtimer?

Der Unterschied zwischen Young- und Oldtimer liegt ausschließlich im Alter der Fahrzeuge. Autos, die älter als 30 Jahre sind, können als Oldtimer angemeldet und versteuert werden. Für Youngtimer gilt das nicht und es gibt auch ansonsten keine steuerlichen Vergünstigungen für sie. Besitzer von Oldtimern zahlen eine spezielle Kfz-Steuer-Pauschale und erhalten ein H-Kennzeichen.

Für Youngtimer gilt weder eine Pauschale bei der Kfz-Steuer, noch gibt es ein Kennzeichen. Je nach Versicherungsunternehmen gibt es aber verschiedene Kfz-Versicherungen mit günstigeren Konditionen. Diese legen jedoch selbst fest, ab welchem Alter sie einen modernen Klassiker als Youngtimer einstufen, meist ab 20 oder 25 Jahren.

Welche Vorteile bietet der Status eines Oldtimers?

Der Mercedes SL (W113) gilt als einer der begehrtesten Oldtimer. Entsprechend teuer sind gute Exemplare. (Bild: Daimler)

Oldtimer erhalten das begehrte H-Kennzeichen. Mit diesem historischen Kennzeichen dürfen Klassiker auch ohne Katalysator städtische Umweltzonen befahren. Außerdem reduzieren sich die Kosten für die Kfz-Versicherung durch eine günstigere Oldtimer-Versicherung mitunter erheblich. Bei der Kfz-Steuer zahlen Oldtimer pauschal nur 192 Euro im Jahr, unabhängig von Größe und Leistung des Motors oder dem CO2-Ausstoß.

Welche Vorteile bietet der Status eines Youngtimers?

Youngtimer können keine Vorteile bei der Kfz-Steuer erhalten. Sie dürfen auch nicht ohne Katalysator in Umweltzonen fahren. Das ist bei Autos mit Ottomotor, die kurz vor der Jahrtausendwende zugelassen wurden, ohnehin selten. Die meisten Benziner ab 1989 besitzen einen Kat. Allerdings dürfen Diesel-Youngtimer ohne entsprechende Plakette auch nicht in Fahrverbotszonen einfahren.

Dafür bieten einige Kfz-Versicherungen besondere Konditionen für gut erhaltene Fahrzeuge an. Diese müssen mindestens 20 Jahre alt sein, bei manchen Versicherungen sogar 25 Jahre. Die Jahresbeiträge liegen in der Regel deutlich niedriger als bei normalen Kfz-Versicherungen. Häufig wird ein Kurzgutachten vor Abschluss der Versicherung verlangt, oft ein zusätzliches Alltagsauto. Außerdem wird die Jahreslaufleistung des Fahrzeugs im Vertrag reglementiert, meist bis 6.000 oder 9.000 Kilometer pro Jahr.

Wie wird ein Auto zum Youngtimer?

Zum Youngtimer reift ein altes Auto von ganz allein. Gute Pflege vorausgesetzt. Manche Versicherungen verlangen vor dem Abschluss einer speziellen Youngtimer-Versicherung ein Wertgutachten mit Zustandsnote. Darin wird der Versicherungs- und Widerbeschaffungswert festgelegt. Daran angelehnt legen viele Versicherer ihre jährlichen Beiträge fest. Heißt: Je mehr das Auto laut Kurzgutachten wert ist, desto höher liegt die Jahresprämie der Versicherung.

Bei vielen Versicherungen liegt der Mindestwert der Fahrzeuge bei 4.000 Euro. Diese strengen Richtlinien haben bisher eine Schwemme von 30 Jahre alten Alltagsautos wie einem Mercedes 190er oder einem VW Golf 3 verhindert. Als Youngtimer erhält das Auto kein neues Kennzeichen.

Wie wird ein altes Auto zum Oldtimer?

Damit das historische Fahrzeug als Oldtimer anerkannt wird, muss ein Sachverständiger den Zustand des Autos ermitteln. Das kann bei TÜV, Dekra, GTÜ oder anderen Prüforganisationen oder offiziellen Sachverständigen erfolgen. Im Zuge der Begutachtung nach Paragraph 23 StvZO erfolgt immer eine Hauptuntersuchung (HU), um zu sehen, ob das Fahrzeug frei von Mängeln ist. Nachdem das Gutachten erteilt wurde, kann das Auto beim Straßenverkehrsamt als Oldtimer angemeldet werden. Dann erhält es auch das begehrte H-Kennzeichen.

Was sollten man beim Kauf beachten?

Man sieht es ihm nicht an: Der Lancia Thema 8.32 bekam einen V8-Motor von Ferrari verbaut. Ein absoluter Exot. (Bild: Lancia)

Zuerst sollten sich Interessenten fragen, wie viel und was sie überhaupt fahren möchten: Sportwagen, Limousine oder Cabrio. Dann wird ein Budget festgelegt und ein Modell ausgesucht, das macht die Recherche leichter. Wer sich für ein altes Auto interessiert, sollte darüber genau Bescheid wissen, also alle Infos wie Kaufberatungen oder Gebrauchtwagentests sammeln.

Achtung: Exotische Modelle, insbesondere aus Italien oder Frankreich, kosten manchmal vergleichsweise wenig Geld. Bei Reparaturen wird es dann aber richtig teuer. Oder schlimmer: Manche Ersatzteile gibt es schlicht nicht mehr und sie müssen von rar-gesäten Spezialisten aufwendig nachgebaut werden. Brot- und Butterfahrzeuge von Audi, BMW, Ford, Opel oder VW wurden häufiger gebaut und sind von der Konzeption und Ersatzteilversorgung her meist unproblematisch.

Oldtimerfans sollten vor dem Kauf Auto und Dokumente genau prüfen. Das Fahrzeug sollte eine schlüssige Historie besitzen. Heißt: Alte HU-Protokolle, Rechnungen, Quittungen und Notizen erzählen eine komplette Geschichte des Autos. Vermeintliche Schnäppchen sollten Interessenten kritisch hinterfragen. Ansonsten kann die alte Liebe schon nach kurzer Zeit rosten.

Das sind die beliebtesten Oldtimer in Deutschland (Stand 2021)

  1. VW Käfer

  2. Mercedes-Benz W123

  3. Mercedes-Benz SL Type R107

  4. Porsche 911er (alle Generationen)

  5. Mercedes-Benz E-Klasse W124

Oldtimer und H-Kennzeichen in Zukunft

Aktuell noch Youngtimer – in fünf Jahren könnten die erste Modelle des Golf IV allerdings H-Kennzeichen bekommen. (Bild: VW)

Für die USA prophezeien einige Analysten bereits, dass sich in 30 bis 40 Jahren mancherorts ein ähnliches Straßenbild wie in Kuba vorfindet! Insbesondere in ländlichen Gegenden werden nicht nur Auto-Enthusiasten noch lange Zeit ihre gepflegten Verbrenner fahren. Vor allem wenn sie nicht in städtische Ballungsgebiete müssen. Denn dass Spritpreise für immer in unermessliche Höhen klettern, ist alles andere als sicher. Die massiven Schwankungen der letzten Jahre haben es gezeigt.

Oldtimer mit Verbrenner werden sich dann die Straße mit wesentlich neueren elektrischen Autos teilen. Es ist durchaus möglich, dass das auch in Deutschland eintritt. Die derzeitige Tankstellen-Infrastruktur wird nicht plötzlich verschwinden. Vielmehr wird es noch lange Zeit parallel Zapfsäulen und Elektro-Schnellladestationen geben. Insbesondere der Güterverkehr wird noch lange vom Diesel abhängig sein, solange es keine revolutionären Sprünge in der Batterie-Technologie gibt.

Dahingehend zeichnet sich jetzt schon ab, dass das H-Kennzeichen demnächst zum Politikum wird. Bereits in fünf Jahren werden die ersten 4er Golfs und andere, äußert zuverlässige Kompaktwagen der späten 90er zu Oldtimern. Von ihnen sind noch Millionen im täglichen Einsatz. Das durchschnittliche Autoalter steigt dabei stetig. Es ist also gut möglich, dass das H-Kennzeichen früher oder später ein Enddatum erfährt. Denn Oldtimer sollten nicht als günstige, steuersparende Stadtwagen enden, um grüne Plaketten und Fahrverbotszonen zu umgehen. Das hätten sie nach so einem langen Leben nicht verdient.

Titelbild: Alfa Romeo

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