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OBD und OBD2 – so funktioniert die On-Board-Diagnose bei Autos
24. Februar 2022
Autoteile & Technik

OBD und OBD2 – so funktioniert die On-Board-Diagnose bei Autos

Wenn im Auto die Motorkontrolllampe aufleuchtet, steigt bei Autofahrenden Panik auf. Ein womöglich folgenschwerer Schaden oder nur eine Kleinigkeit, die sich leicht beheben lässt? Mithilfe eines ODB-Steckers lassen sich diese Fragen oft schnell beantworten. Ein entsprechendes Diagnosegerät kann den Fehlerspeicher auslesen. Aber was genau steckt dahinter? Was ist der Unterschied zwischen OBD und OBD2? Und wie funktioniert die Auswertung? Das klärt dieser Text.

Was bedeutet OBD?

OBD ist die Abkürzung für On-Bord-Diagnose und bezeichnet die autoeigene Elektronik. Mit Hilfe eines speziellen OBD-Steckers lassen sich Fehler aus den zahlreichen Steuergeräten (ECUs) und Bauteilen einfach aufzeichnen und in Echtzeit auswerten. Das geschieht heutzutage mit simplen OBD-Lesegeräten, umfangreicheren OBD-Diagnosegeräten und teilweise auch per App. So lassen sich frühzeitig Probleme erkennen und womöglich Schäden verhindern.

Worin liegt der Unterschied zwischen OBD und OBD2?

Schon mit der ersten On-Board-Diagnose (OBD) ließen sich bei Autos seit Ender der 1980er-Jahre Fehlerspeicher auslesen. Die ersten Systeme dieser Art gehen sogar auf 1965 zurück, als Volkswagen eine Zentralsteckdose einführte, die über einen Lochkarten-Rechner ausgewertet werden konnte. Die entsprechenden Schnittstellen waren seinerzeit aber kein verpflichtendes Bauteil für die Hersteller. Sie konnten nur mit speziellen Geräten verbunden werden, da der Anschluss nicht standardisiert war und die Funktion sehr begrenzt.

Erst mit der Einführung der ersten Abgasdiagnosen 1988, von der Kalifornischen Luftreinhaltungs-Behörde (CARB), wurde der OBD-Standard von General Motors eingeführt und standardisiert. Die OBD-Buchsenform mit ihren 16 Pins wurde vereinheitlicht, sowie die Anschlüsse zur Auswertung. Sie liegen seitdem immer entweder im Motorraum oder versteckt hinter einer kleinen Abdeckung links unter dem Lenkrad.

OBD überwacht während der Fahrt lediglich die Abgas-beeinflussenden Systeme. So werden Fahrzeugemissionen kontrolliert, Probleme mit dem Benzin- oder Luftmengen-Gemisch erkannt und entsprechende Fehlercodes katalogisiert.

Beim aktuellen OBD2 lassen sich hingegen neben den Motordaten auch viele weitere Daten des Autos durch die 16-polige Buchse ablesen. Zudem wurde alles nach internationalen Standards in der Norm SAE J2012, bzw. ISO-Norm 15031-6, vereinheitlicht und vereinfacht. Die Fehlercodes werden als DTC – Diagnostic Trouble Code oder P0-Codes an die Diagnosegeräte gesendet.

Welche Autos besitzen einen OBD2-Anschluss?

Über 90% aller Fahrzeuge in Deutschland besitzen eine OBD2-Schnittstelle. (Bild: iStock)

Seit 1996 besitzen Autos die OBD2-Schnittstelle. Alle ab 2001 neu-zugelassenen Benziner und alle ab 2004 neu zugelassenen Diesel müssen sogar über die OBD2-Schnittstelle verfügen. Mehr als 90 Prozent der Fahrzeuge in Deutschland besitzen eine OBD2-Schnittstelle, um sich mit der Elektronik des Autos zu verbinden.

Wie lassen sich die Daten bei einem Auto auslesen?

Der heutzutage wohl einfachste Weg: Autos mit einem OBD2-Anschluss lassen sich über einen OBD-Adapter (Dongle) mit dem Smartphone über Bluetooth verbinden. Der Anschluss liegt bei den meisten Autos links neben dem Lenkrad, an der A-Säule im Fußraum. Dort muss der Adapter, zum Beispiel von der Firma Carly oder Pace, eingesteckt und über Bluetooth mit speziellen OBD-Apps auf dem Handy verbunden werden.

Vorher müssen Nutzer eine App als Software auf ihr Smartphone laden und ein Konto erstellen. Der OBD-Adapter funktioniert dann wie ein OBD-Auslesegerät oder OBD-Diagnosegerät. Es gibt auch spezielle OBD-Auslesegeräte oder OBD-Diagnosegeräte, die direkt in die OBD-Schnittstelle gesteckt werden, um die Daten des Fahrzeugs auszulesen. Der Funktionsumfang ist meistens ähnlich.

Welche Daten lassen sich über eine OBD2-Schnittstelle auslesen?

Mit dem OBD-Auslesegerät können Autofahrer besser entscheiden, ob die Fahrt in die Werkstatt notwendig ist. (Bild: iStock)

Neben dem Auslesen des Fehlerspeichers eines Autos, bieten Anbieter von Diagnosegeräten oder Dongles weitere Funktionen an. Dazu gehören unter anderem eine automatische Notruffunktion, Fehlercodeanalyse, Batteriezustandsinfo, Werkstattservices, elektronisches Fahrtenbuch, Spritspartrainer, Tankstellenfinder und eine Auto-Such-Funktion.

Bei High-End-Geräten gibt es sogar Live-Daten aus dem Motorraum: Dazu zählen je nach Anbieter unter anderem Motorlast, Drehmoment, Temperatur des Kühlwassers, Öltemperatur, Drehzahl, Spannung, Turbodruck, Spritverbrauch, Luftmengenzufuhr, Außentemperatur und Tankfüllstand. Ein Muss für alle Tuner, die das letzte aus ihrem Motorblock rausholen wollen.

Welche Vorteile bieten die OBD-Stecker?

Über den OBD-Stecker können Nutzer mit OBD-Apps, OBD-Auslesegeräten oder OBD-Diagnosegeräten viele Informationen zum Motor erhalten, ohne dafür in die Werkstatt fahren zu müssen. Eine Fehlercodeanalyse hilft dabei, hohe Reparaturkosten zu vermeiden. Die Infos zu den entsprechenden Codes helfen Besitzern besser dabei zu entscheiden, ob sie mit dem Fehler zu einer Werkstatt fahren müssen oder nicht.

Standard-Fehlercodes geben einen Hinweis darauf, welche Baugruppe Probleme bereitet oder welches der zahlreichen Steuergeräte nicht einwandfrei funktioniert. Die fünfstelligen Zahlencodes können problemlos im Internet recherchiert werden. Bei manchen OBD2-Steckern lässt sich über einen Code auch der im Steuergerät hinterlegte Kilometerstand genau ablesen. So kann ein möglicher Tachobetrug aufgedeckt werden.

Für welche Autos eignet sich ein OBD2-Stecker?

Die App-Dongle-Lösungen für OBD2-Anschlüsse sind nicht an eine bestimmte Automarke gebunden und können für mehrere Marken verwendet werden. Dennoch unterscheiden sich die Anbieter und Funktionen. Autofahrende sollten bei der Suche nach einem passenden Anbieter und Adapter prüfen, ob es zu Modell, Baujahr und Motor passt. Manche Geräte spucken auch für Profis unverständliche DTC-Fehlercodes aus. Dann ist der Abgleich mit der Tabelle unverzichtbar. Es gibt allerdings auch Geräte, die diese Codes direkt entschlüsseln und in eine verständliche Handlungsanweisung übersetzen können.

Ist die Bedienung eines OBD2-Diagnosegerät legal?

Die Bedeutung der Codes, die OBD-Diagnosegeräte ausgeben, kann im Internet leicht recherchiert werden. (Bild: iStock)

Die Bedienung eines OBD2-Diagnosegerätes ist legal und die Betriebserlaubnis erlischt bei der Benutzung nicht, denn die Codes werden durch die Nutzung nicht überschrieben oder verändert. Lediglich während der Fahrt sollte die die OBD2-App auf dem Smartphone nicht benutzt werden. Fahrer riskieren dann nicht nur einen Unfall, weil sie abgelenkt sind, sondern auch ein Bußgeld.

Ersetzt ein OBD2-Diagnosegerät die Fahrt in die Werkstatt?

OBD2-Apps und die Informationen, die sich daraus ablesen lassen, ersetzen die professionelle Diagnose einer Fachwerkstatt nicht. Denn die meisten Anbieter beschränken sich auf die Diagnose des Motors und zusätzlicher Aggregate, entdecken jedoch nicht den eigentlichen Fehler. Wenn beispielsweise der Fehler ‚Lambdasonde’ angezeigt wird, verrät die App oder das Auslesegerät nicht, ob das Bauteil selbst defekt ist. Der Ursache kann von einem defekten Kabel, über eine Zuleitung, bis zum zugehörigen Steuergerät alle möglichen Gründe haben.

Für wen rentiert sich ein OBD2-Stecker?

Die App richtet sich an Autoliebhaber, Tuner und Gebrauchtwagen-Interessenten, die mehr über das Auto wissen wollen. Nutzer lernen ihr Fahrzeug dadurch besser kennen, können ihren eigenen Fahrstil optimieren und bekommen zusätzliche Infos und Dienstleistungen geboten.

Wie teuer sind OBD2-Stecker und Diagnosegeräte?

Der Pace Dongle fürs Smartphone kostet rund 115 Euro, der von Carly rund 60 Euro. Für den Veepeak-Dongle zahlen Kunden 40 Euro. Volkswagen bietet mit der App „Volkswagen Connect“ und „DataPlug“ eine eigene Diagnose-Schnittstelle für Fahrzeuge ab Baujahr 2008 für rund 40 Euro an. Mercedes verkauft den Me-Adapter für 35 Euro. Spezielle Diagnosegeräte zum Auslesen des Fehlerspeichers gibt es im Netz bereits für 30 Euro.

Titelbild: iStock

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