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Nürburgring Nordschleife – ultimativer Guide für Touristenfahrten
25. Mai 2022
Reise & Freizeit

Nürburgring Nordschleife – ultimativer Guide für Touristenfahrten

Die Nordschleife. 20,832 Kilometer, über 70 Kurven und 300 Meter Höhenunterschied. Die längste und anspruchsvollste Rennstrecke der Welt. Sie einmal zu erfahren ist das automobile Äquivalent einer privaten Mondlandung. Ein Traum. Glücklicherweise einer, den sich jeder mit eigenem Auto leisten kann! Wir zeigen in unserem Guide worauf du achten musst, damit die erste Fahrt nicht in Tränen endet und geben dir wichtige Fahr- und Besucher-Tipps.

Der 1927 eingeweihte Nürburgring war schon damals in eine kleine Süd- und eine gewaltige Nordstrecke eingeteilt. Die Südschleife ist heute besser als Nürburgring Grand-Prix Strecke bekannt, wo auch die Formel 1 ausgetragen wird. Die Nordschleife wird seit den 80ern, nach einigen tragischen Unfällen, nicht mehr in den Top-Motorsportklassen befahren.

Dafür können seit jeher alle mit gültigem Führerschein sie in ihrem Privat-Auto oder Motorrad befahren – mit einigen wichtigen Einschränkungen. Denn was viele nicht wissen: Die Nordschleife ist auch zeitgleich die schnellste Mautstrecke der Welt. Sie ist verkehrsrechtlich-gesehen keine Rennstrecke, sondern eine normale Straße (mit der Nummer 331). An den meisten Tagen gilt hier die Straßenverkehrsordnung (StVO) aber auch eine Reihe ungeschriebener Gesetze.

Touristenfahrten, Trackdays oder Taxi?

Karte der Nürburgring Nordschleife: Die meisten der über 70 Kurven haben historische Namen. (Bild: Nürburgring 1927 GmbH)

Touristenfahrten

Wenn grade keine Rennen oder Autotests stattfinden, ist die Nordschleife von Frühling bis Herbst für Touristen befahrbar. Die Termine entnimmt man am besten der offiziellen Seite. Pro Runde zahlt man 25€ unter der Woche und 30€ Euro am Wochenende. Nach Ziehen des Tickets und dem Öffnen der Schranke sind normale Menschen dann mindestens 11 Minuten schwerbeschäftigt und hoffentlich hochkonzentriert. Wie angesprochen gilt die StVO; heißt, selbst Rennwagen müssen eine TÜV-Zulassung haben. Alle Straßenverkehrsschilder, wie Haltverbot und Geschwindigkeitsbegrenzungen, gelten auch hier.

Offiziell sind Driften und die Zeitnahme der eigenen Runde verboten, in der Praxis lässt sich das schwer durchsetzen. Unabhängig davon sollte man nicht zu viel "probieren", wenn einem das eigene Auto wichtig ist: Quasi alle Versicherer klammern die Nordschleife explizit von ihrem Vollkasko-Schutz aus. Rund um den Ring haben sich daher einige Anbieter angesiedelt, die präparierte Fahrzeuge mit Versicherungsschutz anbieten. Die Preise beginnen aber ab ca. 200€ pro Runde und klettern auf tausende Euros hoch, für ein paar Runden in einem Ferrari 458 Italia.

Trackdays

Trackdays sind Privatevents, bei denen nur eine vorangemeldete Gruppe an Fahrern auf die Strecke darf. Je nach Veranstalter sind nur bestimmte Auto- und Leistungsklassen erlaubt. Eventuell wird dann sogar unter Renn-ähnlichen Bedingungen gefahren. Die Termine sind allerdings selten und teuer: Grade einmal 20 bis 30 Tage im Jahr ist die Nordschleife für Trackdays offen. Unterschiedliche Anbieter bieten sie zu verschiedensten Preisen und Konditionen an.

Neben der Tatsache, dass man keinen Touristengruppen in Kleinbussen ausweichen muss, ist das Beste an Trackdays, dass die gesamte Strecke befahrbar ist. Das schließt die volle 2,8 Kilometer lange Gerade der Döttinger Höhe ein! Sie ist für Touristen-Fahrten aus Sicherheitsgründen gesperrt. Zum Glück.

Das Ringtaxi

Kein echtes Taxi, aber die Adrenalin-geladenste Art 20 Kilometer von A nach A zu fahren. (Bild: © Artur Gruber / Nürburgring)

Wer nicht selber fahren will oder kann und trotzdem den Adrenalin-Kick seines Lebens erfahren will, kann sich auf den Beifahrersitz eines Mercedes-AMG GT Rs schwingen. Am Steuer: echte Rennfahrer! Bis zu ihrem Tod fuhr zweifache 24-Stunden-vom-Nürburging Siegerin und Top Gear-Star Sabine Schmitz regelmäßig Ringtaxi-Touren in einem BMW M5. Mit vermutlich Schock-erstarrten Insassen. Eine Runde im offiziellen Ringtaxi kostet 295€, es gibt aber auch günstigere Privatanbieter.

Tipps vor der Abfahrt

Unterschiedlichste Autos bei einer Touristenfahrt. Der Verkehr variert je nach Wochentag und Uhrzeit stark. (Bild: © Nürburgring)

Reifen kontrollieren

Das Allerwichtigste: Auf gar keinen Fall sollte man den Nürburgring mit abgefahrenen Reifen bestreiten! Kontrolliere vor der Fahrt das Profil, denn aus abgefahrenen Reifen werden nicht magischerweise Semi-Slicks. Die Profiltiefe darf normalerweise schon nicht geringer als 1,6 mm sein, wir empfehlen mindestens das Doppelte.

Was den Luftdruck betrifft kann man nicht verallgemeinern, aber prinzipiell: Lieber etwas zu viel als zu wenig. Schlappe Schlappen erhitzen sich schneller, verlieren schneller Grip und können im Extremfall platzen. Je nach Reifentyp und Fahrweise kann man herkömmliche Straßenreifen nach 2 bis 6 Runden getrost wegwerfen.

Wer es also wissen will, hat einen kompletten Satz Sportreifen nur für den Ring mit dabei. Was sich bei einem Porsche Boxster, Honda S2000, oder anderen „Ring Tools“ schwierig gestaltet. Je ernster man es also auf der Nordschleife meint, desto größer der Anhänger. Von Ersatzreifen- und Werkzeug-Fuhre bis hin zum kompletten Auto-Anhänger findet man auf dem Parkplatz alles.

Alles andere kontrollieren

Viele Hersteller entwickeln ihre Autos auf der Nordschleife, hier sagt man: Ein Kilometer Nordschleife entsprechen 20 Kilometern im Normal-Betrieb. Und das bei Autos die für sie ausgelegt sind. Alle Komponenten werden extremen Belastungen ausgesetzt. Falls das Kühlwasser am in-die-Jahre-gekommenen Familien-Astra sich gerne mal aufheizt, die Stabilisatoren schon länger etwas knarzen, und die Bremsbelege auch mal erneuert werden könnten, wäre jetzt der Zeitpunkt dafür: Vor der Abfahrt! Insbesondere Letzteres sollte im 1-A-Zustand sein.

Den richtigen Beifahrer wählen

Die namensgebende Nürburg. Der Ring ist Austragungsort vieler Festivals wie Rock am Ring. (Bild: © Robert Kah / Nürburgring)

Idealerweise würden wir hier den Tipp geben, seinen Beifahrer direkt am Start aussteigen zu lassen. Um sich selbst und etwaige Freundschaften nicht zu gefährden, sollte man den schwitzigen Ballast neben sich zumindest gut wählen. Das Letzte, was man vor dem haarsträubenden Linksknick bei der (problemlos) 200 km/h-schnellen Talfahrt durch die Fuchsröhre gebrauchen kann, sind beherzte Angstschreie der Mitfahrerenden. Auch die Mägen hartgesottener Achterbahnfahrer verhalten sich auf der Nordschleife nicht wie gewohnt; sobald ein gewisses „Memento Mori“ ins Bewusstsein sickert.

Auf jeden Fall sollten alle an Bord mit den „Angstgriffen“ vertraut sein – sofern das Auto noch welche hat. Jenen klappbaren Haltgriffen über den Sitzen, die den Meisten als Kleiderständer dienen. Kinder sind zwar erlaubt, aber vielleicht vertröstet man die Kleinen erstmal auf die Playstation-Version der Nordschleife. Zumindest wenn man sie selbst das erste Mal umrundet.

Video und Spiele

Eigentlich ist „Videospiel“ abwertend. Simulationen der Nordschleife sind mittlerweile so gut, dass auch die Profis damit trainieren. Dabei muss es gar kein „Hardcore Sim Racer“, wie Asetto Corsa oder rFactor, sein. Auch gewöhnlichere Rennspiele, wie die Gran Turismo- oder Forza-Reihe, reichen vollkommen aus, um sich einen fantastischen Überblick über die Grüne Hölle zu verschaffen. Gerne auch ohne Lenkrad und teure Gerätschaften. Denn es geht hier nicht darum Bestzeiten in den virtuellen Asphalt zu brennen, sondern sich das Streckenlayout grob einzuprägen. Und auf einige, sehr schwierige, teilweise blinde Kurven und Bremspunkte besser vorbereitet zu sein.

Dabei können auch die unzähligen Onboard-Aufnahmen auf Youtube extrem hilfreich sein. Genau wie bei den Games gilt für den Lerneffekt aber: Such dir ein realistisches Auto heraus, dass deine Nordschleifen-Erfahrung widerspiegeln könnte. Also wahrscheinlich eher das Video eines Golf GTIs, der mehrfach kurz vorm Abflug ist, statt das von Timo Bernhard in einer Porsche 919-förmigen Teleportationsmaschine.

Die sieben Gebote des Nürburgrings, oder: Wie lande ich nicht auf YouTube?

Wenn deine erste Fahrt auf einer Rennstrecke gleich die Nordschleife sein soll, solltest du jetzt aufpassen. (Bild: © Nürburgring)

1. Rechts fahren, links überholen

Was auf der Autobahn gilt, gilt auf dem Nürburgring doppelt und dreifach: Das Rechtsfahrgebot! Langsamere Autos haben sich rechts zu halten, schnellere links zu überholen. Wer sich daran nicht hält, riskiert vom Strecken-Marshall lebenslang verbannt zu werden. Nur an Trackdays, Renntagen und mit entsprechender Rennfahr-Lizenz darf überall überholt werden.

2. Du bist immer der Langsamste: Rückspiegel nutzen

Es gibt immer jemanden der schneller ist: Selbst wenn du einen Porsche 911 GT3 fährst, kommt genau dann ein 911 GT2 RS MR hinter dir angerast – der aktuelle Rundenrekord-Halter für Straßenwagen. Dann wären da noch die angesprochenen Menschen mit Anhängern und alten VLN-Rennwagen. Soll heißen: Schau vor jedem Überholmanöver in den Rückspiegel und am besten auch nach jedem Kurvenausgang!

3. Vorsicht vor den Curbs

Das berühmt-berüchtigte Brünnchen: Wer hier abfliegt kann es sich später nochmal ansehen... (Bild: iStock)

Die Curbs – die rot-weißen Erhebungen am Fahrbahnrand auf der Ideallinie – sind auf dem Nürburgring unberechenbar und erbarmungslos. Als Anfänger, ohne Rennstrecken-Erfahrung, sollte man sie meiden. An manchen Streckenabschnitten ist das allerdings kaum möglich.

Am Brünnchen, mittlerweile auch als YouTube-Corner bekannt, wird das gut verdeutlicht. Wenn du dir einen Abflug leistest, bitte nicht hier. Die Curbs sind eingangs flach und geriffelt. Da sie sich direkt am Kurvenausgang befinden, ist es schwer und nicht sinnvoll sie zu umfahren. Hier gilt es ein paar Mut-Pillen zu schlucken und mit beiden linken Reifen drüberzufahren. Das Rattern klingt, als ob das Auto gleich auseinanderfällt und die Vibrationen können einem, bei straff-gefederten Autos, die Sicht verzerren – aber es ist die beste Option. Die darauffolgende, steigende Rechtskurve allerdings, hat am Kurveninneren so hohe Curbs, dass sie unvorbereitete Autos glatt in die Leitplanke befördert.

Bei Regen sollten Anfänger lieber alle Curbs meiden, da die unterschiedlichen Grip-Niveaus schnell zu Drehern und peinlichen Onboard-Aufnahmen führen. Für Motorradfahrer geht von den Huckeln grundsätzlich Lebensgefahr aus.

4. Die Kurven der Grünen Hölle sind unergründlich

Der Spitzname "Grüne Hölle" braucht keine Erklärung. Die Landstraßen-ähnlichen Kurven schon. (Bild: © Robert Kah / Nürburgring)

Auf Grund der beträchtlichen Höhenunterschiede der Nordschleife ist nichts wie es scheint. 18 Prozent Steigung sind es bis zum Gipfel der Hohen Acht und 11 Prozent Gefälle bis zum Boden der Fuchsröhre. Das verändert die Gewichtsverteilung eines Autos beträchtlich. Bedeutet: Anfänger – vor allem in heckgetriebenen Autos und vor allem bergab – sollten lernen ihren Gasfuß zu zügeln. Es sei denn, sie wollen Bekanntschaft mit der Streckenbegrenzung machen. Und dem Internet.

Viele Kurven neigen sich außerdem auf wildeste Art und Weise. Sehen sie schnell aus, muss man oft langsamer fahren als man denkt. Vielfach lässt sich nicht einschätzen, wie eng sie sich mit fortlaufendem Radius tatsächlich ziehen. Hinter manchen Kuppen verbergen sich fiese Bremszonen, auf die man eingestellt sein sollte. Zum Beispiel am Flugplatz, der seinem Namen alle Ehre macht.

Außerdem ist der Fahrbahnbelag nicht einheitlich, an vielen Stellen gar holperig. Die Nordschleife ist eher schnelle Landstraße, statt glatt-polierte Rennstrecke. In der Steilkurve des Caracciola-Karussells und im Kleinen Karussell sollte man am Kurvenausgang niemals zu viel Gas geben. Der Beton-Belag hier hat weniger Haftung als der Asphalt anderswo und eignet sich auch super als Sprungschanze.

5. Geschwindigkeitsbegrenzung beachten

Eine Höchstgeschwindigkeit auf einer Rennstrecke hört sich nach dem deutschesten Widerspruch überhaupt an, ist aber Vorschrift am Ring. Das betrifft nicht nur die Ein- und Ausfahrt, sondern aktuell auch den Breitscheid-Abschnitt. Hier gilt Tempo 60 auf Grund von Baumaßnahmen und Lärmbeschwerden. Bei Gelber Flagge, nach Unfällen, gilt striktes Tempo 50.

6. Erwarte das Unerwartete

Bei Touristenfahrten muss man auf Alles und Jeden gefasst sein. Motorradfahrer ganz besonders. (Bild: © Nürburgring)

Die Nordschleife ist so gewaltig, dass bei der Ausfahrt am Tiergarten die Sonne wolkenlos strahlen kann, während es am anderen Ende im Bergwerk bereits nur so strömt. Manche Rennfahrer bemerkten bereits ehrfürchtig, dass man hier alle vier Jahreszeiten in einer Runde erleben kann.

Noch unvorhersehbarer als das Wetter sind allerdings Menschen. Viele beachten oder kennen die geschriebenen und ungeschriebenen Regeln nicht. Weshalb man bei Touristenfahrten hinter jeder Kurve einen schleichenden T4-Bus oder Roller erwarten sollte. Oder ein drängelndes „Ring-Tool“, das offenbar nur per Lichthupe überholt.

7. Niemals alles geben

Auch wenn du denkst, du hast dein ganzes Leben auf diesen Moment hintrainiert (an der Konsole): Gib keine 100 Prozent auf der Nordschleife! Maximal 80. Das sehen auch Rennfahrer so. Jackie Steward, dreifacher Formel 1 Weltmeister und derjenige, der den Begriff Grüne Hölle prägte, sagte selbst: „Wer unmittelbar nach einem Rennen sagt, er liebt die Nordschleife, der lügt.“ Fürs Grenzen austesten am eigenen Auto sind eindeutig andere Strecken zuständig, mit wesentlich großzügigeren Auslaufzonen. Die gibt es auf der Nordschleife nirgends.

Titelbild: © Robert Kah / Nürburgring

Arvid Schneider
Arvid Schneider

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