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NCAP: Die sichersten Autos 2022
8. Juni 2022
Kaufratgeber

NCAP: Die sichersten Autos 2022

Die Sicherheit eines Neuwagens steht in den Sternen. Der Euro NCAP-Crashtest bewertet Autos in Bezug auf Insassen-Sicherheit, Kindersicherheit, Fußgängerschutz sowie hinsichtlich ihrer Assistenzsysteme. Am Ende steht eine Bewertung, wie Kunden sie aus dem Hotelgewerbe kennen: Fünf Sterne sind das Top-Ergebnis, ein Stern bedeutet wenig mehr als das gesetzlich von den Autoherstellern geforderte Minimum.

So lautet jedenfalls die Grundidee hinter dem NCAP-Crashtest, der wichtigsten Sicherheits-Bewertung auf dem europäischen Automobilmarkt. Doch wer ohne Vorwissen in den Sternen liest, liest womöglich falsch: Im Detail kann dasselbe Automodell höchst unterschiedliche Bewertungen erhalten. Was der Euro NCAP-Test konkret aussagt? Wie die Bewertung zustande kommt? Und welche Modelle 2022 die sichersten ihrer Klasse waren? Das alles klären wir hier.

Einordnung der NCAP-Bewertung: Wenige Sterne = Gefahr?

Grade einmal 1 Stern im NCAP-Gesamtergebnis: Der Dacia Logan ist trotzdem nicht "unsicher". (Bild: Euro NCAP)

Beim Euro NCAP (New Car Assessment Program) handelt es sich um einen freiwilligen Crashtest, der von 12 Mitgliedsorganisationen und Ministerien laufend durchgeführt wird. Deutschland ist an der Organisation durch den ADAC sowie das Bundesministerium für Verkehr beteiligt. Für jedes getestete Automodell ermittelt das Konsortium die Crash-Sicherheit und gibt Punkte für das Vorhandensein und die Funktionsweise aktiver und passiver Sicherheitssysteme. Bei den passiven Funktionen handelt es sich kurzgesagt um alles, was die Insassen im Falle eines Zusammenstoßes schützt, sowie um die Stabilität der Fahrzeugstruktur an sich. Aktive Sicherheitssysteme setzen schon früher an und sollen den Crash im Idealfall vermeiden oder abmildern.

In einer weitgefassten Definition fallen viele schon länger bekannte, sowie einige neuere Fahrassistenten in diese zweite Gruppe: Neben dem Schleuderschutz ESP und dem Anti-Blockier-System ABS wuchs die Liste in den vergangenen Jahren um zahlreiche radar- und kamerabasierte Sicherheitssysteme. Diese Systeme bilden heute einen wichtigen Teil der Bewertung und können die NCAP-Einstufung dramatisch beeinflussen.

Eine Integration der aktiven Sicherheitssysteme in die Crash-Sicherheits-Analyse ergibt durchaus Sinn. Schließlich tragen sie zur Sicherheit bei, indem sie Unfälle vermeiden helfen. Es drohen allerdings Missverständnisse bei der Bewertung vieler einfach-ausgestatteter Fahrzeuge.

Die Crashtest-Bilder eines 1-Sterne-Autos sahen vor gerade mal 20 Jahren noch katastrophal aus. (Bild: Euro NCAP)

Beispielsweise bei Dacias Neuerscheinung Jogger: Der 2021 vorgestellte Van erhält in der Gesamtbewertung nur einen Stern. Das könnte manch potenziellen Käufer an der Sicherheit des Modells zweifeln lassen und den Eindruck erwecken, dass sich das Auto bei der nächsten Berührung wie eine leere Milchpackung zusammenfaltet. Allerdings: Gemessen anhand der Sicherheit von Erwachsenen und Kindern im Falle eines Aufpralls könnte das Modell mehr Sterne erhalten. Nur die fehlende Assistenztechnik (kein Spurhalte-Assistent u.a.) verhagelt das Resultat.

Neben dem Blick auf die Bewertungen im Detail, lohnt ein Blick auf das Testjahr. Regulär bleiben Euro NCAP-Bewertungen sechs Jahre lang gültig. Doch die Organisation verändert ihre Bewertungsbedingungen währenddessen fortlaufend. Sie passt sie einerseits an das Auto selbst an, etwa wenn der Hersteller Ausstattungsumfänge erweitert oder technische Anpassungen vornimmt, etwa bei Facelifts. Andererseits definiert das Konsortium die Kriterien des NCAP-Tests selbst neu, was zu schlechteren Bewertungen führt. So räumte eine Justierung des Bewertungsschemas im Jahr 2016 den elektronischen Helfern mehr Gewicht ein.

Es ist möglich, dass ein Auto zum Marktstart fünf Sterne erhält, nach einem Facelift oder gegen Ende des Modellzyklus jedoch nur noch ein Stern übrigbleibt. Oder im Extremfall: Kein einziger Stern. Auch diese Bewertung kommt vor. Eine „Null“ verweist dabei aber ausdrücklich nicht auf mangelnde Verkehrstüchtigkeit oder stellt die Betriebserlaubnis auf europäischen Straßen in Frage. Denn die Mindest-Standards der EU erfüllen die getesteten Modelle bereits vor dem NCAP-Test. Die Sterne-Bewertungen rangieren immer oberhalb der gesetzlichen Vorgaben, zumindest zum Marktstart.

Euro NCAP: So entsteht die Sterne-Bewertung

Bei der NCAP-Bewertung handelt es sich um einen Mix aus vier Teildisziplinen:

  • Sicherheit erwachsener Insassen

  • Eignung des Autos für den sicheren Transport von Kindern

  • Sicherheit von Fußgängern und Fahrradfahrern im Falle eines Crashs

  • Art und das Ausmaß der vorhandenen oder nachrüstbaren Assistenzfunktionen

In jeder der vier Kategorien muss das Fahrzeug bestimmte Prozentzahlen für eine bestimmte Stern-Bewertung erreichen. In der Tabelle unterhalb sind die Einteilungen und Mindestwerte für die Jahre 2022 und 2023 ersichtlich. Im Vergleich zu 2021 bekommt der Fußgänger-Schutz eine etwas höhere Bedeutung.

2022/ 2023Sicherheit Erwachsener InsassenSicherheit von Kindern im FahrzeugSicherheit Fußgänger (2020 je minus 10%)Fahrassistenz-Systeme
5 Sterne80%80%70%70%
4 Sterne70%70%60%60%
3 Sterne60%60%50%50%
2 Sterne50%50%40%40%
1 Stern40%40%30%30%

Limits für die Erlangung von NCAP-Sternen 2022/23 (Quelle: Euro NCAP)

Weder in den Mitteilungen der NCAP-Organisationen, noch in der Werbung der Hersteller dürfen die Ergebnisse dabei in einzelnen Kategorien aufgeführt werden. Das gilt seit 2009 und soll verhindern, dass Autohersteller einen der vier Aspekte vernachlässigen, um dann mit einem anderen der Teilbewertung zu werben. Es wird stets nur das Gesamtergebnis genannt. Die Teilresultate lassen sich jedoch auf der Homepage des Euro NCAP einsehen.

Testverfahren im Detail: Das wird ermittelt

Neben den klassischen Aufprall-Tests spielen passive Sicherheits-Systeme eine immer größere Rolle. (Bild: Euro NCAP)

Bewertungen der ersten beiden Kategorien für die Sicherheit von Erwachsenen und Kindern ermittelt Euro NCAP in klassischen Crash-Tests: Ein Einschlag mit 50 km/h in ein leicht verformbares, bewegliches und rund 1.400 Kilogramm schweres Hindernis simuliert den Crash mit einem anderen Fahrzeug. Daneben umfasst der Test einen Einschlag in eine starre Barriere und einen seitlichen Crash bei gleicher Geschwindigkeit. Dies simuliert den Unfall mit einer Mauer oder Leitplanke und einen Kreuzungsunfall. Beim Side-Pole-Test kollidiert das Testfahrzeug mit einer einzelnen Metallstange, was dem Kontakt mit einem Baum oder einem Pfeiler nahekommt. Um das Ausmaß eines etwaigen Schleudertraumas zu ermitteln, werden die Sitze getrennt getestet.

Beim Schutz vulnerabler Verkehrsteilnehmer (Fußgänger und Radfahrer) wird zunächst ebenfalls die Auswirkung eines Unfalls bewertet, anhand Crashtest-Dummys. Erfasst werden Kontakte im Kopfbereich sowie im unteren und oberen Beinbereich. Daneben spielen hier bereits Fahrassistenten eine Rolle: Die Wirkungsweise der automatischen Notbrems-Funktion (AEB, Automatic Emergency Brake) ermitteln die Tester für Fahrradfahrer und Fußgänger getrennt.

Bei der eigentlichen Bewertung der Fahrassistenten rückt die Notbrems-Funktion für die Vermeidung eines Kontaktes mit einem anderen Fahrzeug in den Fokus. Kontroverserweise fließt hier auch das „Status-Monitoring“ der Insassen mit ein. Dazu zählt etwa die Müdigkeitserkennung mit dem bei Bedarf eingeblendeten Vorschlag einer Pause. Geschwindigkeits-Assistenz meint neben dem Tempomaten auch die Limiter-Funktion. Umfragen zeigen allerdings: In der Praxis nutzen nur wenige Autofahrer diese Option auf ein voreingestelltes Maximaltempo.

Neben dem zumeist optionalen Spurhalte-Assistenten gehen die NCAP-Tester auf ein weiteres verpflichtendes System ein: Der automatische Notruf „E-Call“, kann in jedem neuen PKW seit 2018 nach einem Unfall Rettungskräfte alarmieren und den Standort übermitteln. Beim NCAP-Testverfahren liegt der Fokus auf der Detailtiefe der übermittelten Daten, und in welchem Ausmaß Rettungskräfte davon profitieren.

Aktuelle Euro NCAP-Resultate: Das sind die sichersten Autos 2022

Neben der allgemeinen Sterne-Bewertung kürt Euro-NCAP auch die besten Autos ihrer Klassen. Hierbei unterscheidet sich die Klasseneinteilung von der des Kraftfahrt-Bundesamtes. Bei der letzten Komplett-Betrachtung nannte Euro NCAP fünf Fahrzeugkategorien: „Executive“ meint die obere Mittelklasse und Oberklasse. SUV und Geländewagen unterteilen die Crashtester in „Large Offroad“ und „Small Offroad“.

Bei “Small Family-Cars" geht es um alles im Bereich der Klein- und Kompaktwagen. Jüngst hinzugekommen ist eine Wertung für elektrische Fahrzeuge, die rein auf den Antrieb fokussiert ist und Kategorien wie Größe und Preisgestaltung außer Acht lässt. Einen Gesamtsieger über alle fünf Klassen hinweg gibt es nicht. Allerdings gibt es einen Doppelsieger sowie eine doppelt vertretene Marke.

Executive, Elektro: Mercedes-Benz EQS

(Bild: Euro NCAP)

Die elektrische Luxus-Limousine Mercedes EQS gewinnt im Crashtest neben der Elektro-Wertung auch die Executive-Kategorie. Beim eigentlichen Crashtest bleiben Insassen gut geschützt, die aktive Motorhaube (mehr Abstand zu harten Teilen durch Anheben) schützt Passanten und Radfahrer fast aller Größen. Bei der Fahrassistenz stellen die Tester praktisch allen Funktionen ein gutes Zeugnis aus – lediglich der Aufmerksamkeits-Assistent (Müdigkeitsassistent) schneidet mäßig ab.

Im Standard-Modell analysiert das System nur die Lenkrad-Inputs des Fahrers. Dass es gegen Aufpreis im EQS eine Sensorik für die Pupillen-Bewegung gibt, bewertet Euro NCAP nicht, da sich die Wertung im Zweifel auf die Serie bzw. besonders verbreitete Ausstattungsvarianten konzentriert.

Large Offroad: Skoda Enyaq iV

(Bild: Euro NCAP)

Das elektrische Mittelklasse-SUV Skoda Enyaq iV gilt in der aktuellen Gesamtwertung als sicherstes Auto seiner Klasse. Unter den durchweg guten Resultaten aller vier Testkategorien fallen allenfalls leichte Schwächen beim Fußgängerschutz auf. Konkret sind die Tester mit der Reaktionsweise der Notbrems-Funktion bei Fußgängern und Radfahrern nicht vollumfänglich zufrieden.

Small Offroad: Nissan Qashqai

(Bild: Euro NCAP)

Mit dem Kompakt-SUV Nissan Qashqai siegt in der Klasse darunter ein Verbrenner-Modell. Konkret tritt das kompakte SUV als 1,3-Liter-Turbobenziner mit Frontantrieb in der Kategorie „Small Offroad“ an. In dem durchweg soliden Ergebnis mit vollen fünf Sternen gibt es nur einen Makel: Bei Mitfahrern in der zweiten Sitzreihe könnte laut Testbericht der Oberkörper noch besser geschützt sein.

Small Family: Skoda Fabia

(Bild: Euro NCAP)

Der neu aufgelegte Skoda Fabia holt in der aktuellen Wertung den besten Wert eines „Small Family Car“. Und dass, obwohl der Kleinwagen den durchweg größeren und teureren Modellen in dieser Liste in zwei Bereichen unterlegen ist: Einerseits beim Insassen-Schutz bei seitlichem Einschlag. Andererseits beim Leistungsumfang der automatischen Notbrems-Funktion. Insgesamt schafft der Skoda Fabia dennoch souverän fünf Sterne im wohl wichtigsten Sicherheits-Check für Neuwagen.

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Titelbild: The Euro NCAP Organisation

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