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Lieferzeiten Neuwagen 2022: So lange ist die Wartezeit
10. Mai 2022
Kaufratgeber

Lieferzeiten Neuwagen 2022: So lange ist die Wartezeit

Statistisch gesehen kauft ein Mensch weniger als zehn Autos im Leben. Entsprechend wichtig ist das Ereignis – und die Freude groß, wenn der neue Wagen endlich vor der Tür steht. Im Jahr 2022 brauchen Autokäufer jedoch gute Nerven und viel Geduld. Bis das neue Auto ausgeliefert werden kann, vergehen aktuell häufig viele Monate.

„Eine Lieferzeit von 6 bis 18 Monaten ist im Moment nicht außergewöhnlich“, erklärt Stefan Mayer vom Deutschen Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Diese langen Wartezeiten auf das neue Auto sind gleich mehreren Gründen geschuldet. Wenn alles problemlos funktioniert, wird ein Neuwagen innerhalb weniger Wochen vom Werk an den Kunden geliefert. Doch im Jahr 2022 befindet sich die Autoindustrie in einer Ausnahmesituation und steckt gleich in mehreren, unabhängig voneinander verlaufenden Krisen.

Drei wesentliche Gründe für lange Wartezeiten bei Neuwagen

  • Halbleiter-Krise

  • Ukraine-Krieg

  • Rohstoff-Mangel

Halbleiter-Krise verlängert Lieferzeiten

Grund Nummer eins für die langen Lieferzeiten für Neuwagen im Jahr 2022: Die Produktion neuer Autos leidet unter dem Mangel an Halbleitern. Diese werden hauptsächlich in Asien produziert und sind seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 Mangelware.

Kleine Bauteile schaffen große Probleme: Der Halbleitermangel bremst die Automobilwirtschaft. (Bild: iStock)

Halbleiter sind jedoch einer der wichtigsten Bestandteile von Mikrochips und somit in der Autoindustrie über alle Klassen und Modelle hinweg quasi unersetzlich. Die winzigen Bauteile werden für die Steuerung von Antrieben und Getrieben, aber auch für die Nutzung von ESP oder Airbags benötigt. Mit anderen Worten: Sie sind für den Betrieb eines Autos zwingend notwendig. Sind sie knapp, können kaum Fahrzeuge hergestellt werden.

Die Krise belastet die Autoindustrie bereits seit vielen Monaten. Aufgrund von Produktionsstopps und unterbrochenen Lieferketten fehlt es an Halbleitern – und eine Besserung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil.

Unterbrochene Lieferketten, fehlende Rohstoffe

Verschärft wird die Situation durch den Krieg in der Ukraine. Er sorgt für zusätzliche Engpässe und somit auch für immer länger werdende Lieferzeiten bei Neuwagen. Dabei sind vor allem die Produktionsstätten der Autoindustrie betroffen. Die deutsche Automobilindustrie, sowohl Hersteller als auch Zulieferer, betreiben sechs Werke in der Ukraine. Hinzu kommen 43 Betriebe in Russland.

Renault muss die Produktion einiger Modelle zeitweise einschränken – und ist damit nicht allein. (Bild: Renault)

Zusätzlich sind durch den Krieg Lieferketten unterbrochen und der Transport ist eingeschränkt, wie die Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, erklärt. In der Ukraine wird ein Großteil der Kabelbäume europäischer Autohersteller gefertigt. Da diese von Modell zu Modell variieren und mitunter sehr komplex sind, gibt es hier weder Lagerbestände noch schnelle Ausweichlösungen. Somit können zahlreiche Neuwagen nicht produziert werden und die Lieferzeiten für neue Autos wachsen weiter.

Mangel an Neon-Gas und Palladium

Verschlimmert wird die Lage in den Produktionsstätten von Neuwagen durch einen Mangel an Rohstoffen, die bis zum Ausbruch des Krieges aus der Ukraine oder Russland nach Europa geliefert wurden. Sie stehen ebenfalls in direktem Zusammenhang mit den immer länger werdenden Lieferzeiten für Neuwagen im Jahr 2022.

Ein langer Weg bis zum Kunden: Der Volvo XC60 ist 38 Wochen unterwegs. (Bild: Volvo)

Das gilt in besonderem Maß für Neon. Das Edelgas ist bei der Produktion von Halbleitern für Hochleistungslaser notwendig. „Die Ukraine ist einer der wichtigsten Lieferanten für Neon-Gas“, erklärt ein Sprecher des VDA. Das spürte die Autoindustrie schon im Jahr 2014, als Russland die Krim annektierte. Damals führte die Lage zu einer massiven Verteuerung von Neon.

Palladium, das häufig aus Russland importiert wird, fehlt aktuell bei der Produktion von Katalysatoren. Zusätzlich wird Nickel für Legierungen, aber vor allem auch für die Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos und Plug-in-Hybride benötigt. All das ist im Moment Mangelware.

Lieferzeiten: Wie lange müssen Autokäufer auf ihren Neuwagen warten?

Schnell auf der Straße und schnell bei dir zu Hause: Der 3er-BMW wird momentan noch zeitnah geliefert. (Bild: BMW)

Die aktuellen Lieferzeiten für Neuwagen variieren sehr und sind stark vom Modell und vom Antrieb abhängig. Mit viel Glück und vor allem Flexibilität beim Bestellvorgang kann der Neuwagen trotz aller Krisen bereits nach wenigen Wochen beim Kunden stehen.

Laut des neuen Auto-Reports des Center of Automotive Research (CAR) können im Moment vor allem einige BMW-Modelle bereits wenige Wochen nach der Bestellung ausgeliefert werden. So gibt das CAR beispielsweise für einen BMW 3er Touring M Sport eine Lieferzeit von 4 Wochen an. Für den Opel Mokka GS Line sind es laut März-Report 4,5 Wochen. Ähnlich kurz ist die Lieferzeit beim Opel Astra Elegance.

Opel Mokka: Auch der kompakte SUV wird aktuell schnell geliefert. (Bild: Opel)

Auf andere Neuwagen müssen Kunden im Jahr 2022 noch viele Wochen, Monate oder teilweise sogar mehr als ein Jahr warten. So beträgt die Lieferzeit für einen Seat Ibiza Xcellence laut dem Report 22 Wochen, für einen Volvo XC60 Plus sind es 38 Wochen und auf einen Volvo S90 Inscription warten Kunden nach der Bestellung 68 Wochen.

Welche Hersteller haben besonders lange Lieferzeiten für Neuwagen?

Nach Angaben des Zentralverbands des deutschen Kraftfahrtgewerbes (ZDK) sind im Grunde fast alle Autohersteller von den langen Lieferzeiten für Neuwagen betroffen. Tendenziell sehe es bei den koreanischen und japanischen Herstellern etwas besser aus als bei den anderen, sagte ein ZDK-Sprecher auf Nachfrage.

Ein halbes Jahr bis zur Verschiffung: Mit dem Golf leidet auch eines der bekanntesten deutschen Automodelle unter Lieferschwierigkeiten (Bild: Volkswagen)

Bei den deutschen Autoherstellern hat die aktuelle geopolitische Situation drastische Folgen. Volkswagen beispielsweise hat die Produktion in den russischen Werken Kaluga und Nischni Nowgorod bis auf Weiteres gestoppt. Auch die Produktion am VW-Stammwerk in Wolfsburg leidet unter der Gesamtsituation. So wurde bereits im Februar 2022 bekannt, dass VW die meisten Nachtschichten streichen will, das gilt auch für die Produktion des VW Golf und hat somit auch Folgen für die Lieferzeiten von Neuwagen von VW.

Lieferzeiten von Elektroautos und Plug-in-Hybriden 2022

Wer heute ein neues Elektroauto bestellt, der wird nach Angaben des Vize-Präsidenten des ZDK, Thomas Peckruhn, „in den allermeisten Fällen bis 2023 warten müssen, bis das Auto geliefert und zugelassen wird.“ E-Autos sind sowohl von den Lieferschwierigkeiten der Halbleiter, als auch der schwächelnden Akku-Produktion betroffen.

Diese Lieferkrise kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, denn Elektroautos sind gefragt wie nie zuvor. Die Bundesregierung fördert die Elektromobilität mit hohen finanziellen Zuschüssen – setzt aber gleichzeitig ein Enddatum für diesen Bonus. Das erhöht den Druck bei den Kunden, denn niemand weiß, ob die sogenannte Innovationsprämie, eine Verdoppelung der Umweltprämie, über das Jahr 2022 hinaus verlängert wird. Ausschlaggebend für die Auszahlung der Förderung ist nämlich der Tag der Zulassung des neuen E-Autos. Bei einer Lieferzeit von einem Jahr oder mehr bedeutet das für viele Käufer große Unsicherheit.

Die hohe Nachfrage nach Elektroautos zeigt sich auch in der aktuellen Zulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamtes: Während im März 2022 die Zahl der Neuzulassungen von Pkw im Allgemeinen um 17,5 Prozent sank, stieg sie bei neuen Elektroautos um 14,5 Prozent. Damit erreichten vollelektrische Fahrzeuge mit knapp 35.000 Autos einen Anteil von 14,3 Prozent an allen Neuzulassungen.

Ohne die Lieferprobleme wäre dieser Anteil wohl noch höher gewesen, erklärt Ferdinand Dudenhöffer vom Center of Automotive Research: Der Automarkt leide aktuell unter einem geringen Angebot und langen Lieferzeiten.

Renault stoppt Bestellungen für Plug-in-Hybride und E-Autos

Elektroautos leiden besonders unter der Halbleiterkrise: Der Renault Zoe konnte einige Zeit nicht produziert werden (Bild: Renault)

Besonders große Schwierigkeiten hat im Moment unter anderem der französische Automobilhersteller Renault. Dieser teilte mit, ab Ende März aufgrund der massiven Lieferschwierigkeiten keine neuen Bestellungen für PHEV-Modelle und E-Autos anzunehmen. Dies gilt etwa für die Modelle Renault Zoe, den Master Z.E. und den neuen Renault Mégane E-Tech. Ebenfalls aktuell nicht mehr bestellt werden können die Plug-in-Varianten von Captur und Mégane.

Bei Porsche leidet im Moment vor allem die Produktion des elektrischen Taycan unter den Lieferengpässen. Medienberichten zufolge hat Porsche deshalb zeitweise die Herstellung des Taycan gestoppt, vor allem in Ermangelung von Kabelbäumen.

Ausblick Lieferzeiten: Besserung in Sicht?

Die Automobilindustrie befindet sich in einer Ausnahmesituation: zu wenig Halbleiter, Rohstoffmangel und unterbrochene Lieferketten. Wie es weitergeht, kann schwer genau vorhergesagt werden.

Experten gehen jedoch davon aus, dass die Automobilindustrie unabhängig von der politischen Situation noch lange unter einem Mangel an Halbleitern leiden wird. Mit einer Erholung sei erst im Jahr 2023 oder gar noch später zu rechnen. Somit werden auch die Lieferzeiten für Neuwagen noch viele Monate ungewöhnlich lang bleiben. Das hat auch Auswirkungen auf den Gebrauchtwagenmarkt. Wenn keine Neuwagen verfügbar sind, schwächt das zwangsläufig auch den Handel mit gebrauchten Fahrzeugen. Die Konsequenz: Preisanstiege bei schrumpfendem Angebot.

Ein schöner Anblick – doch nicht so schnell vor deiner Garage: Die Produktion des Porsche Taycan wurde gestoppt. (Bild: Porsche)

All das sollte für Neuwagenkäufer kein Grund sein zu verzweifeln. Denn es gibt nach wie vor Möglichkeiten, schnell an einen Neuwagen zu kommen. Dafür benötigt man jedoch ein wenig Flexibilität bei der Auswahl. Wer diese mitbringt, kann sich einfach unter den bereits produzierten und verfügbaren Neuwagen umschauen und diese im Idealfall direkt kaufen – ganz ohne lange Lieferzeit.

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Titelbild: Volkswagen

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