1. Startseite
  2. Autotests
  3. Lamborghini Aventador S Roadster im Test
Lamborghini Aventador S Roadster im Test
10. März 2022
Autotests

Lamborghini Aventador S Roadster im Test

Es kommt nicht häufig vor, dass man ein waschechtes Traumauto fahren darf. Und dann noch eins, das nicht nur unbezahlbar ist, sondern auch noch zu einer aussterbenden Art gehört. Eines, dessen Sound noch beeindruckender ist, als seine Optik. Wir haben die Gelegenheit beim Schopf gepackt und waren mit einem Lamborghini Aventador S Roadster "unterwegs".

Der Ausflug mit dem 740-PS-starken V12-Biest war brachial, faszinierend, ohrenbetäubend musikalisch und adrenalingeladen.

Trapezkünstler: Auch das Heck des großen, offenen Lambos ist von vielen gewinkelten Trapezformen durchzogen. (Bild:heycar)

Wir schreiben das Jahr 1966, als der erste Lamborghini Miura das Licht der Welt erblickte und die Ära des V12-Mittelmotor-Supersportwagen begründete. Mit 350 Pferdestärken galt dieses handgefertigte Stück Automobil- und Kunstgeschichte als das schnellste Fahrzeug seiner Zeit. Dass die neuartige Keilform dabei aussah wie die Skulptur eines italienischen Großmeisters der Renaissance, war fast schon nebensächlich.

Benannt wurde der italienische Sportwagen nach dem Bullenzüchter Antonio Miura. Dieser erwarb eines Tages einen legendären, furchteinflößenden spanischen Kampfstier namens „Murciélago“. Aus dieser Blutlinie sollten später nicht weniger einschüchternde Bullen wie „Diablo“ und „Huracan“ entstehen. Mit dem Miura begann die Tradition, Fahrzeuge der Marke nach berühmten Stieren oder Toreros zu benennen.

Auf den Miura folgte 1974 der ultraflache Türstopper Countach, der zwar nicht nach einem Stier benannt wurde, aber das Bild des Supersportwagens prägte wie kein zweites Auto. In den 90ern führte der Diablo das Grunddesign und den Bizzarrini-V12-Motor fort, aufgebohrt auf bis zu 6 Liter und 575 PS. Es waren turbulente Jahre für Lamborghini: finanzielle Probleme, Besitzerwechsel und Experimente am Diablo prägten diese Zeit. Nach dem Aus von Chrysler übernahm Audi 1998.

Der Lamborghini Murciélago rettete schließlich die Firma. In Grundzügen besaß die „Fledermaus“ immer noch den gleichen Bizzarrini-Motorblock aus dem Countach, mit vielen Teilen aus dem Diablo. Erst der Aventador von 2011 brachte die erste komplette Neuentwicklung des großen V12-Boliden und vielleicht auch die Letzte.

Auf den Spuren einer Legende

Die Y-förmigen LED-Scheinwerfer sind seit dem Facelift des Aventadors zu Lamborghinis Markenzeichen geworden. (Bild: heycar)

Der jüngste Nachkomme trägt ebenfalls den Namen eines Kampfstieres, der besonders leicht und tapfer gewesen sein soll. Passenderweise ist das neuentwickelte Karbon-Monocoque um einiges leichter als das des Vorgängers. Der Motor... zu dem kommen wir noch – hier gibt es zu viel zu sagen.

Das Design des Aventadors ist dem eines B2-Tarnkappenbombers nicht unähnlich und ist die konsequente Endstufe des 2007 vorgestellten Lamborghini Reventón. Die auf 20 Stück limitierte Sonderserie basierte auf dem Murciélago und sollte aussehen wie ein F-35 Tarn-Kampfjet.

Der 2013 vorgestellte, offene Aventador Roadster komplementiert diesen ohnehin schon völlig unwirklichen Look auf der Straße, mit zwei kunstvoll geometrisch geformten Glasabdeckungen über der Motorhaube und einem abnehmbaren Targa-Dach aus Karbon. 2016 erhielt der Aventador ein dezentes Facelift und trägt seitdem den Namenszusatz „S“, um ihn von den noch extremeren SV- (Super Veloce) und SVJ-Modellen (Super Veloce Jota) abzugrenzen.

12 Zylinder im Sog der Emotionen

6,5 Liter Gänsehaut: Der auf über 8.000 U/min drehende V12 ist ein Meisterwerk von Ansprechverhalten. (Bild: heycar)

Es ist nicht einfach zu beschreiben, welche Mächte hier im Heck walten und welch einverleibende Faszination sie verströmen. Beginnen wir mit den blanken Fakten: Das Herzstück des Aventador S Roadster liegt unter einer gläsernen Abdeckung. Schon bei Standgas kann man dabei zusehen, wie der Motor bedrohlich in seiner Fixierung wackelt, als würde er lieber ausbrechen wollen.

Ein 6,5 Liter großer V12 ohne jegliche Unterstützung von Turboladern oder Kompressoren sorgt für linearen, brachialen, ungefilterten Vortrieb. In Zahlen bedeutet das, dass 740 PS und 690 Newtonmeter Drehmoment über alle vier Breitreifen herfallen, bereits ab 5.500 Umdrehungen pro Minute. Gerne und bereitwillig kreischt der Saugmotor aber auf fast 8.500 U/Min hoch.

Aber die bloßen Zahlen vermitteln nichts darüber, in welcher Geschwindigkeit und Intensität das zwölfzylindrige Orchester hochdreht – all das nur ein paar Zentimeter hinter den Ohren im Cockpit. Diese Kraft spürt man bis ins Knochenmark. Ein süchtig-machendes Gefühl.

Im Leerlauf kracht der digitale Drehzahlmesser des Aventadors – dank ultra-leichten Zwei-Massen-Schwungrad aus Siliziumkarbid – so schnell in den Begrenzer, dass man schnell die volle Aufmerksamkeit der näheren Umgebung auf sich gezogen hat. Es geht nicht anders: Wer diese Soundkulisse eher als Belästigung empfindet, dem sollte man ganz detailliert die technischen Finessen der Kupplung (dessen Inspiration direkt aus der Formel 1 stammt) und des blitzschnell-schaltenden, sequenziellen 7-Gang Getriebe erklären.

Aber wir haben uns schon zu lange am Aventador im Schritttempo erfreut. Wir wollen gleich aufs Ganze gehen, auf die Autobahn.

Grenzenloses Fahrerlebnis auf Schnellstraßen

Das Aventador-Roadster-Design: Eine Mischung aus B2- und F35-Tarnfkampflugzeug und einem elektrischen Rasierer. (Bild: heycar)

Hier fasziniert der Traum aus Italien am meisten und beschert allen Fahrern schier grenzenlose Performance. Jeder Gedanke an etwaiges Übergewicht des Fahrzeugs wird sofort im Keim erstickt. Zwar erscheint das Lambo-Flaggschiff äußerlich extrem wuchtig, dank Karbon gehen die 1.575 Kg Leergewicht für das V12-Cabrio aber in Ordnung.

Unhandlich ist er trotzdem: Mit fast fünf Metern Länge und über zwei Metern Breite hält man auf engen Landstraßen schon mal Mal die Luft an, wenn einem ein Lkw entgegenkommt. So muss es sich anfühlen, einen Tarnkappenbomber durch den Grand Canyon zu fliegen.

Ab der Autobahn-Auffahrt verfliegt augenblicklich jede Unsicherheit. In unter drei Sekunden stehen aus dem Stand 100 km/h auf dem Tacho. Maximal sind 350 Stundenkilometer möglich. Doch entscheidender ist die beeindruckende Art und Weise, wie man diesen Geschwindigkeitsrausch erlebt. Die brachiale Gewalt tritt beim Beschleunigen unweigerlich in den Vordergrund, lässt die Insassen für einen kurzen Moment zur Salzsäule erstarren. Selbst wer schon Antritte von modernen Elektroautos gewöhnt ist, bekommt hier den Atem genommen.

Doch dann folgt das Unausweichliche: Die Adrenalinausschüttung stoppt nicht etwa nach dem Start, mit steigendem Drehzahlmesser wird man auch merklich stärker in den Sitz gepresst. Und nach jedem ruckartigen, brutalen Gangwechsel im “Corsa”-Modus geht die Berauschung von vorne los. Diese gleichen fast einem schnellen Tritt in die Rippen, sind aber im “Strada”-Modus deutlich handzahmer.

Das Beste dabei: Mit zunehmender Geschwindigkeit fühlt sich alles im Auto leichtgängiger, präziser und beherrschbarer an, allen voran die Lenkung. Also genau genau umgekehrt von dem was man aus einem normalen Straßenauto kennt.

V12 ohne Kompromisse und Alltagstauglichkeit

Die legendären Scherentüren (nicht Flügeltüren) des großen V12-Lambos begannen mit dem Countach. (Bild: heycar)

Ein Roadster wäre kein Roadster, wenn man nicht das Dach öffnen könnte. Im Falle des Lamborghini Aventador S geschieht dies jedoch nicht vollautomatisch, sondern – zugunsten der Verwindungssteifigkeit – komplett manuell. In der Praxis bedeutet dies, dass beide Dachhälften in einer genauen Reihenfolge aus- und wiedereingebaut, sowie vorsichtig verstaut werden müssen. Die entsprechenden Arretierungen vorne im kleinen Kofferraum, sind auf den Millimeter genau bemessen und dankbarerweise auch beschriftet.

Der hieraus resultierende Wermutstropfen, ist der nahezu unbrauchbare Stauraum. Immerhin konnten wir während unserer Testfahrten noch zwei dünne Jacken unterbringen. Vielleicht könnte man mit etwas Tetris-Fertigkeiten noch ein Zahnbürsten-Set reinquetschen. Aber wer will schon irgendwo ankommen mit diesem Auto, wenn man auch unterwegs sein könnte?

Für alle, die weniger Wert auf Gepäck und mehr Wert auf Genuss legen, zeigt sich der offene Lamborghini Aventador S von seiner Schokoladenseite. Den Wind zu spüren, während eines der großartigsten Geräusche der Menschheitsgeschichte drehzahlabhängig für akustische Untermalung sorgt, entschädigt alles.

So steht er da, in Grigio Asteria (grau) lackiert und mit Leder in Rosso Alala (rot) ausgekleidet – auf Italienisch klingt alles besser. Beide Farbtöne stammen aus dem Lamborghini Ad Personam Programm, aus welchem der Kunde nahezu jede erdenkliche Individualisierung vornehmen lassen kann. Wir hätten uns eher für einen aggressiveren, knalligeren Farbton entschieden (gelb). Je greller desto besser. Mit einem offenen V12 Lambo kann man ohnehin nicht nicht auffallen.

Aber man sei gewarnt: Der V12-Bolide verlangt nach einem relativ versierten Fahrer und das ironischerweise nicht zum Schnellfahren. Das beherrscht er stets problemlos und sicher. Dank Allrad und der extra-klebrigen Pirelli P-Zeros gelang es uns nie ihn aus der Fassung zu bringen. Wer das auf der Landstraße versucht, ist ohnehin entweder wahnsinnig oder Rennfahrer.

Fürs gemütliche Flanieren oder Posen eignet er sich nämlich nur bedingt. Dieses Feld überlässt er lieber seiner rar-gesäten Konkurrenz: dem McLaren 720S Spider oder Ferrari F8 Tributo Spider zum Beispiel. Das Automatikgetriebe ohne Doppelkupplung ist stets eine Herausforderung, selbst im “Strada”-Modus fährt es ruckelig an. Vom Rückwärtseinparken ganz zu schweigen. Trotz Rückfahrkamera sollte man wohl am besten den klassischen Lamborghini-Scherentüren-Einparktrick beherrschen.

Fazit: Lamborghini Aventador S Roadster

Der Lamborghini Aventador Roadster S ist der letzte einer aussterbenden Art. Wer noch ein (neues) Exemplar will, sollte in den nächsten paar Monaten sein Portemonnaie weit öffnen. (Bild: heycar)

Sein Charakter gefällt gewiss nicht jedem. Es mag auch sein, dass viele seine Kraft nicht einzusetzen wissen, außer im Sprint über den Ku‘damm. Doch für die meisten wird er ein ungreifbares Stück Automobilgeschichte bleiben. All jene, die das Glück haben, ein solches Auto zu fahren, werden seine Ecken und Kanten schätzen lernen. Imperfektion made in Italy.

Seine absolute Kompromisslosigkeit führt nur dazu, dass er uns noch mehr gefällt. So sehr man versucht hat, den großen Lamborghini V12 über die Jahre zu zähmen, umso mehr scheint er sich dagegen zu wehren. Zusammen mit dem Ferrari 812 Superfast ist er die letzte Bastion des herkömmlich käuflichen V12-Saugmotors – allerdings ist dieses Auslaufmodell mittlerweile fast unmöglich zu bekommen, wenn man nicht schon eine Sammlergarage voller Ferraris hat. Darüber befinden sich nur noch ultra-exklusive Hypercars wie Aston Marton Valkyrie, oder GMA T.50. Natürlich längst ausverkauft.

Er ist der Letzte seiner Art. Zukünftige Lamborghinis werden mit Hybridmotoren elektrifiziert, aber der Hersteller aus Sant’Agata verspricht so lange wie möglich am V12 festzuhalten. Ob mit oder ohne Turbo ist noch unklar. Wer also noch in den Genuss automobilen Kulturguts kommen will, muss sich beeilen und das nötige Kleingeld haben.

Allgemeines
Kompletter NameLamborghini Aventador Roadster S
Modellstart09/2018
Motor
Anzahl Zylinder, Anordnung12, V
Hubraum in ccm6.498
Leistung (kW/PS)544/740
Max. Drehmoment (Nm)690
KraftstoffartSuper Plus
Tankvolumen in Liter90
Motoraufladung-
SchadstoffklasseEuro 6
Getriebeart
GetriebeAutomatisiertes Schaltgetriebe
Anzahl Gänge7
AntriebAllrad
Fahrleistungen (laut Hersteller)
Höchstgeschwindigkeit in km/h350
Beschleunigung 0-100 km/h in s3,2
Verbrauch (laut Hersteller)
Kombiniert in l/100 km (NEFZ)16,9
CO2-Emission in g/km (NEFZ)394
CO2-EffizienzklasseG
Preis
Einstiegs-Listenpreis in €373.262

Lamborghini Aventador kaufen

Du willst den legendären V12 eines Lamborghinis auch einmal kreischen lassen? Den Aventador findest du auch auf heycar: Jedes Fahrzeug ist nicht älter als 8 Jahre und hat eine maximale Laufleistung von 150.000 Kilometern. Dazu gibt es eine Garantie von unseren geprüften Top-Händlern. Schau dich doch mal um:

Solche Traumwagen gibt es auch auf heycar:

Artikel Teilen

Das könnte dich auch interessieren:

21. September 2022

Ford Focus ST im Test

Der Ford Focus ST ist ein wahrer Hot Hatch zu einem moderaten Preis

Weiterlesen
17. August 2022

Citroën C5 X im Test

Der Citroën C5 X fährt als Fließheck zu günstigen Preisen in der Mittelklasse vor. Der Plug-in-Hybrid im großen Test.

Weiterlesen
** Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO2 -Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem 'Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO2 -Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen' entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist.

Mit Klick auf "Akzeptieren" erteilst du uns deine Einwilligung, dass wir deine Nutzung unserer Plattform durch Cookies und andere Technologien (von heycar und Dritten) nachverfolgen, um deine Nutzungserfahrung und dir angezeigte Werbung zu analysieren und personalisieren (mehr Details).

Du stimmst damit auch zu, dass deine Daten hierbei ohne geeignete Datenschutzgarantien an Partner in sog. Drittländern übermittelt werden können, die kein angemessenes Datenschutzniveau bieten, wie z.B. die USA aufgrund staatlicher Zugriffsmöglichkeiten.

Alternativ kannst du deine Einstellungen im Cookie Dashboard jetzt und jederzeit später individuell anpassen. Willst du keine Einwilligung erteilen, dann klick bitte .

Details anzeigen