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Länder ohne Tempolimit: In diesen Ländern darfst du rasen
12. Juli 2022
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Länder ohne Tempolimit: In diesen Ländern darfst du rasen

Deutschland hat viele Attraktionen, vom Wattenmeer bis Schloss Neuschwanstein. Eine der Hauptattraktionen – und Assoziationen mit uns in der gesamten Welt – ist aber eine ziemlich exotische Verkehrsregel: Auf deutschen Autobahnen gilt keine generelle Höchstgeschwindigkeit, sondern nur eine empfohlene Richtgeschwindigkeit. Seit 1953 darf auf nicht-tempobeschränkten Abschnitten der deutschen Autobahn jeder so schnell fahren, wie es Technik und Talent zulassen. Die bislang einzige Ausnahme: Während der Ölkrise pausierte die freie Fahrt, zwischen November 1973 und März 1974, um Ressourcen zu schonen.

Mit dieser Regel steht Deutschland in (Kontinental-)Europa allein da. In den USA genießt die “German Autobahn” einen beinah mythischen Ruf, wie sogar viele Promis schon anmerkten. Dabei hatten die USA selbst, noch vor ein paar Jahrzehnten, einmal kein Tempolimit. Wie allein steht Deutschland mit dieser Regel wirklich? Gibt es andere Länder die, wie Deutschland, auf unbegrenzte Autobahnen setzen? Oder andere Straßen ohne Geschwindigkeitsbegrenzung? Stimmt es, dass es in Australien, Afghanistan, Nordkorea und Indien kein Tempolimit gibt? Und welche Länder haben die großzügigsten Tempolimits auf ihren Schnellstraßen?

Europäische Länder ohne Geschwindigkeits-Limit: Die Sonderstellung der Isle of Man

Die Isle of Man TT ist das älteste und gefährlichste Motorrennen der Welt. Auch außerhalb des Events fahren viele Touristen ihre Motorräder auf der kleinen, königlichen Insel aus. Hier schnell zu fahren erfordert maximale Disziplin. (Bild: Suzuki)

Etwas Ähnliches wie die deutsche Regelung existiert in Europa tatsächlich, aber unter völlig anderen Voraussetzungen. Die sagenumwobene Isle of Man liegt in der Irischen See zwischen Irland und Großbritannien. Sie weist für die meisten Straßen der Insel, außerhalb von (meist sehr kleinen) Ortschaften, kein Tempolimit aus. Diese Sonderstellung – gemeinsam mit einigen anderen – hängt damit zusammen, dass die Isle of Man zwar theoretisch Teil Großbritanniens ist, de facto aber gänzlich der Queen persönlich unterstellt ist. Offensichtlich ist sie ein kleiner Speed-Freak.

Bereits seit 1904 will die Insel auf diese Weise Touristen mit Rennsport-Veranstaltungen anlocken. Das erste Motorradrennen der Welt und älteste Motorsport-Rennen überhaupt findet hier statt: Die legendäre Tourist Trophy (Isle of Man TT) wird noch heute jährliche auf den Straßen der Insel ausgetragen. Jedes Jahr sehen sich mehrere 10.000 Fans dieses wahnwitzige Spektakel an (YouTube-Tipp!).

Die Isle of Man verfügt aufgrund ihrer Größe nicht über „Schnellstraßen“. Die Regelung gilt auf schmalen, kurvenreichen und schwer einzusehenden Landstraßen. Und obwohl die besten Motorradfahrer während des Wettbewerbs auf der gut 60 Kilometer langen Strecke ein Durchschnittstempo (!) von mehr als 200 km/h halten, mit Spitzengeschwindigkeiten über 330 km/h, sind solche Geschwindigkeiten im regulären Verkehr nicht erreichbar.

Der gesunde Menschenverstand verbietet es auf den meisten Abschnitten, schneller als 80 km/h zu fahren. Das Straßennetz ist freilich nicht mit Autobahnen zu vergleichen, dennoch funktioniert dieses Stück Royal-sanktionierter Wahnsinn. Die Einwohner waren in allen Umfragen bis jetzt, zum absoluten Großteil, für ihre Sonderreglung.

Länder ohne Tempolimit: Unbegrenzte „Autobahnen“ international

Seit Anbeginn des Internets geistern Gerüchte umher, dass es in Afghanistan und Nordkorea kein Tempolimit gilt. Das ist nicht korrekt: Laut Recherchen von auto, motor und sport gibt es in Afghanistan eine generelle Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h. Das wird in dem gebeutelten Land zwar selten durchgesetzt, aber die Straßen geben es ohnehin kaum her. Nordkorea schirmt seine Verkehrsregelungen schlicht ab. Gesetzgebungen werden nicht ins Ausland kommuniziert. Auch hier sei das Streckennetz, mit Ausnahme einiger zentraler Paradestraßen, kaum für höhere Geschwindigkeiten ausgelegt.

Es gibt sie aber, die Länder ohne (so ziemlich) jegliche Geschwindigkeitsbegrenzung: Das Umweltbundesamt zählt in einer Übersicht Haiti, Somalia, Libanon, Nepal, Myanmar, Mauretanien, Burundi, Bhutan sowie die indischen Bundesstaaten Vanuatu, Pradesh und Uttar auf. Andere Quellen widersprechen hier: So gelten in Nepal auf Schnellstraßen 110 km/h und im Libanon 80 km/h. Für Tempotourismus eignet sich ohnehin keines dieser Länder. Oftmals wurden Höchstgeschwindigkeiten einfach nicht ausgewiesen, da man auf den meist unbefestigten Straßen sicher schon Probleme hätte schneller als 60 km/h zu fahren.

Es existier(t)en aber durchaus Beispiele für einzelne Regionen und Straßen mit Geschwindigkeitsrausch analog zu Deutschland! Hier muss man allerdings genau hinschauen, meist in die Vergangenheit.

Ehemals freie Fahrt in Montana

Der Stoff aus dem Träume gemacht sind: Diese malerischen Straßen waren vor nicht allzu langer Zeit unbeschränkt. (Bild: iStock)

1995 schaffte ein gewisser US-Präsident Clinton, auf dem Höhepunkt seiner Deregulierungs-Welle, das landesweite Tempolimit von 55 bis 65 Meilen pro Stunde ab (105 km/h), mit dem National Highway System Designation Act. Die Bundesstaaten sollten sich wieder selbst darum kümmern dürfen. Nur ein Bundesstaat tat das nicht so richtig. Im abgelegenen Montana galt seitdem für knapp vier Jahre kein generelles Tempolimit außerhalb von Ortschaften.

Es wurde lediglich gefordert, dass man eine Geschwindigkeit wählt die „reasonable and prudent“ ist, was so viel bedeutet wie „umsichtig und vernünftig“. Wie man aber hierzulande vom örtlichen Oktoberfest weiß, oder auch von unseren Autobahnen, haben Menschen bemerkenswert unterschiedliche Vorstellungen davon, was „vernünftig“ und was „zu viel ist“. Das ließ den Rasenden, in einem der dünnst-besiedelten Flecken USA, viel Spielraum. Auch da sich die US-Cops hier (ungewöhnlicherweise) davor scheuten selbst Richter spielen zu wollen. Montana hatte damals ca. ein Hundertstel der Bevölkerungsdichte von Deutschland. Unfälle waren ohne Geschwindigkeitsbegrenzung tatsächlich genauso selten wie zuvor und es kam zu keiner erhöhten Sterblichkeit.

1998 beendeten die Gerichte den Spuk aber wieder. Nicht weil die Bevölkerung oder Politiker dagegen waren, sondern weil sie sich an der zu wagen Formulierung der Höchstgeschwindigkeit störten. Die Landesregierung in Montana wollte aber auch nicht dafür verantwortlich sein, eine „vernünftige“ Geschwindigkeit als, beispielsweise, 200 km/h zu definieren und so orientierte man sich an umliegenden Bundestaaten. Es war ein kurzes, glorreiches Experiment.

Rasen im australischen Outback?

Ein äußerst seltener Anblick auf dem Stuart Highway in Australiens Northern Territory: Eine Kurve. (Bild: iStock)

Ziemlich lang hielt die unbegrenzte Fahrt in einer der wenigen Gegenden an, die wohl noch dünner besiedelt ist als der Norden der USA. Bis 2007 gab es auf dem 2.720 Kilometer langen Stuart Highway, im kaum-besiedelten Northern Territory Australiens, keine Höchstgeschwindigkeit. Der hauptsächlich zweispurige Highway verläuft an manchen Stellen im Outback hunderte Kilometer geradeaus. Hier kann man stundenlang fahren, ohne einem einzigen Fahrzeug zu begegnen. Eigentlich ideal für die flotte Fahrt. Das Problem an der nicht-abgegrenzten Straße, ohne Leitplanken, war allerdings stets der Wildwechsel.

Anfang 2014 gab es dann nochmal einen Versuch, in dem zwei insgesamt 336 Kilometer lange Abschnitte von ihren Maximalgeschwindigkeiten befreit wurden – übrigens mit denselben, weiß-durchgestrichenen Schildern wie wir sie aus Deutschland kennen. Noch bis 2016 sollte die Raserei anhalten, dann wurde erneut eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 130 km/h verordnet. Obwohl es während des Zeitraums zu keiner erhöhten Unfallrate kam, war die Ausnahmereglung der Lokalregierung ein Dorn im Auge. Eine kleine Debatte herrscht immer noch und es nicht ausgeschlossen, dass bei einem Regierungswechsel erneut ein Versuch gestartet wird.

Max. Geschwindigkeit in Südafrika: 250 km/h

Der Bugatti Veyron wurde hier auf Höchstgeschwindigkeiten unter Extrembedingungen getestet. (Bild: iStock)

Ok, würde man das als Überschrift irgendwo schreiben, wäre es Clickbait. Die allgemeine Höchstgeschwindigkeit in Südafrika ist eindeutig 120 km/h. Aber unter bestimmten Voraussetzungen dürfen auf einem Abschnitt von Südafrikas N14 Highway tatsächlich 250 km/h gefahren werden und mit Polizei-Genehmigung sogar unbegrenzt! Zwischen Pofadder und Kakamas, in der glutheißen und menschenleeren Kalahari-Wüste im Norden des Landes, testen viele Autohersteller seit Jahren die Leistung ihrer Versuchsfahrzeuge unter Extrembedingungen.

Mit einer Herstellerlizenz und entsprechendem Kennzeichen darf hier uneingeschränkt bis zu 250 km/h schnell gefahren werden. Angeblich soll es nicht so schwierig sein, eine solche Lizenz zu bekommen. Zum Beispiel, wenn man ein selbstgebasteltes Tuning-Fahrzeug importiert und „ausgiebig testen“ möchte...

Die höchsten Tempolimits weltweit

Auch ohne unbegrenzte Autobahnen kann man mancherorts doch recht flott unterwegs sein. Denn nicht überall gilt automatisch eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. Allein in Europa weichen die Tempolimits oft stark voneinander ab. In Lettland, Montenegro und Zypern muss man sich mit nur 100 km/h zufriedengeben. Einige sind da großzügiger, wie Polen und Bulgarien. In den USA geht es in Texas am schnellsten voran. Und in Abu Dhabi gelten die höchsten, offiziellen Höchstgeschwindigkeiten der Welt. Hier die Übersicht:

  • Abu Dhabi: 160 km/h (Teilstücke des Sheikh Khalifa Highway)

  • Polen: 140 km/h

  • Bulgarien: 140 km/h

  • Saudi Arabien: 140 km/h

  • Texas: 137 km/h (85 mph auf einem Teil des State Highway – 90 mph sind im Gespräch)

Titelbild: iStock

Arvid Schneider
Arvid Schneider

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