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Kindersitzpflicht: Ab wann braucht man keinen Kindersitz mehr?
6. Oktober 2022
Regularien

Kindersitzpflicht: Ab wann braucht man keinen Kindersitz mehr?

Kinder und Babys, die im Auto mitfahren, benötigen besonderen Schutz. Damit sie im Ernstfall sicher sind, gilt in Deutschland eine Kindersitzpflicht. Je nach Alter und Größe des Kindes gibt es unterschiedliche Optionen zur sicheren Fahrt. Ab wann Kinder keinen speziellen Sitz oder Sitzerhöhung mehr brauchen und auf was du auch bei älteren Kindern achten solltest, klären wir im Artikel.

Kindersitz: Bis wann ist er vorgeschrieben?

Die Straßenverkehrsordnung (StVO) regelt gesetzlich, bis wann ein Kindersitz vorgeschrieben ist. Per Gesetz gilt, dass Kinder bis einer Körpergröße von 150 cm oder dem vollendeten zwölften Lebensjahr in einem Kindersitz befördert werden müssen. Das bedeutet also, dass Kinder ab dem 12. Geburtstag ohne Kindersitz im Auto mitfahren dürften. Wie für alle anderen Mitfahrer gilt dabei weiterhin die Sicherheitsgurtpflicht.

Ab wann gilt die Kindersitzpflicht?

Kinder müssen ausnahmslos in einer geeigneten Vorrichtung im Auto sitzen oder liegen. Auch Neugeborene dürfen also nicht auf dem Arm, auf dem Schoß oder in einem Tragekorb befördert werden – egal wie kurz die Fahrt ist. Dafür gibt es spezielle Babyschalen, in denen auch Neugeborene sicher und gesetzkonform befördert werden können. Wenn das Kind nicht mehr in die Babyschale passt oder mehr als 13 Kilogramm wiegt, wird es Zeit für einen Wechsel zu einem Kindersitz für Kleinkinder.

Dürfen Kinder vorne sitzen?

Grundsätzlich dürfen Kinder vorne sitzen. Entscheidend ist nämlich nicht der Platz im Auto, sondern die richtige Verwendung des passenden Kindersitzes. Mit einem geeigneten Kindersitz, einer Sitzerhöhung oder einer Babyschale darf ein Kind also auch auf dem Beifahrersitz Platz nehmen, sofern dies nicht vom Hersteller untersagt ist. Ein genauer Blick in die Gebrauchsanweisung ist hier sehr wichtig. Viele Babyschalen, die entgegen der Fahrtrichtung angebracht werden, dürfen zum Beispiel nur vorne verwendet werden, wenn der Beifahrer-Airbag ausgeschaltet ist.

Kindersitzerhöhungen mit Rückenlehne bieten im Ernstfall Schutz für Schulter, Kopf und Rücken. (Bild: iStock)

Sind Kinder aus herkömmlichen Kindersitzen herausgewachsen, empfiehlt sich eine Sitzerhöhung für mehr Sicherheit während der Fahrt. Sie sorgen durch die erhöhte Sitzposition dafür, dass beim Anschnallen ein idealer Gurtverlauf garantiert ist. Sie haben in der Regel kein eigenes Gurtsystem. Man unterscheidet dabei zwischen herkömmlichen Sitzerhöhungen, die Kinder lediglich höher sitzen lassen und solchen, die mit Rückenlehnen und Kopfstützen deutlich mehr Schutz bieten.

Sitzerhöhung sind für größere und ältere Kinder gedacht, die jünger als 12 Jahre und kleiner als 150 cm sind. Für sie gilt weiterhin die Kindersitzpflicht. Seit 2017 sind Kindersitzerhöhungen ohne Rückenlehne nur für Kinder erlaubt, die über 125 cm groß sind und mind. 22 kg wiegen. Solange das Kind allerdings in den herkömmlichen Kindersitz passt, sollte dieser weiter genutzt werden.

Es gibt drei Arten von Sitzerhöhungen, die unterschiedliche Stufen an Sicherheit bieten:

  • Sitzerhöhung mit Rückenlehne: Sie gelten als die sicherste Variante, denn dank Rückenlehne und Kopfstütze stabilisieren und schützen sie Kinder im Falle eines Aufpralls.

  • Sitzerhöhung mit Gurtführung: Diese Variante sorgt dafür, dass der Beckengurt optimal sitzt. Im Falle eines Unfalls sind allerdings Oberkörper und Kopf des Kindes nicht optimal geschützt.

  • Einfache Kindersitzerhöhung: Sie sorgt lediglich dafür, dass das Kind höher sitzt und der Sicherheitsgurt korrekt verläuft. Allerdings bieten diese simplen Varianten im Falle eines Unfalls keinen zusätzlichen Schutz für Becken, Rücken oder Kopf.

Für den Wechsel vom klassischen Kindersitz zur Sitzerhöhung ist nicht das Alter ausschlaggebend, sondern die körperlichen Voraussetzungen. Ab einem Gewicht von mindestens 15 Kilogramm darf zwar grundsätzlich eine Sitzerhöhung mit Rückenlehne verwendet werden, solange das Kind allerdings in den Kindersitz passt, sollte dieser zur Sicherheit weiterhin genutzt werden.

Für eine reine Sitzerhöhung ohne Rückenlehne gilt seit 2017 bei allen neu zugelassenen Modellen ein Minimalgewicht von 22 Kilogramm und eine Mindestgröße von 1,25 Metern.

Welche Kindersitze gibt es?

Es gibt drei unterschiedliche Kindersitz-Typen: Die Babyschale, Kleinkindersitze und Kindersitzerhöhungen. (Bild: iStock)

Die EU-Richtlinien ECE-R 44/03 und ECE-R 44/04 sowie die ECE/UN-Regelung Nummer 129 oder auch i-Size-Norm geben eine Übersicht zu geeigneten Kindersitzen. Diese drei Normen sind derzeit gültig und nur Kindersitze, die ein Prüfsiegel einer dieser Richtlinien enthalten, sind auf deutschen Straßen zugelassen. Die ECE-Normen teilen Kindersitze nach Gewichtsklassen ein und die i-Size-Norm orientieren sich an der Körpergröße.

Es gibt drei unterschiedliche Kindersitz-Typen. Für Babys eignen sich in der Regel Babyschalen. Damit werden die Kinder liegend und entgegen der Fahrtrichtung befördert. Für Kleinkinder gibt es spezielle Sitze, die mit einem Fünfpunktgurt oder einem Fangkörper ausgestattet sind. Die Kinder sitzen in diesen Sitzen aufrecht, je nach Modell in oder entgegen der Fahrtrichtung und werden im Falle eines Unfalls fest im Sitz fixiert.

Ab einer Größe von 1,25 Metern kann ein Kind auf einer reinen Sitzerhöhung befördert werden, welche lediglich den Größenunterschied so ausgleicht, dass eine optimale Nutzung des Gurtes ermöglicht wird.

Ansonsten beantwortet sich die Frage nach dem richtigen Kindersitz durch Größe oder Gewicht des Kindes. Nicht jeder Kindersitz ist für jedes Kind geeignet, weshalb die jeweiligen Sitze dem Kind angepasst werden müssen. Einen Wegweiser, welcher Sitz der richtige ist, bieten die angesprochenen Gewichts- beziehungsweise Größenklassen.

Gewichtsklassen nach ECE-R 44

Bei der Regelung ECE-R 44 wird nach Gewicht und Sitzposition (in Fahrtrichtung und entgegen der Fahrtrichtung) unterschieden. Daraus ergeben sich folgende Klassen:

  • Kindersitz-Gruppe 0+: bis 12 Kilogramm, nur entgegen der Fahrtrichtung

  • Kindersitz-Gruppe 1: zwischen 9 und 18 Kilogramm, in Fahrtrichtung oder entgegen der Fahrtrichtung

  • Kindersitz-Gruppe 2: zwischen 15 und 25 Kilogramm, in Fahrtrichtung oder entgegen der Fahrtrichtung

  • Kindersitz-Gruppe 3: zwischen 22 und 36 Kilogramm, nur in Fahrtrichtung

Größenklassen nach i-Size-Norm

Bei der i-Size-Norm sind die Größenangaben des Herstellers maßgeblich. Voraussetzung für eine gesetzkonforme Verwendung ist die Befestigung mit dem Isofix-System, welches den Sitz direkt mit der Karosserie verbindet. Zusätzlich müssen die Sitze eine Beförderung gegen die Fahrtrichtung bis zu einem Kindesalter von 15 Monaten ermöglichen. Dann sieht die Einteilung aus wie folgt:

  • Kindersitz-Gruppe Q0: bis 0,6 Meter

  • Kindersitz-Gruppe Q1: zwischen 0,6 und 0,75 Metern

  • Kindersitz-Gruppe Q1.5: zwischen 0,75 und 0,87 Metern

  • Kindersitz-Gruppe Q3: zwischen 0,87 und 1,05 Metern

  • Kindersitz-Gruppe Q6: zwischen 1,05 und 1,25 Metern

  • Kindersitz-Gruppe Q10: ab 1,25 Metern

Worauf sollte bei einem Kindersitz geachtet werden?

Babyschalen dürfen nur entgegen der Fahrtrichtung angebracht werden. (Bild: iStock)

Zunächst solltest du dich wirklich strikt an den oben aufgeführten Normen orientieren. Wenn dein Kind aus seinem Kindersitz herausgewachsen oder mittlerweile zu schwer geworden ist, bietet dieser Sitz keinen ausreichenden Schutz mehr.

Du solltest daher nur einen Sitz kaufen, der ein Prüfsiegel besitzt und dem Wachstumsstand deines Kindes entspricht. Einen weiteren Anhaltspunkt liefern dir dann das Handbuch deines Wagens und die Gebrauchsanweisung des Sitzes. So stellst du sicher, dass Sitz und Auto kompatibel sind.

Auch bei der Montage gibt es einige Punkte zu beachten. Wenn dein Fahrzeug über das Isofix-System verfügt, kannst du den Sitz daran befestigen. Ansonsten erfolgt die Befestigung mittels des Anschnallgurtes. Wichtig ist in jedem Fall, dass du den Verlauf des Gurtes überprüfst und gegebenenfalls nachjustierst, damit er nicht zu locker sitzt.

Verwendest du eine Babyschale auf dem Beifahrersitz musst du den Airbag ausschalten, da dieser dein Kind verletzen kann. Kindersitze dürfen nur in der vorgeschriebenen Fahrtrichtung montiert werden. Modellspezifische Anforderungen findest du immer in der Gebrauchsanweisung des Kindersitzes und solltest diese unbedingt beachten.

Welche Strafe droht bei einem Verstoß gegen die Kindersitzpflicht?

Die Kindersitzpflicht gilt ausnahmslos für jede einzelnen Fahrt. Verstößt du gegen diese Regelung ganz oder teilweise, drohen dir Buß- oder Verwarnungsgelder und unter Umständen ein Punkt in Flensburg.

Nimmst du ein Kind ohne die vorschriftsmäßige Sicherung mit, beträgt das Bußgeld 30 Euro und kann sich bei weiteren Kindern auf 35 Euro erhöhen. Lässt du als Fahrer ein Kind gänzlich ohne Sicherung in deinem Wagen mitfahren, drohen dir eine Strafe von 60 Euro und ein Punkt in Flensburg.

Bei weiteren Kindern erhöht sich diese Strafe auf 70 Euro. Nutzt du eine rückwärtsgerichtete Babyschale auf dem Beifahrersitz, ohne den Airbag auszuschalten, kostet dich das 25 Euro Verwarnungsgeld. Im Falle eines Unfalls kann dazu dein Versicherungsschutz ganz oder teilweise erlöschen, selbst wenn du den Unfall nicht verursacht hast.

Wie sind die Regelungen im Ausland?

Soweit zur Kindersitzpflicht in Deutschland. Wenn du planst, mit einem Kind ins Ausland zu fahren, lohnt sich ein Blick in Regelungen der deutschen Nachbarländer. Allen Ländern ist gemein, dass nur Kindersitze, die der ECE-R44-Norm entsprechen, verwendet werden dürfen. Wenn du also einen solchen Sitz passend zum Körperbau deines Kindes besitzt, bist du auf der sicheren Seite.

Unterschiede gibt es bei der Frage, bis wann eine Kindersitzpflicht gilt. Polen, Tschechien und die Schweiz verfahren dabei genauso wie Deutschland. Das heißt, Kinder bis zu einer Größe von 1,50 Metern müssen einen Kindersitz nutzen. Belgien, Dänemark, die Niederlande und Österreich haben die Kindersitzpflicht lediglich bis zu einer Größe von 1,35 Metern. In Frankreich müssen Kinder bis zur Vollendung ihres zehnten Lebensjahres im Kindersitz sitzen.

In einigen Ländern gelten andere Regeln in Bezug auf die Nutzung eines Kindersitzes auf dem Beifahrersitz, weshalb du dein Kind sicherheitshalber hinten sitzen lassen solltest.

Kinder im Auto: der richtige Sitz ist entscheidend

Letztendlich dient die Kindersitzpflicht dem bestmöglichen Schutz der Kinder im Straßenverkehr. Daher sollten sie auch stets ausschließlich mit einem geeigneten und korrekt montierten Sitz befördert werden. Beim Kauf eines Kindersitzes helfen dir eine fachkundige Beratung und ein Test in deinem Wagen. Nur wenn sich der Sitz dort ordnungsgemäß montieren lässt, eignet er sich auch für dein Auto.

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