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Japanische Kei-Cars – kleine Autos ganz groß!
6. Juli 2021
Autokultur

Japanische Kei-Cars – kleine Autos ganz groß!

Autos werden immer größer, schwerer und teurer. SUVs mit Transporter-ähnlichen Abmessungen liegen scheinbar überall im Trend. Wirklich überall? Nein!

In Japan feiern Kei-Cars eine lange Erfolgsgeschichte, die im direkten Gegensatz zu riesigen SUVs und Geländewagen stehen. Was sich hinter den japanischen Mini-Autos verbirgt, welche Hersteller es gibt und ob diese Form der Mobilität aus Japan auch in Europa erfolgreich sein kann, erläutern wir dir gerne in diesem Artikel.

Was sind japanische Kei-Cars?

Hinter dem Begriff Kei-Car (wörtlich übersetzt „Leichtautomobil“) verstecken sich sehr kleine Autos japanischer Hersteller. Trotz kompakter Größe befinden Kei-Cars sich hinsichtlich ihrer Ausstattung auf dem Niveau herkömmlicher PKWs und werden in Japan somit als vollwertiges Auto angesehen. 

Die japanischen Kleinstwagen sind hauptsächlich in großen Metropolen wie Tokio oder Hiroshima sehr beliebt, hauptsächlich aus zweierlei Gründen: Erstens sind die kleinen Fahrzeuge in Anschaffung und Unterhalt auch für weniger vermögende Menschen einigermaßen bezahlbar.

Zweitens sind viele Straßen und Gassen der Millionenstädte so schmal, dass normalgroße Fahrzeuge nicht hindurchpassen. Daher lässt sich die Idee der Kei-Cars nicht unmittelbar auf Verbrauchsoptimierung oder Klimaschutz zurückführen, sondern vielmehr auf praktische und wirtschaftliche Gründe.

Um als Kei-Car klassifiziert zu werden, müssen die Fahrzeuge bestimmten Richtlinien und Abmessungen entsprechen. Die Kleinstwagen dürfen maximal 3,4 Meter in der Länge und nur 1,48 Meter in der Breite messen. Darüber hinaus darf der Hubraum des Motors nicht mehr 660 Kubikzentimeter betragen, die maximale Leistung des Motors ist auf 64 PS beschränkt.

Für ein für urbane Umgebungen konzipiertes Fahrzeug sind sowohl die Abmessungen als auch die Motorisierung in den meisten Fällen völlig ausreichend. Außerdem haben Kei-Cars gegenüber einem normalen PKW einige Vorteile. So genießen Besitzer eines Leichtautomobils in Japan Steuervergünstigungen, zahlen weniger Maut- und Parkgebühren und müssen keinen privaten Stellplatz vorweisen, um das Auto zulassen zu dürfen.

Vor allem der letzte Punkt spielt in den dicht besiedelten Metropolen Japans eine nicht zu unterschätzende Rolle, denn private Abstellflächen kosten ein wahres Vermögen. Pro Quadratmeter Grundstück werden in der japanischen Hauptstadt Preise von bis zu 13.000 Euro aufgerufen!

Daher ist es kein Wunder, dass Kei-Cars in Japan sehr gut bei den Bürgern ankommen. Im Jahr 2016 wurden über 30 Millionen Kleinstwagen registriert, das entsprach etwa 40 Prozent aller zugelassenen Fahrzeuge. Dieser Einfluss begründet auch die stetig wachsende Zahl verschiedener Karosserievarianten.

Die ursprüngliche Form von Kei-Cars diente vor allem dem Zweck, möglichst viel Raum bei kleinen Abmessungen zu schaffen. Die meisten dieser Fahrzeuge hatten daher die Karosserieform eines Minivans mit kurzer Motorhaube und recht steil abfallenden Seitenteilen. Mittlerweile bieten die Hersteller aber auch Aufbauten wie Roadster oder Geländewagen an.

Welche Hersteller haben Kei-Cars im Programm?

Kei-Cars genießen im japanischen Markt einen sehr hohen Stellenwert. Daher führen die meisten renommierten japanischen Automobilhersteller mindestens ein Kei-Car in ihrem Programm. Wir haben dir an dieser Stelle eine Auswahl interessanter Kleinstwagen zusammengestellt. 

Honda

Kei-Cars gibt es in unterschiedlichsten Formaten: Das sportliche S660 Cabrio gibt sich als eine Art mini Honda NSX (Bild: Honda).

Honda stellt mit dem Modell N-Box das wohl erfolgreichste Kei-Car. Im ersten Halbjahr 2019 wurden etwa 130.000 Honda N-Box zugelassen. Der Kleinwagen reizt die Vorgaben für ein Kei-Car mit einer Länge von 3.395 und einer Breite von 1.475 Millimetern bis auf lediglich fünf Millimeter aus und macht mit seiner kastenartigen Form seiner Bezeichnung „N-Box“ alle Ehre.

Trotz seiner kompakten Abmessungen muss sich der Honda in Bezug auf seine Ausstattung nicht vor PKWs verstecken. Cruise Control, Navigationssystem, angenehme Federung, ein luftiges Raumgefühl und eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h machen das Kei-Car zu einem vollwertigen Familienauto.

Ein weiterer Vertreter des japanischen Automobilherstellers ist der Honda S660, der im Gegensatz zum N-Box nicht auf ein größtmögliches Raumangebot, sondern auf maximalen Fahrspaß getrimmt ist. Beim S660 handelt es sich um einen zweisitzigen Roadster.

Er schafft trotz der Kei-Car-konformen Motorisierung von 64 PS den Spurt von 0 auf 100 km/h in etwa zehn Sekunden. Das verdankt er vor allem seinem geringen Leergewicht von nur 830 Kilogramm und dem fast maximal zulässigen Hubraum von 658 Kubikzentimetern. Auch die Optik des S660 unterstreicht durch eine aggressiv gestaltete Front und ein breit wirkendes Heck die sportliche Intention des kleinen Japaners.

Suzuki

Der Suzuki Lapin ist einer von unzähligen retro-inspirierten "Lifestyle Kei-Cars" (Bild: Suzuki).

Auch von Suzuki möchten wir dir zwei interessante Kei-Cars vorstellen. Der kleine Suzuki Lapin (französisch für „Kaninchen“) besticht durch ein angesagtes Retro-Design mit einer sehr kastigen Form und kreisrunden Frontscheinwerfern als Kontrast. Trotzdem ist der Lapin erstaunlich geräumig, bis zu vier Personen finden im Kleinwagen Platz, die maximale Zuladung liegt bei 350 Kilogramm. Außerdem bietet Suzuki selbst in der Basisausstattung ESP, ABS, Servolenkung und weitere moderne Features. Gegen Aufpreis ist sogar Allradantrieb erhältlich.

Als Gegenstück zum Lapin hat Suzuki mit dem Alto Turbo RS ein weiteres Kei-Car im Programm. Er basiert auf der gleichen Plattform wie der Lapin und ist auch hinsichtlich der Ausstattung auf dem gleichen Niveau.

Während Suzuki sich beim Kaninchen für eine eher niedlich-wirkende Optik entschieden hat, kommt der Alto Turbo RS in rassigem Sportwagendesign daher. Markante Frontlippe, grimmiger Blick und ein kleiner Spoiler an der Heckklappe machen das kleine Auto zu einem echten Hingucker.

Nissan

Nissan reizt mit dem Dayz Roox die maximalen Keicar-Abmaße bis auf wenige Zentimeter voll aus (Bild: Nissan).

Ein Kei-Car mit möglichst viel Raum hat Nissan im Portfolio: Mit 3,39 und 1,48 Metern reizt der Nissan Dayz Roox die Limits für Kei-Cars nahezu aus. Dafür sticht die Fahrzeughöhe mit 1,78 Metern deutlich aus der Masse hervor. Mit einer maximalen Innenhöhe von 1,4 Metern ergibt sich im Inneren ein sehr luftiges Raumgefühl, das in Verbindung mit der überragenden Übersicht für ein sehr wohliges Klima sorgt.

Bis zu 150 km/h sind mit dem Dayz Roox möglich. Allerdings ist durch den hohen Aufbau in Verbindung mit den schmalen Reifen und dem weichen Fahrwerk vor hohen Geschwindigkeiten in engen Kurven Vorsicht geboten.

Daihatsu

Der Daihatsu Thor soll aussehen wie ein großer Van, ist aber genauso klein wie alle anderen Keicars auch (Bild: Daihatsu).

Daihatsu ist ein weiterer japanischer Hersteller, der die Entwicklung von Kei-Cars energisch vorantreibt. Auf dem Tokyo Auto Salon zeigte Daihatsu gleich fünf Kei-Cars, die eine sehr große Bandbreite abdecken. Darunter fällt das Modell Copen Spyder Ver., ein minimalistischer Roadster mit Speedster-Windabweiser statt vollwertiger Windschutzscheibe und Verzicht auf eine Dachkonstruktion, wodurch das Leergewicht bei unter 850 Kilogramm liegt.

Der Hijet Sporza Ver. kommt dagegen als kleiner, zweisitziger Truck mit dahinterliegender Ladefläche im Stile eines Racing-Trucks daher. Der Daihatsu Taft Crossfield Ver. Ist eher für Fahrer gedacht, die auch mal einen Ausflug ins Gelände wagen. Der kleine Japaner macht durch einen exotischen Safari-Look mit Unterfahrschutz und Winde auf sich aufmerksam.  

Der Vierte im Bunde ist der Daihatsu Thor Premium Ver. D-Sport, ein Minivan mit optischen Elementen wie aus der Filmreihe „The Fast and the Furious“ – bullige Räder, aggressives Bodykit und Heckspoiler. Den Abschluss macht der Daihatsu Hijet Jumbo Camper Ver., ein kleiner Camper mit Dachbett und optischen Nachahmungen früherer Generationen.

Toyota

Selbstverständlich ist auch der größte asiatische Automobilhersteller Toyota auf dem Markt der japanischen Kei-Cars vertreten. Der Pixis Mega ist ein kastenförmiger Minivan, der bis zu vier Erwachsenen Platz bietet.

Darüber hinaus zeichnet er sich mit praktischen Features wie einer elektrischen Schiebetür, wasserabweisenden Polstern und einem Soundsystem mit sechs Lautsprechern aus, optional ist auch ein Navigationssystem erhältlich. Außerdem stehen zwei verschiedene Motoren mit 52 oder 64 PS zur Verfügung, die ihre Leistung gegen Aufpreis auch über Allradantrieb auf die Straße bringen.

Haben die japanischen Kei-Cars auch in Europa eine Zukunft?

Nicht nur in asiatischen Großstädten herrscht chronischer Platzmangel, auch in den innenstädten europäischer Metropolen geht es häufig sehr beengt zu. Außerdem nimmt die Schadstoffbelastung in den Großstädten immer noch zu. Daher stellst du dir bestimmt die Frage, ob sich Kei-Cars auch in Europa etablieren können.

Die japanischen Kleinstwagen sind bei ihren Abmessungen wahre Raumwunder – das ist unbestritten. Sie bieten oftmals Platz für die ganze Familie und sind dabei sehr kompakt. Sogar kleine Parkplätze am Straßenrand können sinnvoll genutzt werden. Darüber hinaus sind sie sparsam unterwegs und günstig in Anschaffung und Unterhalt.

Allerdings haben Kei-Cars auch eine Kehrseite, die ihre Erfolgsaussichten in Europa erheblich betrübt. So sind die japanischen Kleinstwagen hinsichtlich ihrer Sicherheitsausstattung und Schadstoffemissionen auf die japanische Gesetzgebung und Standards ausgerichtet, die sich jedoch sehr von den europäischen Regularien unterscheiden. Somit müssten die Fahrzeuge nach europäischen Richtlinien komplett neu entwickelt werden.

Dies betrifft auch die Fahrzeugarchitektur, denn die Kei-Cars sind in Japan als Rechtslenker ausgeführt und müssten für den hauptsächlich durch Rechtsverkehr geprägten europäischen Verkehrsraum zum Linkslenker umgebaut werden. Das würde Investitionen nach sich ziehen, die die japanischen Hersteller derzeit noch nicht bereit sind, auf sich aufzunehmen.

Ein offizieller Verkauf von Kei-Cars in Europa ist daher vorerst sehr unwahrscheinlich. Bei ernsthaftem Interesse bieten Grauimporte wohl die einzige Möglichkeit, in den Besitz eines Kei-Cars zu kommen.

Kei-Cars als Lösung für die Mobilität von Morgen?

In Japan sind Kei-Cars bereits fest etabliert und aus dem Straßenbild nicht mehr wegzudenken. Die kleinen Japaner tragen effektiv dazu bei, den Platzproblemen in den japanischen Metropolen entgegenzuwirken. Sie ermöglichen es auch der normalen Bürgerschicht, sich ein vierrädriges Fahrzeug leisten zu können.

Allerdings ist derzeit nicht davon auszugehen, dass sich der Trend aus Japan auch in Europa in naher Zukunft durchsetzen wird. Zu groß sind die Unterschiede in der Gesetzgebung und damit auch die notwendigen Investitionen für die Hersteller, die Fahrzeuge entsprechend anzupassen. Vielleicht greifen jedoch europäische Hersteller das Konzept auf und übertragen es auf ihre eigenen Modelle?

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