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Im Zwei-Wochen-Test: Kia Ceed GT
November 3, 2019
Test

Im Zwei-Wochen-Test: Kia Ceed GT

Vor Kurzem in einem Café in Berlin Mitte: Zwei Männer im Anzug unterhalten sich über die Frage, welches Auto sich der eine als nächstes zulegen soll. Nachdem die üblichen Verdächtigen aus München, Stuttgart und Ingolstadt abgehandelt sind, wirft der eine den Kia Stinger in den Raum und gerät ins Schwärmen: 375 PS, super Ausstattung für den Preis – und erst das Design: Als er den Stinger zum ersten Mal auf der Straße gesehen hat, habe er ihn für einen Maserati gehalten. Der Mann hält kurz inne und schiebt dann stirnrunzelnd nach: Andererseits ist es nur ein Kia. Der andere Mann nickt. 

Dieser Dialog ist sinnbildlich für die Situation, in der sich die koreanische Marke befindet: Den Kunden in Deutschland fällt Kia zunehmen positiv auf, doch so ganz trauen tut man der Sache anscheinend noch nicht. Autos aus Fernost werden in Deutschland eben noch immer argwöhnisch beäugt, vor allem in prestigeträchtigen Segmenten. Zu diesen zählt nicht nur das der Mittelklasse-Coupés, wo der Stinger als Herausforderer agiert, sondern natürlich auch das der „Hot Hatches“: Sportliche Kompaktwagen, die absolut alltagstauglich sind, dabei aber so viel Fahrspaß bieten wie so mancher Sportwagen.

In diesem Milieu, das seit Menschengedenken vom Golf GTI beherrscht wird, mittlerweile aber vor kraftstrotzenden Modellen wimmelt, will sich der neue Kia Ceed GT beweisen. Unser zweiwöchiger Test hat gezeigt, ob er das Zeug dazu hat.

Große Erwartungen

Bei der Entwicklung des Ceed GT waren Hochkaräter der Automobilbranche federführend. Hier ist zunächst einmal Peter Schreyer zu nennen, der seit dem Jahr 2006 das Design aller Kia Modelle definiert und mittlerweile zum Designchef der gesamten Hyundai Kia Motor Group aufgestiegen ist. Mit Modellen wie dem VW New Beetle, dem Audi TT oder dem Audi A2 hat Schreyer zuvor beim VW Konzern Meilensteine gesetzt und sich in der obersten Design-Liga etabliert. Bei Kia hat er bereits kurz nach seinem Amtsantritt die Front mit der „Tigernase“ geschaffen, die seither die Formensprache der Marke bestimmt und sich auch beim Ceed findet. Seit Schreyer bei Kia ist, wurden zahlreiche Modelle mit Design-Preisen ausgezeichnet und der Absatz ist stark gestiegen – auch in Deutschland.

Und dann ist da Albert Biermann. Von 2008 bis 2015 war er Entwicklungschef der BMW M GmbH und ist dann als Entwicklungschef der Hochleistungsmodelle zur Hyundai Kia Motor Group nach Korea gewechselt. Mittlerweile ist er Entwicklungschef für alle Fahrzeuge des Konzerns. Biermann sorgt in dieser Funktion unter anderem dafür, dass die Modelle von Kia generell nicht nur optisch etwas dynamischer ausfallen als die der Schwestermarke Hyundai, sondern auch bezüglich ihres Fahrverhaltens. Wie ernst man es mit der sportlichen Auslegung meint, beweist auch die Tatsache, dass der Ceed GT auf dem Nürburgring abgestimmt wurde.

All diese Fakten vor Augen haben wir also nicht „nur einen Kia“ erwartet, als wir die Schlüssel für den Ceed GT erhalten haben, sondern einen ambitionierten Hot Hatch, der Chancen hat, sich als Größe in diesem umkämpften Segment zu etablieren.

Der Ceed GT hat viele Stärken

Beginnen wir beim Innenraum. Innenräume asiatischer Autos sind ja dem gängigen Vorurteil nach lieblos gestaltet und schlecht verarbeitet. Der Ceed GT zeigt, dass diese Kritik überholt ist, denn sein hochwertiges Interieur gehört zu seinen größten Stärken: Materialien, Haptik und Verarbeitung sind tadellos, billiges Hartplastik sucht man vergebens. Sportliches Ambiente versprühen die roten Ziernähte an Lenkrad, Sitzen und Türen. Schade, dass man in den hinteren Türen darauf verzichtet hat.

Eine weitere Stärke des Ceed GT ist seine lange Ausstattungsliste. Zum Serienumfang gehören beispielsweise:

  • 18-Zoll-Leichtmetallfelgen

  • Duplex-Klappenauspuffanlage

  • Lederlenkrad mit Schaltwippen (bei Automatikgetriebe)

  • Leder-Sportsitze mit Heizung vorne und hinten

  • Zwei-Zonen-Klimaautomatik

  • Elektrische Fensterheber vorn und hinten

  • LED-Frontscheinwerfer, -Rückleuchten und -Tagfahrlichter

  • Induktive Smartphone-Ladestation

  • 12-Volt-Steckdose im Kofferraum

  • Bluetooth-Freisprecheinrichtung

  • Radio mit 8-Zoll-Touchscreen

  • Aktiver Spurhalteassistent mit Lenkeingriff

  • Bremsassistent

  • Frontkollisionswarner mit Bremseingriff und Fußgängererkennung

  • Querverkehrwarner

  • Müdigkeitswarner

  • Spurwechselassistent

  • Stauassistent

  • Fernlichtassistent

  • Smart-Key-System

  • Rückfahrkamera

  • Intelligentes Parksystem

  • Parksensoren vorn und hinten

Es dürfte schwer werden, einen Konkurrenten zu finden, der diese Ausstattung zu einem Listenpreis von 31.090 Euro toppt (Preis für die Automatik-Variante). Auch beim Kofferraum, dessen Ladekante im Vergleich zum Vorgänger um neun Zentimeter gesenkt wurde, steht der Ceed GT mit 398 Litern in seiner Klasse gut da. Weniger großzügig sind hingegen die Türausschnitte im Fond gestaltet. Sie sind so klein gehalten, dass der Einstieg etwas mühsam ist. Für groß gewachsene Erwachsene wird es auch auf der Rückbank eng. Wenn dann noch der Fahrersitz automatisch zurückfährt, um dem Fahrer den Ausstieg zu erleichtern, heißt es besser Knie anziehen.

Freuen können sich Fond-Passagiere hingegen darüber, dass die Richtungsanweisungen des Navis nur durch die vorderen Lautsprecher ausgegeben werden. So kann man hinten ungestört weiter Musik hören oder einem Hörspiel folgen. Das Navi selbst rechnet schnell und größtenteils zuverlässig, die Betonung und Aussprache der Ansagen sind korrekt und verständlich. Es ist neben einer JBL-Premium-Anlage im Navigations-Paket für 1.290 Euro Aufpreis enthalten und kann sieben Jahre lang kostenfrei upgedatet werden.

Der Ceed GT in Bewegung

Im Fahrbetrieb punktet der Ceed GT vor allem mit seinem tollen Doppelkupplungsgetriebe (DCT). Beim Lösen der Bremse fährt der Wagen sanft an und bewegt sich fortan ohne Rucken, womit sicheres Ein- und Ausparken möglich ist. Und auch bei mittleren und hohen Geschwindigkeiten schaltet der Automat so flüssig, als gäbe es gar keinen Gangwechsel. Das gelingt anderen Herstellern nicht so gut. Wer hier einen Zulieferer vermutet, liegt falsch. Das Getriebe ist eine komplette Eigenentwicklung aus Kias Forschungs- und Entwicklungszentrum in Namyang. Entwicklungsziele für das DCT waren schnelle Gangwechsel sowie die Einsparung von Kraftstoff und Emissionen. Man kann sagen: Die Ziele wurden erreicht, wenngleich ein kombinierter Verbrauch von knapp acht Litern bei zurückhaltender Fahrweise sicher nicht preisverdächtig ist.

Kia Ceed GT Test Heck
Bilder: heycar

Und man muss bedenken: Der Ceed GT macht es einem schwer, nicht dauernd beherzt aufs Gas zu steigen, schließlich wedeln 204 Pferde ungeduldig mit dem Schweif und es lockt der Sportmodus: Sobald man ihn aktiviert, legt der Ceed GT eine gewisse Trägheit ab und wird zum Sprinter mit kurzer Lunte. Die von Kia genannten 7,4 Sekunden von Null auf Hundert sind unter guten Bedingungen auf jeden Fall zu erreichen.

Aber der Ceed GT kann nicht nur nach vorne, sondern auch ums Eck. Und das ziemlich schnell. Dafür sorgen das relativ straffe Fahrwerk, die gut dimensionierten 18-Zoll-Reifen vom Typ „Michelin Pilot Sport 4“ sowie die üblichen elektronischen Hilfssysteme. Wenn man dabei noch über die Schaltwippen schaltet, kommt sogar ein wenig Renn-Feeling auf. Die Contenance verliert der Kia in solchen Situationen allerdings nicht, auch weil sich das ESP nicht komplett ausschalten lässt. So geht zwar der Puls ab und an etwas nach oben, doch die Hände bleiben immer trocken.

Der Ceed GT präsentiert sich damit als das, was er seinem Namen nach auch ist: als Gran Turismo. Ja, man kann mit ihm beherzt losspurten und Kurven sportlich nehmen, doch wenn man seine Wochenenden auf der Rennstrecke verbringen will, gibt es ungehobeltere Kompaktsportler. Dafür reist man im Ceed GT komfortabel: Windgeräusche werden erst bei sehr hohen Geschwindigkeiten störend und die Sitze sind sehr bequem.

Zur Bequemlichkeit auf Reisen oder anderen längeren Fahrten trägt auch der Stauassistent bei. Er ermöglicht autonomes Fahren auf Level 2 Niveau und entlastet den Fahrer in dichtem Verkehr. Bei aktiviertem System arbeiten Lane Assist und Abstandstempomat Hand in Hand. Sensoren erfassen das Umfeld, halten das Fahrzeug in der Spur und passen die Geschwindigkeit an den Vordermann an. Dabei bremst der Ceed GT bei Bedarf bis zum Stillstand ab. Zum erneuten Anfahren reicht dem Fahrer ein kurzer Tritt aufs Gaspedal und der Kia beschleunigt selbständig bis zur vorher gewählten Geschwindigkeit, sofern die Verkehrssituation das zulässt.

Fazit 

Der Ceed GT wurde den hohen Erwartungen, die wir an ihn hatten, nicht nur gerecht, sondern hat sie in puncto Interieur sogar übertroffen. Für einen vergleichsweise niedrigen Preis bekommt man einen top ausgestatteten und gut motorisierten Kompaktsportler mit ansprechendem Design, dessen Stärken sich vor allem im Alltag und auf Langstrecken entfalten.

Der Ceed GT gebraucht bei heycar

Ralf Hintze und Moritz Pohl
Ralf Hintze und Moritz Pohl

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