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Im Test: Renault Mégane Grandtour
16. Dezember 2019
Autotests

Im Test: Renault Mégane Grandtour

Der Grandtour ist die Kombi-Version des Renault Mégane. Zwei Redakteure des heycar Magazins haben den 140 PS starken Benziner jeweils ein Wochenende lang getestet. Ihre Berichte zeigen: Jeder Fahrer gewinnt einen ganz eigenen Eindruck von einem Auto und für jedes Modell gibt es bestimmte Zielgruppen.

Das sagt Tester 1:

Ich bin Junggeselle, habe keine Kinder und gehe keinen Hobbies nach, für die man viel Ausrüstung benötigt. Und größere Objekte transportiere ich auch höchstens zwei Mal im Jahr. Ich falle also überhaupt nicht in die Zielgruppe des Renault Mégane Grandtour. Konnte er mich dennoch für sich gewinnen?

Ich unternehme mit dem Mégane Grandtour einen längeren Wochenendtrip. Schon der Start ist holprig, denn das Auto scheint nicht für Menschen meiner Größe (1,88 m) ausgelegt zu sein. Beim ersten Bremsen bleibt mein Schuh (Größe 46) unter dem Bremspedal hängen, weil um das Gaspedal herum zu wenig Platz vorhanden ist. Beim nächsten Bremsen hebe ich den Fuß betont senkrecht vom Gaspedal weg – und er verfängt sich in den Kabeln, die sich über dem Fußraum befinden.

So etwas ist nicht nur ärgerlich, sondern auch richtig gefährlich. Wenn man einmal plötzlich bremsen muss, kann man nicht auf eine exakte Fußbewegung achten. Und bleibt man in so einer Situation hängen, kann das fatale Folgen haben. Bei einer Testfahrt mit Kaufinteresse wäre an dieser Stelle wahrscheinlich schon Schluss gewesen.

Auch sonst fühle ich mich im Mégane Grandtour etwas beengt. Die Sitze geben zwar einen guten Seitenhalt, doch nach zwei Stunden beginnen sie unbequem zu werden. Auch von Mitfahrern höre ich, dass die Sitze nicht besonders ergonomisch sind. Ein weiteres Problem stellt die flach abfallende Windschutzscheibe dar. Ich bevorzuge eine relativ aufrechte Sitzposition und in dieser habe ich viel Dachhimmel im Sichtfeld. Entsprechend eingeschränkt ist die Sicht nach draußen. Keine Chance, an einer Kreuzung stehend eine hoch montierte Ampel zu sehen. Und wo wir schon beim Thema eingeschränkte Sicht sind: Die Rundumsicht ist ebenfalls keine Stärke des Franzosen.

Wie steht es um das Fahrgefühl? Hier zeigt sich der Mégane Grandtour im Grunde bei allem im Mittelfeld: Die Federung ist weder auffallend weich, noch auffallend hart, die Lenkung ist weder labberig, noch straff, die Gasannahme ist weder sportlich-direkt, noch schleppend. Ich empfinde dieses Gesamtpaket als ein wenig charakterlos, aber natürlich kann man auch sagen: Der Wagen ist ausgewogen abgestimmt und daher absolut alltags- und massentauglich – was wohl auch das Ziel von Renault war.

Natürlich gibt es auch Dinge, die mir positiv auffallen. Generell bin ich kein Riesenfan vom Renault-Design, aber ich muss anerkennen, dass der uns zur Verfügung gestellte Mégane Grandtour ein sehr schickes Auto ist. Das Design ist markant und bleibt dennoch elegant zurückhaltend – eine Mischung, die nur wenigen Herstellern so gut gelingt.

Und auch der Innenraum gefällt mir gut: Für ein Auto dieser Preisklasse sind die Materialien hochwertig; alles ist stimmig kombiniert und aufgeräumt. Dezent platzierte Aluminium-Elemente und Leisten im Carbon-Look sorgen für einen edlen Touch. Das Lenkrad ist sehr griffig und angenehm klein – für mich eines der Highlights des Autos.

An Sicherheits- und Assistenzsystemen vermisse ich einen Totwinkelwarner. Außerdem arbeitet der Tempomat nicht adaptiv. Ansonsten ist der Mégane Grandtour auf Höhe der Zeit. Beim Verbrauch lande ich bei knapp 6,5 Litern nach meiner kombinierten Fahrt. Schenke ich dem Eco-Trainer Glauben, ist vor allem bei der Beschleunigung noch Einsparpotenzial, sodass ich einfach mal behaupte, dass man den Renault auch mit 6 Litern fahren kann.

Alles in allem hat sich für mich bestätigt, was ist auch schon geahnt habe: Der Mégane Grandtour ist ein Auto, das auf eine Zielgruppe abzielt, zu der ich nicht gehöre. In ihm zu reisen war insgesamt angenehm, aber weder auffallend komfortabel, noch auffallend aufregend. Sprich: Das Auto selbst ist kein Erlebnis, sondern erfüllt einen klaren Zweck. Für viele Leute dürfte es gerade darum interessant sein.

Das sagt Tester 2:

Ich bin verheiratet, habe zwei kleine Kinder und ein Wochenendhaus. Privat fahre ich einen Hochdachkombi von Peugeot, denn ein Auto mit ausreichend Platz ist für uns unverzichtbar. Ich war also sehr neugierig auf den Renault Mégane Grandtour, den ich ebenfalls für ein Wochenende nutze.

Insgesamt gefällt mir der Wagen gut, vor allem vom Fahrgefühl her. Er beschleunigt ordentlich und meistert ohne Probleme Geschwindigkeiten von 160 km/h und mehr. Das ist vollkommen ausreichend. Die Lenkung ist leichtgängig, aber präzise, das Fahrwerk angenehm abgestimmt. Auch die Sitze empfinde ich als sehr bequem. Das Interieur sieht gut aus und die Verarbeitung ist tadellos. Ich denke, hier bietet Renault mehr als so mancher Konkurrent in diesem Segment.

Einzig die Anordnung einiger Schalter finde ich gewöhnungsbedürftig, um nicht zu sagen: störend. So sind die beiden Schalter für Tempomat und Geschwindigkeitsbegrenzer im unteren Teil der Mittelkonsole postiert – direkt beim Schalter für die Handbremse und dort, wo die Hand ruht, wenn man den Unterarm auf der Polsterung ablegt. Die Folge: Man schaltet das Assistenzsystem leicht unbeabsichtigt aus oder an. Dazu hat man ständig Sorge, aus Versehen an die Handbremse zu kommen.

Auch im oberen Teil der Mittelkonsole gibt es noch Optimierungsmöglichkeiten, was die Schalter angeht, denn dort wurde nicht konsequent gearbeitet: Es gibt Drehregler, Tasten und Touch-Schalter, wie man sie vom Herd kennt. Hier wünscht man sich mehr Einheitlichkeit und Modernität. Apropos Modernität:

Man merkt dem Mégane Grandtour an, dass seine Entwicklung schon ein paar Jahre zurückliegt. Das Touch-Display fällt mit 7 Zoll für heutige Standards recht klein aus, was sich vor allem negativ bemerkbar macht, wenn man AndroidAuto aktiviert hat. Die App nimmt den gesamten Bildschirm ein und lässt keinen Platz mehr für die Anzeigen des Autos. Das bedeutet, dass man die App-Ansicht jedes Mal verlassen muss, wenn man die Temperatur der Klimaanlage oder andere fahrzeugbezogene Dinge sehen möchte.

Und auch das renault-eigene Betriebssystem wirkt mittlerweile aus der Zeit gefallen und überdies nicht gerade clever konstruiert. Anstatt sich auf eine optimale Bedienbarkeit und Funktionalität zu konzentrieren, hat man Zeit und Geld für Apps verschwendet, die geradezu lächerlich sind, etwa einen Taschenrechner oder ein Programm, das einem Verkehrszeichen erklärt.

Positiv überrascht bin ich von der Soundanlage. Als Hobby-DJ ist mir dieser Punkt sehr wichtig und ich denke, ich kann die Qualität einer Anlage ganz gut beurteilen. Renault hat hier wirklich einen guten Job gemacht. Vor allem die Ambient-Presets für Club-Sound, Live-Sound usw. funktionieren bemerkenswert gut und holen viel aus der Anlage heraus. Einziger Wehrmutstropfen: Für ein optimales Musikerlebnis muss man die Presets oft wechseln und das ist ziemlich umständlich.

Kommen wir zur Kernqualität eines jedes Kombis: dem Platzangebot. Hier hat mich der Mégane Grandtour etwas enttäuscht, immerhin ist er 4,63 Meter lang und damit kein kleines Auto. Aber für diese Größe ist sein Kofferraumvolumen relativ klein. Eine vierköpfige Familie dürfte Probleme haben, mit ihm zu verreisen. Die Daten belegen meinen Eindruck: Tatsächlich hat der Mégane Grandtour mit 521 Litern den kleinsten Kofferraum seiner Klasse. Die Konkurrenz kommt auf bis zu 100 Liter mehr (Kia Ceed Sportwagon: 625 Liter).

Trotz der Mankos fällt mein Gesamtfazit positiv aus: Der Renault Mégane Grandtour bietet viel Auto fürs Geld und erfüllt fast alle an ihn gerichteten Erwartungen. Nur bei der Digitalität und beim Platzangebot hapert es ein wenig, doch das ist zu verkraften. Für Familien mit drei Personen ist der Wagen definitiv eine gute Wahl. Sieht auch mein Sohn so: Er hätte den Wagen am liebsten gleich behalten.

Der Renault Mégane Grandtour in Zahlen

Allgemeines
BaureihenstartJuni 2016
Modellgeneration4
Modellname Renault Mégane Grandtour TCe 140 EDC GPF
Modellbauzeit09/18 – 08/19
Motor
Anzahl Zylinder, Anordnung4, Reihe
Hubraum1.332 ccm
Max. Leistung (kW/PS bei U/min)103/140 bei 5.000
Max. Drehmoment (Nm bei U/min)240 bei 1.600
KraftstoffartSuper
Tankvolumen in l47
MotoraufladungTurbo
EinspritzungDirekteinspritzung
AbgasreinigungVierwegekatalysator mit Partikelfilter
SchadstoffklasseEuro 6d-Temp
Getriebeart
GetriebeAutomatik mit 7-Stufen
KupplungDoppelkupplung
AntriebFront
Abmessungen, Gewichte, Ladevolumen
Länge in mm4.626
Breite (ohne Spiegel) in mm1.814
Höhe in mm1.448
EG-Leergewicht in kg1.390
Zuladung maximal in kg516
Laderaumvolumen min. in l521
Laderaumvolumen max. in l1.504
Fahrleistungen
Höchstgeschwindigkeit in km/h201
Beschleunigung 0-100 km/h in s9,9
Verbrauch
Innerorts in l/100 km7,0 – 6,5
Außerorts in l/100 km5,1 – 4,6
Kombiniert in l/100 km5,7 – 5,5
CO2-Emission in g/km130 - 125
CO2-EffizienzklasseB
Preise
Grundpreis mit Ausstattung “Limited”25.290 €
“Limited Deluxe”-Paket1.990 €
“Safety”-Paket390 €
“Easy”-Paket590 €
Notrad150 €
Gesamtpreis des Testwagens28.410 €

Der Renault Mégane Grandtour bei heycar

Benedikt Baur und Moritz Pohl
Benedikt Baur und Moritz Pohl

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