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Im Test: Peugeot 508 PSE
17. August 2021
Autotests

Im Test: Peugeot 508 PSE

Der Peugeot 508 PSE ist für den französischen Autobauer ein Startschuss in mehrfacher Hinsicht. Zum einem ist es das erste Fahrzeug des neuen Labels Peugeot Sports Engineered (PSE) und zum anderen, mit 360 PS, das bislang stärkste Serienmodell des Unternehmens überhaupt.

Peugeot verabschiedet sich damit gleichzeitig vom GTi und setzt für seine sportliche Zukunft auf Plug-in-Hybride. Dem PSE spendierte man neben Verbrenner zwei Elektromotoren. Damit die Leistung nicht nur während der Fahrt zu spüren, sondern auch zu erkennen ist, verpasste Peugeot dem sportlichen Kombi einige Design-Eigenheiten, die fortan bei allen sportlichen Modellen zu finden sein sollen.

Wir sind zwei Wochen mit dem Kombi durch Berlin und Brandenburg gefahren – ob der sportliche Franzose auch zu dir passt, verraten wir im Test.

Kryptonit im Design

Der 508 PSE macht optisch Eindruck, das muss man zugeben. Speziell die Tagfahrlichter, die laut Peugeot an die Reißzähne ihres Logo-spendenden Löwen erinnern sollen, wissen zu gefallen. Doch die gibt es auch beim herkömmlichen 508.

Besonders beim PSE sind dagegen die neongrünen Akzente – Peugeot nennt es “Kryptonit”– die überall zu finden sind. Ins Auge stechen dabei vor allem die Lufteinlässe vorn und die Bremssättel an den Vorderreifen. Die drei Kryptonit-Streifen an der Motorhaube erinnern allerdings eher an das Logo eines bekannten Energydrink-Herstellers als an Löwenkrallen.

Beastmode: Die Akzente in Kryptonit und die Tagfahrlichter, sollen an die Reißzähne eines Löwen erinnern (Bild: heycar).

In Verbindung mit der matten “Selenium Grau” Lackierung, wirkt das Auto deutlich exzentrischer als so manches Konkurrenzmodell. Das hat gute Gründe, zumindest, Marketing-bedingte Gründe. Denn Peugeot versucht über das neue, neongrüne PSE-Logo und die Akzente, eine wenig-subtile Verbindung zum ebenfalls hybrid-betriebenen 9X8 Le Mans Prototypen herzustellen. Der 508 soll genauso als Technologieträger dastehen wie der 24-Stunden-Renner aus der neuen Hypercar-Klasse. „Brandbuilding“ nennt man das. Hoffentlich sagt es nichts über Peugeots Verkaufsambitionen aus, immerhin ist es ihr teuerstes Auto bisher.

So oder so gelungen: Unser 508 PSE sitzt mächtig sportlich auf der Straße. Er ist eher Shooting Brake als gewöhnlicher Kombi. Die Limousinen-Variante, welche hierzulande wohl noch mehr Seltenheitswert genießen wird, hat unserer Meinung nach nicht denselben Coolness-Faktor.

Der tiefliegende 508 PSE wirkt auf den ersten Blick sogar länger als seine 4,77 Meter vermuten lassen. Gestützt wird dieser Eindruck durch die flache, abfallende Dachlinie, die in einem Spoiler endet. Gerade die imposante Front trägt – nicht nur wegen der Kyptonit-Details – dazu bei, dass sich auf der Straße häufig Menschen nach ihm umdrehen. Einen solchen Peugeot, wenn er überhaupt als solcher erkannt wird, sieht man nicht alle Tage.

Vorne wurde der PSE um 10 mm abgesenkt; die vordere und hintere Spur wurden verbreitert (um 24 bzw. 12 Millimeter). Die kantige Front mitsamt gezacktem Grill und neongrünen Finnen am Stoßfänger – er macht was her. Weitere, aerodynamisch zweifelhafte Finnen befinden sich an den Radläufen vorne und am Heck. Hinten ist es – in Kombination mit dem obligatorischen Fake-Diffuser – zu viel des Guten. Hier kann man im Grunde nur darauf warten, dass sie sich bei unvorsichtigen Parkmanövern zeitig verabschieden.

Es sind nur kleine Makel am sonst recht imposanten Heck, das die Rücklichter durch ein durchgehendes, schwarzes Element wie aus einem Guss erscheinen lässt. Ebenfalls imposant: Die 20-Zoll-Leichtmetallfelgen im Aero-Blade-Design, die uns ein wenig an die des Lamborghini Revénton erinnern, in der 00er-Jahre Tuner-Version (Google-Tipp).

Innen gelassen und elegant

Etwas Overstatement außen, etwas bodenständiger innen: Was Peugeot mit der Verbindung zwischen Eleganz und Performance meint, versteht man spätestens im Auto. Die Holzabdeckungen in “Zebrano”-Optik, die Sitze aus Echtleder und Alcantara, sowie die großzügige Mittelkonsole sind wirklich elegant und hochwertig verarbeitet – eigentlich dem hohen Preis angemessen. Wären da nicht die Ziernähte in Kryptonit-neongrün, die sich auch hier überall wiederfinden. Sie sollen nochmals den sportlichen Charakter stützen, beißen sich aber mit dem ansonsten stilsicheren Interieur.

Unser Testwagen war mit den Komfortsitzen ausgestattet (mit Memory-Funktion), die zudem über eine Massagefunktion verfügen. Generell sitzt es sich auf den gut gepolsterten Sitzen, sowohl auf Fahrer- als auch auf Beifahrerseite, äußerst komfortabel.

Im Fond sollten die Passagiere nicht über 1,90 Meter groß sein, ansonsten wird es schnell knapp mit der Beinfreiheit. Auch im Kopfbereich könnte es an dieser Stelle enger werden – so lange keine vier Basketballer gleichzeitig im Peugeot sitzen, ist das Platzangebot aber vollkommen ausreichend.

Das gilt auch für den Kofferraum, der als Kombi mit 530 bis, umgeklappt, 1780 Litern Ladevolumen ordentlich Platz bietet. Mit dem 508 PSE kann es gut und gerne vollbepackt in den Urlaub gehen.

Performance und Fahrverhalten

Der 508 PSE ist also außen sportlich und innen sportlich-elegant gestaltet, doch: Spürt man auch dass er der stärkste Serien-Peugeot aller Zeiten ist? Der PSE ist für Peugeot eine Zäsur: Die Franzosen verabschieden sich vom legendären GTi-Kürzel, welches wohl keine Firma neben VW mit so bedeutungsvollen Autos füllte.

Denn der 508 PSE hat – bis auf den 1,6 l PureTech 200 PS Benziner aus dem 208 und 308 – als Hybrid-Oberklasse-Spitzenmodell kaum mehr Gemeinsamkeiten mit den leichten, jugendlich-spritzigen GTis der Vergangenheit. Er hat einen ganz eigenen Charakter. Ohne das Klischee weiter bedienen zu wollen: Mit dem PSE ist Peugeot erwachsener geworden, was man ironischerweise äußerlich nicht vermuten würde.

Dank einer kombinierten Gesamtleistung von 265 kW (360 PS) und maximalen Drehmoment von 520 Nm, spurtet er in 5,2 Sekunden auf 100. Für einen knapp 2-Tonnen-Kombi respektabel, fühlt es sich am Steuer noch belohnender an. Speziell im Sport-Modus ist das Ansprechverhalten des PSE angenehm scharf und zumindest beim Kickdown klingt er dann auch so sportlich wie er aussieht.

Der 1,6 l Pure Tech 200 PS Verbrenner wird im 508 PSE von zwei Elektromotoren unterstützt. (Bild: heycar)

Das Einlenkverhalten ist nicht extrem direkt, aber ausreichend und vor allem super progressiv. Allzu viel Feedback kommt durch die elektrische Lenkung nicht an. Er ist kein BMW M3 oder M-Sport 3er. Im Sportmodus wird es dafür, trotz des Gewichts, selbst bei schnellen Lastwechseln nie ruckartig. Leider ist besonders in diesem die Lenkung nochmal um einiges (künstlich) schwerfälliger.

Das fällt nicht ansatzweise so sehr ins Gewicht wie beim vergleichbaren BMW, lässt sich beim Peugeot dafür auch nicht ausschalten. Was uns zum größten Kritikpunkt führt: Die einzelnen Fahrabstimmungen lassen sich nicht ausgiebig miteinander kombinieren. Die ideale Wunschkombination: Relaxtes Fahrwerk und leichtgängige Lenkung aus dem Komfortmodus in Verbindung mit dem wesentlich schärferen Ansprechverhalten und schneller-schaltenden Getriebe aus dem Sportmodus. Das geht nicht. Vielleicht liefert Peugeot ja per Software nach.

Die Federung ist zuverlässig komfortabel, ohne jemals zu weich zu sein. Am Stadtrand von Berlin sehen die Straßen mancher Dörfer aus, als ob sie zuletzt von der Treuhand saniert wurden. Die Dämpfer tun ihren Job hier hervorragend. Viele explizit-sportliche und schwere Fahrzeuge neigen hier gelegentlich zu einem schwimmenden Gefühl, wenn die Federung mit (zu) hart abgestimmten Dämpfern zusammenarbeitet und überfordert ist. Beim PSE ist das selbst im Sportmodus nie der Fall.

Die 20-Zöller wirken massiv im Radkasten des PSE. (Bild: heycar)

Umso erstaunlicher, da die riesigen 20-Zoll-Felgen den Michelin Pilot Sports egoistisch viel Platz im Radkasten wegnehmen. Die Felgen trüben das dynamische Komfort-Vergnügen dann doch etwas. Bei Tempo 30 auf Kopfsteinpflaster spürt man einige, wenn auch gedämpfte Vibrationen durch den Sitz und vor allem durchs Lenkrad.

Hieran sind die 20-Zöller zweifellos mitschuldig. Das sonst so gut abgestimmte Fahrwerk wird mit den Vibrationen der schweren Felgen und flachen Reifen nicht fertig. Sollte Peugeot doch noch kleinere Leichtmetaller anbieten, wären diese nur zu empfehlen – auch wenn sie Einbußen auf der Street-Credibility-Skala bedeuten würden.

Elektrische Reichweite und Laden

Bei dem sportlichen Treiben könnte man glatt vergessen, dass der Kombi in der Stadt auch rein elektrisch durch die Gegend surren kann. Nach WLTP reicht das für 42 Kilometer. Wie auch bei vielen anderen PHEVs ist der Nachteil ganz klar das Fehlen einer Schnellladefunktion. Zwar gibt Peugeot an, dass es bei einer Ladeleistung von 22 kW nur etwa 100 Minuten dauert, bis das Fahrzeug geladen ist. Bei den meisten Ladestationen in Berlin gab es allerdings nur 11 kW Leistung. Das öffentliche Laden lohnt sich daher nur bei wirklich ausgedehnten Shoppingtouren.

Für Fahrer mit Mietwohnungen, die keine Wallbox installieren können oder um die Ecke eine Ladestation haben, wird es schnell frustrierend, einen leeren, schweren Akku durch die Gegend zu kutschieren. Zwar lädt die Batterie auch durch Rekuperation und speist im Sportmodus wieder Energie ein – im Sinne des Plug-in-Hybrids ist das nicht.

Mit Listenpreisen von 66.640 Euro für die Limousine und 67.940 Euro für den Kombi, qualifiziert sich der PSE übrigens nicht mehr für BAFA-Förderung der Bundesregierung. Sehr positiv zu erwähnen ist allerdings auch, dass er für diesen Preis quasi vollausgestattet ist. Bis auf das Panorama-Dach gibt es keine nennenswerten, zusätzlichen Optionen.

Infotainment und Bedienung

Das Infotainment benötigt Eingewöhnungszeit, bis man verstanden hat was wo schnell angewählt werden kann. Einstellungen werden über das 12,3-Zoll große Touchdisplay vorgenommen. Haptische Elemente gibt es ebenfalls – hier hat Peugeot mehrere Wippschalter eingebaut, mit denen man zumindest die Hauptmenüs verschiedener Einstellungsoptionen aufruft. Danach wird es aber schnell unhandlich. Will man Temperatur und Intensität der Klimaanlage einstellen, funktioniert das nur über Touch. Hier hätten dem PSE ein paar mehr Regler gut zu Gesicht gestanden.

Der PSE bietet zwar die Möglichkeit Smartphones induktiv zu laden – allerdings ist die Aussparung in der Mittelkonsole wahrlich schlecht erreichbar, sobald man im Auto sitzt. Vielleicht ein verstecktes Sicherheitsfeature? Apple Carplay funktionierte zudem nur kabelgebunden, was nicht besonders zeitgemäß ist. Eine Sprachsteuerung gibt es ebenfalls und auch Peugeot hat hier noch zu tun: Anweisungen per Sprachbefehl dauern zu lange und werden häufig nicht verstanden.

Innen gibt es im 508 PSE eine moderne Mischung aus sportlich und elegant – durchbrochen von Kryptonit-Elementen. (Bild: heycar)

Ein Heads-up-Display sucht man vergebens – dafür liegt das virtuelle Cockpit recht weit oben. Hat man das insgesamt recht kleine Lenkrad in eine höhere Position gezogen, liegt es allerdings oft im Sichtfeld der virtuellen Instrumente. Hier hätte ein größeres Lenkrad für mehr Übersicht gesorgt.

Mithilfe der Schaltwippen kann am Lenkrad auch manuell geschaltet werden. Für ein sportliches Auto eigentlich ein Muss, hier eher netter Bonus. Einer, der sich im 508 PSE weniger belohnend anfühlt, als man es sich vorstellt. Das liegt zum einen daran, dass man den Drehzahlmesser für die digitale Anzeige erstmal finden muss. Zum anderen, geben weder Ansprechverhalten noch Soundkulisse klare Hinweise darauf, in welchem Gang man sich gerade befindet. Ausreichend Drehmoment liegt immer an.

Sicherheits- und Assistenzsysteme

Bei den Assistenz- und Sicherheitssystemen ist der 508 gut aufgestellt. Der Tempomat adaptiert auf Wunsch neue Geschwindigkeitsbegrenzungen. Die Verkehrsschilderkennung für etwaige Höchstgeschwindigkeiten klappt in der Regel problemlos. Beim Einparken unterstützt neben – recht unscharfen – Heck- und Frontkameras, auch eine 360°-Umgebungsansicht aus der Vogelperspektive, die die Umwelt erstaunlich genau erkennt und den idealen Abstand zum Bordstein misst.

Auch am Lenkrad finden sich die Löwenkrallen wieder. (Bild: heycar)

Während einer Fahrt über die ewigen Autobahnbaustellen außerhalb Berlins kämpften wir kurzzeitig mit dem Lenkrad oder genauer: mit dem Spurhalteassistenten. Dieser ruckelt bei engen, nicht eindeutig markierten Abschnitten mitunter heftig – zum Glück lässt er sich per Knopfdruck deaktivieren.

Testurteil:

Der Peugeot 508 PSE ist mehr GT als GTi, somit kein agiler Hot Hatch mehr – das wäre angesichts seines Gewichts und der drei Motoren auch gar nicht möglich gewesen. Dessen schien sich Peugeot zum Glück bewusst, denn unterm Strich ist der PSE zwar sportlich, aber immer komfortabel unterwegs. Es ist ein Wagen für sportlich-ambitionierte Fahrer mit Langstrecken-Ansprüchen, denen es aber im Traum nicht einfallen würde, das Grip-Limit der Michelins auf der Landstraße auszutesten – schon gar nicht mit Familie an Bord.

Damit ist der eindrucksvoll abgestimmte PSE für uns eine Art reifere Version des Mercedes C43 AMG oder BMW M340i und absolut familientauglich – auch wenn das durch sein Äußeres nicht klar wird. Der nächste PSE dürfte für unseren Geschmack etwas weniger nach “Modischer Sneaker trifft auf Need for Speed Underground” aussehen und mehr die souveräne Vielseitigkeit und Ausgewogenheit des Autos unterstreichen. Ein so teurer Peugeot wird für viele wohl immer die Außenseiter-Wahl bleiben. Dabei wäre es eine charaktervolle Entscheidung, die sich lohnt.

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Titelbild: heycar

Arvid Schneider & Norman Volkmann
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