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Im Test: Peugeot 308 SW
7. Dezember 2021
Autotests

Im Test: Peugeot 308 SW

Als Kombi in der Kompaktklasse stellt der Peugeot 308 SW in der zweiten Generation seit nunmehr fünf Jahren das Pendant zum Golf Variant, Focus Turnier & Co. dar und erhielt vor gut einem Jahr eine Auffrischung. Optisch passierte dabei nicht allzu viel, was allerdings auch gut ist. Denn weniger ist mehr – das gilt auch hier.

Der Kombi punktet mit einer sehr zurückhaltenden Art, bedient sich keiner extrovertierten Elemente, sichert sich dadurch aber eine gewisse Zeitlosigkeit. Für extravagantes, sportliches Design ist beim PSA-Konzern der größere Mittelklassen-Bruder Peugeot 508 zuständig.

Wir haben dem biederen, aber praktischen Franzosen in unserem Test einmal auf den Zahn gefühlt. Was taugt der Kombi und stellt er immer noch eine etablierte, günstige Alternative zu den Platzhirschen dar?

Exterieur: auffallend unauffällig

Die Extra-Länge steht ihm gut: der 308 SW sieht gelungener aus als sein wesentlich kürzerer Kompakt-Bruder (Bild: heycar)

Als SW (Nomenklatur bei Peugeot für die Kombivarianten) klettert die Fahrzeuglänge des Peugeot 308 um 33 Zentimeter gegenüber dem Fünftürer. Der Kombi wirkt deutlich größer und erreicht seinen Zuwachs dank vergrößerten Radstands.

Die Streckbank tat dem 308 SW gut. Mit strammer Linienführung und der kraftvoll nach hinten ansteigenden Gürtellinie zeigt der Franzose vor allem aus der Seitenperspektive mehr Dynamik als die Dreitürer-Versionen. Die Front strahlt dagegen Ruhe aus und der überarbeitete Kühlergrill scheint in seiner Form einen Ansatz zum Lächeln zu zeigen. Der Markenlöwe glänzt seit dem Facelift in Chrome. Die LED-Scheinwerfer zieren serienmäßige LED-Tagfahrlichtbänder.

Am Heck dominieren die großflächigen Heckleuchten mit markanter Lichtsignatur und eine große Heckscheibe. Exotisch und polarisierend sollen zwei flache Auspuffblenden á-la Mercedes auf das Potenzial des 180 HDi hinweisen, welche beim 308 vergleichsweise mittig positioniert wurden. Dadurch besitzt der Franzose ein gewisses Alleinstellungsmerkmal und besetzt die Lücke zwischen konventionellen Endrohrpositionen außen oder zentral.

Insgesamt besitzt der Peugeot 308 SW nach seinem Facelift aber immer noch ein unscheinbares, unauffälliges Aussehen. Damit kann er im Pool der Kompaktklassekombis zwar nicht punkten, aber eine gewissen Kundschaft spricht genau das an: Es zählen die praktischen Werte, die mit dem reduzierten Design kombiniert wurden.

Im Namen des GT

Das solide-verarbeitete, aufgeräumte und fast knopflose Infotainment ist leider viel schicker als es praktisch ist (Bild: heycar)

Gänzlich anders geht es im Inneren des 308 SW GT zu: Hier findet sich eine sportlichere Ausstrahlung, die durch den Einsatz von Materialien wie Alcantara und Leder, sowie großzügig verteilter Akzentnähte in Rot befeuert wird. Das für manche Leute sehr kleine Sportlenkrad sieht nicht nur cool aus, sondern schmeichelt auch den Fahrerhänden. Nach kurzer Eingewöhnung fanden wir es klasse.

Die weit oben positionierten Cockpitinstrumente sind typisch Peugeot und besitzen neben einem zentralen TFT-Display zwei analoge Rundinstrumente, mit gegenläufigen Anzeigen. Ebenfalls typisch sind der zentrale Bildschirm in der Mitte des Instrumententrägers, sowie die nach vorn ansteigende Mittelkonsole mit futuristisch-anmutendem Joystick, der als Wählhebel für die Automatik dient. Die Softtouch-Oberflächen strahlten überall Wertigkeit aus, was man nicht für alle verwendeten Materialien sagen kann.

Die Sitze dieser GT-Version sind äußerst bequem, haben eine Extraportion Seitenhalt und eine erstaunlich hohe Langstreckentauglichkeit. Selbst nach stundenlanger Fahrt kommen keine Ermüdungserscheinungen auf. Mit einem angenehmen Raumgefühl, welches durch die Lichtflutung des riesigen Panoramadachs noch verstärkt wird, genießt man überall im Kombi Wohlbefinden.

Dies gilt auch für den Fond, wo die Passagiere auf den beiden äußeren Sitzen reichlich Bein- und Kopffreiheit vorfinden. Erst Personen über zwei Meter finden auf dem Fahrerplatz keine zufriedenstellende Position am Lenkrad; welches bei korrekter Sitzeinstellung entweder etwas zu weit weg liegt oder, noch schlimmer ist, den Blick auf die Cockpitarmaturen zu einem nicht unbeträchtlichen Teil verdeckt.

Der Laderaum ist einem Kompaktklassen-Kombi mehr als würdig. Mit 610 Litern schluckt das Gepäckabteil bereits in der Standardkonfiguration so viel wie ein Octavia. Extrem vorteilhaft ist, dass bei voller Ausnutzung die Sitze so umgeklappt und abgesenkt werden können, dass die Ladefläche absolut eben bleibt. Dies nennt man bei Peugeot „Magic Flat“. Die Rundumsicht sichert die großzügige Verglasung sowie die nicht überschwänglich ausgefallene Dachsäulenarchitektur und beschert dem Peugeot hier Bestnoten in seiner Klasse.

Motor & Fahreigenschaften: Athlet mit Manieren

Der 177 PS-starke Blue HDi 180 bleibt überasschungsfrei, fällt aber auch niemals negativ auf (Bild: heycar).

Der im Testwagen werkelnde 2.0-Liter Turbodiesel BlueHDi 180, mit 177 PS sowie 400 Newtonmeter Drehmoment, ist kein Unbekannter und verrichtet seine Dienste im Peugeot 3008 und 5008 GT ebenfalls ordentlich. Überraschungen bleiben aus und der antritts- sowie durchzugsstarke Motor erwies sich in allen Lebenslagen als ausreichende Motorisierung für den Peugeot 308 SW und gab sich darüber hinaus stets sehr kultiviert.

Die hervorragende ZF-Achtgang-Automatik passt einfach perfekt zu 2-Liter Diesel-Motoren jeglichen Fabrikats und schaltet die Gänge zügig, komfortabel und komplett ruckfrei. Das Fahrverhalten des Kombis bleibt in den meisten Lebenslagen unkompliziert. Die Lenkung agiert sehr direkt, aber ein bisschen lieblos. Kein Vergleich zum größeren 508. Etwas mehr Feedback über das kleine Lenkrad wäre wünschenswert, vor allem wenn man sportlicher unterwegs ist. Hier hat Peugeot nicht so viel investiert wie in den großen Bruder.

Dafür kann man per „Sport“-Knopf die Gasannahme und Schaltgeschwindigkeit noch spürbar straffen und dem Kombi so einen agilen Charakter verpassen. Das passiert auch optisch, denn die Cockpitinstrumente leuchten in diesem Modus feuerrot. Dass im Sportmodus noch zusätzlich Motorensound elektronisch moduliert wird, ist Geschmackssache und trifft bei uns auf wenig Gegenliebe. In jedem Fall wäre es vorteilhaft, wenn man diese Option abschalten könnte.

Wenn er muss, fährt der 308 SW mit 223 km/h über die freie Autobahn. Dabei zeigt der Tacho gern etwas mehr – 232 km/h in unserem Fall. Der Sprint auf die obligatorischen 100 km/h sind im Sportmodus laut Datenblatt nach 8,4 Sekunden Geschichte. Im Praxistest waren es exakt 8,5 Sekunden. Doch auch in der „Eco“-Fahrstufe ist der Kombi keineswegs müde, sondern tritt kraftvoll an. Die Federung steckt dabei den einen Großteil der alltäglichen Anforderungen konsequent weg. Die Fahrgeräusche zeigten im Test, dass der Peugeot zwar gegen Motorengeräusche gut gedämmt ist, aber bei Fahrten auf Rollsplitt oder beim Durchfahren von Pfützen, dies überaus deutlich aus den Radkästen wahrnehmbar ist.

Der Verbrauch konnte uns hingegen überzeugen. Im Drittelmix sank der Tankinhalt nur um 6,5 Liter pro 100 Kilometer, was in Anbetracht der gebotenen Leistung sehr gut ist. Bei strammer Fahrweise steigt der Verbrauch nur auf knapp acht Liter. Ausschließlich in der Stadt und auf Kurzstrecke waren es aber auch schon mal über neun Liter – weniger gut.

Ausstattung, Komfort und Sicherheit

Bis auf die ungewöhnliche Auspuff(-Blenden) Position, bleibt das Heck unscheinbar und unverändert zum Vorgänger (Bild: heycar).

Als GT-Version fährt der Peugeot 308 SW bereits fast voll-ausgestattet. Viele der ehemals optionalen Assistenten werden seit dem Facelift gratis hinzugefügt und machen den Kompaktkombi sicherer. Der adaptive Tempomat hält Abstände zum Vordermann angenehm fließend und in vier vorwählbaren Abständen. Ein scheinbar recht kleiner Abtastwinkel schränkt dessen Nutzung allerdings auf überwiegend gerade Strecken ein. Sobald es kurviger zugeht, verliert der Sensor den vorausfahrenden Bezugspunkt und beschleunigt je nach eingestelltem Wert kräftig, um nach der Kurve den Vordermann wiederzuerkennen und dann ein ziemlich heftiges Bremsmanöver einzuleiten. Nachbesserungsbedarf.

Exzellent arbeitet dagegen der neue Spurhalteassistent, der in einer perfekten Gratwanderung zwischen Eingriff und Zurückhaltung genau das Maß an den Tag legen konnte, was man sich auch von anderen Herstellern wünschen würde. Um den Kombi dann adäquat in einen freien Parkplatz zu manövrieren, helfen Ultraschallsensoren sowie eine Rückfahrkamera. Letztere musste allerdings nach längeren Fahrten bei schlechtem Wetter zunächst von Schmutz befreit werden, ansonsten nimmt man die Umgebung nur schemenhaft wahr.

Die Anordnung einiger Bedienelemente im Peugeot 308 SW möchten wir an dieser Stelle aber in Frage stellen: Die Positionen der Sitzheizungsbedienung können wir nicht nachvollziehen. Sie befindet sich in einem Ablagefach der Mittelkonsole, wo sich im Alltag Handy, Schlüsselbund, Taschentücher und ähnlicher Kleinkram ansammeln dürfte. Nach einiger Zeit werden die beiden Drehregler kaum mehr zu finden sein. Die Bedienung ist eine Fummelei und die Kontrolle, auf welcher Heizstufe man sich aktuell befindet, bedarf Verrenkungen, die während der Fahrt nicht sein müssen.

Ebenso fragwürdig fanden wir die Bedienung der Klimatisierung über den Bildschirm. Sie erwies sich im Praxistest wiederholt umständlich. Sehr positiv ist der Aspekt, dass es noch einen Drehregler für die Lautstärke gibt und daneben sogar noch einen Slot für ein CD-Laufwerk. Ansonsten findet sich in der Mittelkonsole aber reichlich viel Freiraum, in dem man zuerst die Einstellung für die Klimaanlage suchen würde. Intuitiv korrekt hingegen zeigen sich die optionalen Schalter für die angenehme Massagefunktion und die elektrische Lordosenverstellung, die treffsicher an der Sitzwange zu finden ist.

Das Glasdach ist augenscheinlich eines der größten seiner Klasse. Zwar kann man dieses nicht öffnen, doch ein elektrischer Sonnenschutz ist vorhanden und verschließt die XXL-Glasfläche per Knopfdruck absolut blickdicht.

Das PSA-Infotainmentsystem offenbart auch im Kompaktklassen-Kombi eine überwiegend verständliche Menüführung und eine schnelle, zuverlässige Routenführung des 3D-Navigationssystems. Die akustische Untermalung im Peugeot 308 SW übernimmt eine Denon-Soundanlage, die klanglich sehr neutral ist. Neu seit dem Facelift ist Mirroring, mit dem sich Mobilgeräte nun auch auf dem Zentraldisplay bedienen lassen. Die LED-Scheinwerfer zeichnen sich mit sehr guter Ausleuchtung aus, die bei Abblend- und Fernlicht fleckenfrei blieb. Der Fernlichtassistent erwies sich als etwas träge und blendete während unserer Nachtfahrten des Öfteren zu spät ab.

Fazit:

Der Peugeot 308 SW ist ein gelungenes Gesamtpaket, dass mit dem Facelift immer noch unscheinbar, aber nicht langweilig aussieht (Bild: heycar).

Mit dem Peugeot 308 SW erhält man einen soliden Kombi, der neben einer Menge Laderaum auch durch seine gutmütigen Fahreigenschaften punkten kann. Das Bedienkonzept ist vereinzelt etwas eigenwillig, dafür profitiert man vom komfortablen und sicheren Fahrwerk. Der große Diesel, der immer mit der Achtgang-Automatik kombiniert wird, ist vorbehaltslos zu empfehlen. Als kraftvoller und komfortabler Antrieb, macht er den Kombi zum agilen Langstreckenmeister und bereitet Fahrvergnügen in allen Lebenslagen.

Mit der GT-Version erhält man zudem ein sehr gut ausgestattetes Auto, dass sich im direkten Vergleich zum Wettbewerb als günstiger erweist. Ein ebenbürtig ausgestatteter Golf Variant mit vergleichbarer Leistung ist beispielsweise deutlich teurer.

Peugeot 308 SW GT BlueHDi 180

Allgemeines
Kompletter Name  Peugeot 308 SW GT BlueHDi 180
Modellstart  10/2017
Motor
Anzahl Zylinder, Anordnung  4
Hubraum in ccm  1.997
Max. Leistung (kW/PS)133 / 177
Max. Drehmoment (Nm) 400 Nm bei 2000/min
KraftstoffartDiesel
Tankvolumen in Liter 52,5
Ad-Blue Tankvolumen in Liter17
Motoraufladung Turbo
Schadstoffklasse Euro 6d-TEMP
Getriebeart
GetriebeAutomat. Schaltgetriebe
Anzahl Gänge8-Stufen ZF-Automatik
AntriebFront
Abmessungen, Gewichte, Ladevolumen
Länge in mm  4.590
Breite (ohne Spiegel) in mm  1.820
Höhe in mm  1.446
EG-Leergewicht in kg  1.465
Zuladung maximal in kg  467
Laderaumvolumen min. in l  590
Laderaumvolumen max. in l  1.580
Fahrleistungen (laut Peugeot) 
Höchstgeschwindigkeit in km/h  225
Beschleunigung 0-100 km/h in s  8,2
Verbrauch (laut Peugeot)
Kombiniert in l/100 km (NEFZ)4,6 kombiniert
CO2-Emission in g/km (NEFZ)  116
CO2-Effizienzklasse B
Preis
Einstiegs-Listenpreis in € 35.900
Preis Testwagen in € 37.999

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Titelbild: heycar

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