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Im Test: Mercedes AMG A 35
18. Juni 2020
Autotests

Im Test: Mercedes AMG A 35

Auf den Test des Mercedes AMG A 35 war ich besonders gespannt, denn ich bin vorher noch nie einen Benz gefahren, kenne die Marke also nur vom Taxi-Rücksitz (immer sehr bequem). Dabei ist ein Mercedes ja der Mercedes unter den Autos – oder so ähnlich. Diesem Mythos, der seit einem Jahrhundert für Premium-Qualität steht, wollte ich immer schon mal selbst auf den Zahn fühlen.

Die zweite Frage, die ich bei meinem Test klären wollte, war: Wie viel Fahrspaß kann man mit dem kleinsten AMG haben? Auch der Name AMG steht ja für Spitzenqualität, im Performance-Bereich. Zu Recht? Und wenn sich die hohen Erwartungen erfüllen, schließt sich die Frage an: Ist der Spaß sein Geld wert? Mit einem Einstiegspreis von etwas weniger als 50.000 Euro ist der AMG A 35 schließlich alles andere als billig – auch wenn er der billigste AMG ist und 306 PS mitbringt.

Wie viel Fahrspaß bietet der AMG A 35?

Fangen wir mit der spannenderen der beiden Fragen an. Um sie zu beantworten will ich nicht einfach meine Erlebnisse mit dem AMG schildern, sondern stattdessen einen Vergleich ziehen zu anderen sportlich ausgelegten bzw. hochmotorisierten Modellen, die ich in den letzten Monaten getestet habe. Da waren einige dabei (die Links führen dich zu den Tests):

Wie man sieht, ist kein Modell auf dieser Liste, das man als direkte Konkurrenz vom AMG A 35 bezeichnen würde. Bestenfalls könnte man hier den i30 N Performance und den Civic Type R nennen, doch beide Modelle parken nicht im Premium-Segment, sondern werden geschätzt, weil sie solide Qualität (und viel Performance) für vergleichsweise wenig Geld bieten.

Warum also der Bezug auf andere Preisklassen und Segmente? Weil man so die Stärken und Schwächen des AMG A 35 umso deutlicher herausstellen kann. Es ist ja eine glatte Lüge, dass man Äpfel nicht mit Birnen vergleichen kann. Birnen sind süßer, Äpfel sind runder … die Erkenntnisse durch einen solchen Vergleich sind glasklar, wie man sieht. 

Beschleunigung

Der Mercedes AMG A 35 hat einen 2 Liter großen Vierzylinder-Turbo-Motor, der 306 PS leistet und über ein maximales Drehmoment von 400 Nm verfügt. Das sind stattliche Werte und die Beschleunigung von 0 auf 100 ist mit 4,7 Sekunden entsprechend beeindruckend – der Allrad hat daran natürlich einen großen Anteil.

Der 2-Liter-Turbo des AMG A 35 leistet 306 PS und sorgt für ein Drehmoment von 400 Nm (Bild: heycar)

Das Problem: Ich konnte diesen Wert im Test nicht knacken, sondern war rund eine Sekunde langsamer. Als Grund vermute ich, dass ich die Launch Control – von Mercedes „Race Start“ genannt – nicht verwendet habe, denn laut Handbuch ist sie nur auf abgesperrten Strecken zulässig. Die fehlende Sekunde entspricht auch meinem subjektiven Eindruck, dass der AMG eine Antrittssekunde verstreichen lässt, bevor er lossprintet.

Ich war davon ein wenig enttäuscht. Die von der bordeigenen Stoppuhr gemessenen 5,6 Sekunden sind zwar kein schlechter Wert. Aber sind sie AMG-würdig? Von den Autos auf unserer Liste können da einige mithalten, kurioserweise gerade die großen. Der Range Rover P400 war mit etwa 6,3 Sekunden nicht so weit weg von diesem Wert, der Polestar-Volvo XC60 lag bei unserer eigenen Messung etwa gleichauf mit dem AMG und der Jaguar I-Pace war mit 4,5 Sekunden sogar spürbar schneller. Alle drei Autos haben zwar deutlich mehr PS, sind aber auch weit über zwei Tonnen schwer. Ihr Trumpf, den der AMG nicht ausspielen kann: Elektro-Power, die für direktes Drehmoment sorgt.

Beim Sprint auf Hundert ist also noch Luft nach oben. Ja, man kann mit dem AMG A 35 an der Ampel schön wegziehen. Aber man muss damit rechnen, dass man selbst das eine oder andere SUV dabei nicht hinter sich lässt. Was heißt das für den Fahrspaß? Nun, mir persönlich macht es mehr Spaß, die 6 Sekunden in einem SUV zu reißen als in einem Kompaktwagen. Langweilig waren die Sprints im AMG aber sicherlich nicht.

Höchstgeschwindigkeit

Der Mercedes AMG A 35 fährt laut Werk 250 km/h – ich hatte diesen Wert immerhin einmal auf dem Tacho und hätte die Nadel wohl noch etwas weiter nach unten bewegen können. Das ist eine Größenordnung, über die man nicht meckern kann. Von unseren bisherigen Testwagen konnten nur der Hyundai i30 N Performance (250 km/h) und der Honda Civic Type R (272 km/h) in diese Regionen vorstoßen.

Das Night-Paket beschert dem kleinsten AMG unter anderem schwarze Spiegel und getönte Heckscheiben (Bild: heycar)

Bemerkenswerter als die Geschwindigkeit selbst ist aber das sichere Gefühl, das einem der Mercedes vermittelt, wenn man mit Vollgas auf der Autobahn fährt. Das Fahrzeug liegt extrem gut auf der Straße und gerät praktisch nicht ins Schwimmen. An diese Stabilität kam der i30 N nicht ansatzweise heran und selbst der ebenfalls sehr stabile Civic Type R konnte hier nicht mit dem Mercedes mithalten.

Die 200-PS Hot-Hatches Polo GTI, Fiesta ST und Ceed GT haben in Sachen Stabilität allesamt in einer deutlich tieferen Liga gespielt, wobei sich der Fiesta ST bemerkenswert respektabel geschlagen hat, das muss man hier noch einmal betonen. Vom nervösen Hecktriebler Subaru BRZ oder von der Schrankwand namens Range Rover will ich hier gar nicht erst anfangen.

Auf der Autobahn macht der Mercedes AMG A 35 also richtig Laune. Fünf Stunden von Köln nach Berlin inklusive eines Tankstopps sprechen hier eine deutliche Sprache. Dank sehr gut geformter Sportsitze mit verstellbaren Seitenwangen und Sitzkinetik sind lange Fahrten in dem Kompaktsportler nicht einmal unbequem. Auch der Kofferraum mit 370 bis 1.210 Litern Volumen steht Reisen (zu zweit) nicht im Wege.

Handling

Bleibt die ambitioniert angegangene, kurvenreiche Überlandfahrt. Wie gut ist der AMG A 35 dort zu gebrauchen? Überaus gut! Wieder ist es vor allem die phänomenale Straßenlage, die begeistert. Den Wagen auf öffentlichen Straßen in Verlegenheit zu bringen, ist quasi unmöglich. Auch durch scharfe Kurven fährt er wie auf den sprichwörtlichen Schienen.

19-Zoll-Felgen kosten Aufpreis, Serie sind 18-Zöller (Bild: heycar)

Die Kehrseite der Medaille ist, dass sich der Mercedes damit sogar schon etwas zu souverän verhält. Natürlich macht es Spaß, eine dreistellige Zahl auf dem Tacho zu sehen, während man sich in eine enge Kurve wirft. Aber ein „driver’s car“ ist der AMG A 35 nicht: Man selbst muss wenig tun, um seine beeindruckende Performance abzurufen.

Puristen, denen es in erster Linie um das Fahren selbst geht, werden darum auf der Landstraße mit anderen Autos mehr Spaß haben. Das liegt auch daran, dass der variable Allrad des AMG A 35 maximal 50 Prozent der Kraft an die Hinterachse schickt. Was der humanen Kurvendurchfahrt zu Gute kommt, muss man vom Konto Abenteuer abziehen. Darüber hinaus radiert in meinen Augen ein Automatik-Getriebe, in diesem Fall ein 7-Gang-DSG, immer einiges an Fahrspaß weg.

Müsste ich aus dem Pool unserer bisherigen Testwagen einen für einen Nachmittag auf der Landstraße wählen, würde ich mich vermutlich nicht für den AMG entscheiden, sondern für den viel schwächer motorisierten, aber mit Heckantrieb und hochdrehendem Boxermotor ausgestatteten Subaru BRZ. Für Strecken mit Haarnadelkurven würde ich lieber den wilden Fiesta ST nehmen.

Ginge es hingegen auf eine Rennstrecke, wäre der Mercedes AMG A 35 eindeutig meine erste Wahl. Dort kann man seine Fähigkeiten als Fahrer sicherlich gut mit ihm testen und sich an den Grenzbereich herantasten. Außerdem steht genug Power für die Geraden bereit.

Wie „premium“ ist der Mercedes AMG A 35?

Kommen wir zu der anderen Frage, die mich vor Beginn des Tests beschäftigt hat. Merkt man im Mercedes AMG A 35, dass man in einem Auto einer Premium-Marke sitzt? Die Antwort ist einfach: Auf jeden Fall!

Mit einem Einstiegspreis von knapp 50.000 Euro ist der A 35 das günstigste AMG-Modell (Bild: heycar)

Das Interieur strahlt Extravaganz aus und wirkt alles andere als „von der Stange“. Das Design bewegt sich im Spannungsfeld von Rennwagen-Look (Performance-Lenkrad und Sportsitze), Retro-Elementen (runde Alu-Luftauslässe und horizontale Schalterleiste für Klima und Lüftung) und Digitalzeitalter (Touch-Pad auf der Mittelkonsole und zwei große Displays). Klavierlack- und Alublenden sowie hinterschmäumtes Kunstleder runden den Innenraum ab. Ein Ambient-Light mit sehr vielen Farboptionen und wechselnden Beleuchtungsstufen sorgt für eine lebendige Atmosphäre.

Die Kritikpunkte sind marginal. Hier muss man lediglich auf zwei Dinge hinweisen: Im Fußraum wurde stellenweise schnödes Hartplastik verbaut – fällt aber kaum auf. Und die Gurtverschlüsse auf der Beifahrerseite klappern, wenn der Sitz frei ist. Der Positiv-Verschluss schlägt in Kurven gegen die harte Seite vom Sitz, der Negativ-Verschluss schlägt gegen die Mittelkonsole.

Der Rest ist wie gesagt top, vor allem das Infotainment-System. Es wird wahlweise über einen Touch-Screen, das Lenkrad, die Sprachsteuerung oder ein Touch-Pad auf der Mittelkonsole gesteuert. Dabei überzeugt das System nicht nur mit seinem großen Funktionsumfang, der auch Tools wie einen G-Force-Messer oder einen Rundenzeitennehmer beinhaltet, sondern auch mit schnellen Reaktionszeiten.

Auch die Qualität der Displays ist hervorragend. Die Auflösung ist scharf, die Farben satt und kontrastreich. Damit ist der Mercedes AMG A 35 unser erster Testwagen, der im digitalen Bereich ohne Abstriche ins Jahr 2020 passt, also nicht bereits mehr oder weniger veraltet wirkt.

Einzig bei der Usability gibt es noch Luft nach oben. Das liegt mitunter freilich daran, dass der Wagen so viele Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten anbietet. Dadurch fällt eine intuitive Orientierung schwer und man verliert sich schnell in einem Wust von Optionen. Da muss man sich schon reinfuchsen. Ob man all die Anzeigen, Stile und Themenwelten am Ende wirklich braucht, ist eine andere Frage. Ist wohl Typsache.

Dasselbe gilt für die zahlreichen Sicherheits- und Assistenzsysteme. Der Mercedes hat hier praktisch alles an Bord, wechselt sogar selbstständig die Spur. Doch in manchen Fällen führen sich diese ganzen Hilfen selbst ad absurdum. Beispiel: der aktive Geschwindigkeitslimit-Assistent. Er passt die im Tempomat eingestellte Geschwindigkeit immer an die aktuell geltende Höchstgeschwindigkeit an.

Das Problem dabei ist, dass er die Geschwindigkeit erst beim Passieren eines Verkehrsschildes drosselt. Laut Gesetz gilt die niedrigere Geschwindigkeit dann aber bereits. Das heißt, man kann sich in letzter Konsequenz nicht auf das System verlassen, sondern muss die ganze Zeit selbst aufmerksam bleiben. Was stiftet ein solches System dann aber wirklich für einen Mehrwert?

Fazit: Ein Grenzfall

Der Test hat gezeigt, dass der Mercedes AMG A 35 durchaus für eine Menge Fahrspaß sorgt und darüber hinaus seinem Premium-Anspruch voll gerecht wird. Dennoch steht da auch die Summe von 65.000 Euro, wenn man unseren Testwagen im Konfigurator nachbaut. Das ist eine Menge Holz für einen Kompaktwagen, zumal man für diesen Preis auch eine nigelnagelneue E-Klasse mit einiger Sonderausstattung bekommt.

Wer hingegen nicht aufs Geld gucken muss und das Motto von Mercedes beherzigt („Das Beste oder nichts“), der muss eigentlich direkt den 421 PS starken AMG A 45 S nehmen, ein noch viel spektakuläreres Geschoss, das sogar einen Drift-Mode bietet.

Die kleine A-Klasse von AMG stellt somit einen Grenzfall dar zwischen komfortablem und gut ausgestatteten Alltags-Fahrzeug und Performance-Vehikel. Das kann man „unentschlossen“ nennen. Andererseits ist das Auto vielleicht genau deswegen für so manchen Kunden der perfekte Kompromiss. Ein super Auto war mein erster Benz unbestritten.

Technische Daten Mercedes AMG A 35

Allgemeines
Kompletter NameMercedes AMG A 35 4MATIC SPEEDSHIFT DCT 7G
Modellstart04/2019
Motor
Anzahl Zylinder, Anordnung4, Reihe
Hubraum1991 ccm
Max. Leistung (kW/PS bei U/min)225/306 bei 5.800
Max. Drehmoment (Nm bei U/min)400 bei 3.000 - 4.000
KraftstoffartSuper Plus
Tankvolumen in Liter51
MotoraufladungTurbo
SchadstoffklasseEuro 6d-TEMP-EVAP-ISC (WLTP)
Getriebeart
GetriebeAutomat. Schaltgetriebe (Doppelkupplung)
Anzahl Gänge7
AntriebAllrad perm.
Abmessungen, Gewichte, Ladevolumen
Länge in mm4.436
Breite (ohne Spiegel) in mm1.992
Höhe in mm1.405
EG-Leergewicht in kg1.555
Zuladung maximal in kg500
Laderaumvolumen min. in l370
Laderaumvolumen max. in l1.210
Fahrleistungen (laut Mercedes)
Höchstgeschwindigkeit in km/h250
Beschleunigung 0-100 km/h in s4,7
Verbrauch (laut Mercedes)
Innerorts in l/100 km (NEFZ)9,3
Kombiniert in l/100 km (WLTP)7,9
CO2-Emission in g/km (WLTP)179
CO2-EffizienzklasseD
Preis
Einstiegs-Listenpreis in €48.659
Preis Testwagen in € (laut Konfigurator)Ca. 65.000

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Moritz Pohl
Moritz Pohl

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