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Im Test: Jeep Cherokee
22. Dezember 2021
Autotests

Im Test: Jeep Cherokee

Seit 45 Jahren ist er mittlerweile auf dem Markt und ein absoluter Klassiker: Wir waren mit der fünften Generation des Jeep Cherokee unterwegs. Das Modell weist eine Menge Neuerungen auf, die den Grundcharakter des Fahrzeugs jedoch unangetastet lassen sollen.

Aber was macht den Cherokee aus und was ist er für ein Fahrzeug? Geländewagen, SUV, Crossover? Diese und weitere Fragen beantworten wir dir im Test.

Exterieur – Behutsames, doch deutliches Update

Das optische Update kann man dem Jeep Cherokee als willkommene Auffrischung zugestehen. Das alte, irgendwie dissonant wirkende Antlitz ist passé, stattdessen gibt es einen geschärften Adleraugen-Blick durch schmale Voll-LED-Scheinwerfer. Dazu der markentypische, in Schlitze unterteilte Kühlergrill mit seiner recht massiven Front. Darunter zeigt sich eine dominante Schürze mit LED-Nebelleuchten in den Flanken und einer angedeuteten Spoilerlippe, für die alles-entscheidende Dynamik.

Seitlich präsentiert sich das amerikanische Gefährt mit einer klassich-geländeaffinen Silhouette. Große Räder und ordentlich Bodenfreiheit versprechen bereits vor dem Einstieg mehr Geländetauglichkeit als so manch Pseudo-4×4-Vehikel. Aufgrund der Eindrücke zumindest, darf sich der Cherokee die Bezeichnung SUV und Geländefahrzeug schon mal gefallen lassen.

Man sieht dem Jeep Cherokee seine respektable Bodenfreiheit bereits von der Seite an (Bild: heycar).

Das Heck des Jeep Cherokee wurde im Zuge des Facelifts ebenfalls überarbeitet. Insbesondere die formschönen Heckleuchten mit ihrer ansprechenden Lichtsignatur wirken nun harmonischer integriert, wodurch die gesamte Heckpartie in sich stimmiger erscheint. Dass auch hier ein Hauch Offroadflair mitschwingt, liegt aber eher an den Proportionen, sowie der kantigen Formgebung.

Innen nobler als erwartet

Pluspunkte gibt es auch für die Innenausstattung des Jeep Cherokee, die mit der Modellpflege an vielen Stellen erneuert wurde. Die Infotainmentzentrale, mit dem etwas altbackenem 4:3-Bildschirm, ist 8.4-Zoll-Diagonale groß und auch bei Sonneneinstrahlung gut ablesbar. Das Lenkrad erhielt eine dicke Aufschäumung, ist jetzt richtig opulent gepolstert und schmeichelt den Händen. Edel wirkende Schaltwippen aus Aluminium unterstreichen den Qualitätsanspruch – viele dieser Detailauffrischungen summieren sich im Jeep.

Doch macht der Jeep auch hier keinen Hehl aus seinem Potential für robuste Einsatzzwecke. Und das, obwohl das feine Leder mit aufwändigen Overland-Stickereien in den Sitzlehnen unerwartet nobel und großzügig aussieht.

Das wohl-gepolsterte Interieur des Jeep Cherokee ist kein Tech-Feuerwerk, aber dafür sehr gut zu bedienen (Bild: heycar).

Pluspunkte gibt es auch für die Innenausstattung des Jeep Cherokee, die mit der Modellpflege an vielen Stellen erneuert wurde. Die Infotainmentzentrale, mit dem etwas altbackenem 4:3-Bildschirm, ist 8.4-Zoll-Diagonale groß und auch bei Sonneneinstrahlung gut ablesbar. Das Lenkrad erhielt eine dicke Aufschäumung, ist jetzt richtig opulent gepolstert und schmeichelt den Händen. Edel wirkende Schaltwippen aus Aluminium unterstreichen den Qualitätsanspruch – viele dieser Detailauffrischungen summieren sich im Jeep.

Doch macht der Jeep auch hier keinen Hehl aus seinem Potential für robuste Einsatzzwecke. Und das, obwohl das feine Leder mit aufwändigen Overland-Stickereien in den Sitzlehnen unerwartet nobel und großzügig aussieht.

Der Kofferraum ist geräumig, aber die Sitze klappen leider nicht vollständig um (Bild: heycar).

Fahrbahnzustand? Gleichgültig

Als Antrieb stand im getesteten Jeep Cherokee Overland ein 2.2-Liter-Multijet-Turbodiesel mit 195 PS zur Verfügung; der einzige noch in Europa verfügbare Diesel. Das maximale Drehmoment des Vierzylinders beträgt respektable 450 Newtonmeter. Permanenter Allradantrieb sorgt dafür, dass die Kraft stets dahin verteilt wird, wo sie benötigt wird.

Auf den ersten Metern verrät der Cherokee sein Wesen akustisch. Denn der Selbstzünder nagelte bereits im Stand und vor allem im Kaltstart unbeeindruckt vor sich hin. Das ändert sich aber größtenteils, sobald man die Tür hinter sich geschlossen hat, was auf eine gut gewählte Dämmung deutet.

Der 2,2 Liter Vierzylinder-Diesel fühlt sich manchmal etwas landwirtschaftlich an, aber davon kriegt man innen wenig mit (Bild:heycar).

Zwar schlägt sich der Jeep Cherokee ganz gut in der Stadt, wirkt aber etwas überfordert; die Lenkung ist definitiv nicht auf urbane Gefilde ausgerichtet. Bei niedrigen Geschwindigkeiten wirkt sie über-assistiert, sodass sie zwar sehr leichtgängig ist, aber ziemlich unpräzise. Was sich vor allen Dingen bei engen Kurven und beim Parken bemerkbar macht. Der Fokus liegt woanders: Abseits der Ballungsgebiete mutiert der Cherokee zum angenehmen Gleiter.

Einmal in Schwung und bei moderater Gangart, verweilt der Motor dank der sanft schaltenden Neungang-Automatik meist im unteren Drehzahlbereichen und die Geräuschentwicklung des Selbstzünders ist im Innenraum nur bei starkem Leistungsabruf zu vernehmen. Beim Kick-Down und selbst bei mäßigen Beschleunigungsvorgängen, erweist sich die Automatik mitunter etwas zäh und zeigt hier typische Wandler-Allüren. Manchmal entsteht der Eindruck, dass das Getriebe einen Teil der verfügbaren Motorleistung einfach verschluckt.

Die Geschwindigkeitsanzeigen im Cherokee sind gut lesbar und genau die richtige Mischung aus digital und analog (Bild: heycar).

Auf der Autobahn zeigt sich der Geschwindigkeitsbereich zwischen 130 und 160 km/h als optimal. Bei Reisetempo läuft der Cherokee auch gut und gerne mehrere hundert Kilometer am Stück, ohne die Insassen mit Allüren zu belästigen. In Summe besitzt der Jeep auf jeden Fall gute Langstreckentauglichkeiten.

Das Fahrwerk federte die meisten Unzulänglichkeiten weg und lies nur vereinzelt besonders widrige Verwerfungen zu den Passagieren vordringen. Wer den Jeep Cherokee aber ambitioniert bewegt, spürt im Grenzbereich schnell sein Gewicht. Auch der erhöhte Schwerpunkt resultiert in spürbaren Wank- und Nickbewegungen. Sie bleiben in Summe dank neutraler Abstimmung zwar beherrschbar, andere Kontrahenten können das aber besser: Er ist kein Hyundai Tucson oder VW Tiguan; von sportliche ausgelegten SUVs wie einem Porsche Macan ganz zu schweigen.

Bild: heycar

Vier Fahrmodi des „Selec-Terrain“ stehen zur Verfügung: Schnee, Sand/Schlamm, Sport und ein Automatikmodus. Letztgenannter wählt die Abstimmung des Allradsystems entsprechend des Untergrundes selbständig. Gemeinsam mit einer Getriebeuntersetzung des Allradbetriebs sowie einer Bergabfahrhilfe macht das den Jeep Cherokee zum Meister der unbefestigten Straße. In unserer Offroad-Ausfahrt meisterte der Jeep Cherokee von Schlammpisten bis zum lockeren Sand alles mit Bravour – ein waschechter Jeep eben.

Der Verbrauch war bei gemäßigter Fahrweise akzeptabel: 8,4 Liter Diesel genehmigte sich der Jeep Cherokee im Drittelmix auf 100 Kilometer – in Stadt, Land und Autobahn. Sportlich ambitionierte Fahrer sollten dagegen mit Werten zwischen zehn und elf Litern rechnen. Effizienz-Experten und Sparfüchse schaffen vielleicht unter 7 Liter.

Infotainment und Komfort

Das Infotainment ist aufgeräumt und übersichtlich, weniger weiches und glanzloses Plastik wäre aber zu begrüßen (Bild: heycar).

Unser Testwagen bot eine überaus üppige Ausstattung, die kaum Wünsche offenließ. Dazu gehört in jedem Fall die sehr gute Sitzheizung, welche schnell und gleichmäßig durch die dicken Lederbezüge zu fühlen war und mit konstanter, gut dosierbarer Heizleistung vorn und hinten glänzte. Auch die Sitzbelüftung konnte überzeugen. Sie verursachte zwar deutliche Lüftergeräusche, sorgte dafür stets für klimatisierte Sitzflächen.

Das No-Name-Soundsystem konnte im Test ebenfalls Pluspunkte sammeln. Von den namhaften Systemen von Bose, JBL und Co. ist es nicht allzu weit entfernt. Das Uconnect Multimediasystem des Jeep Cherokee ist übersichtlich und nach kurzer Eingewöhnungszeit intuitiv zu bedienen. Dazu kommt eine schnelle Rechenleistung des Navigationssystems, was obendrein mit klaren visuellen und akustischen Hinweisen punktet. Extrem benutzerfreundlich sind zudem die frei konfigurierbaren Schnellstartbuttons der Apps, durch die man direkt auf einzelne Menüs und Untermenüs zugreift.

Über USB und Aux-In-Schnittstellen kann man externe Geräte mit dem Infotainmentsystem verbinden. Die Klimaautomatik arbeitete im Test überwiegend geräuscharm und weitgehend zugfrei. Das schlüssellose Zugangs- und Startsystem funktionierte einwandfrei.

Die Assistenzsysteme

Im Gelände macht er seine beste Figur: Wir schafften es nicht den Cherokee an seine Grenzen zu bringen (Bild: heycar).

Der Spurhalteassistent greift gerne mal beherzt ins Geschehen ein und könnte aus unserer Sicht gern etwas weniger nervös wirken. Was aber vielleicht auch an der weichen Federung liegt: Der Cherokee ist einfach nicht für schnelle Lastwechsel gemacht. Der Parkassistent meistert souverän Quer- und Längsparklücken. Doch auch manuell lässt sich der Jeep problemlos rangieren. Das Einparken ist dank der Rückfahrkamera kein Problem. Etwas mehr Schärfe und Auflösung wären allerdings zeitgemäßer.

Die Voll-LED-Scheinwerfer des Jeep Cherokee haben sich in diversen Testszenarien uneingeschränkt bewährt. Bei verschiedensten Licht- und Wetterverhältnissen oder auf unwegsamen Pfaden, sicherte das emittierte Licht jederzeit durch einen homogenen und weitreichenden Kegel eine sehr gute Ausleuchtung. Eine Besonderheit fiel uns beim Schneemodus auf: Hier wird direkt das Abblendlicht aktiviert. Das Fernlicht verlängerte die Lichtkegel dann noch und flutete eine breite Schneise in die Nacht. Darüber hinaus ist der Cherokee eines der wenigen Autos, bei dem das Abbiegelicht den Namen wirklich verdient hat. Vom Kleintier bis zum unbeleuchteten Fahrradfahrer wird alles beleuchtet, was beim Abbiegevorgang eventuell gefährdet werden könnte.

Eine immense Erleichterung beim Be- und Entladen des Kofferraums realisierte das virtuelle Pedal – also das Betätigen der Heckklappe durch einen Fußschwenk unter dem Stoßfänger. In unserem Test funktionierte dies durchgehend einwandfrei.

Ein Facelift, das jedes Detail wert ist

Auch mit Facelift bleibt der Jeep Cherokee seinem Ursprung treu. Er erweist sich als komfortabel, ist optisch ansprechend und auch für eine europäische Klientel interessant. Als kerniges SUV oder als souveräner Geländewagen – je nach Betrachtungsweise und Nutzung – sorgt er mit seinen Jeep-Genen für die Extraportion Abenteuer.

Das Fahrwerk ist eine größtenteils gelungene Gratwanderung zwischen Komfort und Straffheit und dadurch für jeden Untergrund geeignet. Der Cherokee ist nicht weichgespült, kommt fast überall durch und bietet seinem künftigen Besitzer eine stoische Souveränität. Ein solider, etwas rauer und dennoch erstaunlich komfortabler Begleiter, der sich auch mal so richtig in den Schlamm wirft, ohne sich zu beklagen.

So bleibt am Schluss die Antwort auf die Frage nach der genauen Zuordnung: Es spielt keine Rolle und bleibt im Ermessen des Betrachters und Besitzers. Er ist SUV oder Geländewagen. Womit er den allermeisten Crossovern und stadttauglicheren SUVs ein Riesenmaß an echter Funktionalität voraus ist, gepaart mit soliden Langestreckeneigenschaften.

Technische Daten: Jeep Cherokee

Allgemeines
Kompletter NameJeep Cherokee 2.2 MultiJet Overland Active Drive II Automatik
Modellstart 09/19
Motor
Anzahl Zylinder, Anordnung 4, Reihe
Hubraum in ccm 2.184
Max. Leistung (kW/PS) 143/194
Max. Drehmoment (Nm) 450
Kraftstoffart Diesel
Tankvolumen in Liter 60
Motoraufladung Turbo
Schadstoffklasse Euro 6d-TEMP-EVAP-ISC (WLTP) 36CH, 36CI, 36DG
Getriebeart
GetriebeAutomatik
Anzahl Gänge9
AntriebAllrad
Abmessungen
Länge in mm 4.623
Breite (ohne Spiegel) in mm 1.859
Höhe in mm 1.707
EG-Leergewicht in kg 2.013
Zuladung maximal in kg 440
Laderaumvolumen min. in l 448
Laderaumvolumen max. in l 1.555
Fahrleistungen
Höchstgeschwindigkeit in km/h 200
Beschleunigung 0-100 km/h in s 9,3
Verbrauch (laut Jeep)
Kombiniert in l/100 km (NEFZ) 6,9
CO2-Emission in g/km (NEFZ) 179 g/km
CO2-Effizienzklasse C
Preis
Einstiegs-Listenpreis in € 45.500
Preis Testwagen in € 54.280

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Titelbild: heycar

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