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Im Test: Ford Fiesta ST
20. März 2020
Autotests

Im Test: Ford Fiesta ST

Sommer 2006. Deutschland feiert das Sommermärchen und ich bin kurz davor, mit einem Freund zu einem Road-Trip aufzubrechen: Von Köln aus soll es an die französische Atlantikküste gehen, dann weiter ins Baskenland und von dort über Pamplona nach Barcelona und zurück – insgesamt eine Strecke von rund 3.500 Kilometern. Unser Gefährt: Der weiße, dreitürige Ford Fiesta meiner Mutter. Baujahr? Irgendwann in den frühen Neunzigern.

Natürlich hatten wir Sorge, dass der Kleine diese sommerliche Ochsentour nicht überleben würde – zumal ein Mechaniker unsere Pläne so kommentierte: „Ich würde mit dem Ding nicht mal nach Bonn fahren.“ Wir fuhren trotzdem los. Natürlich! Mit Anfang Zwanzig kann man nur gewinnen – auch wenn man mit 50 PS über die Straßen Europas ächzt, ohne Klimaanlage, ohne Servolenkung, ohne Navi (oder Smartphone), ohne elektrische Fensterheber – ja sogar ohne Radio!

Freudiges Wiedersehen

Fast fünfzehn Jahre später sitze ich wieder in einem Ford Fiesta. Und das Fahrerlebnis könnte anders kaum sein. Auf der Strecke Berlin-Köln werde ich nicht bei jeder leichten Steigung von LKWs überholt. Stattdessen habe ich mich auf der linken Spur eingemietet, wo ich zeitweise mit über 200 km/h dahinsause, während die Boxen der „Bang und Olufsen“-Anlage ausspucken, was mein Handy gerade aus dem Internet streamt und per Bluetooth an die Anlage sendet. Ist das noch dasselbe Modell? Ja, ist es, so unglaublich es mir auch erscheinen mag.

ST steht für "Sports Technologie" und kennzeichnet sportliche Modelle

Um genau zu sein, handelt es sich bei dem Wagen um einen Fiesta ST. Mit diesem Kürzel, das für „Sports Technologie“ steht, kennzeichnet Ford Modellvarianten mit optimierter Leistung und verbessertem Handling. So stehen 200 PS und ein maximales Drehmoment von 290 Nm zur Verfügung, was den Fiesta ST dazu ermächtigt, in 6,5 Sekunden auf hundert zu sprinten und gut 230 km/h Spitze zu erreichen.

Sportliche Performance

Weitere Merkmale der ST-Version sind drei Fahr-Modi, darunter nicht nur ein Sport-Modus, sondern auch ein Track-Modus, mit heruntergeregeltem ESP. Dieses kann man auch ganz abschalten, was das Kurvenverhalten, des ohnehin schon sehr agilen Autos, noch giftiger macht. Wenn man für 1.100 Euro noch das Performance-Paket oben drauflegt, bekommt man auch noch eine Launch-Control sowie ein mechanisches Sperrdifferential an der Vorderachse. Dieses verhindert, dass beim Herausbeschleunigen aus der Kurve die Räder durchdrehen. Ein weiteres, elektronisches Sperrdifferential bremst beim Einlenken das kurveninnere Vorderrad ab, wodurch sich der Fiesta ST für einen Fronttriebler ungewöhnlich hecklastig zeigt.

Zur sensationell sportlichen Performance des Fiesta ST trägt maßgeblich auch das Fahrwerk bei, das den Wagen trotz lediglich mittelharter Abstimmung stets gut in der Spur hält. Überraschenderweise bleibt der Kleinwagen auch bei Geschwindigkeiten von 180 plus sehr stabil in der Spur. Das war nicht zu erwarten, schließlich schießt der Kölner bei einer Breite von 1,74 Metern und einem Radstand von 2,49 Metern mit 1,47 Metern relativ hoch auf. Lediglich beim abrupten Abbremsen aus hohen Geschwindigkeiten leistet er sich Unsicherheiten.

Zu überzeugen weiß auch das 6-Gang-Schaltgetriebe. Die Schaltwege sind zwar nicht ultra-kurz gehalten, aber da die Gänge zielgenau reinrutschen und nichts hakt, trägt die Schaltung dennoch zum Sport-Feeling bei – sofern man nicht der Schaltanweisung auf dem Tacho folgt, die einen ruck-zuck bis in den sechsten Gang führen will. Die Gasannahme ist selbst im Normal-Modus gut, die Kupplung kommt Ford-typisch spät.

Üppige Ausstattung

Der Fiesta ST ist bei einem Listenpreis von 22.600 Euro serienmäßig mit einem Doppelrohr-Auspuff mit aktiver Klappensteuerung ausgestattet. Im Innenraum herrscht Sound aus dem Generator vor, der zwar nicht gerade echt, aber dennoch nicht schlecht klingt. Ebenfalls Serie sind Sportsitze von Recaro.

Serienausstattung (Auswahl)

  • Aktiver Spurhalte-Assistent

  • Tempomat inkl. Begrenzer

  • LED-Tagfahrlicht und -Rückleuchten

  • Lederlenkrad

  • Recaro-Sportsitze (Stoff)

  • Stoßfänger im ST-Design

  • 17-Zoll-Leichtmetallräder

  • Manuelle Klimaanlage

Im Leder-Exklusiv-Paket gibt es die Recaro-Sitze für 3.500 Euro Aufpreis auch mit Leder an den Sitzwangen. Der Großteil der Sitzflächen und Rückenlehnen ist hingegen mit einem geriffelten Stoff in Wildleder-Optik bezogen, der sich sehr hochwertig anfühlt. Die Sitze geben einen sehr guten Seitenhalt und sind auch nach einigen Stunden Autobahnfahrt noch bequem – zumindest oben herum. Im Bereich der Oberschenkel hätten sie etwas breiter sein können. Die Rückbank ist aus denselben Materialien gefertigt und ebenfalls reisetauglich.

Features des Leder-Exklusiv-Pakets (Auswahl)

  • Ambient-Beleuchtung

  • Recaro-Sportsitze (Teilleder)

  • B&O-Anlage mit 10 Lautsprechern und Subwoofer

  • Fernlicht-Assistent

  • Verkehrszeichenerkennung

  • Key Free-System

  • Navigationssystem und 8-Zoll-Touchscreen

  • Klimaautomatik

  • Müdigkeitswarner

  • Scheibenwischer mit Regensensor

  • Getönte Scheiben im Fondbereich

  • Dreistufige Sitzheizung vorn

  • 18-Zoll-Leichmetallräder und rote Bremssättel

Gute Verarbeitung

Was Anmutung und Verarbeitung des Innenraums angeht, kann man dem Ford nicht viel vorwerfen. Es findet sich zwar an einigen Stellen schnödes Hartplastik und ein paar Ablagefächer sind wirklich vom billigsten und haken beim Öffnen und Schließen. Außerdem sind einige Kanten recht scharf. Doch diese Patzer werden vom übrigen Cockpit mehr als aufgewogen, sodass sie am Ende kaum ins Gewicht fallen.

Die Mittelkonsole wurde weich hinterschäumt und es gibt einige Zierleisten im Carbon- und einige im Alu-Look. Besonders gut gelungen sind das Multi-Funktions-Lenkrad sowie der Schaltknauf und der Hebel der Handbremse, die allesamt mit Leder ummantelt sind. Der Dachhimmel ist mit Webstoff ausgekleidet und fühlt sich angenehm stabil an. Bei Nacht sorgt ein Ambient-Light, das gedimmt im Fußraum, in den Türablagen sowie in den gut postierten Cup-Holdern leuchtet, für Stimmung.

In Sachen Konnektivität und Assistenzsysteme ist der Fiesta ST größtenteils auf Höhe der Zeit. Das Verbinden des Smartphones via Android Auto hat nicht funktioniert – aber das tut es in den meisten Autos nicht (trotz nagelneuen Handys). Dafür ist, wie schon erwähnt, die Bluetooth-Verbindung geglückt und auch die Freisprechanlage leistet einen guten Dienst. Dabei kommt ihr zugute, dass die Windgeräusche auch auf der Autobahn relativ gering bleiben. Suboptimal ist hingegen der USB-Anschluss postiert: Er befindet sich direkt hinter dem Schaltknauf, sodass man beim Hochschalten mit der Hand dauernd in den Kabelsalat fährt.

Kurioserweise müssen Fahrer eines ST (wie auch der Varianten ST-Line und Active) auf einen aktiven Parkassistenten verzichten, obwohl dieser in den günstigeren Varianten gegen Aufpreis verfügbar ist. Offensichtlich lassen sich die dafür notwendigen vorderen Sensoren an den schnittigeren Frontschürzen nicht montieren, denn auch ein piepsendes Park-Pilot-System für vorne wird nicht angeboten. Was man für 620 Euro haben kann und was der Testwagen auch hat: eine Rückfahrkamera mit Park-Piloten fürs Heck. Man muss hier allerdings erwähnen, dass der kleine Fiesta nicht gerade große Herausforderungen an Ein- und Ausparkkünste stellt, sodass man wahrscheinlich auch ganz ohne Hilfen gut zurechtkäme.

Äußerlich überzeugt der Fiesta nicht gänzlich. Zwar ist die aktuelle, achte Generation die erste seit Ewigkeiten, die wieder etwas kantiger gestaltet ist. Zuvor war das Modell seit seinem Start im Jahr 1976 von Generation zu Generation immer runder geworden – so rund, dass man seit der Jahrtausendwende von „eiförmig“ sprechen musste. So gesehen gab es also Fortschritte. Dennoch lässt es gerade die leistungsstarke ST-Version an Bulligkeit vermissen. Der Wagen wirkt zu schmal. Auch die Felgen im 5-Speichen-Design, die es vom Werk aus gibt, wirken etwas bieder.

Bei der Alltagstauglichkeit schlägt sich das Modell hingegen gut. Der Kofferraum fasst ein paar mittlere Gepäckstücke und durch seine geringe Größe und die sehr direkte Lenkung ist der Fiesta ST sehr wendig im Stadtverkehr. Ein Highlight ist ein mechanisch ausfahrender Türkantenschutz aus Plastik, der verhindert, dass die stattlichen Türen des Dreitürers gegen Hindernisse stoßen und verkratzen. Der Verbrauch des Fiesta ST ist dank seines nur 1,5 Liter großen Drei-Zylinder-Motors mit Zylinderabschaltung für ein Auto mit 200 PS ordentlich. In der Stadt haben wir etwas über sieben Liter verbraucht, auf der Autobahn trotz vieler schneller Passagen knapp neun Liter.

Fazit

Damals haben wir unsere Reise im Uralt-Fiesta ohne Pannen zu Ende gebracht und ich erinnere mich gerne an den Trip: Wir standen auf der größten Düne Europas, haben das Guggenheim-Museum in Bilbao besichtigt und bei den Sanfermines in Pamplona einen Stierkampf erlebt, um nur einige Highlights zu nennen. Trotzdem braucht sicherlich keiner ein untermotorisiertes Auto ohne jegliches Extra.

Aber der neueste Fiesta überzeugt natürlich nicht nur im Vergleich mit seinem Urahn, sondern kann sich auch mit zeitgenössischen Hot Hatches messen. So ist er beispielsweise um einiges sportlicher ausgelegt als der VW Polo GTI, den wir auch erst kürzlich getestet haben. Für entsprechend mehr Fahrspaß sorgt der Ford, auch wenn er nicht so gut aussieht wie der Wolfsburger.

Kurzum: Der Fiesta ST ist das perfekte Auto für alle, die sich im Alltag hauptsächlich im Stadtverkehr bewegen und am Wochenende Ausflüge ins Umland, sprich auf die Landstraße unternehmen. Dort – oder auf kurvenreichen Rennstrecken – kann man den kleinen Sportler sensationell herumwerfen und sich fühlen, als hätte man einen veritablen Sportwagen unterm Allerwertesten.

Technische Daten Ford Fiesta ST

Allgemeines
Kompletter NameFiesta ST 1.5 EcoBoost Leder-Exclusiv-Paket
Marktpremiere2018
Motor
Anzahl Zylinder, Anordnung3, Reihe
Hubraum in ccm1.497
Max. Leistung (kW/PS bei U/min)147/200 bei 6.000
Max. Drehmoment (Nm bei U/min)290 bei 1.600
KraftstoffartSuper Plus
Tankvolumen in Liter42
MotoraufladungTurbo
SchadstoffklasseEuro 6d-TEMP (WLTP)
Getriebeart
GetriebeSchaltgetriebe
Anzahl Gänge6
AntriebFront
Abmessungen, Gewichte, Ladevolumen
Länge in mm4.068
Breite (ohne Spiegel) in mm1.735
Höhe in mm1.469
EG-Leergewicht in kg1.262
Zuladung maximal in kg373
Laderaumvolumen min. in l311
Laderaumvolumen max. in l1.093
Fahrleistungen (laut Ford)
Höchstgeschwindigkeit in km/h232
Beschleunigung 0-100 km/h in s6,5
Verbrauch (laut Ford)
Innerorts in l/100 km (NEFZ)7,6
Kombiniert in l/100 km (WLTP)7,0
CO2-Emission in g/km (WLTP)158
EffizienzklasseD
Preise
Einstiegs-Listenpreis22.600 €
Listenpreis mit Leder-Exklusiv-Paket26.100 €
Preis Testwagen30.660 €

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Moritz Pohl
Moritz Pohl

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