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Im Test: Der Kia Niro Hybrid
30. Dezember 2019
Autotests

Im Test: Der Kia Niro Hybrid

Der Kia Niro kam 2016 als Hybrid auf den Markt, 2017 folgte der Plug-In-Hybrid. Beide Modelle erhielten 2019 ein erstes Facelift. Im selben Jahr wurde auch das Elektro-SUV e-Niro gelauncht. Schon bevor unser Test losging, war klar, dass der Kia Niro hierzulande ein Nischendasein führt. In den knapp zwei Monaten, die zwischen der Zusage des Testwagens Mitte Oktober und dem Testbeginn im Dezember lagen, habe ich genau einen Niro auf Berlins Straßen gespottet (ich gucke mich immer nach den Modellen um, die wir erhalten werden).

Weltweiter Erfolg

Die Absatzzahlen belegen meinen subjektiven Eindruck: Bis dato wurden in Deutschland weniger als 15.000 Exemplare abgesetzt, wobei die Zahlen in diesem Jahr bisher leicht rückläufig sind. So wurden im Zeitraum Januar bis November 2019 insgesamt rund 3.500 Niros zugelassen. Zum Vergleich: Bestseller wie der VW Tiguan oder der Ford Kuga übertreffen das deutlich – pro Monat!

Man muss dem Niro allerdings zu Gute halten, dass er wahrscheinlich auch von seinem teilelektrischen bzw. elektrischen Antrieb gebremst wird. Beide Varianten sind zwischen Flensburg und Konstanz bislang alles andere als beliebt. Weniger als zehn Prozent aller Autos in Deutschland sind mit Hybrid-, Plug-In-Hybrid- und oder reinem Elektroantrieb unterwegs.

Nimmt man den weltweiten Absatz in den Blick, kann Kia hingegen sehr zufrieden mit dem Niro sein: Bis zum Februar 2019 wurden global über 270.000 Niros verkauft, davon mehr als 100.000 in Europa. Die Zahlen von Kia sind ein weiterer Beweis dafür, dass man in anderen Ländern der Elektromobilität bereits offener gegenübersteht: Allein in Korea wurden 2019 mehr als 6.000 e-Niros verkauft; im Vereinigten Königreich sind bereits rund 15.000 e-Niros und Niro Plug-In-Hybride unterwegs.

SUV oder nicht?

Den Kia Niro in ein Segment einzuordnen ist nicht einfach. Kia selbst stuft ihn als SUV ein. Doch wenn man sich den Wagen genauer anschaut, passt wohl eher die Bezeichnung Crossover, schließlich hat der Niro wenig bis gar nichts mit einem Offroader gemein. Tatsächlich ist er sowohl vom Design als auch vom optimalen Gebrauch her gar nicht so weit von einem Mini-Van à la Ford C-Max weg. Aber auch ein Vergleich mit dem SUV-Coupé BMW X2 ist durchaus legitim.

Im Grunde sind solche Einordnungen aber auch ganz egal. Kia hat ein Auto gebaut, das äußerlich auf jeden Fall überzeugt. An der Front outet die Tigernase den Niro Hybrid klar als Kind der Marke. Am unteren Teil des Kühlergrills wurden aktive Luftklappen verbaut, die sich bei höheren Geschwindigkeiten schließen, um den Luftwiderstand zu verringern. Eine Leiste in Alu-Optik rahmt dieses Element ein und sorgt zusammen mit den LED-Tagfahrlichtern in Pfeilspitzen-Optik für Auflockerung. Auch am Heck findet sich Alu. Hier erzeugt ein Diffusor einen ruhigen Strömungsverlauf.

Der Alu-Look setzt sich nicht nur an den Türgriffen, der Dachreling und um die Fenster herum fort, sondern auch im Innenraum. Dieser ist insgesamt klar gegliedert und gut verarbeitet. Die Materialien wirken auf den ersten Blick allerdings etwas hochwertiger als sie sind: Die Verkleidungen in Klavier-Lack-Optik sehen zweifelsohne gut aus, doch die Haptik entlarvt sie schnell als dünnen Kunststoff. Überhaupt wurde gerade im Beifahrer- sowie im Fondbereich relativ viel Hartplastik eingesetzt.

Top-Ausstattung wirklich top

Die Ledersitze unseres Testwagens, der die beste Ausstattung „Spirit“ hat (Listenpreis 33.790 Euro), kosten noch einmal 1.490 Euro Aufpreis. Dafür erhält man bequeme Sitze, die ausreichend Halt geben. Man kann sie in drei Stufen beheizen oder mittels Ventilation kühlen. Auch auf der Rückbank lassen sich die Sitze heizen (in zwei Stufen). Außerdem Teil des Leder-Pakets ist ein elektrisch einstellbarer Fahrersitz mit Lendenwirbelstütze und Memory-Funktion.

Ebenfalls aufpreispflichtig (590 bis 790 Euro) sind alle Außenfarben außer dem Farbton „Schneeweiß“ sowie das elektrische Schiebedach (690 Euro). Ansonsten ist die „Spirit“-Variante des Kia Niro Hybrid serienmäßig tatsächlich mit fast allem ausgestattet, was man sich heutzutage wünschen kann: 18-Zoll-Leichtmetallfelgen, LED-Scheinwerfer, Fernlichtassistent, JBL-Premium-Soundsystem, 10,25-Zoll-Display mit Navi, Parksensoren vorn und hinten, Rückfahrkamera, getönte Heckscheiben, Smart-Key, Verkehrszeichenerkennung, Stauassistent, Spurhalteassistent, Totwinkelwarner, Klimaautomatik und mehr. Nicht an Bord sind ein automatisches Einparksystem, eine Frontkamera und eine elektrische Heckklappe.

Das Smartphone kann via Bluetooth oder USB-Kabel mit dem Bordcomputer verbunden und auf einer Ablage induktiv geladen werden. Man kann sich selbstverständlich Apple CarPlay oder Android Auto auf das Display des Kia Niro Hybrid holen. Muss man aber nicht, vor allem nicht für die Navigation. Abgesehen davon, dass sich die Eingabe eines neuen Ziels etwas unintuitiv gestaltet, arbeitet das Kia Haus-Navi nämlich tadellos – inklusive Stauumfahrung. Updates sind sieben Jahre lang kostenlos möglich.

Besondere Erwähnung muss die Soundanlage von JBL finden: Sieben Lautsprecher, ein 320-Watt-Verstärker und ein 2-Kanal-Subwoofer sorgen für ordentlich Wums – was nicht heißt, dass die Anlage nur dumpf vor sich hinwummern kann. Denn eine Klangoptimierungssoftware namens „Clari-Fi“, die aus dem Hause Karman bzw. Samsung stammt, restauriert komprimierte Sounddateien, wie sie von Spotify und Co. gestreamt werden. Das macht den Klang überraschend satt und nuanciert.

Der Kia Niro bei heycar

Stark im Stadtverkehr

Es mag überraschen, aber der Kia Niro Hybrid hat sich in unserem Test vor allem als Auto für die Stadt und für kürzere Strecken präsentiert. Das liegt vor allem an seinem Antriebskonzept: Da der Wagen immer elektrisch anfährt, kommt er relativ gut aus den Startblöcken und zeigt sich auch sonst einigermaßen spritzig bei stadtüblichen Geschwindigkeiten. Das 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe schaltet so flüssig, dass man es quasi nicht wahrnimmt.

Mit steigendem Tempo geht dem Niro dann zunehmend der Saft aus. Der Spurt auf Hundert dauert bescheidene 11,5 Sekunden und wird begleitet von einem Motorheulen, das keinen Zweifel daran lässt, dass der Niro Hybrid wahrlich keine Sportskanone ist. Da hilft auch der Sportmodus nicht viel, der lediglich auf dem digitalen Tacho für Flammen sorgt. Ab 120 km/h ist es dann gefühlt gänzlich vorbei mit dem Vortrieb. Und bei gut 180 auf dem Tacho (160 realiter) ist Sense.

Aber es kommt noch mehr dazu: Die blutleere Autobahn-Performance wird von einem überraschend hohen Geräuschpegel begleitet, der nicht nur vom sich abmühenden 1,6 Liter Benziner stammt, sondern auch von in den Innenraum dringenden Wind- und Reifen-Fahrbahn-Geräuschen. Die Winterreifen sind natürlich auch nicht hilfreich. Hier wünscht man sich mehr Dämmung, um nicht bereits bei mittlerer Reisegeschwindigkeit die Stimme erheben zu müssen, wenn man sich unterhält.

Und dann ist da das Fahrwerk. Es ist relativ weich abgestimmt, was bei einem so wuchtigen Auto zu einer recht hohen Seitenneigung in Kurven führt. Entsprechend defensiv nimmt man diese in Angriff, sprich auf der Autobahn bremst man vor so mancher Kurve lieber ab. Der Vorteil der weichen Fahrwerksauslegung ist natürlich ein komfortables Fahrgefühl. Querrillen auf der Autobahn schluckt der Niro Hybrid dennoch eher schlecht.

Mit dem Niro auf Reisen

Wer es nicht besonders eilig hat, reist im Niro Hybrid indes nicht schlecht, was vor allem daran liegt, dass man sich dank der einschlägigen Sicherheits- und Assistenzsysteme nur noch um wenig kümmern muss: Der Spurhalteassistent mit Lenkeingriff hält einen in der Spur und der adaptive Tempomat bremst und beschleunigt selbstständig.

Im Stau weist einen ein Signalton kurz darauf hin, wenn der Vordermann losgefahren ist. Dann reicht es, einen Knopf auf dem Lenkrad zu drücken, und der Kia fährt wieder los. Nach kurzer Zeit hat man all diese Systeme so liebgewonnen, dass man sich wünscht, das Auto würde direkt ganz autonom fahren, sodass man sich zurücklehnen und einer Zeitung widmen kann.

Beim Verbrauch erweisen sich die schicken 18-Zoll-Felgen der „Spirit“-Ausstattung als nachteilig. Laut Kia sorgen sie für einen Mehrverbrauch von rund 0,5 Liter im Vergleich zu den 16-Zöllern. Außerdem sollen die kleineren Räder den Fahrkomfort noch einmal erhöhen. Insgesamt haben wir im Alltagstest einen Verbrauch von rund 6 Litern erreicht. Auf der Autobahn hat sich der Verbrauch bei knapp 7 Litern eingependelt - ein gutes Resultat.

Was das Platzangebot angeht, glänzt der Niro Hybrid. Sitzt auf dem Fahrersitz eine rund 1,90 Meter große Person, kann dahinter auf der Rückbank noch eine ca. 1,85 Meter große Person bequem Platz nehmen. Auch nach oben hin ist Platz da: Vorne können Personen mit einer Größe von 2 Metern sitzen, ohne sich den Kopf am Dachhimmel anzustoßen, hinten Personen bis zu ca. 1,90 Metern. Der Niro ist also eindeutig ein geeignetes Auto für große Menschen. Der Kofferraum ist mit ca. 400 Litern ausreichend dimensioniert für längere Reisen mit drei größeren Gepäckstücken (vgl. Bilder).

Fazit

Der Kia Niro Hybrid ist kein Spaß-, sondern ein Vernunftauto: Sicher, relativ sparsam im Verbrauch, gemütlich zu fahren und mit gutem Raumangebot. Obendrauf gibt's sieben Jahre Garantie ab Werk, sprich: Zuverlässig sollte er auch sein. Wem der schicke Wagen gefällt, aber etwas zu behäbig ist, der sollte sich mal den e-Niro anschauen.

Der Kia Niro Hybrid in Zahlen

Allgemeines
Baureihenstart07/2019
Modellgeneration1
ModellnameNiro 1.6 GDI Hybrid Spirit DCT6
ModellbauzeitSeit 07/2019
Motor
Anzahl Zylinder, Anordnung4, Reihe
Hubraum in ccm1.580
Max. Leistung (kW/PS bei U/min)77,2/105 bei 5.700
Max. Drehmoment (Nm bei U/min)147 bei 4.000
KraftstoffartSuper
Tankvolumen in l45
Motoraufladung-
EinspritzungDirekteinspritzung
AbgasreinigungGeregelter 3-Wege-Kat + Ottopartikelfilter
SchadstoffklasseEuro 6d-Temp
Elektromotor
Max. Leistung (kW/PS bei U/min)32/43,5 bei 1.798 – 2.500
Max. Drehmoment (Nm bei U/min)170/0 – 1.798
Batteriegewicht in kg33
Batteriegröße in kWh1,56
Hybridsystem
Max. Leistung (kW/PS bei U/min)103,6/141 bei 5.700
Max. Drehmoment (Nm bei U/min)265 bei 1.000 – 2.400
Getriebeart
GetriebeDoppelkupplungsgetriebe (6-Gang)
KupplungTrockenkupplung
AntriebFront
Abmessungen, Gewichte, Ladevolumen
Länge in mm4.355
Breite (ohne Spiegel) in mm1.805
Höhe in mm1.535
EG-Leergewicht in kg1.490 – 1.594
Zuladung maximal in kg440
Laderaumvolumen min. in l382 – 436
Laderaumvolumen max. in l1.434
Fahrleistungen
Höchstgeschwindigkeit in km/h162
Höchstgeschwindigkeit elektrisch in km/h120
Beschleunigung 0-100 km/h in s11,5
Verbrauch
Innerorts in l/100 km (NEFZ)3,9
Außerorts in l/100 km (NEFZ)4,6
Kombiniert in l/100 km (NEFZ)4,3
CO2-Emission in g/km (WLTP)110
CO2-EffizienzklasseA+
Preise
Grundpreis mit Top-Ausstattung “Spirit”33.790 €
Metallic-Lackierung „Gravityblau"590 €
Niro-Leder-Paket1.490 €
Gesamtpreis des Testwagens35.870 €
Moritz Pohl
Moritz Pohl

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