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Im Test: BMW M135i xDrive
17. August 2020
Autotests

Im Test: BMW M135i xDrive

Der neue Spitzen-Einser von BMW stellt in mancher Hinsicht eine kleine Revolution dar: Er muss mit vier statt sechs Zylindern auskommen, ist nicht mehr mit Heckantrieb, sondern nur noch mit Allrad verfügbar und hat ein ganz neues Design verpasst bekommen. Bei Hardcore-Fans der Münchner Marke hat das für Kritik gesorgt. Zu Recht? Im zweiwöchigen Test fällen wir unser eigenes Urteil.

Exterieur

Rein äußerlich erinnert die neue M-Version des Einsers an einen Boxer, der während seiner Karriere um eine oder zwei Gewichtsklassen aufgestiegen ist: Seine Statur ist dadurch zwar muskulöser geworden, aber mit der richtig schlanken Athletik ist es dafür nun vorbei. Wo vorher alles sehnig und ausdefiniert war, findet sich nun sogar das eine oder andere Fettpolster.

Fett angesetzt hat der sportliche Münchner zunächst mal an der ewigen Problemzone Po: Hat er diesen vor ein paar Jahren noch keck ein wenig herausgestreckt (die konkave Kofferraumtür ist in diesem Bild als leichtes Hohlkreuz zu deuten), so ist das Hinterteil nun zu einer wuchtigen Kiste mutiert. Naja, immerhin liegen große Hintern gerade voll im Trend.

An der Front sorgt die gigantische Doppelniere, die heutzutage das Gesicht der BMW-Flotte prägt, für mehr Gewicht. In der M-Version ist diese nicht mit Gitterstäben, sondern als dreidimensionale Mesh-Niere im Netz-Look gestaltet. Dazu kommen eine Motorhaube, die praktisch auf der Schnauze aufliegt, sowie ein breiter Lufteinlass in der Schürze, der sich über die ganze Breite zieht. Optisch – und auch tatsächlich – ist die Frontpartie damit kürzer und höher geworden.

Überraschenderweise erscheint der Kompaktsportler trotz dieser Zuwächse an Masse nicht etwa aggressiver als seine Vorgänger, sondern eher etwas behäbiger. Wollte man das im Hause BMW? Noch dazu, wo sich die Konkurrenz aus Stuttgart, der AMG A 35, ironischerweise genau in die andere Richtung entwickelt hat und sich heute straff und kantig wie nie zuvor zeigt?

Ja, man wollte das, denn die Veränderungen am Design des Einsers haben vor allem praktische Gründe. Das Modell hat nämlich jetzt mit einem Quermotor und einem niedrigeren Mitteltunnel eine platzsparendere Antriebstechnik an Board. Dadurch konnte man den aktuellen Einser ein wenig kürzer, dafür aber breiter und höher gestalten. Das hat Platz im Innenraum geschaffen: So ist beispielsweise die Beinfreiheit im Fond um 3,3 Zentimeter gewachsen und die Ellenbogenfreiheit vorne um über 4. Der Kofferraum hat um 20 Liter zugenommen. Man hat den Faktor Alltag also höher gewichtet als die ganz sportliche Linie.

Praktikabilität

Tatsächlich fühlt man sich im BMW M135i auch als großer Mensch kein bisschen beengt und bekommt locker genug Gepäck untergebracht, um mit zwei oder drei Personen in den Sommerurlaub zu fahren, denn selbstverständlich kann die Rückbank (40:60) mit wenigen Handgriffen umgeklappt werden. Wer öfter verreist oder größere Ladungen transportiert, sollte erwägen, mindestens eine von zwei Zusatzausstattungen zu wählen:

Mit dem „Durchladesystem“ (knapp 200 Euro Aufpreis) erhält man eine 40:20:40-Teilung für die Sitze im Fond, kann also zum Beispiel nur den Mittelteil herunterklappen, um einen länglichen Gegenstand zu verladen. So können hinten trotzdem noch zwei Personen bequem sitzen. Außerdem erhält man mit dieser Option eine Kopfstütze für den mittleren Sitz der Rückbank, die man für eine bessere Sicht nach hinten herunterklappen kann, wenn dort niemand sitzt.

Das „Gepäckraumpaket“ (knapp 150 Euro Aufpreis) beschert einem in Kombination mit dem „Ablagenpaket“ (ebenfalls knapp 150 Euro Aufpreis) unter anderem eine Cargo-Funktion, durch die man die hinteren Lehnen so verstellen kann, dass man 40 Liter mehr Kofferraumvolumen erhält und trotzdem alle drei Sitze zur Verfügung hat.

Der Kofferraum vom BMW 1er ist im Vergleich zum Vorgänger um 20 Liter gewachsen (Bild: heycar)

Insgesamt ist die Alltagstauglichkeit des BMW M135i sehr groß. Eine elektrische Heckklappe erleichtert das Einladen und man kann den Wagen „keyless“ öffnen und schließen – entweder mit dem Schlüssel in der Hosentasche oder mit dem Handy. Liegt dieses am richtigen Platz im Wagen, lässt sich das Auto sogar damit starten. Laden kann man das Smartphone induktiv oder mit einem USB-C-Schnellladeanschluss.

Die Rundumsicht im Einser ist ordentlich und die Parkplatzsuche fällt auch nicht allzu schwer. Eine Rückfahrkamera sowie diverse Assistenten unterstützen – gegen Aufpreis – beim Ein- und Ausparken. So verhindert etwa ein Bremsassistent, dass man beim Zurücksetzen gegen ein Hindernis fährt, indem er für den Fahrer voll in die Eisen steigt – was jedes Mal für einen Schockmoment sorgt. Ein Rückfahrassistent speichert bis zu 50 Meter vorwärts gefahrenen Weg und fährt diesen später selbstständig wieder zurück. Nützlich bei engen Einfahrten oder Sackgassen.

Interieur

Auch der Innenraum des BMW steht einer Nutzung als Alltags- und Reiseauto nicht im Wege. Im Gegenteil. Das Interieur präsentiert sich ebenso hochwertig wie unaufgeregt, strahlt eine elegante Sportlichkeit ganz ohne pubertäre Anklänge aus. Dass man in der Performance-Version des Münchner Kompakten sitzt, wird lediglich hier und da von ein paar unauffälligen Details offenbart, etwa einem kleinen M-Logo am Lenkrad oder einem blau-blau-roten Farbakzent an den Rändern der Sitze.

Bis auf ein paar schwarze Lackflächen, einige Elemente im Alu-Look und einige graue Zierleisten, durch die nachts das Ambient-Light durchschimmert, hat man sich auf (Kunst)Leder, Gummi, Stoff und Plastik beschränkt – alles dunkel gehalten. Man kann auch sagen: Der Innenraum des Einsers ist zeitlos und ohne Exzentrik designt, sodass man sich gerne darin aufhält, ohne besonders auf ihn zu achten.

Der Einser glänzt mit einem dezent gestalteten Innenraum und Leder-Sportsitzen (Bild: heycar)

Die M-Sportsitze des BMW (500 Euro Aufpreis) sind mit perforiertem Leder bezogenen, gut ausgeformt und lassen sich elektrisch samt Memory-Funktion verstellen (950 Euro Aufpreis). Auch die Weite der Seitenwangen sowie eine Lordosenstütze (250 Euro Aufpreis) kann per Knopfdruck angepasst werden. Die Oberschenkelauflage kann man manuell herausfahren. Da die Lehnen der Sitze in die Kopfstützen übergehen, können Letztere nicht angepasst werden, womit es ein wenig vom eigenen Geschmack und von den Körpermaßen abhängt, wie gut man positioniert ist.

Auffällig ist das Sportlenkrad des Einsers, denn dieses ist nicht nur mit recht glattem Leder oder Kunstleder bezogen und relativ klein, es ist auch ziemlich dick. Anfangs ist das ungewohnt, doch mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Fährt man vorschriftsmäßig und legt die Daumen auf dem Kranz ab, anstatt sie einzuhaken, liegt es sogar besser in der Hand als gängige Lenkräder.

Infotainment-System und Assistenten

Herzstück des modernen Fahrzeuginneren ist natürlich der Touchscreen. Im BMW M135i hat er eine Größe von 10,25 Zoll und ist halb ins Armaturenbrett eingefasst, halb ragt er aus ihm heraus. Die Grafik ist so scharf, wie man es im Premium-Segment erwarten darf, die Reaktionszeiten sind gut. Ebenfalls digital und mit überzeugender Auflösung ist der Tacho gestaltet. Auch er misst 10,25 Zoll in der Diagonalen.

Die volle Punktzahl erreicht der „1er M“ in Sachen Usability. Das Menü des Infotainment-Systems könnte nicht besser gegliedert sein, sodass man sich darin intuitiv und mühelos bewegen kann. Alternativ zum Wischen und Drücken mit dem Finger lässt sich das System auch mit dem „iDrive Controller“ in der Mittelkonsole bedienen, einem Rad, das man nicht nur drehen, sondern auch auf zwei Achsen bewegen und als Druckknopf einsetzen kann.

Volle Punktzahl im Test erreicht der BMW M135i in Sachen Infotainment und Usability (Bild: heycar)

Nicht so intuitiv funktioniert die Gestensteuerung, die man für 300 Euro Aufpreis erhält. Der ungeschulte Fahrer löst sie immer mal wieder ungewollt aus und weiß nicht so richtig etwas mit ihr anzufangen. Hat man sich aber einmal mit dieser Technik befasst und sich die sieben verwendbaren Gesten gemerkt, lernt man sie schnell zu schätzen. Denn anders als die Sprachsteuerung – kein Autohersteller scheint diese annähernd auf Google-Niveau gehoben zu bekommen – reagiert das System sehr verlässlich auf die verwendeten Befehle.

Natürlich ist auch die Sound-Anlage im BMW standesgemäß. Sie ist für 850 Euro Aufpreis zu haben und trägt das Signet von harman/kardon. Hat man den Equalizer in den Griff bekommen, liefert sie einen satten und nuancierten Surround-Sound. Ein DAB-Tuner für digitalen Radioempfang schlägt noch einmal mit 250 Euro zu Buche – bei der Menge an Funklöchern auf der Autobahn nicht unbedingt eine Investition, die sich lohnt.

Motor und Fahrverhalten

Kommen wir zum Wesentlichen: dem Fahrverhalten bzw. der Frage, wie viel Motorsport im „M“ steckt? Die Antwort lautet: Weniger als man vielleicht denkt – aber sicherlich genug, um eine Menge Spaß zu haben. Wie kommen wir zu diesem scheinbar widersprüchlichen Urteil? Ganz einfach durch einen Blick auf vergleichbare Modelle, allen voran den oben schon erwähnten Mercedes AMG A 35, aber auch den Honda Civic Type R oder den Hyundai i30 N Performance, wenngleich diese beiden Autos preislich in einer viel tieferen Liga spielen.

Was sich im Design des Einsers sowie in der Gestaltung des Innenraums schon ankündigt, setzt sich auch beim Fahrverhalten fort: Der Wagen ist sportlich, keine Frage, aber nicht kompromisslos sportlich. Was ihm abgeht, ist das Brachiale, das man bei einem Performance-Modell erwarten mag. Bei dieser Einschätzung spielen objektive Messwerte eine untergeordnete Rolle, es geht vielmehr um einen subjektiven Eindruck.

So hat der allradbetriebene und automatikgeschaltete BMW etwas mehr Drehmoment (450 Nm) als der frontgetriebene und handgeschaltete Civic Type R (400 Nm) und lässt diesen in Sachen Beschleunigung entsprechend alt aussehen (4,8 s auf 100 statt 5,8 s). Und trotzdem hat man im Honda das Gefühl, das wildere Pferd zügeln zu müssen, auch wenn man auf der Rennstrecke vermutlich nur die Rücklichter des Münchners sehen würde.

Der Zwei-Liter-Vierzylinder leistet stolze 306 PS und schickt 450 Nm an die vier Räder (Bild: heycar)

Ob man in einem Rennen auf dem Rundkurs den AMG A 35 hinter sich lassen würde, scheint hingegen sehr fraglich, denn nicht nur haben beide Modelle Allradantrieb, auch ihre Fahrleistungen sind fast identisch. Dazu wirkte der AMG im Test merklich stabiler in Kurven und lag ab Tempo 200 auch deutlich satter auf der Straße. Die Straßenlage bzw. Fahrwerksabstimmung ist somit auch insgesamt der größte Kritikpunkt am M135i. In Kurven neigt er zum Untersteuern und ist somit nicht immer ganz einfach in der Spur zu halten.

Das ist natürlich Meckern auf höchstem Niveau. In den Sportmodus versetzt zieht der Einser nach einem Sekundenbruchteil Verzögerungszeit los, dass es eine Freude ist. Auf Landstraße und Autobahn muss man somit praktisch keinem Überholmanöver aus dem Weg gehen und kann bei freier Fahrt, bis auf 250 Sachen spurten. Wie gesagt: Sportlich ist er.

Positiv überrascht hat der Eco-Modus. Er trägt seinen Namen völlig zu Recht, denn er drosselt die Gasannahme in einem so starken Maße, dass man fast zum Verkehrshindernis wird, weil man nicht mehr vom Fleck kommt. Dieser stark verzögerte Antritt schlägt sich im Benzinverbrauch nieder. Bei einer Autobahnfahrt mit Tempo 120 bis 130 kann man trotz der 306 PS unter 7,5 Litern landen.

Fazit: Mehr Alltag als Rennstrecke

Der BMW M135i ist ein tolles Auto für den Alltag: Er hat kompakte Außenmaße, dabei aber ordentlich Platz im Inneren, ist super verarbeitet, gut ausgestattet und hat einen leistungsstarken Motor. Vielmehr kann man sich eigentlich nicht wünschen. Eigentlich … Denn da ist eben noch das kleine „M“, das hier und da vom Anspruch kündet, mehr als ein normaler Straßenwagen mit stattlichem Motor zu sein. Diesem Anspruch wird der Einser nicht ganz gerecht, denn BMW hat ihn nicht mit letzter Konsequenz auf Performance getrimmt. Viel Fahrspaß bietet er trotzdem, wenn auch zu einem hohen Preis.

Technische Daten BMW M135i xDrive

Allgemeines
Kompletter NameBMW M135i xDrive Steptronic
Modellstart09/2019
Motor
Anzahl Zylinder, Anordnung4, Reihe
Hubraum1.998
Max. Leistung (kW/PS bei U/min)225/306 bei 5.000
Max. Drehmoment (Nm bei U/min)450 bei 1.750
KraftstoffartSuper Plus
Tankvolumen in Liter50
MotoraufladungTurbo
SchadstoffklasseEuro 6d-TEMP-EVAP-ISC (WLTP)
Getriebeart
GetriebeAutomatikgetriebe
Anzahl Gänge8
AntriebAllrad perm.
Abmessungen, Gewichte, Ladevolumen
Abmessungen, Gewichte, Ladevolumen4.319
Breite (ohne Spiegel) in mm1.799
Höhe in mmHöhe in mm
EG-Leergewicht in kg1.600
Zuladung maximal in kg485
Laderaumvolumen min. in l380
Laderaumvolumen max. in l1.200
Fahrleistungen (laut BMW)
Höchstgeschwindigkeit in km/h250
Beschleunigung 0-100 km/h in s4,8
Verbrauch (laut BMW)
Kombiniert in l/100 km (WLTP)8,0
CO2-Emission in g/km (WLTP)179
CO2-EffizienzklasseC
Preis
Einstiegs-Listenpreis in €48.900
Preis Testwagen in €63.160

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Moritz Pohl
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