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Im Test: Audi e-tron GT quattro
8. Juli 2021
Autotests

Im Test: Audi e-tron GT quattro

Audis erstes Serien-Elektroauto, der e-tron, kam 2019 auf den Markt und ist laut dem VW-Konzern der meisterverkaufte E-SUV Europas. Auf diesen Erfolg wollen die Ingolstädter aufbauen: Mit dem e-tron GT stehen die Zeichen jetzt auf Sportlichkeit, Fahrspaß und der Audi-typischen Herangehensweise an das Thema Luxus. Das Ziel ist klar: Audi nimmt das Tesla Model S fest ins Visier und bereitet sich auch auf den bald kommenden High-Tech-Rivalen, den EQS vor – Daimlers elektrischer S-Klasse.

Der Ausgangspunkt könnte besser gar nicht sein, denn der e-tron GT teilt sich die Plattform mit Konzernbruder Porsche Taycan. Doch der e-tron GT ist weitaus mehr als ein lauwarmer Taycan für die Masse. Dafür ist das neue Flaggschiff von Audi eigenständig genug. Sowohl beim Design, der Ausstattung als auch beim Anspruch des Wagens gab es genügend Unterschiede zu entdecken.

Wir haben ein Wochenende mit dem Einstiegsmodell des sportlichen Elektro-Coupés verbracht und dabei Kilometer und Eindrücke gesammelt. Fest steht: die Tage waren viel zu kurz und wir wären ihn am liebsten noch viel länger gefahren. Doch mehr dazu in unserem Kurztest.

Ein Audi durch und durch

Als wir den e-tron GT zum ersten Mal sahen, fühlten wir uns eher an Audi A7 oder RS7 als einen Porsche Taycan erinnert: Letzterer mutet deutlich sportlicher an und sieht auch etwas futuristischer aus. Was am Porsche eher abgerundet oder glattgezogen ist, wirkt beim e-tron GT wuchtiger und kantiger. Ähnliche Proportionen sind bei gleichem Radstand nicht zu vermeiden, doch gerade von außen sucht man weitere Gemeinsamkeiten eher vergebens.

Audi-typisch kommt der e-tron GT mit sechseckigem Singleframe-Kühlergrill daher, der mehr optisches Element, als Lufteinlass ist. Mit dem durch die Scheinwerfer suggerierten, grimmigen Blick und den Sicken in den Kotflügeln entsteht hier eine eindrucksvolle Front, die sich angenehm positiv von eher zahmen Designs anderer Elektroautos abhebt. Unterstrichen wird dieser Eindruck von den breiten Schultern am Heck, die aber nicht ganz so dominant erscheinen wie beim RS7.

Das eindrucksvolle Heck des e-tron GT mit ausfahrbaren Spoiler, markantem Diffusor und durchgehender Bremsleiste(Bild: heycar)

Der e-tron GT verfehlt nur knapp die 5-Meter-Marke, wirkt im Profil aber dank kurzer Überhänge, langem Radstand (2898 mm) und die durch das Fließdach extrem flache C-Säule dynamisch und elegant. Nicht so ganz dazu passen wollen die Türgriffe, die sowohl optisch als auch buchstäblich herausstechen. Spätestens, wenn man am Heck angekommen ist und den ausfahrbaren Spoiler, den markanten Diffusor, sowie die Heck-umfassende Bremsleiste – noch größer und zentraler, als bereits beim neuen A7 und A8 Facelift – erblickt, vergisst man diese Kleinigkeit schnell.

Ein besonderes optisches Highlight ist das serienmäßig verbaute Panoramadach. Es lässt den Innenraum wachsen und ist selbst an trüben, regnerischen Tagen ein Hingucker: Zum einen entsteht bei Nässe ein interessanter Lichteffekt, zum anderen ist es zumindest für Mitfahrende beeindruckend anzusehen, wenn sich gesammelte Regentropfen während des mächtigen Sprints vom Dach verabschieden. Kurzeitig fühlt man sich wie im Raumschiff Enterprise, das grade den „Warp Speed“ einlegt und die Sterne zu grellen Linien werden lässt. Wer mehr Wert auf sportliche Optik ohne Sicht nach oben legt, kann den e-tron optional und gegen Aufpreis mit Carbon-Dach ausstatten lassen.

Das serienmäßige Panoramadach sorgt bei Regen für tolle Lichteffekte (Bild: heycar)

Ein elektrisches Kraftpaket

Doch kann der e-tron GT die Versprechen halten, die seine Optik andeuteten? Und wie! Im „Einsteiger“-GT quattro sitzt man trotzdem auf 350 kW/476 PS Leistung. Im Boost-Modus erhöhen sich das auf 390 kW/530 PS. Mit einem maximalen Drehmoment von 630 Nm schafft er den Sprint auf 100 km/h, laut Audi, innerhalb von 4,1 Sekunden. Wir haben das während des kurzen Testzeitraums zwar nicht exakt messen können – waren aber beim Durchtreten des Gaspedals heilfroh über die bequemen Nackenstützen.

Die beiden Elektromotoren an Hinter- und Vorderachse sorgen für einen heftigen, verzögerungsfreien Antritt, den man seinen Beifahrern nicht ohne Vorwarnung aussetzen sollte. Während Verbrenner beim Durchdrücken des Gaspedals den Motor aufheulen lassen und dann Einkuppeln, gewährt der e-tron GT keine solche Vorwarnung. Der akustische Reiz beim Sprint stellt sich zeitgleich mit der Beschleunigung ein. Speziell die Soundkulisse ist eine Besonderheit für sich. Ab Juli 2021 müssen alle neu zugelassenen Elektroautos künstliche Geräusche erzeugen können, um für andere Verkehrsteilnehmer besser wahrnehmbar zu sein.

Der e-tron GT macht aus dem Sound eine emotionale Angelegenheit: Das Turbinen-ähnliche Geräusch, das beim Beschleunigen hoch- und beim Abbremsen herunterfährt, sorgt für ein beflügelndes Beschleunigungsgefühl. Sound-Ingenieure bei Audi haben hier einen Klang komponiert, der aus zahlreichen Elementen – unter anderem mit Tonaufnahmen eines Didgeridoos – entwickelt wurde. Je nach Fahrmodus kann hier justiert, personalisiert oder der Sound innen gar abgeschaltet werden.

Der Außensound des GT wird separat geregelt und über Außenlautsprecher ausgespielt, die sich jeweils an der Front und am Heck befinden. Der e-Sound reagiert in Echtzeit auf die Fahrsituation und sorgt dafür, dass Passanten im Straßenverkehr vom e-tron GT nicht überrascht werden. Der besondere Klang sorgte während unserer Fahrten aber auch so für zahlreiche interessierte Blicke.

Auch wenn die Zahl auf dem Tacho wahnsinnig schnell steigt, bei 245 km/h ist Schluss. Im Sinne der Reichweite eine gute Vorgabe. Durch den niedrigen Schwerpunkt der im Fahrzeugboden eingelassen Batterie und dem permanenten Allradantrieb klebt der e-tron GT bei jeder Geschwindigkeit auf der Straße. Wir hatten das Gefühl, auf Schienen über den Asphalt zu gleiten.

Der Medientheoretiker Marshall McLuhan beschrieb in seinem Buch Understanding Media: The Extensions of Man den Einfluss von Medien, aber auch Gegenständen, auf den Menschen und dessen Leben. So beschreibt er zum Beispiel den Schuh als Erweiterung des Beins, die Brille als Erweiterung der Augen. Es mag etwas abstrakt klingen, aber mit dieser Philosophie im Hinterkopf ließ sich das Fahrgefühl für uns besser artikulieren. Es fühlte sich an, als seien die Räder eine Erweiterung unserer Gliedmaßen – eine direkte Verbindung zur Straße. Gerade im Dynamic-Modus spürten wir jede Bodenwelle oder Vertiefung beim Richtungswechsel – keine Selbstverständlichkeit bei einer rein elektrischen Lenkung.

Innen geerdet und komfortabel

Raumschiff-Feeling Fehlanzeige. Der e-tron GT bringt haptische Bedienelemente mit – zum Glück! (Bild: heycar)

Nach dem Einstieg steht fest: Das hier ist ein Audi. Im Innenraum des e-tron GT stellt sich kein Raumschiff-Gefühl ein, wie bei manch anderen Elektro-Kollegen. Der Ersteindruck festigt sich auch bei unseren Fahrten: Das Interieur des e-tron GT ist eine gut abgestimmte Mischung aus sportlich und luxuriös, mit modernem, aber geerdeten Look. Ganz besonders gefiel uns, dass es, neben zentralem Touch-Display für das Infotainment, Schalter und Knöpfe gibt, die sich rein haptisch bedienen lassen. So muss zum Beispiel die Klimakontrolle nicht per Display justiert werden. Hier reagiert Audi auf das Feedback der Fahrer des Audi e-tron, der noch ein doppeltes Display verbaut hatte.

Über ein Clickwheel kann zudem einfacher und ohne Touch die Lautstärke geregelt werden. Alternativ können viele Einstellungen auch über eine Sprachsteuerung eingestellt werden – wir haben diese aber kaum genutzt. Dazu ist alles sauber und vor allem hochwertig verarbeitet. Ambiente-Licht und die Wabenstruktur im Hexagonstil unter dem Dashboard verleihen dem Wagen eine luxuriöse Atmosphäre.

Die Sitzheizung im Fond ist für Mitfahrende hinten eine schöne Sache, zwei USB-C-Steckplätze sorgen für volle Akkus mitgeführter Unterhaltungselektronik. Allzu groß sollte man für die Rückbank allerdings nicht sein, denn durch das flache Fließheck stößt man schnell mal oben an.

Unter der Fronthaube ist ein kleiner Kofferraum – ein Frunk – zu finden. Mit 85 Liter Fassungsvolumen ist hier Platz für Ladeequipment und andere Kleinigkeiten. Der Kofferraum fasst 405 Liter – für Geschäftsreisen oder Wochenendausflüge vollkommen ausreichend. Für mehr Platz kann die Rückbank optional umgeklappt werden.

Für Tagesausflüge oder Geschäftsreisen reichen die 405 Liter Kofferraum aus (Bild: heycar)

Praktische Assistenten

Startknopf drücken, Fahrmodus wählen und los. Wir können zwischen den Modi Efficiency (der die Höchstgeschwindigkeit auf 140 km/h begrenzt), Comfort oder Dynamic wählen. Wir sind ehrlich: Am meisten Spaß hat man in diesem Auto im Dynamic-Modus. Das virtuelle Cockpit kann nach Vorliebe eingestellt werden: Eingeblendet wird die Restreichweite, Informationen zum Streckenverlauf oder Einstellungen zur Rekuperationsstufe, die per Schaltwippe am Lenkrad angepasst wird.

Elektroautos sind auch uns noch nicht ins Blut übergegangen, daher war die Furcht, plötzlich ohne Saft auf der Straße zu stehen, real. Hier schafft Audi Abhilfe: Dank intelligenter Routenplanung sucht das Navigationsgerät entlang des Weges Schnellladestationen auf und kühlt sogar die Batterie schon vor, damit sich die Ladezeit verkürzt. Das Auto berechnet die Reichweite, abhängig von den Straßen- und Verkehrsumständen und zeigt sie als Polardiagramm auf der Karte an. Der Nachteil davon ist allerdings, dass man nicht mehr auf schnellstem Weg an sein Ziel kommt und mitunter Umwege fährt.

Daneben ist der e-tron GT mit vielen gängigen Assistenten ausgerüstet. Uns gefiel vor allem, dass beim Spurhalteassistenten die gesamte Innenfläche des Spiegels blinkt oder das Öffnen der Tür blockiert, wenn das Auto ein ankommendes Fahrzeug erkennt.

So wird der e-tron GT quattro geladen

5 Minuten für 100 Kilometer: Zumindest an Ladestationen, die 270 kW unterstützen. (Bild: heycar)

Laut Audi soll der e-tron GT eine maximale Reichweite von 475 km nach WLTP schaffen. Dafür sorgt ein Akku mit 93 kWh Bruttokapazität. Nutzbar sind davon 83 kWh. Bei moderater Fahrweise (mit Spitzen bei ca. 120 km/h) kamen wir dabei auf eine realistische Reichweite von knapp unter 400 km. Im Stadtverkehr, wo mehr Energiegewinnung durch Rekuperation möglich ist, ist vermutlich noch mehr drin.

Hat man sich in den Dynamic-Modus verguckt und pflegt eine sportliche Fahrweise, reduziert sich die maximale Reichweite merklich: uns zeigte der e-tron GT hier maximal ca. 320 km an. Hinzu kommt, dass die Angaben von Audi sich natürlich auf die volle Kapazität des Fahrzeugs beziehen, man es aber im täglichen Gebrauch selten über 80% lädt.

Zumindest in Nordrhein-Westfalen hatten wir wenig Sorgen, mit leerem Akku zu stranden, da das Hypercharger-Netzwerk von IONITY und EnBW recht gut ausgebaut ist. In weiten Teilen der Republik kann das schnell schwieriger werden.

Die Navigation des Audi e-tron GT führt auf Wunsch an Schnellladestationen vorbei, damit auch weit-entfernte Ziele erreicht werden. (Bild: heycar)

Der e-tron GT ist gleich mit zwei Ladeanschlüssen an den vorderen Kotflügeln ausgestattet. Für das Heimnetz wird links mit 11 kW (AC - optional bietet Audi aber auch Kabel für 22 kW an) und rechts mit bis zu 270 kW (DC) serienmäßig an Schnellladestationen geladen. Bei voller Leistung reicht das zukünftig für 100 km Reichweite in nur 5 Minuten und 80 Prozent des Akkus wären nach 23 Minuten geladen. Denn der e-tron GT teilt sich das 800-Volt Hochspannungssystem mit dem Konzernbruder Taycan, für welches es allerdings noch kaum Schnellladesäulen gibt: In unserem Test hat es von 20 auf 80 Prozent ca. 40 Minuten gedauert. Für uns immer noch vollkommen akzeptabel.

Fazit

Der Audi e-tron GT quattro ist ein ziemlich beeindruckendes Elektroauto und ein waschechter Kandidat für die Speerspitze der Elektro-Coupés. Ausstattung, Design, Fahrgefühl und Leistung sind erstklassig. Das Sounddesign hat uns beeindruckt und den Fahrspaß nur noch erhöht. In seiner Basisausstattung ist der Wagen ab 99.800 Euro zu haben. Sicher, der e-tron GT ist kein günstiges Auto – für die gebotene Leistung, die üppige Ausstattung und beachtliche Reichweite ist das durchaus gerechtfertigt.

Wer das Geld ausgeben kann und will, bekommt hier ein echtes Traumauto. Dabei kann man aber nicht die Herausforderungen außer Acht lassen, die Besitzer von E-Autos auch 2021 noch beschäftigen: Das öffentlich Laden ist in vielen Teilen des Landes noch immer ein Problem und ohne Möglichkeit, das Auto zu Hause zu laden, wird man auf Dauer wenig Spaß mit dem e-tron GT haben.

Vielen Dank an das Audi-Zentrum Wuppertal, das die Testfahrt ermöglichte.

Technische Daten Audi e-tron GT quattro

Allgemeines
Kompletter NameAudi e-tron GT quattro
Marktpremiere2021
Motor
BauartPermanentmagnet-Synchronmaschine an Vorder- und Hinterachse
Max. Leistung (kW/PS)350/476
Max. Drehmoment (Nm)630
Batteriekapazität (Netto) in kWh83,7
SchadstoffklasseElektrofahrzeug
Getriebeart
GetriebeAutomatikgetriebe
Anzahl Gänge2
AntriebAllrad
Abmessungen, Gewichte, Ladevolumen
Länge in mm4989
Breite (ohne Spiegel) in mm1964
Höhe in mm1413
EG-Leergewicht in kg2350
Zuladung maximal in kg490
Laderaumvolumen min. in l405
Batteriegewicht in kg650
Fahrleistungen (laut Audi)
Höchstgeschwindigkeit in km/h245
Beschleunigung 0-100 km/h in s4,1
Verbrauch (laut Audi)
Kombiniert in kWh/100 km (WLTP)20,3
Max. Reichweite (WLTP) in km479
CO2-Emission in g/km0
EffizienzklasseA+
Preise
Einstiegs-Listenpreis99.800 €
Preis Testwagen114.820 €

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