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Halbleiter-Engpass: Alles zum Chipmangel in der Autoindustrie
28. Oktober 2021
Autoteile & Technik

Halbleiter-Engpass: Alles zum Chipmangel in der Autoindustrie

Seit Beginn der Corona-Pandemie kam es weltweit immer wieder zu Produktionsstopps und Verzögerungen in Lieferketten zahlreicher Industrien. Die weltweite Knappheit von Halbleitern schlägt weiterhin Wellen in allen Branchen die Mikrochips verbauen und trifft auch die Automobilindustrie hart. Viele Hersteller machten mit Produktionspausen, Kurzarbeit und unfertigen Fahrzeugen, in groß-angemieteten Lagerhallen und sogar leerstehenden Stadien Schlagzeilen.

Warum Halbleiter so wichtig für die Produktion von Autos sind, welche Auswirkungen die Krise für Autokäufer hat und wie lange sie etwa anhalten wird, klären wir im Artikel.

Halbleiter und ihr Einsatz in Autos

Aus modernen Autos und Elektronikprodukten sind Halbleiter nicht mehr wegzudenken. In den letzten zehn Jahren ist die Anzahl in Autos verbauter Chips und die dafür benötigten Halbleiter stark gewachsen. Ohne sie funktionieren komplizierte Motorsteuergeräte und Fahrassistenzsysteme nicht. Sie regeln vom Antrieb, Fahrverhalten, bis zum Auslösen des Airbags alles in modernen Autos. Ein durchschnittliches Fahrzeug hat mindestens hundert Bauteile in denen Halbleiter vorkommen.

Halbleiter sind der wichtigste Bestandteil von Mikrochips. Diese wiederum sind zentral bei der Herstellung zahlreicher Geräte: neben Autos zum Beispiel Notebooks, Smartphones; selbst Haushaltsgeräte. Halbleiter bestehen häufig aus Silizium oder anderen Halbmetallen, können aber auch aus künstlichen, organischen Materialien hergestellt werden.

Sie lassen sich zu winzigen elektrischen Schaltern arrangieren, die nur sehr wenig Strom leiten. Das dafür aber milliardenfach. Mittels komplizierter chemischer Prozesse, wie der Fotolithografie, werden die Halbleiter in einen Wafer, dem Halbleiter-Rohling eingraviert. Kombiniert man die mikroskopischen Halbleiter miteinander, erhält man moderne Transistoren, die eine variable Leit- und Leistungsfähigkeit besitzen. In Mikrochips sind Halbleiter somit Schaltkreise, die Befehle ausführen und Daten speichern können.

Auslöser der Halbleiter-Krise

Während der Corona-Pandemie stieg die globale Nachfrage nach Elektronikprodukten. Durch Schließungen vieler Fabriken sank gleichzeitig die Produktionsmenge von Chips weltweit. Das ist ein Problem, weil Halbleiter in der Produktion ein Verfallsdatum haben und nicht auf Halde produziert werden können. Engpässe bei Rohstoff-Zulieferern erschwerten die Situation weiter.

Dass die Autoindustrie so unter dem Mangel an Halbleitern leidet, liegt zum Teil an den Herstellern selbst: Während der Corona-Pandemie stand die Produktion still oder fand nur begrenzt statt – es wurden weniger Halbleiter verbaut und bestellt. Gleichzeitig stieg der Bedarf an Unterhaltungselektronik. Elektronikhersteller bestellten größere Mengen an Halbleitern, Autohersteller stornierten ihre hingegen. Erschwerend kommt hinzu, dass im Grunde jede Industrie immer mehr Chips verbaut – unabhängig von der Pandemie steigt die Nachfrage konstant.

Für Autos gilt zwar die gleiche Logik – gerade Elektroautos benötigen mehr Halbleiter als Verbrenner, allerdings nehmen Autohersteller im Vergleich kleinere Mengen ab als Unterhaltungselektronikriesen. Sie sind also weniger attraktive, da weniger lukrative Geschäftspartner. Die Chips und Halbleiter, die die Industrie zu Beginn der Pandemie storniert oder weniger bestellt hat, fehlen jetzt.

Der inzwischen wieder stark gestiegene Bedarf kann vorerst nicht gedeckt werden, da auch die Auslieferungszeiten sich deutlich erhöht haben. Halbleiterhersteller können die Nachfrage bislang nicht erfüllen, weil viele Länder in der Welt weiterhin von der Pandemie getroffen sind und es weiter Corona-bedingte Lockdowns gibt. Je nach Industriesegment gibt es zudem nur eine überschaubare Menge an Herstellern, die den Weltmarkt beliefern und mit der Produktion nicht hinterherkommen.

Diese Hersteller sind vom Halbleiter-Engpass betroffen

Auch die Produktion von Daimler leidet unter der anhaltenden Chipkrise. (Bild: Daimler)

Dass Werke stillstehen, Verluste vorgerechnet und Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt werden, war vor allem 2020 immer wieder zu lesen – hier war der Grund allerdings immer Lockdown-bedingt. Der Auslöser für den Stillstand mag sich inzwischen geändert haben, das Ergebnis hingegen blieb gleich.

Die Beratungsfirma Alix Partners hat die Verluste der Automobilbranche zu Beginn des Jahres 2021 durchkalkuliert und im September erneut hochkorrigiert. Insgesamt sollen den Herstellern Verluste von 210 Milliarden US-Dollar (ca. 179 Milliarden Euro) bevorstehen. Das ist doppelt so viel, wie noch zu Beginn des Jahres prognostiziert wurde. Die Analysten berechneten zudem, dass insgesamt 7,7 Millionen Fahrzeuge nicht produziert werden können.

Grundsätzlich lässt sich feststellen: Es gibt kaum eine Industrie, die der Chipmangel nicht belastet. Das gilt auch für die Automobilhersteller, die im Gros alle von der limitierten Verfügbarkeit von Halbleitern betroffen sind. Im Folgenden geben wir einen groben Überblick der Situationen der Hersteller.

Kurzarbeit und Produktionsstopps deutscher Hersteller und Werke

Opel: Das Opel-Werk in Eisenach steht seit Anfang Oktober still und soll bis Ende 2021 nicht wieder in Betrieb gehen. Rund 1.300 Mitarbeiter wurden infolgedessen in Kurzarbeit geschickt. Anfang 2022 soll die Produktion für den Grandland wieder anlaufen.

Audi: 10.000 Beschäftigte mussten in Ingolstadt und Neckarsulm ihren Sommerurlaub verlängern und in Kurzarbeit. Obwohl die Auftragsbücher voll sind, können Autos aufgrund fehlender Teile nicht gebaut werden. Bereits in der ersten Hälfte des Jahres 2021 konnten etwa 50.000 Fahrzeuge nicht gebaut werden. Auf die e-tron-Modelle GT und Q4 müssen Kunden inzwischen mitunter 14 Monate warten.

VW: Die Basismodelle des ID.3 und VW Golfs sind seit August nicht mehr zu bestellen – das soll erst 2022 wieder möglich sein. Murat Aksel, Einkaufschef bei Volkswagen sagte im Rahmen der IAA 2021, dass man zwar noch 2021 mit einer Entspannung rechne, aber bis Ende 2022 ca. zehn Prozent der benötigten Halbleiter fehlen würden.

Daimler: Daimlers Trucksparte wird immer wieder genannt, wenn es um die Produktion auf Vorlauf geht. Vorstandschef Daum erklärte in einem Interview, dass viele Lkws so gut wie fertiggestellt seien, die Auslieferung aufgrund fehlender Teile aber noch nicht vorgenommen werden könne. Für Pkws hat Daimler im Oktober nun auch damit begonnen Autos auf Halde zu produzieren.

BMW: Im August 2021 gingen die Münchner davon aus, dass ein Ausfall von 70.000 - 90.000 Fahrzeugen zu beklagen wäre. BMW will laut Unternehmensmitteilung die Krise mit höheren Preisen wettmachen und gibt eine Konzernergebnis von 6,5 Milliarden Euro für 2021 an – doppelt so viel wie im Jahr zuvor.

Aufgrund fehlender Teile können auch bei Audi trotz voller Auftragsbücher Fahrzeuge nicht fertiggestellt werden. (Bild: Audi)

Die Lage weltweit

Alle Hersteller sind vom Engpass der Chips betroffen, die Lage der internationalen Hersteller sieht also kaum besser aus:

Ford: Im September musste Ford die Produktion seines wichtigsten Fahrzeugs – dem Pick-up F-150 – stark drosseln. Andere Modelle des Herstellers werden indes ohne Sicherheits-Features wie Fernlicht-, Einpark- oder Spurhalteassistenten hergestellt. In Deutschland ist auch das Werk in Köln betroffen, in dem der Fiesta gebaut wird. Auch für die kommende Monate geht das Unternehmen davon aus, dass es immer wieder zu Produktionsausfällen kommen wird.

Toyota: Der japanische Hersteller kürzte seine Produktion im August und September ebenfalls. Die weltweite Produktion wurde um 40% verringert. Berichten zufolge hatten die Japaner einen größeren Vorrat an Halbleitern als andere Hersteller, verzögerten die durch die Krise entstandenen Engpässe dadurch aber nur geringfügig.

Tesla: Elon Musk verkündete, dass die zweite Generation des Tesla Roadsters frühestens 2023 auf den Markt kommen würde und auch nur dann, wenn 2022 alles nach Plan verliefe.

Volvo: Volvo verzeichnete 2021 das bisher beste Halbjahresergebnis in der Firmengeschichte (13,8 Milliarden Euro Umsatz), erwartet aber durch die Knappheit einen sinkenden Absatz und Umsatz. Zudem wird berichtet, dass der Hersteller die Käufer des XC60 kontaktiert und diese vor eine Wahl stellt: Reduzierung des Sicherheitspaketes oder spätere Auslieferung.

Bislang kein Ende in Sicht

Es ist kaum abzusehen, wann die Krise ein Ende findet. Fast alle Chefs von Herstellern formulieren vorsichtige Hoffnungen für das kommende Jahr – der Mangel an Halbleitern wird sich allerdings laut vieler Experten nicht vor 2022 normalisieren. Daimler-Chef Ola Källenius rechnet beispielsweise mit einer deutlichen Entspannung ab 2023. In einem Interview mit Ingolstadt Today spricht Michael Müller von Audi davon, dass sich der Engpass bis Mitte 2022 ziehen kann.

Die Unsicherheit des Markts führt dazu, dass zahlreiche Hersteller die Abläufe des Fertigungsprozesses umstellen und Fahrzeuge unvollständig auf Halde produzieren. Um die Produktionsabläufe im Rahmen der Krise so effizient wie möglich zu halten, werden Autos von einigen Herstellern unfertig gebaut und zwischengelagert und finalisiert, sobald die notwendigen Bauteile geliefert wurden. Die Möglichkeiten sind aber auch hier begrenzt und werden nur in Anspruch genommen, sofern sie zu keinem Mehraufwand führen.

Außerdem werden die Planungen der Hersteller viel kürzer als in der Vergangenheit. Sie müssen sich auf die Angaben ihrer Zulieferer verlassen, die häufig nur wenige Tage im Voraus kommen. Schichten werden so kurzfristiger geplant oder auch wieder abgesagt.

Die Europäische Union will die Abhängigkeiten von Mikrochipherstellern zukünftig ändern und eigene Kapazitäten zur Herstellung von Chips schaffen. Das wird auf die Krise kaum mehr Einfluss haben, denn der Aufbau einer solchen Industrie sowie der zugehörige Expertise und Forschung ist ein langfristiger Prozess und kostet Milliarden.

Autokauf: Steigende Preise und Lieferverzögerungen

Der Gebrauchtwagenmarkt wird durch die Krise ebenfalls umkämpfter. Wer ein Schnäppchen machen will, sollte flexibel bleiben und überregional suchen. (Bild: iStock)

Wer nun auf der Suche nach einem Auto ist, fragt sich zurecht, welchen Einfluss die derzeitige Krise auf den Autokauf hat: Werden Autos durch den Mangel an Chips teurer oder unsicherer? Können Lieferzeiten beim Neuwagenkauf überhaupt noch eingehalten werden?

Geringere Rabatte bei Neuwagen

Da durch den Mangel an Halbleitern viel weniger Autos vom Band laufen können, entsteht am Markt eine Verknappung fertiger Neuwagen. Für Verbraucher bedeutet das: Längere Wartezeiten und weniger zusätzliche Kaufanreize. Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer gibt an, dass Neuwagen im August und September 2021 bereits im Schnitt um 360 Euro teurer wurden.

Längere Lieferzeiten bei Neuwagen

Wer seinen Neuwagen bestellt hat, sollte mit dem Verkauf des alten Wagens vielleicht noch warten. Die Hersteller haben angegeben, dass sich die Produktion von Millionen von Fahrzeugen verzögert. Wie weiter oben ausgeführt: Ausnahmen gibt es keine, alle Hersteller sind von der Situation betroffen.

Laut einer Marktübersicht von AUTO STRASSENVERKEHR (20/2021) sind zahlreiche Modelle von erheblichen Wartezeiten betroffen. Auf den e-tron GT oder Q4 e-tron von Audi warten Kunden bis zu 14 Monate, gleiches gilt für den A 250 E von Mercedes. Auf den C4, den Peugeot 3008, den I4 oder IX von BMW und Opel Zafira E Life warten Käufer inzwischen gern mal bis zu 9 Monate. Auch auf die elektrischen Modelle ID.3 und ID.4 von VW muss bis zu 6 Monate gewartet werden.

Einfluss auf den Gebrauchtwagenmarkt

Im September 2021 berichtet die DAT (Deutsche Automobil Treuhand), dass auch der Gebrauchtwagenmarkt von den anziehenden Preisen nicht verschont bleibt. Besonders stark trifft es junge Gebrauchte: Dreijährige Gebrauchtwagen seien im Sommer 2021 bereits um zweieinhalb Prozent teurer geworden und immer schwerer zu bekommen. Daneben wurden als Gründe fehlende Firmenwagen, Vermieterfahrzeuge und Kurzzulassungen aufgeführt, die dieses Marktsegment sonst füllen.

Fehlende Halbleiter haben die Industrie im Griff

Die fehlenden Halbleiter bleiben auf längere Zeit ein handfestes Problem für die Automobilindustrie und ein klares Ende ist nicht in Sicht. Verschiedene Branchenexperten sehen eine Entspannung der Lage erst im Laufe des nächsten Jahres, ohne jedoch von kompletter Normalisierung zu sprechen. Die könne schwer vorhergesagt werden und durchaus bis ins Jahr 2023 warten.

Nach den Einschränkungen, die die Industrie durch Corona-Pandemie und Halbleiter-Engpass in den vergangenen zwei Jahren in Kauf nehmen musste, schätzt DAT-Experte Dudenhöffer, dass ab 2024 bereits die nächste Krise wartet. Er rechnet aufgrund der starken Nachfrage von Elektroautos mit einer Verknappung des Batterie-Zellangebots.

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Titelbild: iStock

Norman Volkmann
Norman Volkmann

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