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Getriebeölwechsel: Kosten, Notwendigkeit, Intervall
26. Oktober 2022
Wartung & Pflege

Getriebeölwechsel: Kosten, Notwendigkeit, Intervall

Wenn es beim Auto um den Ölwechsel geht, ist meist das Motoröl gemeint. Der Schmierstoff im Verbrennungsmotor gehört zu jeder Inspektion und ist ein fixer Posten in der Betriebskostenrechnung. Ein Getriebeölwechsel steht hingegen nur selten auf dem Programm, denn: Längst nicht alle Autos benötigen regelmäßig neues Öl in der Schaltbox. Manche Modelle behalten ihr Getriebeöl sogar ein Autoleben lang. Andere Autos dagegen benötigen regelmäßig einen Getriebeölwechsel.

Beispiel Volkswagen: Während die Schaltgetriebe normalerweise keiner Pflege erfordern, benötigen viele Modelle des Herstellers mit DSG-Automatikgetriebe bei den großen Inspektionen (alle 60.000 Kilometer) einen Getriebeölwechsel. Seat, Skoda und Audi machen ähnliche Vorgaben. Mercedes sieht laut Wartungsplan bei seinen modernen Wandler-Automatikgetrieben (7G-Tronic und 9G-Tronic) alle fünf Jahre oder 125.000 Kilometer einen Getriebeölwechsel vor. Die ältere 5G-Tronic kommt in vielen Fällen ohne Wechsel aus.

Aber woran liegt das? Warum benötigen einige Fahrzeuge einen Getriebeölwechsel, andere hingegen nicht? Ist es generell ratsam, das Getriebeöl zu wechseln, selbst wenn der Hersteller das nicht vorschreibt? Was kosten bei einem Getriebeölwechsel Material und Arbeit? Und was genau ist der Unterschied zwischen Getriebeölwechsel und Getriebeölspülung? Die Antworten findet Du in diesem Ratgeber.

Getriebeöl: Funktion und Aufgabe

Das gesamte Antriebsstrang-Ensemble aus Motor und Getriebe muss ständig mit unterschiedlichen Ölen geschmiert werden. (Bild: iStock)

In einem Getriebe greifen viele Zahnräder ineinander. Mitunter arbeiten darin auch Kupplungen und andere bewegliche Bauteile. Die Berührungen und Bewegungen erzeugen Reibung und Wärme, ohne ein Schmiermittel wäre das Getriebe schnell defekt. Deshalb kommt in allen Getrieben Getriebeöl zum Einsatz. Das Öl reguliert die Temperatur und sorgt dafür, dass die Metallteile sich nicht aneinander abschleifen. Außerdem sammelt das Öl feine Partikel (zum Beispiel winzige Metallspäne) ein und spült sie in den Ölfilter. Dort können sie keinen Schaden anrichten. Dieser wird in der Regel bei jedem Ölwechsel mitgewechselt.

Wie beim Motoröl gibt es aber nicht nur ein Getriebeöl. Jeder Hersteller und Zulieferer entwickelt seine Getriebe nach eigenen Kriterien wie Sportlichkeit, Komfort, Effizienz, Geräuschentwicklung und abgestimmt auf bestimmte Motoren. Je nach Anspruch und Auslegung muss das Öl daher bestimmte Eigenschaften mitbringen. Deshalb gibt es Getriebeöl in verschiedenen Klassen. Experten sprechen von Viskositäten, also dem Maß der Zähflüssigkeit (zum Beispiel: 70W-75 oder 80W-90). Der Oberbegriff von Getriebeöl für Automatikgetriebe lautet ATF – die Abkürzung steht für “Automatic Transmission Fluid”, englisch für Automatikgetriebeöl.

Darum solltest Du das Getriebeöl wechseln

Während der Getriebeentwicklung berechnen die Ingenieure, wie lange das Getriebeöl bei normaler Nutzung Schmiereigenschaften aufweist, die den einwandfreien Betrieb des Getriebes ermöglichen. Daraus ergibt sich eine Vorgabe zum Getriebeölwechsel im Wartungsplan: Wenn das Öl rechnerisch nach 60.000 Kilometern verschleißt, steht alle 60.000 Kilometer ein Getriebeölwechsel an. Sobald dieser Zeitraum die übliche Lebenserwartung eines Autos übertrifft, verlangt der Hersteller keinen Ölwechsel mehr.

Es kann dennoch sinnvoll sein, ohne Vorgabe einen Getriebeölwechsel durchzuführen. Denn Autos halten oft viel länger, als ihre Erbauer planen. Manche Autos werden besonders sportlich bewegt oder sind in staubiger Umgebung unterwegs. In beiden Fällen empfiehlt sich ein vorgezogener Getriebeölwechsel.

Mitunter stehen Autobesitzer nach einer Recherche im Internet ratlos da. Es kann vorkommen, dass ein Zulieferer ein Getriebe entwickelt und einen Getriebeölwechsel vorsieht, der Hersteller aber keinen einplant. Oder dass für das identische Getriebe in verschiedenen Autos unterschiedliche Vorgaben gelten.

Das kommt so: Über spezifische Applikationen, also Abstimmungen auf die Vorgaben des Autobauers, lässt sich die Lebensdauer von Getriebeöl in gewissen Rahmen verlängern. Das Getriebeöl arbeitet also ein (berechnetes) Autoleben lang vorschriftsmäßig. Ein Wechsel schadet dennoch nicht und kann die Lebensdauer verlängern.

Wann steht ein Getriebeölwechsel an?

Ein alter und ein neuer Ölfilter von einem Auto mit Handschaltgetriebe. (Bild: iStock)

Sieht der Fahrzeughersteller einen Getriebeölwechsel vor, ist dieser im Wartungsplan (Serviceheft) vermerkt. Diese Termine solltest Du penibel einhalten, weil Du sonst womöglich Deinen Garantieanspruch verlierst. Besonders bei leistungsstarken Autos oder modernen Automatik-Getrieben mit vielen Gängen und großen Ölmengen im Getriebe kann ein Aufschub aus Kostengründen verlockend sein. Das lohnt sich aber nicht, denn ein Defekt ist garantiert immer teurer als ein Ölwechsel.

Führt das Serviceheft keinen planmäßigen Getriebeölwechsel auf, kommt es auf Deine Eigeninitiative an. Faustregel: Nach ungefähr 100.000 Kilometern oder sieben Jahren solltest Du Deinem Getriebe neues Öl gönnen. In diesem Alter bauen die Eigenschaften des Öls ab.

Besonders feinfühlige Autofahrer können sich beim Getriebeölwechsel auf ihr Gefühl verlassen. Legt eine Automatik die Gänge träge oder unkomfortabel ein, kann das an überaltertem Getriebeöl liegen. Doppelkupplungsgetriebe (DSG, DKG, PDK, S-Tronic, etc.) arbeiten am Ende des Öllebens ebenfalls ruppiger als am Anfang. Schaltgetriebe vermitteln ihren Wunsch nach frischem Öl mit Geräuschen oder Hakeln bei schnellen Schaltvorgängen – hier liegt es in der Regel aber eher an der Kupplungsplatte.

Wieviel kostet ein Getriebeölwechsel?

Die Kosten für einen Getriebeölwechsel hängen vor allem vom verwendeten Öl und dessen Menge ab. Wichtig ist es, unbedingt das vom Hersteller empfohlene Getriebeöl zu verwenden. Experimente und gut gemeintes Wechseln auf vermeintlich höherwertiges Getriebeöl können schädlich für Dein Getriebe sein. Halte Dich deshalb genau an die Herstellervorgaben bzw. den Wartungsplan.

Der Getriebeölwechsel bei einer Automatik von Mercedes kostet ungefähr 200 bis 400 Euro. Bei BMW bewegt sich der Ölwechsel finanziell etwa im gleichen Rahmen. Je nach Bauart des Getriebes beträgt der Preis eines Getriebeölwechsel bei einem DSG-Getriebe von VW zwischen 200 und 500 Euro. Bei freien Werkstätten wird es jeweils etwas günstiger. Du solltest aber darauf achten, dass sich die Mechaniker mit der Materie gut auskennen und auf das vorgegebene Öl bestehen.

Der Unterschied zwischen Getriebeölwechsel und Getriebeölspülung

Getriebeöl-Flüssigkeit ist dünner als normales Motor-Öl und meistens entweder rötlich oder (neon-)grün. (Bild: iStock)

Ein Begriff, der im Kontext eines Getriebeölwechsels häufig genannt wird, ist die sogenannte Getriebeölspülung. Bei einem regulären Getriebeölwechsel bleibt üblicherweise etwas Altöl im Getriebe zurück. Damit das nicht passiert, bieten einige Anbieter ein Verfahren an, das diese Reste aus dem Getriebe spült – daher der Name.

Eine Getriebeölspülung ist stets teurer als der reine Ölwechsel: Weil der Vorgang länger dauert und weil mehr Öl verwendet wird. Experten raten von Spülungen mit Reinigungsmitteln ab, weil sie bestimmte Bauteile im Getriebe angreifen können. Je nach Zustand des Getriebes lohnt sich eine Getriebeölspülung aber, denn sie ist in jedem Fall deutlich günstiger als ein neuwertiges Austauschteil samt Einbau. Je nach Getriebe und Anbieter können die Kosten bei bis zu 600 Euro liegen.

Informiere Dich, bevor Du Dein Getriebe spülen lässt. Denn diese Maßnahme lohnt sich längst nicht bei jedem Getriebe. Einige Mercedes-Getriebe verfügen zum Beispiel über eine Ablassschraube am Wandler, die das Altöl fast vollständig aus dem Getriebe befördert. Eine Spülung wäre in diesem Fall rausgeschmissenes Geld. Viele Schaltgetriebe lassen sich ebenfalls ohne Spülung vollständig entleeren.

Getriebeölwechsel selbst machen: So geht’s

Wer die Kosten niedrig halten möchte, der kann sich auch selbst an den Getriebeölwechsel wagen. Diese Aufgabe ist allerdings nichts für Anfänger und Hobbyschrauber, denn es kann viel schiefgehen. Der Prozess ist je nach Auto deutlich umständlicher als ein Motorölwechsel. Du benötigst ein vom Hersteller freigegebenes Öl, den passenden Ölfilter (falls vorhanden) und eine neue Ablass- sowie Einfüllschraube samt Dichtungen. Hinzu kommen eventuell fahrzeugspezifische Bauteile – zum Beispiel die Ölwanne. Wenn Du diese Mühen auf Dich nimmst, sparst Du ungefähr 100 Euro. Das lohnt sich nur, wenn Dir der Wechsel leicht von der Hand geht.

Diese Schritte musst Du durchführen:

  1. Vor dem Getriebeölwechsel fährst Du Dein Auto warm.

    Danach fährst Du es auf die Hebebühne oder stellst es auf die Grube. Ein Wagenheber eignet sich nicht für einen Getriebeölwechsel, weil das Auto so nicht gerade steht.

  2. Du löst die Ablassschraube, lässt das Öl ab und fängst es auf. Wie beim Motorölwechsel musst.

  3. Du es später fachgerecht entsorgen. Achte darauf, dass Du nichts verkleckerst.

  4. Nach dem Ablassen setzt Du die neue Ablassschraube (ggf. mit Dichtung) ein und füllst das Getriebe nach Herstellerangaben mit frischem Öl. Dafür benötigst Du in vielen Fällen ein Spezialwerkzeug, weil rund um die Einfüllöffnung meist nicht genug Platz für eine Ölkanne ist.

Titelbild: iStock

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