1. Startseite
  2. Kaufratgeber
  3. Gebrauchtwagen in Deutschland: Darum steigen die Preise
Gebrauchtwagen in Deutschland: Darum steigen die Preise
12. Januar 2022
Kaufratgeber

Gebrauchtwagen in Deutschland: Darum steigen die Preise

Jetzt einen frischen Gebrauchtwagen kaufen oder doch lieber die Lieferengpässe der Hersteller abwarten? Tatsache ist: Egal ob junger Gebrauchter, Neuwagen, oder Rostlaube – wer jetzt ein Auto kauft, zahlt mehr als in der Vergangenheit. Der Grund: Das Angebot an Autos ist knapp, die Preise hoch. Nach Angaben des ADAC kosten Gebrauchtwagen Ende 2021 im Schnitt 3.500 Euro mehr als noch vor einem Jahr.

Das liegt vor allem an den Auswirkungen der Corona-Krise. Sie hat sowohl den Nachschub an Neuwagen als auch die Versorgung der Händler mit Gebrauchtwagen ins Stocken gebracht. Das hat Auswirkungen auf die Gebrauchtwagenpreise. Selbst der Oldtimer-Markt ist von den aktuellen Entwicklungen betroffen.

Hohe Preise bei Gebrauchtwagen: Das Wichtigste in Kürze

  • Nachholeffekt nach Lockdown-Maßnahmen führt zu höherer Nachfrage nach Autos allgemein

  • Logistik-Probleme und Versorgungsknappheit, vor allen bei Halbleitern, bringen Neuwagen-Produktion ins Stocken

  • Weniger verfügbare Neuwagen sorgen für höhere Nachfrage bei Gebrauchtwagen sowie für ein kleineres Angebot an jungen Gebrauchten und Jahreswagen

  • Experten erwarten keine kurzfristige Erholung

  • Niedrige Zinsen machen Oldtimer als Wertanlage attraktiv

Nachhol-Effekt: Höhere Nachfrage nach Autos

In der Corona-Krise kam es bisher zu mehreren Lockdown-Maßnahmen, während denen auch der Autohandel phasenweise fast zum Erliegen kam. Kunden durften Autohäuser nicht betreten, Probefahrten waren untersagt, Zulassungsstellen wechselten in einen Notbetrieb. Betroffen waren sowohl im Jahr 2020 als auch 2021 das für den Autohandel besonders wichtige Frühjahrsgeschäft.

Diese Einschränkungen führten zu einem Nachhol-Effekt: Wer in diesen Phasen ein Auto kaufen wollte und nicht konnte, holt dies nach dem Ende der Corona-Beschränkungen nach. Das spüren die Autohersteller an einem deutlich gestiegenen Auftragsvolumen: Nach Daten des Statistischen Bundesamtes stieg der Auftragsbestand im Fahrzeugbau im September 2021 gegenüber dem Vormonat um 5,9 Prozent an.

Chipkrise: Lange Wartezeiten bei Neuwagen

Die Halbleiterkrise hat die Automobilindustrie schwer getroffen, aber auch andere Zulieferteile sind betroffen. (iStock)

Ein steigender Auftragsbestand ist für die Industrie nicht nur gut. Denn er bedeutet auch, dass die Aufträge schneller eingehen, als sie abgearbeitet werden können. Lieferengpässe bei Vorprodukten wie Halbleiter-Chips sind hier der Hauptgrund, aber auch gestiegene Rohstoffpreise und gestörte logistische Versorgungsketten – die Coronakrise hat die globalen Lieferketten ordentlich durcheinandergebracht.

Aus diesen Gründen ist die Produktion von Neuwagen deutlich eingebrochen. Nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) wurden im Oktober 2021 in den deutschen Automobilwerken 237.000 Pkw gefertigt. Das bedeutet einen Rückgang von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahres-Vergleichsmonat. Deutschlands größtes Autowerk, das Volkswagenwerk Wolfsburg, baut im gesamten Jahr 2021 so wenige Autos wie seit 1958 nicht mehr. Ausgelegt ist das Werk auf eine Jahresproduktion von rund einer Million Fahrzeuge. Bis Ende September 2021 liefen gerade einmal rund 300.000 Autos dort vom Band.

Verschärfend kommt hinzu: Um die Auswirkungen des Halbleitermangels abzufedern, konzentrieren Autohersteller die wenigen verfügbaren Ressourcen auf bestimmte Baureihen und Modellvarianten. Das macht auch Sinn: So kann wenigstens ein Teil der bestellten Fahrzeuge fertiggestellt werden. Bei gleichmäßiger Verteilung der Zulieferströme würde womöglich kaum eins fertig, weil in jedem Werk und jeder Baureihe Teile fehlen. Dabei konzentrieren sich die Hersteller aus wirtschaftlichen Gründen auf besonders margenstarke Fahrzeuge mit einem höheren Grundpreis – und auf solche, die zum Ausgleich der CO2-Bilanz benötigt werden. Etwa Elektroautos und Hybridmodelle, sowie SUVs.

Die Produktionsschwierigkeiten führen zu deutlich weniger Auslieferungen und damit auch zu langen Wartezeiten auf Neuwagen. Entsprechend ging die Zahl der Neuzulassungen von Pkw im Jahresverlauf ebenfalls weiter zurück. Im Oktober lag sie noch bei 178.700, ein Minus von 35 Prozent gegenüber dem Oktober 2020.

Gebrauchtwagen als Ausweichmarkt

Viele Kunden sind daher, wo möglich, auf den Gebrauchtwagenmarkt ausgewichen. Diese Tendenz besteht bereits seit 2020. In dem Jahr blieb die Zahl der Besitzumschreibungen von Pkw mit rund sieben Millionen praktisch konstant zum Vor-Corona-Niveau. Gleichzeitig war der Neuwagenmarkt um rund 20 Prozent geschrumpft.

„Dadurch, dass die Fabriken stillstanden und die Versorgung mit individuell konfigurierten Neuwagen entweder mit langen Lieferfristen oder Beschaffungsschwierigkeiten verbunden war, haben sich viele Kaufinteressenten für einen Gebrauchtwagen entschieden“, sagt Martin Endlein von der Deutschen Automobil Treuhand (DAT).

Diese Tendenz hat sich im Jahr 2021 wegen der Lieferprobleme bei Neuwagen noch verstärkt: Die Händlerhöfe sind leergefegt. Kürzere Standzeiten sind gut für die Händler, für Kunden bedeuten sie weniger Angebot und höhere Preise.

Weniger Angebot: Wer nicht wechseln kann, hält das Auto länger

Die Preise für Gebrauchtwagen sind in Deutschland seit anfang 2019 um fast 4.000 Euro gestiegen. (Bild: iStock)

Allerdings: Die höhere Nachfrage nach Gebrauchtwagen trifft auf ein reduziertes Angebot. Vor allem junge Gebrauchtwagen fehlen, als direkte Folge der rückläufigen Verkäufe von Neuwagen. Mietwagenanbieter erneuerten ihre Flotten nicht wie geplant, Werksangehörige und Leasingkunden wechselten ihre Autos nicht wie gewohnt. Der Mangel an jungen Gebrauchtwagen führt wiederum auch bei Besitzern älterer Fahrzeuge zu längeren Haltedauern, weil es schwieriger geworden ist, den „neuen“ Gebrauchten zu einem guten Preis zu finden.

So entsteht insgesamt eine Knappheit am Gebrauchtwagenmarkt. Die Angebotsseite spiegelt dies unmissverständlich wider: In den großen Online-Autobörsen liegt die Zahl gleichzeitig angebotener Fahrzeuge derzeit rund ein Drittel niedriger als in Vor-Pandemiezeiten.

Knappheit führt zu höheren Preisen

Nach Angaben des ADAC betrifft die Knappheit am stärksten Kleinwagen und Modelle der oberen Mittelklasse. Beide Segmente weisen als Neuwagen einen hohen Flottenanteil auf und sind als Gebrauchte besonders gefragt: Als Zweit- und Stadtwagen beziehungsweise als Familienfahrzeug.

Das hat Folgen für die Preisentwicklung: Lag der durchschnittliche Angebotspreis für Gebrauchtwagen laut ADAC im September 2019 bei 20.530 Euro und im September 2020 bei 20.249 Euro, schnellte der Vergleichswert für das Jahr 2021 auf 23.728 Euro in die Höhe.

Das ist ungünstig für Käufer. Wer jetzt jedoch ein Auto verkaufen möchte, profitiert von den deutlich gestiegenen Restwerten. Das zeigt die normierte Restwertermittlung für dreijährige Gebrauchtwagen, die die DAT regelmäßig erhebt:

AntriebsartMärz 2020Juli 2020Oktober 2020März 2021Juli 2021Oktober 2021
Benzin56,2 %56,3 %56,1 %55,6 %56,0 %59,3 %
Diesel52,1 %52,2 %52,1 %53,0 %53,4 %56,2 %

Warten oder kaufen?

Sollte man mit dem Autokauf also warten, bis die Preise sich wieder normalisieren? Das hängt davon ab, wie dringend der neue Gebrauchtwagen benötigt wird. Die großen Autohersteller gehen davon aus, dass die Auswirkungen des Chipmangels im Lauf des Winters weitgehend überstanden sein werden und sie 2022 wieder mehr Neuwagen produzieren können. „Ich hoffe, dass wir durch das Schlimmste durch sind“, sagte VW-Chef Herbert Diess im November 2021 in Berlin.

Es wird allerdings noch viele Monate dauern, bis sich eine bessere Neuwagenversorgung in sinkenden Gebrauchtwagenpreisen niederschlägt. Wenn also ein passendes Angebot auftaucht (z.B. auf heycar), lieber gleich zuschlagen als auf sinkende Preise zu spekulieren. Wenn das alte Auto sowieso noch ein Jahr gehalten werden soll, spricht aber nichts gegen Geduld und die Hoffnung auf bessere Preise.

Oldtimer als Spekulationsobjekt: Guter Rat schützt

Der E30 3er BMW, vor allem als M3, ist inzwischen eine beliebte Wertanalge – zum Leid der Puristen. (Bild: BMW)

Gestiegene Preise für Gebrauchtwagen gibt es nicht nur im Brot-und-Butter-Segment. Auch die Preise für hochwertige oder seltene Oldtimer ziehen an. Denn sie werden zunehmend als Wertanlage gekauft. Der Grund leuchtet ein: Da es auf Erspartes kaum noch Zinsen gibt, parken Anleger ihr Kapital zunehmend in hochwertigen Konsumgütern, die ihren Wert halten oder sogar steigern können. Das betrifft nicht nur Oldtimer, sondern auch historische Musikinstrumente, teure Whisky-Abfüllungen oder seltene Lego-Sets.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Während auf Aktien oder Immobilien Steuern fällig werden, verursachen Luxusgüter wie wertvolle Oldtimer keine solchen Kosten. Und: Da die verfügbare Anzahl begehrter Modelle schrumpft und die Nachfrage steigt, verzeichnen Oldtimer in den vergangenen Jahren stetige Wertzuwächse.

Auffällig ist, dass die als besonders wertvoll eingestuften Karossen dabei immer jünger werden. Sondereditionen begehrter 90er-Jahre Kompaktsportler und andere Youngtimer sind oftmals schon fest im Griff der Preisspirale. Dafür muss es nicht mal ein ultra-begehrter Lancia Delta Integrale sein. Auch ein gepflegter VW Corrado VR6, oder Renault Clio Williams, die ihren Wert in den letzten 10 Jahren ohnehin schon mehr als verdoppelt haben, haben seit 2020 nochmal einen ordentlichen Sprung hingelegt. Langsam fangen sogar Mitte-2000er Autos an, stark im Wert zu steigen – so wie der Honda S2000 oder E46 3er BMW.

Wer in diesem Liebhaber- und Investorenmarkt kein Geld verbrennen will, sollte sich aber auskennen. Nicht jedes Modell wächst stark und wird es auch in noch Zukunft tun. Experten raten meist zu limitierten Sportablegern der großen Marken (Audi, BMW, Mercedes oder Porsche). Wer beispielsweise ein BMW 3er Cabrio der Baureihe E30 kauft, kann praktisch kein Geld verlieren – gut erhaltener Zustand und fairer Preis vorausgesetzt.

Solche Faktoren lassen sich jedoch von Laien nur schwer einschätzen. Hier helfen Experten mit Rat und Wertgutachten. Das macht den Oldtimer-Kauf zwar etwas teurer, aber immer noch billiger als ein fehlgeschlagenes Investment.

Hohe Rendite? Vorsicht vor Exoten

Das richtige Modell vorausgesetzt, winken interessante Renditen. Faustregel: Bei einem Fahrzeugwert von mehr als 100.000 Euro sind durchaus acht bis 10 Prozent im Jahr drin. Das gilt auch im absoluten Luxussegment zwischen 500.000 und 700.000 Euro. Wer weniger anlegen will, sollte sich auf gepflegte Youngtimer ab 20 Jahren Alter konzentrieren. Hier kann die Wertsteigerung immerhin die Unterhaltskosten auffangen. Tendenz: steigend.

Steht der Wertzuwachs im Vordergrund, gilt jedoch: Finger weg von Exoten, etwa aus Japan oder den USA. Für diese Autos existieren in Europa nur kleine Liebhaberszenen und daher wenig Nachfrage. Eine Wertsteigerung ist Glücksache. Das gilt noch mehr für Vorkriegs-Oldtimer und zunehmend für Autos aus den 1950er Jahren: Die Anzahl der Menschen, die damit sentimentale Gefühle verbinden, ist stark geschrumpft. Das drückt die Preise für diese Autos spürbar – Ausnahmen bestätigen die Regel.

Titelbild: iStock

Artikel Teilen

Das könnte dich auch interessieren:

25. Januar 2022

Neue Autos 2022: Die wichtigsten Verbrenner am Markt

Ein BMW für Kenner, ein neuer Mercedes mit 800 PS und ein Ford Amarok: die wichtigsten neuen Verbrenner-Modelle 2022.

Weiterlesen
21. Dezember 2021

Pick-ups: Vorteil durch Ladefläche

Pick-ups – zwischen Nutzfahrzeug und Lifestyle-Statement: Welche es gibt und was sie ausmacht, erfährst du im Artikel.

Weiterlesen
** Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO2 -Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem 'Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO2 -Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen' entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist.
Mit Klick auf "Einverstanden" stimmst du zu, dass wir Deine Nutzung unserer Plattform durch Cookies und andere Technologien (von heycar und Dritten) nachverfolgen, um deine Nutzungserfahrung und dir angezeigte Werbung zu analysieren und personalisieren (mehr Details). Du stimmst damit auch zu, dass deine Daten hierbei ohne geeignete Datenschutzgarantien an Partner in sog. Drittländern übermittelt werden können, die kein angemessenes Datenschutzniveau bieten, wie z.B. die USA aufgrund staatlicher Zugriffsmöglichkeiten. Alternativ kannst du deine Einstellungen im Cookie Dashboard jetzt und jederzeit später individuell anpassen.