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Felgen – mehr als nur Optik: Materialien, Hersteller und Leichtbau
31. August 2021
Autoteile & Technik

Felgen – mehr als nur Optik: Materialien, Hersteller und Leichtbau

Viele Autohersteller bieten ein riesiges Angebot an optionalen Extras an. Dennoch reicht die Auswahl nicht jedem. Um seinem Fahrzeug wirklich die persönliche Note zu verleihen, kann es bei einer Sache nie genug Auswahl geben: Felgen.

Sie fallen am Auto wahrscheinlich am ehesten ins Auge. Wer auf Tuning steht, wird hier immer den ersten Schritt machen. Fernab jeglicher Ansprüche für die eigene street credibility, können neue Felgen aber auch das Fahrverhalten regelrecht transformieren – zum Guten und zum Schlechten. Bei der Vielfalt verschiedener Materialien und Hersteller, verliert man allerdings schnell den Überblick.

Auch wenn du nicht vorhast, dein Basecap ab jetzt falsch herum zu tragen, möchten wir dir an dieser Stelle neue Felgen ans Herz legen. Wir erklären dir das Streben nach Leichtbau, die Vor- und Nachteile verschiedener Materialien und stellen empfehlenswerte Hersteller vor.

Leichtbau bei Felgen: die ominöse „ungefederte Masse“

Du fragst dich vielleicht: was ist der Sinn von ultradünnen, geschmiedeten Leichtmetallfelgen, um sie dann mit einem zwei Tonnen „Sport“-SUV zu paaren? Auf der einen Seite hast du recht, auf der anderen Seite ist das ist nicht der Grund weshalb die Gewichtsersparnis bei Felgen so wichtig ist. Dazu muss man erst den Effekt von gefederter und ungefederter Masse verstehen.

Unter ungefederter Masse versteht man Massen, also im Prinzip Gewichte von Fahrzeugkomponenten, die direkt und ohne Federung auf die Fahrbahn wirken. Anders gesagt: alles am Auto was nicht von Dämpfern, Federn und Aufhängung abgefangen wird. Motor, Karosserie und alles Weitere stellt somit die gefederte Masse des Fahrzeugs dar. Zur ungefederten Masse zählen – neben Bremsanlage, Stoßdämpfern und Stabilisatoren – vor allen Dingen die Felgen.

Je höher der Anteil der ungefederten Masse im Vergleich zur gefederten, desto stärker wirken sich Vibrationen und Radlastschwankungen auf den Rest der Karosserie aus und somit auf die Fahreigenschaften. Denn die ungefederte Masse (und besonders die Felge) folgt jeder Rille und jeder Fahrbahnunebenheit. Um sich vorstellen zu können, was für einen Einfluss das auf das Fahrverhalten hat, kann man sich folgende Faustregel einprägen: Die Auswirkung von einem Kilo ungefederter Masse auf das Fahrverhalten, entspricht etwa sieben Kilogramm gefederter Masse.

Die Felge macht hier mit Abstand am meisten aus; ein Rechenbeispiel: Eine ältere 17-Zoll Stahlfelge kann gut und gerne 12 Kilo und mehr auf die Waage bringen. Eine 17-Zoll Leichtmetall „OZ Alleggerita HLT“ Sportfelge, schafft es auf 6,35 Kilogramm. Macht bei vier Felgen, ausgehend von 6 Kilo Differenz, 24 Kilo Unterschied in der ungefederten Masse. Das entspricht 168 Kilogramm gefederter Masse! Wie als ob man immer mit zwei Passagieren mehr an Bord fährt.

Weniger ist mehr

Für alle die nicht ausschließlich mit 10 mph durch Miami cruisen, gilt es, diese Felgen-Proportionen zu vermeiden (Bild: iStock).

Wer mit seinen Felgen nicht nur stylisch, sondern auch komfortabel und sogar schneller unterwegs sein will, sollte auf allzu große Felgendurchmesser verzichten. Dünnwandige Reifen, die kaum noch Luft zum Atmen haben im Radkasten, sehen vielleicht cool aus, verringern aber erheblich den Fahrkomfort und eventuell sogar den Grip!

Reifen spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle in der Federung des Fahrzeugs. Wenn man viel auf zerrütteten Landstraßen unterwegs ist, bringen die flachen Sportreifen, die kaum noch Kontakt zur Fahrbahn herstellen können, herzlich wenig. Darüber hinaus erhöhen große Felgen auch wiederum das ungefederte Gewicht: Balance ist hier gefragt.

Auf das Material kommt es an

Felge ist nicht gleich Felge – auch wenn sie sich auf den ersten Blick ähneln, können sie sich hinsichtlich ihrer Materialien und damit ihrer Eigenschaften, deutlich unterscheiden.

Stahlfelge

Immer noch Standard bei vielen Nutzfahrzeugen und Kleinwagen, außerdem irgendwie charmant: Stahlfelgen (Bild: VW).

Die Stahlfelge war lange Zeit die am weitesten verbreitete Felgenart und wird vor allem bei Nutzfahrzeugen nach wie vor gerne verwendet. Sie wird aus gewalztem Stahl gestanzt und ist daher in Produktion und Anschaffung besonders günstig. Gute Stahlfelgen sind schon für unter 50 Euro zu bekommen und das Angebot erstreckt sich über alle Größen. Üblicherweise bestehen sie aus zwei Teilen – Felge und Radscheibe – die miteinander verschweißt werden.

Die Schweißnähte sind so ausgeführt, dass auch bei hohen Temperaturen und Beanspruchungen keine Haarrisse aufkommen und durchgehende Stabilität sichergestellt ist. Auch gegen Streusalz, Matsch und Geröll ist eine Stahlfelge bestens gewappnet. Die hohe Dichte des gewalzten Stahls bedeutet allerdings ein beträchtliches Gewicht, was sich spätestens beim Reifenwechsel bemerkbar macht. Natürlich sind sie kein optisches Highlight, weshalb nur noch (sehr) günstigste Pkws serienmäßig mit Stahlfelgen ausgeliefert werden.

Aluminiumfelge

Mehr als nur Tuning: Die sündhaft teuren Vossen M-X6 HERO, in Goldtönen mattiert, sind ein Kunstwerk (Bild: Vossen).

Mittlerweile hat sich die Alufelge als Standard der meisten Pkw-Klassen etabliert. Sie werden entweder in einem Stück oder in zwei Teilen gegossen: dem Felgenkranz und Felgenbett. Aluminium ist ein leichtes, aber auch sehr weiches Metall. Bei der Herstellung werden daher weitere Metalle, wie Eisen, oder gar Silizium beigemischt. Das erhöht Stabilität und Stoßfestigkeit der Felge.

Ganz korrekt wäre es also sie Aluminiumlegierungsfelgen zu nennen – für den Alltag etwas sperrig. Alufelgen sind immer leichter als Stahlfelgen, was auch die Handhabung beim Wechsel vereinfacht. Außerdem, da sie gegossen und gefräst werden, gibt es Alus in verschiedensten Designausprägungen, Größen und Farben. Der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt.

Formvielfalt und Gewichtsvorteil haben ihren Preis: Für eine einzelne Alufelge kann schnell ein hoher dreistelliger Betrag fällig werden. Zudem ist sie recht anfällig bei Beschädigungen. Der unglückliche Kontakt mit der Bordsteinkante beim Einparken kann sie nicht nur unschön abschaben, sondern auf auch Dauer die Stabilität gefährden. Hier ist Vorsicht geboten.

Magnesiumfelge

Ultraleichte Magnesiumfelgen aus dem Motorsport, inzwischen auch für normalsterbliche Autos erhältlich (Bild: mbDesign).

Noch leichter sind Magnesiumfelgen. Wie Alufelgen bestehen sie aus einer komplexen Metalllegierung, statt aus purem Magnesium – beim unsachgemäßen Einparken würde es ansonsten wohl ein spektakuläres Feuer geben. Einige Hersteller sprechen von Gewichtseinsparungen von bis zu 30 Prozent, bei gleichzeitig sehr hoher Widerstandsfähigkeit. Magnesiumfelgen sind sehr teuer und kommen vorrangig im Motorsport zum Einsatz, aber auch viele (Super-)Sportwagen setzen auf sie. Und sie werden seit einigen Jahren, dank neuer Produktionstechniken, immer günstiger.

Günstiger ist hier relativ. Um die 500 Euro sind für Felgen mit geringem Magnesiumanteil fällig – und das ist das absolute Minimum. 1.500 Euro pro Felge sind eher Standard. Wenn aber McLaren P1, Ferrari LaFerrari, und Porsche 918 Spyder auf sie setzen, was soll man da noch gegen sagen?

Karbonfelge

Renault Megane R.S. Trophy R. Ein Megane. Mit Karbonfelgen (Bild: Renault).

Jetzt wird es richtig exotisch. Nicht einmal im Motorsport anzufinden: Karbonfelgen. Sie werden aus mehreren Lagen Kohlefaser handgelegt und im Hochdruckofen gebacken. Sie besitzen eine extrem hohe Steifigkeit und sind teilweise nochmal 25 Prozent leichter als Magnesiumfelgen. Hypercar-Hersteller Koenigsegg fing vor knapp zehn Jahren an sie für ihren Agera anzubieten.

Wer jetzt denkt, Karbonfelgen bestimmt niemals in echt sehen zu werden, könnte irren: Ford stattete vor ein paar Jahren ihre US-exklusive Sportwaffe, den Shelby Mustang 350 R, damit aus – in einer Art Pilotprojekt. Und Renault! Mit dem Megane R.S. Trophy-R hielt Renault 2019 den Nürburgring Nordschleifen-Rekord für einen Fronttriebler. Der 60.000 Euro Über-Hot-Hatch konnte optional mit einem 26.000 Euro teuren (!) Karbon-Keramik-Paket bestellt werden, welches Karbonbremsen und -felgen umfasste.

Fürs Erste wird die Massenkompatibilität warten müssen. Allerdings gibt es hier vielversprechende, neue 3D-Druckverfahren, die das demnächst ändern könnten. Der Grund warum übrigens selbst die Formel 1 auf sie verzichtet: Karbon leitet Wärme deutlich schlechter ab als Metallfelgen, sodass hier eine Zwangsbelüftung im Rennbetrieb notwendig wäre. Zusätzlich gibt es aktuell noch Sicherheitsbedenken bei Haarrissen, die nur schwer erkennbar sind.

Auf der Suche nach neuen Felgen? Diese Hersteller solltest du dir anschauen!

Das Angebot auf dem Felgenmarkt ist riesig. Wir möchten dir an dieser Stelle einige empfehlenswerte Hersteller von Premiumfelgen, sowie Felgen des mittleren Preissegments und ein paar echte Preis-Leistungs-Tipps vorstellen.

Premiumhersteller

OZ

Die Erfolgsgeschichte des traditionellen italienischen Felgenherstellers OZ begann mit seiner Gründung im Jahr 1971. Mittlerweile ist das Unternehmen ein bekannter Lieferant für fast alle Motorsportserien von DTM, über die WRC, bis zur Formel 1. Daneben ist OZ ebenso als Hersteller von Felgen für Straßenfahrzeuge bekannt – darunter markenspezifische Felgen für diverse Sportwagen-Hersteller, als auch für den unabhängigen Tuning-Markt.

Lumma Design

Auch wenn es der Name nicht vermuten lässt, verbirgt sich hinter Lumma ein deutscher Felgenhersteller mit Sitz in Winterlingen. Seit 1987 werden hier hochwertige Felgen produziert, bei denen sowohl Design als auch Sicherheit im Vordergrund stehen. Ihre Modelle werden stets von angesehenen Designern entworfen, die teilweise außerhalb der Autowelt bekannt sind. Mit Fokus auf SUVs – meist von Porsche, Range Rover und BMW – arbeitet das Unternehmen nach dem Motto „mehr ist mehr“: Das Angebot beginnt erst bei 19 Zöllern und geht hoch bis zu 24 Zoll.

Dotz

Das seit 1985 bestehende Unternehmen Dotz gilt als Trendsetter auf dem europäischen Tuning- und Nachrüstmarkt. Hierbei fokussiert man sich auf höchste Qualität und unverkennbares Design. Außerdem legt Dotz Wert auf einen herausragenden Kundenservice und bietet einem 24h-Lieferservice sowie sehr ausgiebige Garantien auf ihre Felgen.

Felgen von Premiumherstellern schaffen es (meistens) Gewichtseinsparungen mit ansprechender Optik zu kombinieren (Bild: OZ).

Mittleres Preissegment

Borbet

Im mittleren Preissegment wäre da zunächst die 80er-Jahre-Legende Borbet zu erwähnen. Das Unternehmen aus dem Sauerland besteht seit 1881 und begann 1977 mit der Entwicklung von Alufelgen. Egal ob sportlich oder klassisch, bei Borbet findet man eine große Auswahl an unterschiedlichen Felgentypen, vor allen Dingen auch für ältere Autos. Durch selbstentwickelte Technologien wie ExaPeel und Flowforming wird darüber hinaus sichergestellt, dass jede Felge den Qualitätsansprüchen genügt.

Brock

Die Brock Alloy Wheels Deutschland GmbH vertreibt hochwertige Felgen der Marken RC-Design und Brock. Das Unternehmen mit Sitz in Weilerswist nimmt es beim Thema Qualität sehr genau, jede Felge wird in einer Röntgenkabine auf mögliche Unebenheiten geprüft.

Ronal

Schweizer Produkte haben den Ruf kompromissloser Präzision und Qualität und auch Ronal können wir dahingehend hervorheben. Bereits seit 1969 produziert Ronal Felgen und beliefert nicht nur diverse Fahrzeughersteller, sondern mit den Marken Carbon Revolution, Speedline Corse ebenfalls den Nachrüstmarkt. Für Nutzfahrzeuge gibt es sogar eine eigene Marke namens Speedline Truck.

Dezent, sportlich, leichter als die Serie und trotzdem günstig: im unteren Preissegment ist einiges möglich (Bild: AUTEC).

Preis-Leistungs-Tipps

AUTEC

Wer nach einem echten Preis-Leistungs-Tipp sucht, sollte sich AUTEC einmal genauer anschauen. Der in Rheinland-Pfalz ansässige Felgenhersteller versorgt seit 1988 den Zubehörmarkt mit hochwertigen Felgen zu attraktiven Preisen. Hierbei konzentriert sich AUTEC auf eine breite Kundengruppe und bietet seine Felgen in allen gängigen Größen, Lochkreisen und Einpresstiefen an.

Keskin

Berlin gilt als wichtige Stadt für kreative Köpfe, hier passt der Felgenvertreter aus der deutschen Hauptstadt gut rein. Keskin fällt auf dem Markt immer wieder mit kreativen und sehr individuellen Felgendesigns auf – und für ihren Preispunkt. Sei es klassischer Retro-Look oder ein futuristisches Turbinendesign – bei Keskin wirst du bestimmt fündig, wenn du eine Felge abseits des Mainstreams zum guten Preis suchst.

Wheelworld

Der Felgenhersteller Wheelworld hat seinen Sitz in Ilsenburg und blickt bereits auf eine über 25-jährige Erfolgsgeschichte zurück. Mit hochmodernen Niederdruck- oder Schwerkraftgussverfahren stellt die Felgenschmiede hohe Qualität sicher. Als Basis dient zur Herstellung ihrer Alufelgen hochwertiges Primäraluminium. Seien es klassisch-moderne Felgen der 2DRV-Serie oder die bei Tuning-Fans beliebte AXXION-Felgen, hier ist für jeden etwas dabei.

Felgen sind nicht nur Reifenhalter

Wie du siehst, sind Felgen viel mehr als nur ein Bauteil zum Befestigen der Pneus. Sie sind durch ihren Aufbau, ihr Material und der damit verbundenen Masse maßgeblich für das Fahrverhalten und die Sicherheit deines Fahrzeugs verantwortlich. Neben Aspekten bezüglich Sicherheit und Performance sollen Felgen aber auch optisch etwas hermachen. Schau dir doch einmal die Modelle der von uns genannten Hersteller an, dort ist bestimmt das richtige Modell für deinen Geschmack und dein Portemonnaie dabei.

Titelbild: HRE Wheels

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