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Dodge Challenger R/T Scat Pack im Test
17. Februar 2022
Autotests

Dodge Challenger R/T Scat Pack im Test

Mit großem Achtzylinder-Saugmotor und der Ausbaustufe R/T Scat Pack steht der Dodge Challenger quasi Synonym für US Muscle Cars. Mit anderen Worten: Zur Lösung der Klimakrise wird der Challenger nicht beitragen. Die Unvernunft eines solchen Autos übt allerdings eine nahezu hypnotische Faszination auf alle aus, die auch nur einen Tropfen Benzin im Blut haben. Und das nicht nur auf die Fahrer, wie wir während der Testzeit amüsiert feststellten durften.

Der Challenger hat eine über 50 Jahre zurückreichende Geschichte. Es gab bis dato insgesamt drei Generationen. Die aktuelle wurde nach 25 Jahren ohne Challenger 2008 ins Leben gerufen. Für viele ist sie die Renaissance des klassischen 70er-Jahre Muscle Cars. In den USA hält sie noch bis heute an – auch dank des 2004er Ford Mustang der fünften Generation. Nach dem gewaltigen Erfolg des Challengers legte GM 2009 dann den Chevrolet Camaro neu auf.

2014 gab es die letzte umfangreiche Modellpflege, die neben Innen- und Außendesign auch technische Upgrades beinhaltete. Für unseren Test fuhren wir das Scat Pack, welches standardmäßig in der Wide-Body-Variante kommt. Mit ihren Kotflügeln verbreitert sie den ohnehin bulligen Challenger nochmals um knapp 8,5 cm.

Exterieur – Retro Future

Der über fünf Meter lange Challenger sieht in "Sublime Green" gewöhnungsbedürftig aus, die Farbe passt aber durchaus zum aggressiven Charakter. (Bild: heycar)

Beim ersten Blick ist klar: Der Dodge Challenger besitzt mit Abstand das größte Retro-Flair unter den neuen Muscle Cars. Kein Wunder, so wurde dieses Coupé doch dem Challenger der ersten Generation von 1971 nachempfunden. Dies ist aus unserer Sicht mehr als gelungen. Die massive, extrem breite Front schindet Eindruck und wird optisch durch den schmalen Frontgrill und die Doppelscheinwerfer noch verstärkt. Das Bodykit des Scat Packs sorgt im giftigen “Sublime Green”, mit dem herausgepresstem Lufteinzug auf der Motorhaube, für noch mehr Aggressivität.

Unter dieser saugt ein 6,4 Liter großer V8-MOPAR-Motor mächtig Frischluft ein. Die Verglasung rund um die Fahrerkabine wirkt dagegen schon fast dezent. Sie wird von einer hohen Gürtellinie umsäumt, die ab der angedeuteten B-Säule einen Knick nach oben absolviert. Im Ergebnis ähnelt der Challenger in der Seitenansicht sogar ein bisschen einem Stufenheck mit klassischem Kofferraum. Die 20-Zoll-Räder passen bestens zur Erscheinung und wirken kleiner als sie sind.

Mit über fünf Metern Länge müssten sich eigentlich die Fahrer eines gediegenen S-Klasse-Coupés zu Hause fühlen. Am Heck dominieren die breiten Rückleuchten mit einer modernen Lichtsignatur und zwei Endrohrblenden, die das Potenzial nur erahnen lassen. Die gelbe Linie am Frontspoiler – eines der Erkennungszeichen des Scat Packs – ist Geschmackssache. Die Spoilerlippe auf der Heckklappe hätte eine andere Farbgebung oder ein anderes Material verdient – der verbaute Kunststoff passt nicht so recht zum Rest.

Dodge Challenger Innenausstattung – Raumwunder

Innen ist der Dodge Challenger großzügig und bequem – selbst für Mitfahrer im Fond. (Bild: heycar)

Das Innere des Dodge Challenger ist überraschend großzügig. Die bequemen Vordersitze geizen weder mit Seitenhalt noch Polsterung und sind weder zu straff noch zu weich. Sehr schnell findet man seine ideale Sitzposition und der Blick schweift über ein wertiges, angemessen verarbeitetes Interieur. Die Materialauswahl lässt keinerlei Rückschlüsse auf vergangene Epochen zu, in denen US-Cars noch ein Garant für Billigplastik und Sofagefühl waren. Neben Leder, Alcantara und einigen Aluminium-Applikationen gibt es viele Soft-Touch-Oberflächen. Kein Luxus, aber solide und freundlich.

Das Cockpit besteht aus zwei analogen Instrumenten links und rechts sowie einem dazwischen positionierten Display. Das Lederlenkrad ist angenehm dick und bildet die hübsche Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine in einer dem Fahrer zugewandten Instrumententafel.

Auch die zweite Reihe des Challenger ist verblüffend groß. Hier können auch zwei normalgroße Erwachsene ausreichend Platz finden, sofern sie den sportlichen Einstieg über die vorgeklappten Sitze meistern. Der Challenger schafft sogar den Hattrick beim Platzangebot, denn der Kofferraum offenbart sich ebenso als kleines Raumwunder. Sage und schreibe 467 Liter passen hier hinein.

Die Rundumsicht erwies sich nach vorn und den Seiten bestens, übertrifft die des Camaro um Welten. Nach hinten ist der Challenger allerdings deutlich eingeschränkt. Die breiten C-Säulen verdecken einiges und vor allem das weit hinausragende Heck wäre ohne Helferlein nicht abzuschätzen.

Motor und Fahreigenschaften

Der voluminöse V8 des Challengers sieht nicht nur beeindruckend aus, auch sein Klang fordert Respekt ab. (Bild: heycar)

Das R/T in der Modellbezeichnung steht für Road/Track und bedeutet, dass der Dodge Challenger sowohl auf der Straße als auch auf der Rennstrecke eine gute Figur machen soll. Die Voraussetzungen dafür können sich sehen lassen: Der atmosphärische 6.4-Liter V8 nutzt seinen Hubraumvorteil schamlos. Auch mit nur zwei Ventilen pro Zylinder kommt er auf maximale 644 Newtonmeter, welche zwar erst bei 4.100 Umdrehungen erreicht sind, doch gefühlt liegen mindestens 80 Prozent davon bereits kurz über der Leerlaufdrehzahl an. Die alte, robuste Technik treibt das immerhin zwei Tonnen schwere Fahrzeug energisch an.

492 Pferde galoppieren über die Kurbelwelle und werden von einer 8-Stufen ZF-Automatik an die Hinterachse weitergereicht. Der Motor klingt (und ist) voluminös und bietet Kraft in allen Bereichen. Die Klangkulisse reicht dabei von grimmig brodelnd, über warnend bollernd, bis zu sägendem Schreien. Insgesamt fällt die Lautstärke aber etwas dezenter aus als bei anderen Fahrzeugen dieser Art.

Das Fahrverhalten des Dodge Challenger deckt ein weites Spektrum ab. Man kann mit ihm durchaus auf der Landstraße flott unterwegs sein. In Kurven bleibt er lange Zeit neutral, bevor nach kurzem Untersteuern im Grenzbereich das Heck angeschoben kommt. Geübte Fahrer können diesen Moment rechtzeitig bemerken, bevor es zu Traktionsverlusten kommt. Oder ihn absichtlich nicht bemerken.

Trotzdem spürt man stets das hohe Gewicht, vor allem im Grenzbereich. Das ist auch der Grund, dass der Challenger im Vergleich zu seinen direkten Konkurrenten grober wirkt. Er ist ein Berserker, den man in grobschlächtiger Manier über den Track jagen kann. Dem zwar die Leichtfüßigkeit fehlt, aber der Fahrspaß dadurch nicht abhandenkommt. Die Abstimmung ist dabei eindeutig nicht auf Rundenzeiten-Jagd ausgelegt, sondern die eines komfortorientierten Athleten.

Egal aus welchem Blinkwinkel: Dem Dodge Challenger kann man seine Kraft förmlich ansehen. (Bild: heycar)

Möglich wird das auch, dank eines gut austarierten und dazu feinjustierbaren Fahrwerks mit diversen Fahrmodi, eine direkte und überaus exakte Lenkung, sowie brachiale Brembo-Zangen, deren Dosierbarkeit und unerschütterliche Standfestigkeit angesichts des Gewichts für Respekt sorgen.

Hohe Geschwindigkeiten sind kein Problem, der Vortrieb endet erst bei 270 km/h. Hier bleibt das Muscle Car erstaunlich ruhig. Aus dem Stand erreicht der Challenger in unter fünf Sekunden die 100-km/h-Marke, sofern man die Launch Control benutzt. Hierfür benötigt er neben einem betriebswarmen Antrieb auch warmgefahrene Reifen, sonst löst sich die immense Kraft in Rauch auf.

Die extrem breiten Reifen mit 305er Querschnitt auf der Vorderachse haben einen Nachteil, denn sie laufen eifrig jeder Spurrille nach, was insbesondere bei hohen Geschwindigkeiten den Fahrer zu stetigen Lenkkorrekturen auffordert. Cruisen kann der Challenger hingegen fast schon majestätisch. Der HEMI-Motor blubbert im tiefsten Drehzahlkeller und das Verbrauchsverhalten könnte dabei fast als ökonomisch bezeichnet werden.

Der HEMI konsumiert bei defensivem Fahrstil nicht einmal zehn Liter. Unsere Sparrunde absolvierte er nach 31 Kilometern mit einem Schnitt von 9,2 Litern. Im Drittelmix waren es knapp 13 Liter, was nahezu exakt der Herstellerangabe entspricht – so viel Ehrlichkeit bei Verbrauchsangaben kennen wir sonst kaum. Bei Vollgas sollte man dann mit mindestens 18 Liter aufwärts rechnen.

Ausstattung, Komfort und Sicherheit

Der Challenger ist großzügig ausgestattet und liefert zahlreiche Annehmlichkeiten und Einstellungsmöglichkeiten. (Bild: heycar)

Der große Vorteil beim Kauf eines Challengers, den man in Deutschland nur über offizielle Importeure beziehen kann, ist die stets großzügige Ausstattung. Angefangen von der Sitzklimatisierung, bestehend aus einer leistungsfähigen und schnellen Heizung sowie einer passablen Sitzbelüftung, bis hin zur grandiosen harman/kardon-Soundanlage, findet man viele Annehmlichkeiten im US-Auto.

Großes Lob können wir den Bi-Xenon-Scheinwerfern aussprechen. In Bezug auf Ausleuchtung, Helligkeit und ganz besonders der Reichweite waren die Ergebnisse absolut erstklassig und sorgten auf jeder Nachtfahrt für beste Sicht. Eine kleine Scheinwerferreinigungsanlage liegt oberhalb der jeweiligen Xenon-Linse versteckt.

Da sich der Dodge Challenger aus dem Fiat-Chrysler-Baukasten bedient, steht hier ein Uconnect-Multimediasystem mit 8,4-Zoll-Touchscreen zur Verfügung. Darauf sieht man ein umfangreiches Datenpaket („Performance Pages“) verschiedener Parameter und Echtzeitzustände. Multi-Timer für Rundenzeiten, g-Force mit Peak-Indikatoren über alle Achsen bis hin zu Leistungswerten, Lenkwinkel, Dyno, Motordaten und vieles mehr. Auch einen adaptiven Tempomaten gibt es im Challenger, der seinen Dienst mitunter zwar etwas ruppig tut, aber insgesamt vor allem auf längeren Touren eine willkommene Hilfe darstellt. Parkvorgänge werden durch Sensoren am Heck und eine Rückfahrkamera erheblich vereinfacht. Hätte man diese nicht, wäre ein Einweiser oder eine mehrfache Kontrolle des verbleibenden Platzes durch Aussteigen nahezu Pflicht.

Fazit – Reinrassiges Pony Car mit Kultfaktor

Der Schriftzug des Dodge Challengers ist so ikonisch wie der Wagen selbst. (Bild: heycar)

Der Dodge Challenger polarisiert und fasziniert. Wenngleich in Zeiten von CO2-Reduktion und Downsizing ein Fahrzeug mit 6.4-Liter-V8 so anständig wirkt, wie eine Jogginghose beim Vorstellungsgespräch, kann man ihm die Coolness nicht absprechen.

Wie heutzutage kaum ein anderes Fahrzeug verkörpert er einen amerikanischen Lifestyle. Trotz schwerem V8 und Heckantrieb lässt er sich erstaunlich gutmütig bewegen und ist auch für V8-Anfänger mit etwas Feingefühl entspannt fahrbar.

Im direkten Vergleich zu Mustang und Camaro muss er jedoch Abstriche in puncto Agilität und Handlichkeit hinnehmen. Dafür übertrumpft er seine Konkurrenten mit ur-amerikanischem Flair und greifbarem Ikonenstatus. In Summe eignet er sich daher nicht nur für Fans und Sammler, sondern auch für Genießer, die abseits der Vernunft den Fahrspaß in den Fokus stellen wollen. Höchstwahrscheinlich als Zweitwagen.

Allgemeines
Kompletter NameDodge Challenger R/T Scat Pack Wide Body
Modellstart
Motor
Anzahl Zylinder, AnordnungV, 8
Hubraum in ccm6.417
Leistung (kW/PS) 362/492
Max. Drehmoment (Nm) 644
KraftstoffartSuper
Getriebart
GetriebeAutomatik
Anzahl Gänge8
AntriebHeck
Abmessungen, Gewichte, Ladevolumen
Länge in mm 5.017 mm
Breite (ohne Spiegel) in mm 1.675 mm
Höhe in mm 1.460 mm
EG-Leergewicht in kg 2.000
Zuladung maximal in kg 500
Laderaumvolumen min. in l 467
Fahrleistungen
Höchstgeschwindigkeit in km/h 270
Beschleunigung 0-100 km/h in s 4,8
Verbrauch
Kombiniert in l/100 km (NEFZ) 13
CO2-Emission in g/km (NEFZ) 328
CO2-Effizienzklasse [F]
Preis
Einstiegs-Listenpreis in € ca. 40.000
Preis Testwagen in € 66.000

Dodge Challenger kaufen

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Titelbild: heycar

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