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Führerschein in der App: Alle Infos zur digitalen Fahrerlaubnis
23. März 2022
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Führerschein in der App: Alle Infos zur digitalen Fahrerlaubnis

Der Führerschein digital auf dem Smartphone? Das klappte in Deutschland im Herbst 2021 bereits kurzzeitig, bevor die entsprechende App wieder abgeschaltet wurde. Hat die Möglichkeit, den Führerschein in der App aufrufen zu können überhaupt einen praktischen Nutzen? Denn wie bereits angekündigt, wird die Polizei bei Verkehrskontrollen auch in Zukunft auf das Vorzeigen eines physischen Führerscheins bestehen – sei es als Karte oder klassisch auf Papier. Zumindest in einem Bereich des automobilen Lebens bringt der digitale Führerschein aber jetzt schon Vorteile.

Woran es im Detail noch scheitert? Wie Anmeldung und Nutzung nach dem Restart der App funktionieren sollen? Und was User neben der bestandenen Fahrprüfung und dem Nachweis darüber sonst noch benötigen? Das klären wir hier.

Digitaler Führerschein: Das soll der Handy-Führerschein können

Es geht um viel, nämlich um eine Karte weniger in der Geldbörse. Und es geht um eine Nutzungsoption mehr für unseren ständigen elektronischen Begleiter. Der digitale Führerschein macht das Smartphone zum Ersatz für den Scheckkarten-Ausweis. Läuft alles wie einst von der Vorgänger-Regierung geplant, funktioniert die Sache ähnlich wie beim digitalen Impfnachweis: App öffnen, Führerschein aufrufen und QR-Code vorweisen.

Das soll Erleichterungen bringen, zumindest bei den mittelfristig geplanten Haupt-Anwendungen des digitalen Lappens: Die 2021 kurzfristig angelaufene Variante hätte zum Beispiel die Mietwagen Online-Buchung, Abschlüsse bei der Autovermietung, oder das Registrieren beim Carsharing-Anbieter erleichtert. Denn in allen Fällen stellt die (nun einzig verbliebene) Alternative eine aufwendige Video-Überprüfung der Fahrerlaubnis dar. Oder eben das physische Erscheinen vor Ort.

Allerdings: Bei der Verkehrskontrolle hätten kontrollierende Beamte den Handy-Führerschein in der ersten Phase nicht als alleinigen Nachweis der Fahrerlaubnis akzeptiert. Von vornherein sprachen zuständige Stellen beim digitalen Führerschein von einer „digitalen Kopie“ des tatsächlichen Führerscheins. Nicht von einer vollumfänglich gültigen Alternative.

Erst in einem zweiten Schritt soll das digitale Dokument als Nachweis in den Rang aufsteigen, den die Fahrerlaubnis auf Scheckkarte oder Papier genießt. Der aktuelle Zeithorizont dafür? Sagen wir: langfristig. Denn einerseits verweist das Kraftfahrt-Bundesamt bisher auf fehlende rechtliche Rahmenbedingungen. Andererseits hat es das Projekt “Digitaler Führerschein” bisher noch nicht einmal unfallfrei auf Stufe Eins geschafft.

Probleme mit der benötigten Plattform: Es scheitert vorerst an der ID-Wallet

Bis auf Weiteres wird der herkömmliche Führerschein bei Kontrollen noch obligatorisch bleiben. (Bild: iStock)

An der notwendigen Nachfrage lag es offensichtlich nicht; der digitale Führerschein war eine der letzten Maßnahmen des aus dem Amt geschiedenen Verkehrsministers Andreas Scheuer (CSU). Ein medienwirksames Projekt: Ein Grund für das vorläufige Scheitern des digitalen Führerscheins sei die hohe Nachfrage gewesen, heißt es in einer Mitteilung des Kraftfahrt-Bundesamts. Die für den Nachweis benötigte App sei den hohen Lastspitzen beim Launch im September nicht gewachsen gewesen.

Nur wenige Tage nach dem Start am 23. September verschwand das „ID-Wallet“ getaufte Programm bereits wieder aus den App-Stores von Google und Apple. In diesem Zusammenhang verwies das zuständige Ministerium damals auf Sicherheitsbedenken, nannte jedoch keine konkreten Sicherheitslücken oder zu behebenden Probleme. Experten erwarteten bereits eine Zwangspause von mehreren Wochen. Bis einschließlich Februar 2022 erteilte das zuständige Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) allerdings immer noch keine Zertifizierung.

Medienberichten zufolge waren die Sicherheitslücken bereits vor dem Go-Live der App ID-Wallet bekannt. Sicherheitsforscher wie Lilith Wittmann plädierten auf Sozialen Medien sogar für ein komplettes Ende des Projektes – jedenfalls in seiner bisherigen Form. Die meisten Experten halten einen Neustart der digitalen Fahrerlaubnis aber für wahrscheinlich, sei es mit einer überarbeiteten Version der ID-Wallet-App oder einer alternativen App.

Das Anmelde-Prozedere: Der geplante Weg zum Digital-Führerschein

(Bild: Bundesregierung/KBA)

Immerhin: Einige Tage lang funktionierte das Aufrufen des Digital-Führerscheins. Womit klar ist, wie die Übertragung der Fahrerlaubnis an das Smartphone gedacht war. Nötig sind dafür mehrere Schritte und Voraussetzungen: Zunächst benötigen Nutzer ein modernes, NFC-fähiges Smartphone (NFC – “near field communication” – in etwa: „Nahfeld-Kommunikation“) und einen Personalausweis mit aktivierter Online-Funktion (umgangssprachlich „e-Perso“).

Schritt eins ist der Download der benötigten App über Apples App-Store oder den Google Playstore – unabhängig davon, ob eine aktualisierte Version der ID-Wallet oder eine andere App die Freigabe des BSI erhält. Nachdem es sich bei der ID-Wallet App um ein kostenloses Programm handelte, gehen wir für die Zukunft ebenfalls von einem Gratis-Dienst aus.

Bei Schritt zwei kann der analoge Führerschein ruhig im Portemonnaie verbleiben. User geben stattdessen die sechsstellige PIN-Nummer für den e-Perso ein. Das Kraftfahrt-Bundesamt gleicht dann Daten und Fahrerlaubnis ab. Auf dem Screen erscheint der Lappen damit jedoch noch nicht.

Im dritten Schritt erfolgt zuvor noch eine Identifizierung und Authentifizierung anhand persönlicher Daten. (Zuletzt handelte es sich um Vor- und Nachname, Geburtsdatum und Geburtsort). Erst danach wird der Führerschein in der App angezeigt – beim Neustart des Projektes wird der Prozess wohl identisch ablaufen.

Fahrerlaubnis auf dem Handy: Voraussetzungen an Personalausweis und Führerschein

Beim Begriff „e-Perso“ bildeten sich bereits Sorgenfalten auf der Stirn? Beim angesprochenen PIN-Code, der mit dem Personalausweis (separat per Post) ausgegeben wurde, kreisen fragenden Blicke über den Schreibtisch? Wer einen Personalausweis im Scheckkarten-Format besitzt, kann die benötigte Online-Funktion beim Bürgeramt aktivieren (oder erneut freischalten) lassen.

Danach versendet das Amt den fünfstelligen PIN-Code (erneut) per Post. Wer sich die beliebige Zahlen-Kombi nicht merken will, kann über die AusweisApp2 einen eigenen Zahlencode wählen. Dieser benötigt dann sechs Ziffern.

Achtung: Dies funktioniert nur mit Scheckkarten-Personalausweisen, die seit 1. November 2010 ausgegeben wurden. Da Personalausweise 10 Jahre gültig sind, dürften das praktisch alle sein. Ein aktueller Personalausweis mit Lichtbild und Biometrik-Symbol lässt sich gegen eine Gebühr von 37 Euro beim Bürgeramt beantragen.

Beim Führerschein existieren durchaus noch ältere Varianten. Hier muss es sich ebenfalls um eine Version im Scheckkarten-Format handeln. Papier-Führerscheine, wie sie bis 1998 gebräuchlich waren, lassen sich nicht mit der Führerschein-App zusammenführen.

Führerschein-Umtausch: Diese Lappen werden zwangsläufig zur Scheck-Karte

Unabhängig vom digitalen Führerschein: Bis zum 19. Juli 2022 müssen alle Führerscheininhaber ihr Dokument gegen eine Karte umtauschen, die ihre Fahrerlaubnis zwischen 1953 und 1958 erlangten. Im Jahr darauf folgen die Jahrgänge 1959 bis 1964. Fahrschul-Absolventen der Jahrgänge 1965 bis 1970 haben bis 2024 Zeit, alle anderen Inhaber eines Papier-Dokuments bis 2025. Ab 2026 tritt die Umtausch-Pflicht für die ersten Fahrer mit Scheckkarten-Führerschein in Kraft. Bis 2033 sollen sämtliche Dokumente gegen die aktuelle Version mit 15-jähriger Befristung umgetauscht werden.

Ein Wechsel kostet 25 Euro, gesundheitliche Checks oder eine erneute Prüfung sind nicht vorgesehen. Daneben bleibt das Bußgeld bei Nichtumtausch mit 10 Euro im vertretbaren Rahmen. Allerdings: Im Ausland kann eine Fahrt mit dem abgelaufenen Führerschein teurer werden.

Ausblick: So soll es mit dem digitalen Führerschein weitergehen

Aktuell arbeitet das Entwickler-Unternehmen „Digital Enabling“ an einer Lösung für die Sicherheitslücken und Funktionsschwierigkeiten von ID-Wallet. Politische Akteure stellen parallel die grundsätzliche Zulässigkeit dieser App in Frage: Oppositionspolitiker wie Anke Domscheit-Berg – netzpolitische Sprecherin der Partei Die Linke – kritisieren etwa, dass Führerscheindaten in die Hände eines Privatunternehmens gelangen würden. Womit nach Freigabe der App ID-Wallet durch das BSI eine weitere Hürde auf die für den Neustart benötigte App warten könnte.

Zumindest in technischer Hinsicht existiert eine mögliche Alternative für die digitale Fahrerlaubnis: Mit der Ausweis-App2 hat die Bundesregierung bereits ein weiteres Programm mit ähnlichem Funktionsumfang in Auftrag gegeben. Möglich, dass die Funktionalität „Führerschein“ mit in diese App integriert wird.

So oder so: Spätestens dann, wenn alle Mietwagen- und Carsharing-Anbieter mit der elektronischen Kopie der Fahrerlaubnis zurechtkommen, stehen Smartphone-Usern neue digitale Optionen bereit. Erst recht dann, wenn auch der Staat die digitale Fahrerlaubnis als vollwertige Alternative zum physischen Führerschein anerkennt.

Titelbild: iStock

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