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Diesel kaufen: Hat der Dieselmotor noch eine Zukunft?
25. November 2021
Autoteile & Technik

Diesel kaufen: Hat der Dieselmotor noch eine Zukunft?

Laut, stinkig und gesundheitsschädlich: Der Ruf des Dieselmotors wurde durch das Bekanntwerden des Diesel-Skandals 2015 nachhaltig geschädigt. In den vergangenen Monaten verschärfte sich die Situation für Dieselbesitzer und Interessenten: Es drohen neue Dieselfahrverbote, der Preis für einen Liter Diesel steigt auf Rekordniveau.

Bei Autokäufern herrscht allgemeine Verunsicherung. Lag der Anteil neuzugelassener Dieselautos 2018 noch bei 33 Prozent, waren es im August 2021 nur noch 17,7 Prozent – ein Einbruch um fast die Hälfte. Rentiert sich ein Dieselauto überhaupt noch? Hat der Diesel insgesamt eine Zukunft?

Diesel: Emissionsklassen und CO2-Ausstoß

Bei der Frage, welche Diesel in Zukunft noch wo fahren dürfen, sind die sogenannten Emissionsklassen entscheidend. Sie lassen sich anhand der Fahrzeugpapiere in den Schlüsselnummern ablesen und geben Auskunft darüber, wie viele Schadstoffe das Auto ausstoßen darf. Wie viel von dem Klimagas CO2 emittiert werden darf, verrät die Emissionsklasse nicht.

Denn der CO2-Ausstoß richtet sich nach dem Kraftstoffverbrauch – es gibt einen direkten, linearen Zusammenhang zwischen beiden Werten. Dank ihrer größeren Effizienz sind Dieselmotoren hier also besser als Benziner. Das ist der Hauptgrund, weshalb die Technik und ihre konsequente Weiterentwicklung Mitte der 90er Jahre maßgeblich von der Europäischen Union (EU) gefördert und bezuschusst wurde.

Um Klimagas und Schadstoffausstoß in den Griff zu bekommen, wurden für beide Grenzwerte eingeführt. Die verschiedenen Abgasnormen wurden im Lauf der Jahre immer strenger. Seit 1992 schreibt die Europäische Union (EU) Grenzwerte für den Schadstoffausstoß und Emissionspartikel fest, die für den Menschen schädlich sind. Ruß gehört dazu, CO2 ist für den menschlichen Körper tatsächlich nicht schädlich. Seit 2000 gibt es zudem Grenzwerte für Stickstoffdioxid/NOx. NOx ist die Sammelbezeichnung für Stickstoffmonoxid NO und Stickstoffdioxid NO2.

Die erste Schadstoffklasse war Euro1, es folgten Euro2, Euro3 und die Euro-4-Norm. Euro5 wurde Anfang September 2015 von Euro 6b abgelöst. Darf ein Euro3-Diesel noch 0,5 Gramm NOx-Gase pro Kilometer emittieren, sind es beim Euro6-Diesel nur noch 0,06 g/km. Neben der Reduzierung der Ausstöße änderte sich 2017 auch das Prüf-Verfahren. Statt NEFZ gilt seitdem die WLTP (Worldwide Harmonized Light-vehicles Procedure) für Prüfstände und das RDE-Verfahren (Real Driving Emissions) für die Straße. Seit dem 1. September 2018 sind WLTP-Tests verbindlich für die Euro-Norm 6c.

Zum 1. September 2019 wurden die Prüfzyklen dann weiter verschärft. Neuzugelassene Fahrzeuge müssen neben dem WLTP nun auch verpflichtend das RDE-Verfahren bestehen, um die temporäre Euro-6-temp-Norm zu erreichen. Ab 2021 gilt dann, nur für Diesel, die erweiterte Euro-6d-Norm.

Abgasnorm bei Diesel-Pkw

Schadstoffe in g/kmEuro1Euro2Euro3Euro4Euro5Euro6
CO2,7210,640,50,50,5
HC+NOx/ THC+NOx (ab Euro5)0,970,7/0,90,560,30,230,17
NOx--0,50,250,180,08
Partikelmasse (PM)0,140,08/0,100,050,0250,00450,0045
Partikelzahl (PN) (in Anzahl/km)----6,0x10 hoch 11 6,0x10 hoch 11

Quelle: Umweltbundesamt

Wann gibt es ein Dieselfahrverbot?

Alte Dieselmotoren sorgen in Ballungsgebieten wie Berlin für schlechte Luftqualität – deswegen gibt es strenge Leitlinien für Autos mit Dieselmotor. (Bild: iStock)

In einigen Städten und Kommunen sind Autos mit Dieselantrieb unerwünscht – zumindest teilweise. So dürfen in Darmstadt, Berlin, Hamburg und Mainz Diesel mit den Emissionsklassen Euro1 bis Euro5 auf bestimmten Straßen nicht mehr fahren. In Stuttgart gilt das Verbot für Fahrzeuge bis einschließlich Euro4. Es gibt aber, je nach Stadt, einige Ausnahmen für Anwohner, dort arbeitende Personen, Handwerker, Patienten und ansässige Ärzte, sowie alle Hand von Fahrzeugen des öffentlichen Dienstes.

In den Städten kontrollieren Polizisten das Einhalten stichprobenartig und verhängen gegebenenfalls ein Bußgeld von bis zu 108,50 Euro. Fahrverbote für alte Dieselautos drohen auch in Frankfurt und in Städten in Nordrhein-Westfalen. Voraussetzung dafür ist aber, dass die von den Städten geplanten Maßnahmen zur Reduzierung der NOx-Emissionen Wirkung zeigen und der NOx-Grenzwert an den Messstationen im Jahresmittel eingehalten wird.

Warum drohen Dieselfahrverbote?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt in ihren neuen Leitlinien für Stickstoffdioxid (NO2) einen Grenzwert von 10 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel, statt bisher 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Eine der Hauptursachen für die Luftverschmutzung in den Städten: alte Dieselmotoren. 2019 überstiegen 25 deutsche Städte den bisherigen Grenzwert – im Jahr zuvor waren es noch 57 Städte.

Die Vorteile eines Dieselmotors

Als Teil der WLTP-Zertifizierung wird auch die Einhaltung der Grenzwerte geprüft. Der portable Messkoffer am Heck ist mit entsprechender Emissionsmesstechnik ausgestattet. (Bild: Daimler)

Dieselmotoren sind sehr effizient in Bezug auf die Leistung, die sie aus dem Kraftstoff ziehen. Moderne Dieselmotoren fahren oftmals schon fast an der Grenze dessen, was technisch überhaupt mit einem Verbrennungskonzept möglich ist. Sie sind kraftvoll, können für dieselbe Leistungszahl (PS oder kW) wesentlich mehr Drehmoment entfalten als Benzinmotoren und sind im Schnitt um die 20% verbrauchsärmer als Benziner – bei gleicher Leistung.

Das bedeutet: Sie stoßen auch weniger CO2 aus als Benziner. Moderne Abgassysteme reinigen nach der Euro6d-temp Norm oder Euro6d zuverlässig die Schadstoffe im Katalysator – mit teils doppelter Urea-Einspritzung.

Die Motoren bieten außerdem nicht nur mehr Drehmoment, sondern das auch bereits ab niedrigeren Drehzahlen. Sie sind somit ideal als Zugmotoren für schwere Lasten geeignet. Zudem liegt der Preis für einen Liter Dieselkraftstoff immer noch unter dem von Benzin, weil die Energiesteuer geringer ausfällt. Im Schnitt kostet Diesel im Jahr 2021 pro Liter 15 Cent weniger als Superbenzin. Für Vielfahrer lohnt sich ein Auto mit Dieselmotor immer noch. Trotz höherer Kfz-Steuer je nach Modell, rechnet es sich ab einer jährlichen Fahrleistung von rund 10.000 Kilometern pro Jahr.

Die Nachteile von Dieselmotoren

Dieselmotoren wiegen mehr als Ottomotoren, kosten mehr und produzieren schädliche Stickoxide – wenn sie nicht durch Abgassysteme gefiltert werden. Die Stickoxide sind eine direkte Folge des effizienteren Verbrennungszyklus, nicht des Kraftstoffes an sich. Die Schadstoffe können Schleimhäute angreifen und führen unter anderem zu Atembeschwerden, Augenreizungen und Beeinträchtigung von Herz, Kreislauf und Lunge. Der sichtbare, schwarze Ruß ist ebenfalls gesundheitsschädlich. Grade beim Kaltstart können Rußpartikelfilter noch nicht alles wegfiltern.

Vor 20 Jahren galten Diesel zudem noch als schwach, lahm und unsportlich. Dieses Vorurteil wurde mit der Einführung von Direkteinspritzung und Turbolader weitestgehend zerstreut. Dazu kommt wahrscheinlich ein schrumpfender Wiederverkaufswert und die Kfz-Steuer liegt über der von Benzinern. Sie ist abhängig vom Hubraum und dem CO2-Ausstoß.

Wird der Dieselmotor abgeschafft?

Gerade der Lieferverkehr wird noch lange auf Diesel als Kraftstoff angewiesen sein. (Bild: Daimler)

Es gibt Hersteller wie Porsche, Toyota oder Volvo, die heute schon keine Autos mit Dieselmotor mehr verkaufen. Viele Konzerne und Autohersteller wollen langfristig vom Verbrennungsmotor Abschied nehmen. Dabei ist es unerheblich, ob der Motor Superbenzin oder Diesel tankt. So kündete Audi im Herbst 2021 an, seinen letzten Verbrenner 2033 zu verkaufen, VW plant das zwischen 2033 und 2035, Hyundai ab 2035 und Mercedes um 2030. Bedeutet also: In den nächsten 10 bis 15 Jahren kann man noch Autos kaufen, die Benzin und Diesel tanken.

Danach werden die Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zwar nicht verboten, allerdings werden sie nicht mehr neu zugelassen. Im Schnitt sind Autos auf deutschen Straßen fast zehn Jahre alt – entsprechend lange wird die Übergangsphase bis zur kompletten Elektrifizierung mindestens dauern. Unabhängig davon können aber Städte und Kommunen ein Dieselfahrverbot verhängen. Das ist allerdings für moderne Euro6d-Motoren in den nächsten Jahren eher unwahrscheinlich.

Wie lange kann man einen Diesel noch fahren?

Selbst wenn viele Hersteller zwischen 2030 und 2035 keine Fahrzeuge mit Dieselmotor mehr verkaufen werden, wird es noch sehr lange Zeit danach möglich sein, an Tankstellen Diesel zu bekommen. Vielleicht sogar länger als Benzin. Denn Lkw und der Lastenverkehr generell, werden noch lange auf den Diesel angewiesen sein.

Sollten Batterien nicht drastisch energiedichter werden, oder Wasserstoff schlagartig rentabler, wird sich daran in den nächsten Jahrzehnten wohl kaum etwas ändern. Der Zeitraum lässt sich heute noch nicht genau definieren, aber es ist davon auszugehen, dass Tankstellen noch viele Jahre Diesel verkaufen.

Lohnt sich der Kauf eines Diesels noch?

Wer in die bereits bestehenden Umweltzonen mit einem Dieselauto fahren will, benötigt mindestens den Abgasstandard Euro6a-6c oder Euro5 mit einer nachgewiesenen Nachrüstung. Beim Gebrauchtwagenkauf sollten Interessenten darauf unbedingt achten. Mit einem neuen Dieselauto, das die Abgasnorm Euro6d-temp oder Euro6d schafft, kann man in den nächsten Jahren weiterhin sparsam und sauber fahren.

Nach Tests des ADAC stößt ein Diesel mit Euro6d-temp durchschnittlich 85 Prozent weniger NOx aus als ein Euro5-Diesel. Das Risiko, in den nächsten Jahren aus Innenstädten wegen eines Dieselfahrverbots ausgeschlossen zu werden, ist bei Modellen mit einem modernen Antrieb gering.

Wie geht es mit dem Diesel weiter?

AdBlue wird zur Reduzierung von Stickoxidemissionen eingesetzt. (Bild: iStock)

Um 2025 soll es eine neue Abgasnorm geben, die Euro7. Die genauen Grenzwerte sind noch nicht final bestätigt. Es ist aber davon auszugehen, dass die technischen Herausforderungen derart hoch sein werden, dass der Verbrennungsmotor sich nicht mehr für alle Klassen und Fahrzeuge rentieren wird. Aber: Wegen der steigenden Anzahl von E-Autos und Fahrzeugen mit alternativen Antrieben werden die NOx-Werte in Innenstädten in den nächsten Jahren wahrscheinlich sinken, so dass ein generelles Dieselfahrverbot unwahrscheinlich wird.

Der Dieselmotor hat es nicht zu Unrecht schwer, ja. Aber so schnell wird er nicht sterben. Moderne Dieselautos (spätestens ab Baujahr 2019) mit Euro6d-temp oder Euro6d (ab spätestens Baujahr 2021) sind sauber und effizient. Sie können noch lange gefahren werden. Viele gebrauchte Fahrzeuge ab 2018 besitzen schon die Euro6d-temp-Norm. Nur: Manche Hersteller haben sich schon vom Diesel verabschiedet oder haben diesen Schritt für die kommenden Jahre angekündigt. Das Angebot an Autos mit Diesel wird folglich schrumpfen. Ganz verschwinden wird es nicht.

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Titelbild: iStock

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