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Die coolsten Polizeiautos der Welt: Supersportler, Klassiker und E-Autos
9. Juni 2022
Autokultur

Die coolsten Polizeiautos der Welt: Supersportler, Klassiker und E-Autos

Die Dienstzeit des weltweit ersten Polizeiautos währte kurz: 1889 setzte die Exekutive in Akron, Ohio, erstmals einen Batterie-Bus gegen das (noch) nicht-motorisierte Verbrechen ein. 1900 versenkten ihn Demonstranten ebendort im Fluss. Das zeigt einerseits: Die Beliebtheit von Polizeifahrzeugen ist situationselastisch; beeinflusst von der individuellen Vorgeschichte und dem selbstgewählten Tempo. Andererseits zeigt es, dass Einsatzfahrzeuge schon immer mehr waren als Mittel zum Zweck: Ziemlich innovativ und faszinierend nämlich. Der lokal emissionsfreie Bus debütierte keine fünf Jahre nach dem ersten Auto überhaupt (von Carl Benz).

Klar, die Mehrzahl der Streifenpolizisten patrouilliert in automobiler Stangenware. Doch auch die richtig wilden Dienstwagen für High-Speed-Verfolgungsjagden gibt es tatsächlich. Ebenso wie Blaulicht-Pioniere mit Akku-Paket oder Brennstoffzelle an Bord. Dazwischen finden sich auch einige „amtliche Poser“ in der jüngeren Geschichte der Polizeifahrzeuge – Autos, die vordergründig auffallen sollen. Um all diese Gruppen soll es hier gehen, doch zunächst gehört das Revier den herkömmlichen Arbeitstieren unter den Polizeiwagen. Denn viele Automodelle wurden erst durch ihre Dienstzeit zum Klassiker.

Die ewigen Klassiker unter den Polizeiautos

Ford Crown Vic': Nur echt mit "Bullenfänger" vorne – kommt nicht gegen Tiere oder andere Polizisten zum Einsatz. (Bild: iStock)

Ab 20:15 Uhr bekommen wir im Fernsehen täglich ein Fahrzeug zu sehen, dass es in Europa nicht gibt: Den Ford Crown Victoria. Der Inbegriff des Streifenwagens, in Form einer 5,3 Meter langen Ami-Limousine. Jagt eine Polizei-Flotte in Hollywood-Filmen und -Serien den Gangstern hinterher, sitzen die Gesetzeshüter praktisch immer in irgendeiner Generation des zwischen 1980 und 2011 gefertigten Stufenhecks. Aber auch als eines der ikonischen gelben Taxis von New York dürfte der Crown Vic' wohl eines der bekanntesten Autos der Welt sein. Beide Einsatzfelder sagen einiges über seine legendäre Zuverlässigkeit aus, vor allem die des 4,6-Liter-V8 Small-Block-Motors.

Großbritanniens bekanntestes Polizeiauto geriet weitaus kantiger und extrovertierter: Beim Rover SD1 handelt es sich um eine von 1978 bis 1986 gebaute Fließheck-Limo mit langer Schnauze. Im Polizei-Einsatz befand sich häufig ein 3,5-Liter großer V8-Motor unter der gestreckten Haube – was die Beliebtheit dieses Modells auf dem Revier erklärt. Außerhalb der Dienststelle wurde der Rover aufgrund der Seitenansicht zur Legende: Mit dem orangenen Streifen der Motorway-Abteilung ähnelte der Klassiker einem „Jam-Sandwich“, also der Marmelade, die zwischen zwei Brothälften herausquillt. Unter diesem Kosenamen lebt der SD1 in britischer Folklore weiter, auch wenn Rover es längst nicht mehr tut. Eine endlose Liste britischer „Tatort“-Krimiserien half ebenfalls.

Der schnellste Marmeladen-Streifen der Polizeigeschichte auf Verbrecherjagd. (Bild: West Midlands Police @ wikimedia)

Polizeiautos aus dem jeweiligen Heimat-(Bundes)Land, Beklebungen die auf den Einsatzort verweisen: So lief das über Jahrzehnte auch in Deutschland. Selbst die echten Bullen von Tölz fuhren (mehrheitlich) BMW, die Kollegen aus Niedersachsen tendenziell VW Kombis. Bis heute zählen BMW 3er und 5er Touring sowie Volkswagen Passat zu den weitest verbreiteten Modellen mit Blaulicht. Doch der Flotten-Patriotismus ging in den letzten Jahren stark zurück. Ausschreibungen müssen seit den 2000ern so offen formuliert sein, dass auch günstigere Import-Fabrikate die Chance auf eine Dienstkarriere haben. Was den aktuellen heimischen Polizei-Fuhrpark dafür sehr vielfältig macht.

Bei der Farbgebung nimmt die Diversität indes ab: Seit den 2010er-Jahren bekommen alle Polizeiautos blaue Folierung auf silbernem oder weißem Lack – um den Widerverkaufswert zu steigern. Denn die meisten Streifenwagen werden rückgebaut und nach Dienstende veräußert.

Die Sportwagen unter den Polizeiautos

Der umwerfend schöne Alpine A110 war von den 1960ern bis 1980ern Teil der französischen Gendarmerie. (Bild: Renault)

Der Arm des Gesetzes reicht nur so weit wie die Drehmomentkurve. Ins Gefängnis werfen lässt sich nur, wer auch eingeholt werden kann. So in etwa die stark zugespitzte Begründung für potente Sportwagen im Polizeidienst. Neuzugang in dieser automotiven Elite-Einheit: 26 Alpine A110 für die französische Exekutive. Konkret für jenen Teil der Truppe, welche Schnelligkeit bereits im Namen trägt. „Brigade Rapide d´Intervention“ steht für die Schnelle Eingreiftruppe der Gendarmerie. Für die Leichtigkeit dahinter sorgt der Retro-Sportwagen aus dem Renault-Konzern. Rund 1.100 Kilogramm wiegt der Mittelmotor-Flitzer in der leichten Pure-Ausführung.

Der neue Alpine A110 muss immer noch vorschriftsmäßig mit Helm gefahren werden. (Bild: Renault)

Dass die 252 PS starken und 4,1 Meter kurzen Sportwagen manch stärkeres Fahrzeug auszustechen vermögen, beweisen sie jedes Wochenende erneut auf den Rennstrecken dieser Welt. Im Polizeidienst geht es dagegen um Autobahn-Einsätze – was bereits in der Vergangenheit gelang. In den 60er-Jahren fuhr die schnelle Brigade bereits den wunderschönen, originalen Renault Alpine. Damals wie heute muss die Gendarmerie dabei vorschriftsmäßig Helm hinterm Steuer tragen.

Mercedes SLS AMG, Bentley Continental, G63 AMG und ein BMW i8 ganz rechts im Bild (Bild: Peter Dowley @ Wikimedia)

Dubais Gesetzeshüter würden den Alpine ebenfalls schätzen, doch womöglich die „mageren“ 260 km/h Top-Speed monieren. Denn in den Vereinigten Arabischen Emiraten setzt die Polizei auf die nächsthöhere Kategorie im Sportwagen-Segment. Dort fahren die Gesetzeshüter dann Lamborghini Aventador. Oder Mercedes SLS AMG. Oder Audi R8. Oder Bentley Continental, Ferrari F12, Ferrari FF, McLaren MP4-12C, Porsche 918 Spyder oder Nissan GT-R. Oftmals also zweisitzige Modelle mit mehr als 500 PS, Mittelmotor-Anordnung und Höchstgeschwindigkeiten über 300 km/h.

Italien steht hingegen ein echter Polizei-Lamborghini Huracán (ab 580 PS), ein Lotus Evora (350 PS) und mehrere Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio (510 PS) zur Verfügung. Wobei die Aufgabe der in Rom und Bologna stationierten Sportwagen auch den Organ-Transport umfassen. Wird es aus medizinischen Gründen knapp, fahren der keilförmige Lambo oder der britische Sportwagen auf der Autostrada wertvolle Minuten heraus.

Nicht zur Show: Rasen lohnt sich in Australien nicht! Das Victoria Police Department setzt BMW M5s mit 600 PS ein. (Bild: Victoria PD)

In Australien sorgen zwei Nieren für Recht und Ordnung. Nicht der Titel eines Films von Bud Spencer und Terrence Hill, sondern die Idee hinter der Anschaffung des aktuellen BMW M3. Die mehr als 480 PS starke Münchner Sport-Limousine soll im Australischen Outback das Recht durchsetzen. Was auf Grund einer der einzigen Schnellstraßen ohne Tempolimit – außerhalb von Deutschland – wahrscheinlich keine schlechte Idee ist. Unterstützt wird es dabei vom fast 600-PS-starken BMW M5 Competition des Victoria Police Departments.

Prestige-Streifenwagen: Die Poser unter den Polizeiautos

Die deutsche Polizei setzt seit den 90ern keinen Porsche 911er mehr ein, Österreich hingegen schon. (Bild: Porsche)

Deutschlands schnellstes Polizeiauto ist ein Tuning-Fahrzeug: Beim Porsche 911 von Techart geht es um verkehrstaugliche und legale Veränderungen an Autos. Ein Katalog des Erlaubten und Zulassungsfähigen quasi. Die 289 km/h Höchstgeschwindigkeit, 385 PS und 4,4 Sekunden Sprint von 0 auf 100 km/h sind nur graue Theorie. Seine eigentliche Funktion erfüllt der offene 911er der 992er-Baureihe im Stand: Er debütierte 2021 im Zuge der „Tune-it-safe“-Kampagne auf der Essener Motorshow und dient als Messe-Fahrzeug. Ganz im Gegensatz zu den Kollegen aus Österreich. Dort sichert ein einzelner 991er Carrera tatsächlich kniffelige Bergpassagen und Schnellstraßen im Alltag.

Leider war dieses legendäre Foto nur ein Marketing-Stunt. Ein Ford RS200 Gruppe-B Polizeiwagen hält einen Ford Sierra Cosworth an. (Bild: Ford UK)

Generell dienen viele spektakuläre Polizei- und Rettungsautos aber vornehmlich der Show. Darunter manchmal jene, die kein allzu großes Loch ins staatliche Budget reißen sollen. So hat Australiens Exekutive mit dem ab 40.000 Euro teuren Honda Civic Sport einen beliebten Hot-Hatch im Corps. Der 320 PS starke Kompakte darf nicht in den aktiven Dienst, fungiert nur als Recruiting-Beauftragter. Denn in Down Under muss ein Polizeiauto über ein Automatik-Getriebe verfügen – Honda bietet den Type R ausschließlich mit Handschalter an.

Keine Traumerscheinung und kein Photoshop: Ein echter Bugatti Veyron als Streifenwagen. (Bild: Peter Dowley @ Wikimedia)

Beim schnellsten Polizeiauto der Welt lässt sich Show im übertragenen Sinne verstehen: Tatsächlich fährt der mehr als 400 km/h schnelle Bugatti Veyron recht häufig durch Dubais Straßen. Doch um High-Speed-Verfolgungsjagden geht es für das 1.000 PS starke Hypercar nur formal – wie bei allen anderen Exoten im Dienste des Emirats auch. Laut Medienberichten führt der Dienstplan den 16-Zylinder-Mittelmotorsportler praktisch ausschließlich durch touristische Gegenden. Die Autos sind eher ein kalkuliertes Spektakel für ausländische Gäste und fahren meistens Schritttempo.

Emissionsfreie Pioniere: E-Autos als Einsatzfahrzeug

Die Berliner Polizei bäckt etwas kleinere, dafür umweltfreundliche Brötchen. (Bild: Toyota)

In Los Angeles muss das nächste „Patrol-Car“ nicht zwingend ein Petrol-Car sein. Seit 2019 experimentiert das LAPD mit einem Tesla Model S als Streifenfahrzeug. Und schaffte es mit der elektrischen Fließheck-Limo in die internationalen Schlagzeilen. Deutschlands Bemühungen um lokal emissionsfreie Einsatzfahrzeuge gehen bisweilen unter. Dabei befinden sich gleich mehrere – teils unerwartete – Modelle im Fuhrpark der Blauen und Grünen. Denn neben dem kompakten VW ID.3 verrichten (u.a.) der Elektro-Kleinwagen Renault Zoe, das automotive Minimal-Konzept Renault Twizy und einer der ersten elektrischen Smart Fortwo bei der deutschen Polizei ihren Dienst.

Neben diesen batterie-elektrischen Fahrzeugen gehören Brennstoffzellen-Modelle zur Flotte. Das Mittelklasse-SUV GLC F-Cell sah Daimler nie für den offenen Verkauf vor, vergab das Auto lediglich an Personen im Unternehmensumfeld – und eben an die Polizei. Womit die Beamten im Straßenbild kaum auffallen dürften, denn optisch gleicht der Wasserstoff-Benz der Verbrenner-Variante wie ein Blaulicht dem anderen. Anders sieht die Sache bei den Kollegen in Berlin aus: Ihre (insgesamt zwei) Toyota Mirai Baujahr 2020 gibt es ausschließlich mit Brennstoffzelle. Die Streifenwagen sind damit etwas Besonderes – fernab jenseitiger Leistungsangaben oder großem Luxus.

Titelbild: Lamborghini S.P.A

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