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Die besten Restomods: Neue Technik und zeitloses Design
5. Januar 2022
Autokultur

Die besten Restomods: Neue Technik und zeitloses Design

Alte Autos sind toll. Sie sind Ausdruck von Zeitgeist, Nostalgie und Sehnsucht. Und sie vermitteln beim Fahren das Gefühl, noch wirklich eine Maschine zu bewegen. Analoge, mechanische Kunstwerke eben – mit allen großen Vor- und Nachteilen die das so mit sich bringt. Von skurrilen Bedieneigenheiten, die im Alltag einfach nerven, bis hin zu Problemen die gefährlich werden können, wie mangelhafte Bremsen.

Die Technik ist eben nicht mehr zeitgemäß: Dem Bremssystem fehlt ohne Unterdruckverstärkung die Kraft, im Stau ist der Kühler überfordert, nachts sieht man selbst mit Fernlicht fast nichts. Tüftler lösen das Problem, sie pflanzen moderne Antriebe, Achsen, Ausstattung, Scheinwerfer und Elektronik in alte Karosserien.

Dabei bleibt eine (rhethorische) Frage immer präsent, im ewigen Streit zwischen Puristen und denjenigen, die sich nur für schöne Formen interessieren: Wie weit darf man gehen? Im Idealfall entkernen Restomods nicht einfach alles bis auf die Rohkarosserie, um diese dann mit Touchscreens vollzustopfen. Viel eher geht es darum, das ursprüngliche Fahrgefühl der Autos weiterzudenken. Restomod ist dabei eine englische Wortschöpfung aus Restaurierung und Modifizierung.

Die zentrale Frage ist: Wie würde eine moderne Version eines bestimmten Autos heutzutage aussehen? Frei von Design-, Marketing-, Sicherheits- und (manchmal) Emissionsvorschriften. Dabei ist alles von Grund auf auf neue Technik abgestimmt. Hier spielt insbesondere der Motor, das Herzstück, eine wichtige Rolle. Denn er ist maßgeblicher Teil des Charakters. Gerade bei Elektro-Restomods oftmals schwierig.

Das ist unsere Liste der coolsten und interssantesten Autos des Restomod-Trends.

Hyundai Grandeur Heritage Series Restomod: Kultur der 80er

(Bild: Hyundai)

Autos der 80er Jahre müssen sich ihren Klassiker-Status noch endgültig erarbeiten. Das liegt an ihrer Haltbarkeit: Viele Modelle fahren noch regelmäßig auf unseren Straßen. Dank einer gehörigen Portion Nostalgie für das Jahrzehnt, sind sie aber langsam angekommen. Hyundai hat das verstanden – und einen Grandeur der ersten Generation modernisiert.

Dabei schafft es Hyundais Designteam, mit geschickten Modifikationen noch mehr 80s-Flair ins Auto zu bringen, als die Limousine ohnehin schon verstrahlt. Roter Samt, diffuses Licht, Bedienelemente wie beim Synthesizer und Lampen mit einzelnen LEDs wirken, wie man sich in den 80ern wohl die Zukunft vorgestellt hat. Oder wie man sich heute die 2080er im Videospiel Cyberpunk vorstellt. Retro-Futurismus in Reinkultur.

Um die Technik geht es beim Grandeur nur nebensächlich. Hyundai erwähnt, dass ein Elektroantrieb im Auto steckt. Der Fokus liegt auf Innenraumdesign, luxuriösen Materialien und retro-modernem Chic. Leider wird es wohl beim Einzelstück dieses Designprojekts bleiben. Wir würden uns wünschen, dass der neue Genesis G90 sich hier etwas mehr abgeguckt hätte.

Singer 964 Targa Restomod: Liebeserklärung an den 911er

(Bild: Singer Vehicle Design)

Porsche-Spezialist Singer baut in Los Angeles seit 2009 alte 911er mit moderner Technik zu Kunstwerken um. Die kleine Manufaktur ist wahrscheinlich der Hauptgrund für den heutigen Restomod-Boom. Singer – benannt nach Norbert Singer, dem legendären Porsche-Renningenieur – konzentriert sich dabei auf die 964er Baureihe, von 1989 bis 1994. Kunden liefern das Basisfahrzeug und bekommen ein individuelles Einzelstück zurück. Darin leistet ein gemeinsam mit Cosworth entwickelter, luftgekühlter Sechszylinder Boxer-Motor mit 4,0 Litern Hubraum bis zu 500 PS.

Die neuste Iteration dieses Motors wurde sogar zusammen mit Hans Metzger entwickelt, bis kurz vor dessen Tod. Die Porsche Ingenieurs-Legende schlechthin. Metzger entwarf alle wassergekühlten 911er-Motoren, inklusive dem Original von 1963, im 911er Ur-Typ (901). Jeder Singer-Porsche ist also ein wahres Herzensprojekt. Als Kunde hat man deshalb schier unendliche Möglichkeiten seinen ultimativen 911er zusammenstellen zu lassen: Fahrwerk, Lenkung, Beleuchtung, Auspuff, Aerodynamik, Innenraum: Wenn es den stilistischen Kriterien von Singer entspricht, ist es möglich.

Denn das Besondere: Singer bemüht sich stets den Charakter der Baureihe zu erhalten und hat selbst das letzte Wort, falls Umbauwünsche zu sehr ausarten. Daraus ergeben sich geschmackvolle Umbauten, die man zum Teil gar nicht als solche erkennt. Manche Singers rollen mit Vollkarbonkarosserie, Retro-Look und Motorsport-Qualitäten. Der Preis: mindestens 400.000 Euro und mindestens 10 Monate Bauzeit. Die Warteliste beträgt drei Jahre. Singer gibt es mittlerweile auch in Deutschland – mit Straßenzulassung und Vertrieb.

VW Käfer Restomod von eClassics: Elektro mit Werksunterstützung

(Bild: eClassics Vertriebs GmbH)

Auch wenn beinharte Fans widersprechen: Beim Käfer ist alles erlaubt, denn jedes Tabu wurde bereits gebrochen. Vom Pedalantrieb bis zum Porsche-Motor, steckte schon jedes erdenkliche Aggregat im kleinen VW. Das schließt Elektro-Umbauten ein. Die gibt es jetzt auch mit Werksunterstützung: Die Firma eClassics stülpt Käfer-Karosserien auf ein neues, eigens entworfenes Fahrgestell mit dem Antrieb des VW e-Up. Motor, Akku und Steuerung kommen direkt von VW.

Der Elektro-Käfer wiegt knapp 1,3 Tonnen. Sein Elektromotörchen im Heck beschleunigt ihn mit 60 kW (82 PS) immerhin in acht Sekunden auf Tempo 80. Ganz ohne Tickern, dafür mit ordentlich Drehmoment. Die Höchstgeschwindigkeit des Restomods liegt bei 150 km/h. Neben Motor und Getriebe baut eClassics Achsen, Bremsen und Fahrwerk um. Damit sich die Batterie im Unterboden in die Karosserie einfügt, bekommt der Käfer außerdem breite Schwellerverkleidungen.

Die Preise für den Umbau nennt der Hersteller nur auf Anfrage. So viel sei gesagt: Ab etwa 50.000 Euro wird es interessant, zuzüglich Käfer und eventueller Reparaturarbeiten. Das Umbaupaket baut eClassics auf Wunsch auch in andere luftgekühlte VWs, zum Beispiel in einen T1 oder T2 Bus.

Jaguar E-Type Zero Restomod: „E“ steht für Strom

(Bild: Jaguar)

Der Jaguar E-Type ist einer der schönsten Design-Klassiker aller Zeiten. Das kann man getrost als Fakt betrachten: Selbst „Il Commendatore“, Enzo Ferrari, bezeichnete den Jaguar bei seinem Erscheinen 1961 als „das schönste Auto der Welt“. Das ehemals royale Pärchen Prinz Harry und Meghan Markle, traten frisch verheiratet in einem makellosen E-Type ihre erste Reise an. Nun rührt Jaguar erneut die Werbetrommel. Das Besondere an diesem E-Type aber: Das „E“ steht für Elektro. Unter der Haube arbeitet nicht der glorreiche 4,2 Liter XK Reihensechszylinder.

Das Projekt war eine Art Stichprobe. Jaguar wollte die Reaktionen auf einen Elektro-Type testen. Der Plan: Man könne künftig den Umbau zum E-Auto, oder zum kompletten Restomod anbieten. Ein Motor mit 220 kW (299 PS) und ein Akku mit 40 kWh Kapazität addieren kaum Gewicht, machen das Auto aber schneller. Jaguar verspricht, der E-Type Zero „fährt, bremst und federt“ wie das Original von 1968.

Auf die medienwirksame Premiere folgte schließlich eine Absage. 2019 entschied Jaguar, den E-Type Zero nicht in Kleinserie zu bauen. Einen Grund nannte der Hersteller nicht. Vielleicht überwog bei Kunden doch die Nostalgie, denn der Klang des XK-Motors (oder des späteren V12) ist Teil der Schönheit. Auch wenn man damit bald nicht mehr in die Londoner Innenstadt kommt.

Dodge Charger Hellephant Restomod: 1.000 PS im 1968er Coupé

(Bild: Dodge)

Kaum ein US-Auto ist so beliebt und so unverwechselbar wie der Dodge Charger aus den späten 1960ern – insbesondere das 68er Baujahr, mit dem böse-wirkenden, durchgängig-schwarzen Kühlergrill. Als Filmauto (Bullitt, Ein Duke kommt selten allein, The Fast and the Furious) war er daher immer für Bösewichte oder Anti-Helden reserviert. Ein Image, das der Hersteller selbst gern nutzt: Anlässlich der Tuningmesse SEMA baute Dodge 2018 einen 1968er Charger zum Restomod um.

Zugegeben: Das Auto selbst war hauptsächlich Blickfang. Es ging vor allem um den „Hellephant“-Motor. Dodge war schon immer gut in kreativer Namensgebung, daher diesmal „ein Elefant aus der Hölle" – ein 7 Liter V8-Kompressor-Aggregat mit 1.000 PS. Dodge verkauft den Antrieb als sogenannten „Crate Engine“ (Kistenmotor) für 30.000 Dollar. Bedeutet: Es gab den Motor einzeln zu kaufen, für eigene Umbauten. Bereits nach zwei Tagen war die erste Charge ausverkauft.

Umfangreiche Modifikation waren nötig, um die brachiale Kraft dieses Elefanten in einem Auto der 60er-Jahre zu bändigen: Neben dem kompletten Antriebsstrang und Chassisverstärkungen gab es obendrauf noch neue Achsen sowie eine moderne Bremsanlage. Auch optisch legte Dodge viel Wert auf Details und bediente sich an seinem gesamten Teilekatalog: Die Außenspiegel stammen zum Beispiel von einem 1971er Plymouth Duster.

Audi Sport Quattro (Replica): Ken Blocks Dienstwagen

(Bild: LCE Performance GmbH)

Drift-Star Ken Block hat den Sponsor gewechselt. Er fährt nicht mehr Ford sondern Audi. Sein erstes Auto aus Ingolstadt ist ein ganz besonderer Restomod: Block fährt eine modernisierte Replica des Sport Quattro. Das Original wurde nur 200-mal gebaut und war ein Homologationsfahrzeug für die legendären 80er-Jahre Rally-Fahrzeuge der Gruppe B. Es ist zu selten um damit spektakulären Unsinn anzustellen. Blocks Auto stammt also vom Expertenbetrieb LCE Performance und besteht aus dem Chassis eines Audi Quattro Coupés und den Teilen einer Audi 80 Limousine (B2). Auf ähnliche Weise entstanden bei Audi einst die echten Autos.

Unter der Haube des Nachbaus grollt ein Motor im Stil der Vorlage: Fünfzylinder, riesiger Turbo. Technisch hat der aber nur noch die Zündreihenfolge mit dem Original gemeinsam. Der Motorblock stammt aus einem VW Bus, der Kopf aus einem Audi S2. So ausgestattet leistet der Antrieb rund 730 PS.

Und es bleibt Luft nach oben. Mit noch verdichteterer Luft leistet der Motor über 1.000 PS – aus rund 2,4 Litern Hubraum (!) – bei kaum mehr als einer Tonne Fahrzeuggewicht. Überrollkäfig, Porsche-Bremsen und ein aufwändiges Fahrwerk von KW helfen dabei, die Leistung zu kontrollieren. Elektronische Helfer gibt es nicht. LCE Performance fertigt Nachbauten des Sport Quattro mit moderner Technik auf Kundenwunsch. Basispreis: Etwa 90.000 Euro.

Mercedes 600 Pullman Restomod: Nachträglicher Maybach

(Bild: Mechatronik GmbH)

Promis lieb(t)en dieses Auto: Der Mercedes 600 Pullman gehörte zu den Fuhrparks von David Bowie, Elvis Presley, Liz Taylor, John Lennon, Ringo Star und vielen weiteren Weltstars und politischen Eliten. Er war in den 1960er und 70er Jahren das, was die S-Klasse heute gern wäre. In seiner längsten Variante misst der Benz 6,24 Meter und bietet Platz für bis zu acht Personen. Er war in Sachen Luxus und schierer Opulenz unübertroffen und damals mit nichts auf der Straße vergleichbar.

Besonders beeindruckend: Fensterheber, Schiebedächer(!) und Sitzverstellung funktionieren hydraulisch, somit gänzlich lautlos. Die Technik dahinter ist so aufwendig, dass selbst Rolls Royce, Bentley und Mercedes heutzutage darauf verzichten. Einer der gut 300 gebauten Pullman-Viertürer wurde bei Mercedes Benz Classic für drei Millionen Euro modernisiert: Das Einzelstück beherbergt das Interieur eines Maybach 62 und es dauert fast sieben Jahre, ihn fertigzustellen. Die moderne Limousine stiftet elektrische Sitze mit Heizung, Kühlschrank, Fernseher, DVD-Player samt Surroundsystem und viel Leder.

Das Thema Restomod beschränkt sich hier auf den Innenraum. Unter der Haube arbeitet der serienmäßige 6,3-Liter-Achtzylinder mit 250 PS und langsamer Wandler-Automatik. Trotz des Drehmoments nicht gerade viel für ein Leergewicht von mindestens 2,7 Tonnen. Aber Beschleunigung ist sowieso eher unwichtig für die Luxus-umhüllten VIPs auf den Rücksitzen. Nicht das die teuren Swarovski Champus-Flöten hinten umkippen.

Titelbild: Singer Vehicle Design

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