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Darum werden Autos immer größer
25. Mai 2021
Autogeschichte

Darum werden Autos immer größer

Enge Parkplätze und kleine Wendekreise im Parkhaus kennt jeder. Doch es sind nicht die Parkhäuser, die kleiner geworden sind. Autos sind in den letzten Jahren stets gewachsen. Diese Realität beschränkt sich allerdings nicht nur auf klassisch große Fahrzeugklassen wie SUVs ‒ die mittlerweile oft als Familienautos und nicht mehr nur als geliebte Geländewagen dienen ‒ sondern gilt von Kleinwagen bis Oberklasse für nahezu alle Fahrzeuge.

Wir schauen uns an, welche Fahrzeuge größer geworden sind, finden raus warum und stellen Vor- und Nachteile dieses Trends heraus.

Die Gründe für größer werdende Fahrzeuge

Schon seit jeher kann ein Auto ein Prestigeobjekt und Statussymbol sein. Wer früher ein großes Auto fuhr, hatte vermeintlich Macht, Einfluss und Geld. Menschen mit großen Autos galten mitunter der gehobenen Gesellschaft zugehörig – einem kleinen Kreis, dem viele Menschen angehören wollten. Solche Gedanken sind in ihren Grundfesten in vielen Köpfen noch fest verankert, sodass große Auto schnell mit Prestige und Wohlstand in Verbindung gebracht werden.

Während der Wunsch nach Prestige eher ein psychologischer Grund ist, gibt es jedoch einige rationale Gründe für das Wachstum unserer Autos: Mit zunehmender Größe nehmen auch die Einsatz- und Nutzungsmöglichkeiten der Fahrzeuge zu. Sei es durch erweiterte Kofferräume, die Laderaum für sperrige Gegenstände bieten oder mehr Sitze für das Familienauto – mit mehr Platz eröffnen sich neue Möglichkeiten und Ideen. Demnach ist es nicht verwunderlich, dass viele Kunden das Verlangen nach immer größer werdenden Fahrzeugen haben.

Die Fahrzeughersteller reagieren allerdings nicht nur auf die Kundenwünsche, sondern auch auf neue Sicherheitsvorschriften. Das Erreichen der Höchstwertung im bedeutungsvollen Euro-NCAP-Crashtest sehen viele Fahrzeughersteller als Pflichtaufgabe. Die Anforderungen des Tests wachsen mit der Zeit. Zu den Kriterien zählen unter anderem passive Sicherheitstechniken wie das Implementieren einer sicheren Crashstruktur und die aktive Sicherheitstechnik zur Unfallprävention, beispielsweise durch Assistenzsysteme wie den Notbremsassistent. In aktuellen Fahrzeugen sind teilweise bis zu 100 Steuergeräte zur Umsetzung der Fahrzeug- und Sicherheitsfunktionen notwendig – diese müssen alle untergebracht werden.

Neben zahlreichen Sicherheitssystemen beansprucht auch der Wandel zur Elektromobilität sehr viel Platz. Zwar sind Elektromotoren kompakter konstruiert als Benzin- oder Dieselmotoren, dafür nimmt die Batterie deutlich mehr Platz ein als ein üblicher Kraftstofftank. Häufig sind Batterien in der Nähe des Kofferraums oder im Unterboden verbaut, wodurch die Fahrzeuge in Länge und Breite wachsen. Nur so kann das Raumangebot in für Mensch und sonstige Ladung aufrechterhalten werden.

Diese Modelle wurden über die Jahre größer

Am Beispiel von drei Fahrzeugen illustrieren wir im Folgenden die Entwicklung der Größenverhältnisse der letzten Jahre, ausgehend von Fahrzeuglänge und -breite.

VW Golf

  • Eines der bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Autos ist der VW Golf, der 1974 in seiner ersten Generation vorgestellt wurde. Damals war er mit einer Länge von 3.705 mm und einer Breite von 1.610 mm noch sehr überschaubar und kompakt.

  • Der im Jahr 1983 vorgestellte Nachfolger wuchs in der Länge auf 3.985 mm und in der Breite auf 1.665 mm.

  • Der Golf III aus dem Jahr 1991 übertraf mit einer Länge von 4.020 mm erstmals die Vier-Meter-Marke und kam auf eine Breite von 1.695 mm.

  • Auch die 1997 vorgestellte vierte Generation setzte sich dem Wachstumstrend nicht entgegen und kam auf eine Länge von 4.149 und eine Breite von 1.735 mm.

  • Mit 4.204 mm ist der Golf V aus dem Jahr 2003 nochmals 55 mm länger als sein Vorgänger und 24 mm breiter.

  • Seit Einführung des VW Golf war der Golf VI das erste Modell, das gegenüber der Vorgängergeneration nicht wuchs, sondern mit einer Länge von 4.199 mm sogar leicht schrumpfte. In der Breite legte der 2008 vorgestellte Kompaktwagen jedoch um 20 mm zu.

  • Die siebte Generation kam 2012 auf den Markt und nahm mit einer Länge von 4.255 mm und einer Breite von 1.799 mm den Wachstumstrend wieder auf.

  • Der Golf 8 stellt die aktuelle Generation dar und ist seit 2020 erhältlich. Mit einer Länge von 4.284 mm ist er das bisher längste Golf-Modell (die Variant-Modelle lassen wir hier außen vor), jedoch fällt er genau 10 mm schmaler aus als sein Vorgänger.

Vergleicht man die erste und die aktuelle Generation wird auffällig, welche Wachstumsschub der Golf bekommen hat. Innerhalb von 46 Jahren legte er insgesamt 579 mm in der Länge und 179 mm in der Breite zu. Zum Vergleich: Der erste VW Passat (also eine Fahrzeugklasse höher) war 4.200 mm lang. Damit ist das heutige Modell der Kompaktklasse länger als die erste Generation dieses Mittelklassewagens.

Audi A4

Der erste Audi A4 wurde 1994 eingeführt (Bild: Audi)
  • Der Audi A4 feierte seine Geburtsstunde im Jahr 1994 als Nachfolger des Audi 80 – mit einer Länge von 4.479 und einer Breite von 1.733 mm.

  • Die zweite Generation mit dem Modellcode B6 wurde 2000 vorgestellt. Im Vergleich zum Vorgänger B5 wuchs sie in der Länge um 69 auf 4.548 mm und in der Breite um 31 auf 1.764 Millimeter.

  • Der 2004 präsentierte A4 B7 kam auf eine Länge von 4.586 und eine Breite von 1.772 mm, womit er den Trend fortsetzte.

  • Vier Jahre später lief das erste Modell der vierten Generation vom Band, die im Vergleich zum B7 nochmal deutlich in der Länge zulegte und auf 4.703 mm kam. Auch die Fahrzeugbreite nahm um 54 mm zu.

  • Seit 2015 ist die fünfte und aktuelle Generation des Audi A4 auf dem Markt. Mit 4.726 mm wuchs sie nochmals ein wenig im Vergleich zum Vorgänger und auch mit Blick auf die Fahrzeugbreite von 1.842 mm ist der B9 der größte jemals gebaute Audi A4.

Die aktuelle A4-Generation ist um 247 mm länger und 93 mm breiter als der B5 aus dem Jahr 1994 und beliebt Fahrzeug für Familien. In diesem Vergleich haben wir die Maße der Stufenheck-Limousinen herangezogen, bei der der Kofferraum klar vom Dach des Fahrzeugs abgegrenzt ist.

(Bild: Audi)

Mercedes E-Klasse

  • Die E-Klasse von Mercedes Benz ist der Inbegriff der deutschen Oberklasse. Die erste ihrer Art wurde 1977 vorgestellt und war 4.640 mm lang sowie 1.786 mm breit.

  • Die zweite Generation (Baureihe 124) aus dem Jahr 1984 wuchs um 100 mm auf 4.740 mm, fiel mit einer Breite von 1.740 mm jedoch etwas schmaler aus.

  • Der 1993 präsentierte Nachfolger wurde zwar optisch runderneuert, die Abmessungen von Länge und Breite blieben im Vergleich zur Baureihe 124 jedoch unverändert.

  • Die vierte Generation ab 2002 nahm den Wachstumstrend wieder auf und kam auf eine Länge von 4.818 und eine Breite von 1.822 mm.

  • Im Jahr 2009 kam die Baureihe 212 mit einer Länge von 4.868 und einer Breite von 1.854 mm auf den Markt.

  • Seit 2016 ist die sechste und damit aktuelle Auflage der Mercedes Benz E-Klasse auf den Straßen unterwegs. Das 4.923 mm lange Modell kratzt bereits an der Fünf-Meter-Marke, allerdings ist das Modell im Vergleich zum Vorgänger zwei Millimeter schmaler.

In ihrer 44-jährige Geschichte ist auch bei der E-Klasse ein deutliches Wachstum zu erkennen. 283 mm in der Länge und 66 mm in der Breite wuchs die Oberklasse. Damit ist das aktuelle Modell sogar länger als die erste S-Klasse von 1965 (4.900 mm). Alle Maßangaben beziehen sich jeweils auf die Limousine mit Stufenheck.

Vorteile von größeren Autos

Der offensichtlichste Vorteil großer Autos ist das zusätzliche Platzangebot. Fahrer und Mitfahrende profitieren vom Komfort eines Fahrzeugs mit großzügiger Bein- und Kopffreiheit. Große Menschen stoßen sich die Köpfe nicht an oder brauchen ihre Beine nicht verrenken. Dieses gesteigerte Platzangebot wird nicht nur in Familienautos mit besonders hohem Platzbedarf begrüßt, sondern gilt für jeglichen Auto- und Nutzungstyp.

Ein weiterer Vorteil ist der oftmals gesteigerte Komfort während der Fahrt – auch für Menschen mit durchschnittlicher Körpergröße. Durch eine wachsende Fahrzeuglänge nimmt meist auch der Radstand zu, wodurch Unebenheiten in der Fahrbahn weniger spürbar sind. Breitere Fahrzeug liegen üblicherweise souveräner auf der Straße.

Darüber hinaus können Fahrzeuge mit größeren Abmessungen sicherer gebaut werden. Durch eine ausgeprägte Crashstruktur um die Insassen herum sinkt das Risiko für Verletzungen im Falle eines Unfalls deutlich.

Um Unfälle jedoch von vornherein zu verhindern, ist in großen Autos viel Platz für unterschiedliche Sicherheitssysteme, denn solche Technologien benötigen Raum. Vor allem Fahrerassistenzsysteme auf Kamera-, Radar-, Ultraschall- und Lidar-Basis helfen wirkungsvoll, Unfälle zu vermeiden.

Nachteile von größeren Autos

Ein bedeutender Nachteil größer werdender Fahrzeuge ist die schwindende Übersichtlichkeit. Je länger ein Fahrzeug ist, desto schwieriger ist es, die genauen Grenzen an Front und Heck abzuschätzen. Bei Fahrzeugen mit langen Motorhauben ist es für Fahrer schwerer abzuschätzen, wo genau die Karosserie endet. Vor allem beim Rangieren sind meist kostspielige Fahrerassistenzsysteme wie Einparkhilfen oder Rückfahrkameras notwendig.

Ein weiterer Nachteil sind die Parkplätze und Straßen, die nicht mit den Fahrzeugen mitwachsen. Gerade Parkhäuser treiben durch enge Kurvenradien und schmale Parkplätze so manchem Fahrer eines großen Autos Schweißtropfen auf die Stirn. Ein üblicher Parkplatz in einem Parkhaus ist 2,30 Meter breit und fünf Meter lang. Etwa 15 Prozent der aktuell auf dem Markt befindlichen Modelle ragen über diese Parkplätze hinaus.

Große Fahrzeuge bieten häufiger schlechte Werte bei Spritverbrauch und Schadstoffemissionen. Wachsende Abmessungen sind mit Gewichtszunahme verbunden, denn prinzipiell bedeutet mehr Material eben mehr Gewicht, das bewegt werden muss. Auch der Luftwiderstand kann aufgrund wachsender Fahrzeugbreiten und -höhen deutlich zunehmen. Um dem entgegenzuwirken, arbeiten die Hersteller an verschiedenen Möglichkeiten das auszugleichen: Leichtbau, effizientere Antriebe und aerodynamische Karosserien.

Große Autos bleiben im Trend

Ein klares Fahrzeugwachstum über die Zeit ist nicht zu leugnen. Offensichtlich ist es beim SUV-Trend, doch auch Autos anderer Klassen sind über die Jahre deutlich größer geworden. Ob Single-Kleinwagen oder Familienauto, Fahrzeuge wachsen.

Das Wachstum kann durch strengere Sicherheitsanforderungen und neue Antriebs- sowie Komfortsysteme erklärt werden, aber auch durch den Wunsch der Fahrer nach mehr Raum. Dafür büßen wir in manchen Fällen die Übersicht ein, haben zum Teil schlechtere Verbrauchs- und Emissionswerte und einen erhöhten Puls bei der Parkplatzsuche. Auch wenn es vermutlich nicht ewiges Wachstum geben kann, ein Ende des Trends ist bislang nicht in Sicht.

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