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Darum sind die richtigen Reifen bei Elektroautos wichtig
16. September 2021
Elektromobilität

Darum sind die richtigen Reifen bei Elektroautos wichtig

Eine Studie des Marktforschungsunternehmens Ceresana rechnet für das Jahr 2030 mit rund 34 Millionen Elektroautos in ganz Europa. Da lohnt sich ein genauerer Blick auf die Elektrofahrzeuge und die Änderungen, die sie für Hersteller, Fahrer und den Verkehr mit sich bringen.

Neben Diskussionen um Ladestationen und Reichweiten, ist auch die Bereifung von Elektroautos eine besondere Herausforderung. Wir erklären dir im Folgenden, worauf es bei den Reifen für Stromer ankommt und welchen Einfluss die Pneus für E-Autos auf unsere Umwelt haben.

Wichtige Eigenschaften für die Reifen deines Elektroautos

Aufgrund ihrer Charakteristik stellen Elektroautos teils andere Anforderungen an ihre Bereifung als konventionelle Verbrenner. An dieser Stelle haben wir für dich die fünf wichtigsten Eigenschaften zusammengefasst.

Geringer Rollwiderstand für eine hohe Reichweite

Nach wie vor ist die Reichweite von Elektrofahrzeugen ein entscheidender Nachteil im Vergleich zu Verbrennern. Die Entwicklung der Batterie ist hinsichtlich der Energiedichte und Temperaturresistenz noch nicht so weit fortgeschritten, um an Otto- bzw. Dieselmotoren heranzukommen. Daher ist es essenziell Parameter zu eliminieren, die sich negativ auf die Energieeffizienz auswirken und so die Reichweite zu erhöhen.

Der Rollwiderstand spielt dabei eine wichtige Rolle für die Reichweite des Fahrzeugs. Je größer der Widerstand, desto mehr Energie wird gebraucht, um ihn zu überwinden. Es gilt also: Je größer der Rollwiderstand, desto kleiner die Reichweite. Eine geringere Reifenbreite kann den Rollwiderstand verringern, da schmale Reifen eine weniger Kontaktfläche mit der Fahrbahn haben. Wichtig dabei ist, dass auch bei schmalen Reifen die Fahrsicherheit gewährt ist.

Die optimale Abstimmung mit der Felge ist hier wichtiger denn je, andernfalls würden Elektrofahrzeuge in den Kurven zum Wanken und Rollen neigen – wie bei einem alten Käfer. Außerdem darf die geringere Auflagefläche der Reifen nicht zu Lasten des Grips gehen und so eventuell den Bremsweg (bedenklich) erhöhen.

Neben Reifenbreite sind Gummimischung, Profil und der Reifenunterbau Stellschrauben für einen geringeren Rollwiderstand. Bei konventionellen Sommerreifen liegt der Rollwiderstandskoeffzient zwischen sieben und neun Kilogramm je Tonne Fahrzeuggewicht, bei Ganzjahresreifen und Winterreifen üblicherweise etwas höher.

Leichtlauf- und Eco-Reifen erzielen dagegen Werte von 6,5 Kilogramm je Tonne, teilweise noch weniger. Experten gehen davon aus, dass pro Tonne je Kilogramm reduziertem Rollwiderstand, die Reichweite um drei bis vier Prozent steigt. Bei einem Tesla Model S mit einer Reichweite von etwa 500 Kilometern bedeutet das ein Plus von ca. 20 Kilometern.

Hohe Traglast für schwere Elektroautos

Der Motor von Elektrofahrzeugen ist in der Regel verhältnismäßig leicht, die Batterie hingegen deutlich schwerer als ein voller Tank. Daher wiegt ein Elektroauto im Schnitt zwischen 200 und 500 Kilogramm mehr als ein Verbrenner der gleichen Fahrzeugklasse.

Reifen für Elektroautos müssen somit eine höhere Traglast aufweisen. Bei der Reifenwahl solltest du auf den richtigen Last-Index achten. Diesen findest du in deiner Zulassungsbescheinigung I, alternativ kannst du die Informationen auch direkt beim Händler oder Hersteller abfragen. Neben dem richtigen Last-Index wirkt sich auch der Reifendruck auf die Tragfähigkeit des Pneus aus. Und: Geringer Reifendruck führt zu einem höheren Rollwiderstandskoeffizienten und damit zu erhöhtem Verschleiß.

BMW setzt als erster Hersteller Reifen aus FSC-zertifiziertem Naturkautschuk von Pirelli ein. (Bild: BMW)

Robuste Laufflächen gegen starken Reifenverschleiß

Elektroautos können im Vergleich zu Verbrennern, ein wesentlich höheres Drehmoment anlegen: Im Prinzip ab null Umdrehungen. Schon aus dem Stand heraus können ihre Motoren ihr volles Drehmoment entfalten und brauchen somit keine Drehzahlen. Auf der einen Seite führt das zum einem rasanten Beschleunigungsverhalten, auf der anderen setzt es die Bereifung einer hohen Belastung aus – vor allem bei ungeübten Fahrern. Carsharing-Firmen die Elektroautos im Sortiment haben, können davon ein Liedchen singen.

Geringe Geräuschentwicklung für angenehmen Komfort

Eine Besonderheit von Elektrofahrzeugen ist die geringe Lautstärke. Statt der gewohnten Geräusche von Benziner und Diesel (rattern, brummen oder röhren), ertönt beim Elektromotor nur ein leises Fiepen. Bei geringen Geschwindigkeiten sind Elektroautos so leise, dass das Europäische Parlament die Verordnung Nr. 540/2014 erlassen hat.

Demnach müssen alle Elektroautos bei Geschwindigkeiten bis 20 km/h ein künstliches Motorgeräusch erzeugen, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Doch warum nur bis 20 km/h? Bei höheren Geschwindigkeiten kommen klar wahrnehmbare Luft- und Abrollgeräusche ins Spiel. Damit du bei allen Geschwindigkeiten die Laufruhe des Elektromotors genießen kannst, sollte die Bereifung möglichst geringe Abrollgeräusche verursachen.

Die Sicherheit darf nicht zu kurz kommen

Trotz aller Anforderungen an die Bereifung darf eines nicht vernachlässigt werden – die Sicherheit. Die Herausforderung, einen schmalen Reifen mit geringem Rollwiderstand und robuster Lauffläche zu entwickeln, ist nicht allzu groß. Einen solchen Reifen zu entwickeln und vergleichbare Fahreigenschaften wie die eines konventionellen Autoreifens beizubehalten, dagegen schon.

Aus technischer Sicht sind die Maximierung von Bodenhaftung und Minimierung von Rollwiderstand direkte Gegensätze. Die parallele Perfektion beider Eigenschaften ist daher nahezu ausgeschlossen. Vielmehr gilt es, sämtliche Parameter so zu wählen, um einen guten Kompromiss aus Effizienz, Sicherheit, Komfort und Preis zu finden. Durch die Fortschritte in der Entwicklung von Gummimischungen sind die Hersteller heute in der Lage, energieeffiziente Reifen zu produzieren, die immer noch einen akzeptablen Grip bieten.

Erhöhte Umweltbelastung durch Reifen von Elektroautos?

Feinstaub ist derzeit ein stark diskutiertes Thema. Eine signifikante Quelle für Feinstaub ist der Abrieb von Bremsen und Reifen. Durch die Verbreitung von Elektroautos wird befürchtet, dass sich dieses Problem verschärft. Zwar wird die Scheibenbremse bei Elektroautos durch Rekuperation nicht so stark beansprucht wie bei konventionellen Verbrennern, der Reifenabrieb ist allerdings aufgrund des hohen Drehmoments beim Anfahren und Beschleunigen umso höher.

Russischer Löwenzahn wird als Alternative für Naturkautschuk erforscht. (Bild: iStock)

Wie hoch die Feinstaubbelastung durch Reifenabrieb ist, zeigt eine Studie von Emissions Analytics. In einem Langzeittest über 30.000 Kilometer wurde die durch Reifenabrieb verursachte Feinstaubmenge an einer Mercedes C-Klasse gemessen, die mit Continental Contisport 6 bereift war. Das Ergebnis war erschreckend: 76 Milligramm Feinstaub sonderten die Reifen pro Kilometer ab. Das entspricht der fünfzehnfachen Menge der durch Abgase erlaubten Rußmenge. Bei einer zusätzlichen Beladung von zulässigen 570 Kilogramm stieg die Feinstaubbelastung auf bis zu 194 Milligramm pro Kilometer an.

Die Studie unterstreicht den Einfluss des Fahrzeuggewichts eines Elektroautos auf die Belastung durch Feinstaub. Besonders in Bereichen großer Längs- und Querbeschleunigungen, also beispielsweise an Kreuzungen mit engen Kurvenradien, erhöht sich der Reifenabrieb stark.

Um dem hohen Reifenabrieb bei Elektroautos entgegenzuwirken, arbeiten Reifenhersteller bereits an Pneus, die auf die Charakteristik des Elektroantriebs zugeschnitten sind. Michelin beispielsweise nutzt 3D-Druck, um besonders feine Strukturen innerhalb des Reifens zu schaffen. Selbst bei der gesetzlichen Mindestprofiltiefe von nur 1,6 Millimetern erreichen die Reifen, laut Michelin, noch die volle Bremsleistung.

Auch mit alternativen Rohstoffen zu synthetischem Gummi und Naturkautschuk wird experimentiert. Forscher arbeiten zum Beispiel an Autoreifen, die auf Russischem Löwenzahn basieren. Der Russische Löwenzahn soll eine Alternative zum weit verbreiteten Saft des Kautschukbaums darstellen. Bis es allerdings Reifen aus alternativen Rohstoffen in die Serienproduktion schaffen, werden noch einige Jahre vergehen. Experten gehen davon aus, dass wir mindestens bis 2050 auf „grüne“ Reifen warten müssen.

Reifen ist nicht gleich Reifen

Wie du siehst, ist die Wahl des richtigen Reifens kein lapidares Unterfangen, erst recht nicht für ein Elektroauto. Das höhere Fahrzeuggewicht und Drehmoment sind entscheidende Faktoren. Im Gegensatz zu Reifen für Verbrenner, solltest du bei den Pneus für dein Elektrofahrzeug die Traglast und den Rollwiderstand beim Reifenkauf berücksichtigen.

Mit unseren Tipps findest du ganz bestimmt die perfekte Bereifung, um möglichst energieeffizient, leise, und sicher unterwegs zu sein.

Titelbild: Audi

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