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Dacia Spring Electric im Test
18. Mai 2022
Autotests

Dacia Spring Electric im Test

Pros & Cons

Niedriger Preis
Unkomplizierte Handhabung
Kompakte Abmessungen
Gewöhnungsbedürftige Lenkung
Kaum Komfort-Extras
Nicht sehr effizient

Mit Superlativen hat Dacia es nicht so. Außer beim Preis. Da setzt die Renault-Marke gerne die Benchmark, wie man bei ihr selbst vermutlich nie sagen würde. Bodenständigkeit, gut abgehangene Technik und günstige Preise, darum geht es den Rumänen. Und darum geht es beim Dacia Spring, dem ersten Auto der Marke mit Elektroantrieb. Das Mini-SUV trägt kaum auf, der kleine Akku soll für 230 Kilometer Reichweite gut sein, der Motor leistet nur das Nötigste.

Und der Preis? Mit 20.940 Euro kostet der Dacia Spring mehr als doppelt so viel wie das günstigste Auto Deutschlands (natürlich auch ein Dacia). Aber für weniger Geld gibt es E-Mobilität nicht. Worauf man beim Dacia Spring Electric verzichten muss, klärt unser Test.

Dacia Spring Electric: Karosserie und Design

Besonders aufregend sieht der Dacia Spring nicht aus. Unterm konventionellen Blech könnte ein kleiner Benziner stecken, man würde sich nicht wundern. Nicht mal das optionale „Look Paket“ mit orangen Plastikteilen an Frontschürze, Flanken, Außenspiegeln und Dachreling zieht ernsthaft Blicke auf sich. Immerhin bringt es ein wenig Farbe ans (silber-)graue Auto.

Etwas Moderne steuern die gepfeilten Rückleuchten-Grafiken bei. Wer kleine Renault-SUVs mag, der wird auch am Dacia Spring etwas finden. Kein Wunder, in China fährt er seit 2019 als Renault City K-ZE durch die Gegend. Mit 3,73 Metern Länge fällt er angenehm kurz aus, mit 1,77 Metern Breite passt er auch in schmale Parklücken.

Innenraum, Verarbeitung und Raumangebot im Dacia Spring Electric

Gemessen an dieser Größe ist das Kofferraumvolumen okay. 290 Liter passen hinter die Rückbank. Legt man sie um – das geht nur ganz oder gar nicht – werden es 1100 Liter. Dabei entsteht eine unpraktische Stufe, wie man sie seit Erfindung des doppelten Kofferraumbodens nur noch selten sieht. Die Ladekante liegt hoch, die Heckklappe gibt nur einen kleinen Ausschnitt frei.

Das Cockpit des Dacia Spring Electric fällt minimalistisch aus, ebenso die Verarbeitung. (Bild: TeamOn)

Ansonsten sieht und fühlt man dem Spring an, dass Dacia sparsam haushaltet. Die Teppiche wirken nicht besonders hochwertig, die Oberflächen bestehen durchweg aus Hartplastik. Es sind lediglich die orangenen Akzente des Look-Pakets, die mit ein paar Farbtupfern auflockern.

Noch ein Hinweis für Nicht-Asketen: Die Zuladung des Viersitzers fällt mit 255 Kilo so gering aus, dass zum 68 Kilo schweren Norm-Fahrer mit 7 Kilo schwerem Normgepäck die drei möglichen Passagiere je maximal 85 Kilo wiegen dürfen. Macht vielleicht nichts, allzu viel Platz für Knie finden schon mittelgroß gewachsene Passagiere nicht. Die Kopffreiheit immerhin genügt sogar Sitzriesen.

Hinterm Lenkrad des Mini-SUV sitzt man das angenehme Quäntchen höher als in den meisten Pkw, das hilft der Übersicht. Eine gute Sitzposition zu finden, fällt jedoch schwer. Das Lenkrad lässt sich gar nicht verstellen, der Sitz nur in der Länge. Nach hinten und beim Abbiegeblick über die Schulter schränken die kleine Heckscheibe und die dicke C-Säule das Sichtfeld stark ein.

Infotainment, Bedienung und Assistenzsysteme

Das Infotainment des Dacia Spring Electric ist äußerst benutzerfreundlich. (Bild: TeamOn)

Im Testwagen mit der Comfort Plus Ausstattung sitzt ein Multimediasystem mit sieben Zoll großem Touchscreen im Armaturenbrett. Der lässt sich gut erreichen und über die großen Schaltflächen tadellos bedienen. Die Menüstruktur ist wegen des überschaubaren Funktionsumfangs leicht beherrschbar. Das Nötigste ist an Bord. Es gibt ein Navi, Bluetooth und wer mag, kann sein Smartphone via Apple Carplay und Android Auto auf den Bildschirm spiegeln.

Gerade für die Navigation ist das ohnehin sinnvoll. Der Spring Electric verfügt anderenfalls nicht über Live-Traffic-Informationen. Von der Routenplanung inklusive Ladestopps ganz zu schweigen. Insofern ergibt das Basismodell Spring Comfort Sinn. Das verfügt über ein DAB+-Radio mit USB-Anschluss und Bluetooth. Wer sich dazu eine Smartphone-Halterung besorgt, kann im Grunde genauso gut navigieren und muss neben dem Multimediasystem nur auf Metallic-Lack und die Einparkhilfe mit Rückfahrkamera verzichten.

Eine manuelle Klimaanlage ist immer an Bord, eine Klimaautomatik gibt es nicht mal gegen Geld. Die Klimaanlage wird mit griffigen, gut erreichbaren Drehknöpfen bedient. Gewöhnungsbedürftig ist der Schalter für den Tempobegrenzer, der weit unten auf der Mittelkonsole neben dem 12-Volt-Anschluss versteckt ist. Hat man ihn dort scharf gestellt, lässt sich der Rest übers Lenkrad bedienen.

An weiteren Assistenten ist wenig an Bord. Der Spring verfügt über einen Bremsassistenten und Fahrlichtautomatik. Das erklärt zum Teil, warum der Spring bei den Crash-Testern von EuroNCAP nur einen von fünf möglichen Sternen erreicht. Der Rest erklärt sich durch die eher schlechten Wertungen bei der Insassensicherheit für Erwachsene (49 %) und Kinder (56 %) sowie beim Fußgängerschutz (39 %).

Dacia Spring Electric: Motor, Reichweite, Fahrwerk, Lenkung

33 kW (44 PS) Leistung und 125 Newtonmeter Drehmoment mögen mager klingen. Im Stadtverkehr fühlt man sich damit dennoch nicht untermotorisiert. Der Dacia Spring startet an der Ampel zügig und wirkt erst träge, wenn es Richtung Landstraßentempo geht. 125 km/h sind theoretisch möglich, doch wohler fühlt er (und man) sich bei niedrigeren Geschwindigkeiten.

Das Fahrwerk hingegen federt grobschlächtig und gibt akustisch zu viel Rückmeldung über den Straßenzustand. Ansonsten bekommt man zu wenig davon mit, was unter den Reifen passiert. Die Lenkung wirkt teigig, gefühllos und beeindruckt durch ein so geringes Rückstellmoment, dass man sie nach der Kurve manuell zentrieren muss, will man nicht vom rechten Weg abkommen.

Den sucht man im Allgemeinen in der Stadt, dafür ist der Dacia Spring in erster Linie gedacht. 27,4 kWh Strom fasst der Akku, was für 230 Kilometer Reichweite genügen soll. Im Alltag lässt sich das unter guten Bedingungen im Stadtverkehr gerade so erreichen. Im gemischten Betrieb ohne Autobahn sollte man lieber mit 200 Kilometern kalkulieren. Wer auch nur gelegentlich schneller fährt, plant lieber nach 150 bis 180 Kilometern einen Ladestopp ein.

An einer Schnellladesäule lädt der Spring nur mäßig schnell: 30 kW Ladeleistung sind es maximal. Womit der kleine Akku in einer knappen Stunde von 0 auf 80 Prozent geladen wird. Falls die Umstände das hergeben. Der Spring temperiert den Akku nicht vor, so dass die tatsächliche Ladeleistung bei niedrigen Außentemperaturen deutlich kleiner ausfallen kann. In einem Fall schaffte er im Test in einer Dreiviertelstunde lediglich rund 7 kWh. Das schaffen andere Autos an Wechselstrom. Dort lädt der Dacia Spring nur einphasig mit bis zu 3,7 kWh. Besser ist es also, man hat eine Möglichkeit, ihn über Nacht an eine Wallbox anzuschließen.

Dacia Spring Electric: Preis, Ausstattung, Alternativen

In der Liga der Elektroautos ist der Dacia Spring Electric preislich unschlagbar. (Bild: TeamOn)

Und damit zur Kernkompetenz des Dacia Spring Electric: Dem Preis. 20.940 Euro verlangt Dacia für die Basisversion, das getestete “Comfort Plus”- Modell mit “Look”-Paket liegt bei 22.090 Euro. Fürs Gebotene eigentlich zu teuer – würde es sich nicht um ein Elektroauto handeln. Dank Elektroprämie zahlen Käufer tatsächlich nur 11.370 Euro bzw. 12.520 Euro. Dafür gibt es zwar andere Kleinstwagen, aber keine elektrischen.

Die Ausstattung ist schon in der Comfort-Version fast komplett. Lediglich Metallic-Lack, Einparkhilfe für hinten mit Rückfahrkamera und das Multimediasystem Media-Nav Evolution mit Navi und 7-Zoll-Touchscreen kommen noch hinzu. Und natürlich die orangen Highlights, sowie die Schnellladefunktion für Gleichstrom. Die gibt es nicht mal bei Comfort Plus inklusive, 700 Euro verlangt Dacia für den CCS-Ladeanschluss. Serienmäßig steckt das Nötigste im Auto. Die Klimaanlage ist stets an Bord, das DAB+-Radio, zweimal Isofix auf der Rückbank, elektrische Fensterheber vorne und hinten, LED-Tagfahrlicht sowie eine Lichtautomatik.

Auf unserer Wunschliste für ein Elektroauto stehen allerdings mehr Extras: Lenkrad- und Sitzheizung zum Beispiel, weil sie den Heizaufwand reduzieren und die Reichweite weniger angreifen. Scheinwerfer mit Xenon- oder LED-Technik wären ebenfalls fein, die serienmäßigen Halogen-Lampen leuchten deutlich zu schwach. Gibt es leider alles nicht.

Aber eben auch wenig Konkurrenz. Lediglich der VW e-Up bewegt sich grob in ähnlichen Preisregionen. Nachdem VW ihn zwischenzeitlich aus dem Programm genommen hatte und im Frühjahr 2022 wieder aufnahm, stieg der Preis allerdings. 26.895 Euro kostet der Kleinstwagen in der Ausstattung Style „Plus“. Dafür fährt er sparsamer und raffinierter als der Dacia Spring. Zudem wirkt er wertiger und lädt mit bis zu 40 kW an Gleich- und bis zu 7,4 kW an Wechselstrom.

Fazit: Für den Dacia Spring spricht nur sein Preis

Preiswert bedeutet nicht immer automatisch, dass es sich um ein Schnäppchen handelt. (Bild: TeamOn)

Es ist ein bisschen schade. Man will den Dacia Spring Electric mögen, wegen seiner sympathischen Grundidee der elektrischen Basismobilität zum günstigen Preis. Doch leicht macht er es einem dabei nicht. Selbst, wenn man bereit ist, über das ein oder andere großzügig hinwegzusehen. Über das billige Interieur oder die verbesserungswürdige Ladeleistung. Auch über das polterige Fahrwerk und eventuell über die mäßige Lenkung.

Vor allem zusammen lassen sich nur schwer die Augen verschließen: Der Dacia Spring offenbart zu viele Schwächen an zu vielen Ecken. Er ist zwar aktuell das günstigste Elektroauto Deutschlands, aber ein richtiges Schnäppchen ist er letztlich nicht.

Technische Daten: Dacia Spring Electric 2022

Allgemeines
Getestetes ModellDacia Spring Electric Comfort Plus
MarktstartMärz 2021
Antrieb
MotorPermanenterregter Synchron-Elektromotor
Max. Leistung in kW/PS33/44
Drehmoment in Nm125
Akkukapazität (brutto/netto) in kWh27,4/26,8
Ladeleistung (max. AC/DC) in kW3,7/30
Ladedauer (0-80 %) in h0:56
Reichweite in km230
AntriebFront
Abmessungen, Gewichte, Ladevolumen
Länge in mm3.734
Breite (ohne Spiegel) in mm1.579
Höhe in mm1.513
Radstand in mm2.423
EG-Leergewicht in kg1.045
Zuladung maximal in kg255
Kofferraumvolumen min. in l290
Kofferraumvolumen max. in l1.100
Anhängelast gebremst-
Fahrleistungen (laut Hersteller)
Höchstgeschwindigkeit in km/h125
Beschleunigung 0-100 km/h in s19,1
Verbrauch (laut Hersteller)
Kombiniert in kWh/100 km (WLTP)13,9
Testverbrauch in kWh/100 km16,8
Test-Reichweite in km180
Preis
Einstiegs-Listenpreis in €20.940
Preis Testwagen in €22.890

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Titelbild: TeamOn

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