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Zwischen Mall und Museum
4. November 2020
Reise & Freizeit

Zwischen Mall und Museum

Das Berliner Mekka für Oldtimer-Fans befindet sich im alten Arbeiterviertel Moabit. Untergebracht auf einem ehemaligen Betriebshof ist die Classic Remise seit knapp zwanzig Jahren ein Treffpunkt für Liebhaber klassischer Autos sowie ein Ort für Veranstaltungen aller Art. Wir haben den geschichtsträchtigen Hallen einen Besuch abgestattet.

Ein historischer Standort

Wer einen Spaziergang durch Moabit unternimmt, wandelt durch rund 200 Jahre Berliner Wirtschaftsgeschichte und sieht die architektonischen Relikte einer Stadt, die es so nicht mehr gibt. Denn mag die deutsche Hauptstadt heute auch für vieles stehen, für Industrieproduktion steht sie sicherlich nicht mehr.

Das war einmal anders: Als in der Gründerzeit die breite Industrialisierung in Deutschland einsetzte, war Berlin noch ganz vorne mit dabei. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Stadt, deren Aushängeschild heute eine lebendige Start-up-Szene und der Dienstleistungssektor ist, zu einer führenden europäischen Industriemetropole avanciert. Einige der damals gegründeten Unternehmen wie Siemens, AEG oder Borsig existieren – zumindest dem Namen nach – noch heute.

Das Straßenbahndepot "Wiebehallen" lange bevor es zur Classic Remise wurde (Bild: Classic Remise)

Zu den wichtigsten technischen Innovationen aus der Zeit des Deutschen Kaiserreiches zählte zweifelsohne die elektrische Straßenbahn, die bald aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken war und den Bau von Wartungs- und Abstellhallen erforderlich machte.

So entstand zwischen 1899 und 1901 an der Ecke Sickingen- und Wiebestraße der Betriebshof Moabit, nach seinem Standort auch „Wiebehallen“ genannt. Auf ihm konnten 325 Wagen auf 24 Hallengleisen untergebracht werden, was ihn bei Bauschluss zum größten Eisenbahndepot Europas machte. In der Spitze waren über tausend Arbeit auf dem Hof im Einsatz.

… im Wandel

Das Ende des Betriebshofs kam in den späten 1960er Jahren. Das Auto, ebenfalls ein Kind der innovationsreichen Zeit um die vorletzte Jahrhundertwende, lief der Tram den Rang ab – zumindest in West-Berlin; im Osten der Stadt nutzte man das Verkehrsmittel weiterhin. 1967 wurde die letzte Straßenbahnlinie westlich der Mauer aufgegeben, um dem Autoverkehr mehr Platz zu verschaffen. Das machte den Betrieb der Wiebehallen obsolet.

Das Areal wurde sich selbst überlassen und verfiel bis in die späten 90er zu einer einsturzgefährdeten Ruine. Der Berliner Senat ließ es sperren. Da ein Abriss aufgrund des Denkmalsschutzes nicht möglich war, musste ein neuer Verwendungszweck her. Und kann es einen besseren Ort für ein Oldtimer-Zentrum geben als diesen? Nein! Das dachten sich auch die späteren Betreiber der Remise und erwarben das Gelände vom Senat, der es nur allzu gerne abgab.

Die Fassade der Classic Remise Berlin ist noch im originalen Bauzustand (Bild: heycar)

So begann 2002 der Umbau zur Classic Remise, die damals noch unter anderem Namen firmierte. Man bemühte sich, dabei möglichst viel von der alten Bausubstanz zu erhalten, was auch gelang: Die äußeren Wände, die Fassade und das Dach aus Stahl und Glas zeigen noch die ursprüngliche Bauform. An einigen Stellen findet man sogar noch die in den Boden eingelassene Schienen, etwa im Inneren oder direkt beim Eingang des integrierten Restaurants.

Ein modernes Zuhause für alte Autos

Nach nur zehn Monaten war der Umbau abgeschlossen und im Mai 2003 öffnete die Classic Remise Berlin ihre Tore. Entstanden war eine Mischung aus Automobil-Museum und Einkaufszentrum: In den Gängen sind nebeneinander Oldtimer aufgereiht, die man sich von allen Seiten ansehen kann.

Alle diese Autos kann man erwerben – wenn es sich nicht gerade um ein Exemplar handelt, das schon verkauft oder nur zur Reparatur da ist. Das entbehrt natürlich nicht einer gewissen Ironie: Nachdem diese Autos die Tram zuerst von den Straßen vertrieben haben, haben sie nun auch ihren Platz in den Wiebehallen eingenommen.

An einigen Stellen im Boden der Classic Remise sieht man noch die alten Schienen von früher (Bild: heycar)

Neben diesen aufgereihten Ausstellungsstücken gibt es auf zwei Ebenen 88 Boxen für private Mieter, die darin für 250 Euro im Monat ihre Oldtimer ausstellen können. Die Boxen sind belüftet und für die Mieter jederzeit zugänglich. Die untere Ebene lässt sich an jeder Stelle öffnen, damit man gleich rausfahren kann, aber auch horizontal verschieben, damit eine Lücke für ein Auto aus der oberen Ebene entsteht. Das obere Auto kann dann heruntergelassen werden. Und da die Boxen komplett verglast sind und mitten in der Remise stehen, können sich Besucher auch diese Stücke ansehen.

Schätze aus allen Epochen

In den Gängen und Boxen finden sich Autos aus verschiedenen Zeiten und Preisklassen. Es gibt Modelle mit Preisen um die 20.000 Euro, die meisten bewegen sich aber im sechsstelligen Bereich. Den Betreibern ist es wichtig, dass die Auswahl möglichst breit ist. So werden auch schon mal Anfragen für Boxen abgelehnt, wenn die Modelle zwar teuer, aber nicht selten genug sind bzw. wenn sie einfach nicht in die aktuelle Ausstellung passen.

Das wohl älteste Modell, auf das wir während unseres Besuchs stoßen, ist ein französisches Auto aus dem Jahr 1898, das noch aussieht, als hätte man bei einer Kutsche einfach die Pferde weggelassen. Von diesem Modell über das Ford Modell T bis zu den jüngeren Oldtimern kann man sehen, wie sich das Auto hin zu einem Fortbewegungsmittel mit eigener Form entwickelt hat.

Beim Betrachten der alten Modelle entdecken wir einige Entwicklungen, die heute so eigenartig erscheinen, dass sie in einem modernen Auto schon wieder innovativ wirken würden, wie zum Beispiel einen Tank, der sich hinter einem Rücklicht verbirgt, oder einen ausklappbaren Blinker.

Andere Features sind zu Recht vom breiten Markt verschwunden, wie etwa die Selbstmördertüren eines Mercedes 170 S. Da sich diese Türen zum Heck hin öffnen, drückt der Fahrtwind sie nicht zu, wodurch es gefährlich war, sie nach versehentlichem Öffnen wieder zu schließen. Die paar Autohersteller, die heute noch auf solche Türen setzen, wie beispielsweise Rolls Royce, dürften mit einer strengen Elektronik dafür sorgen, dass es nicht zu Unfällen kommt – eine Sicherheitstechnik, die es damals natürlich noch nicht gab: Der Mercedes stammt aus einer Zeit, als man zum Starten noch eine Kurbel verwenden konnte.

Wechselnde Ausstellungen

Nicht alle ausgestellten Autos wurden auf Hochglanz getrimmt, um eine noch bessere Figur als in der Vergangenheit abzugeben: Ein alter Wittler-Brotwagen wurde so restauriert, dass er aussieht wie in seinem Originalzustand. Diese Art der Restaurierung gewinnt in der Oldtimerszene immer mehr Relevanz. Der Brotwagen wurde übrigens 1943 gebaut und da Diesel und Benzin in den Kriegsjahren zu teuer waren, hat er einen 11 PS Elektromotor an Bord.

Weitere Highlights der aktuellen Ausstellung waren zwei bullige Alfa Romeo Spider (Baujahr 1943 und 1949), ein Citroen Exécutive Velour (Baujahr 1986), der mit seinem 168 PS Reihen-Vierzylinder auf eine Höchstgeschwindigkeit von 223 km/h kommt, sowie das bereits erwähnte Ford Modell T, einst Aushängeschild der Massenfertigung und zwischen 1908 und 1927 über 15 Millionen Mal gebaut. Hinter einem der Oldtimer hängt sogar noch ein Boot.

In den Gängen der Classic Remise finden sich Legenden wie die Jaguar E-Type (Bild: heycar)

Die Ausstellung ändert sich ständig, aber es findet sich immer etwas Interessantes. Da an vielen der Autos Schilder hängen, hat man immer ein paar grundlegende Informationen an der Hand. In einem Seitengang hängen außerdem einige Schilder, die die Geschichte der Wiebehallen selbst darstellen.

Wer mehr Hintergrundinfos will, sollte aber eine Führung buchen. Die umfasst drei unterschiedliche Themen: das Konzept der Classic Remise, die Architektur der Wiebehallen und die Autos selbst. Man kann den Schwerpunkt dabei selbst festlegen. Die Kosten liegen bei 100 (deutsch) bzw. 120 Euro (spanisch oder englisch), darum lohnt es sich, sie für eine Gruppe (bis zu 30 Personen) zu buchen.

Oldtimer Rundumversorgung

Beim Rundgang durch die Gänge kann man auch einen Blick in ein halbes Dutzend Werkstätten werfen, die sich auf der zur Straße gelegenen Seite der Hallen aneinanderreihen. Denn die Classic Remise Berlin ist nicht nur ein spektakulärer Show-Room für Oldtimer, sie bietet auch allerhand Dienstleistern eine Heimat.

Die Mechaniker, die sich mit ihren Werkstätten eingemietet haben und denen die Besucher bei ihrer Arbeit zusehen können, sind alle auf andere Marken spezialisiert, auf Mercedes etwa, auf Porsche oder auf italienische Klassiker. Außer den Werkstätten gibt es in der Remise auch noch ein Autoversicherungsbüro, mehrere Autopflegeanbieter und eine DEKRA Prüfstelle. Dazu kommen die Büros der meist auf Kommissionsbasis arbeitenden Oldtimer-Händler, deren Ausstellungsstücke die Gänge bevölkern.

In der Classic Remise kann man Oldtimer nicht nur kaufen, sondern auch reparieren lassen (Bild: heycar)

Wer kein Geld für den Kauf eines Oldtimers und die Kosten für Pflege und Instandhaltung hat, kann beim ebenfalls in der Remise ansässigen Anbieter OttoChrome einen Wagen mieten – wenn es ihm erlaubt wird. Denn es handelt sich um ein Sharing-Angebot, bei dem die Besitzer selbst entscheiden dürfen, wer ihren Wagen fährt. Ein Schadensversicherung ist dabei aber natürlich im Sharing-Tarif inbegriffen.

Daneben präsentieren gleich zwei Hersteller von Modellautos ihre detailverliebten Sammlerstücke. Beim teureren der beiden Anbieter kann so ein Modell im Eins-zu-acht-Maßstab schon mal einen fünfstelligen Betrag kosten, für den man auch einen der billigeren Oldtimer bekäme. Dafür verursacht ein Modell keine Nebenkosten.

Man sieht: Die Classic Remise ist trotz ihrer öffentlichen Zugänglichkeit kein Museum, sondern ein allumfassendes Auto-Zentrum, das (zukünftigen) Besitzern von Oldtimern alles bieten soll, was diese brauchen: Durch die Ansammlung verschiedener Services muss man diese nicht lange suchen und weiß beim Oldtimer-Kauf schon, wo man ihn später reparieren und pflegen lassen kann.

Beliebte Event-Location

Allein mit der Miete der Autohändler und anderen Dienstleister könnte der Betrieb der Classic Remise nicht aufrecht gehalten werden. Darum wird die Location auch für Events aller Art genutzt: Von Geburtstagen über Branchentreffen bis hin zu Parteizusammenkünften – 200 bis 250 Veranstaltungen werden in der großen Eventhalle, im Atrium, im Seminargebäude und auf der Kanzel, von der aus früher alles beobachtet werden konnte, im Jahr ausgerichtet. Der normale Alltagsbetrieb findet dabei parallel weiter statt.

Für das leibliche Wohl der Besucher wird natürlich auch unabhängig von Veranstaltungs-Catering gesorgt. Gleich zwei Restaurants stehen zur Auswahl. In der Brasserie „Trofeo“, die abends zur „Osteria“ wird, werden Frühstück und einfachere Gerichte aus der italienischen Küche serviert. Sonntags gibt es einen Brunch mit Live-Musik. Da das Lokal nur durch Glasscheiben vom Rest der Halle abgetrennt ist, hat man die Classic Cars stets im Blick. Im Sommer kann man auch draußen sitzen.

Die historischen Hallen sind ein beliebter Veranstaltungsort und beherbergen darüber hinaus zwei Restaurants (Bild: heycar)

Etwas gehobener geht es im kleineren „Parc Fermé“ zu. In diesem Restaurant, das im Landhausstil mit vielen Naturmaterialien und einigen dezenten Deko-Elementen aus der Autowelt eingerichtet ist, wird unter anderem ein Menü mit Weinbegleitung serviert. Die Zutaten der Gerichte stammen weitestgehend aus dem Raum Berlin-Brandenburg sowie aus biologischem Anbau bzw. artgerechter Tierhaltung.

Fazit: Ein Ort nicht nur für Auto-Fans

Ein gehobenes gastronomisches Angebot, ein historisches Bauwerk und stets offene Türen für jedermann – die Classic Remise Berlin ist nicht nur für Auto-Fans ein tolles Ausflugsziel. Aber natürlich wird der Ort vor allem Liebhaber klassischer Automobile begeistern. Die Ausstellung sucht ihres gleichen und wer durch die vollgeparkten Hallen streift, wird sicherlich nicht lange brauchen, um jemanden zum Fachsimpeln zu finden. Und wer dazu noch mehr über die Geschichte der Straßenbahn lernen will, der fährt danach einfach direkt weiter nach Köpenick ins Straßenbahnmuseum.

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Dominik Messmer
Dominik Messmer

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