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Beim Rennstreckentraining
28. August 2020
Reise & Freizeit

Beim Rennstreckentraining

Langes Vorspiel, kurzer Akt: Mein erstes Mal dauerte nur ein paar Minuten. Ein eindrückliches Erlebnis war es trotzdem und gerne hätte ich direkt noch ein paar Runden mehr gedreht. Erfahre, wie ich mich beim ersten Versuch, einen Rennwagen zu fahren, angestellt habe.

Drivar: Supercars und Renntrainings

Vor einiger Zeit schrieb uns Phillipp Müller an, der Gründer und CEO der Supercar-Sharing-Plattform Drivar. Er wollte wissen, ob wir nicht mal das Angebot testen und darüber schreiben wollen. Ist der Papst katholisch? Natürlich wollten wir!

Zunächst war angedacht, einen der vielen netten Schlitten, die man auf der Drivar-Seite findet, für ein paar Stündchen auszuführen. Dieser Plan wurde aber schnell wieder verworfen, denn in dieser Zeit kommt man ja kaum aus dem ausladenden Berliner Stadtgebiet raus, bevor man schon wieder umkehren muss. Und wer will schon mit einem 600-PS-Boliden durch die Stadt tuckern?

Gut, dass man bei Drivar nicht nur Sportwagen, Luxusautos und Oldtimer mieten, sondern auch Race-Trainings machen kann. So landete ich an einem Freitag im August im Spreewaldring Trainings Center (STC Motodrom), einem Speed- und Handling-Kurs eine Autostunde südlich von Berlin, um dort ein paar Runden mit einem Supersportwagen zu drehen.

Ein Eldorado für Auto-Fans

Das Rennstreckenareal liegt auf der grünen Wiese und hat bescheidene Ausmaße, wenn man es mit Strecken für Formel- oder Tourenwagen vergleicht: Der Spreewaldring ist nur 2,7 Kilometer lang und zehn Meter breit, eine klassische Tribüne gibt es nicht. Die Strecke ist auch nicht von der FIA abgenommen, weswegen dort keine internationalen Motorsportveranstaltungen stattfinden, sondern hauptsächlich Sicherheitstrainings und Fahrerlehrgänge. Im Vorfeld hatte ich darum die Befürchtung, dass es sich um eine bessere Kartbahn handelt. Diese Sorge wurde schnell zerstreut.

Ein paar Jugendliche warten auf ihre Fahrt im Renntaxi (Bild: M. Böhm / heycar)

Nach der Ankunft parke ich unseren aktuellen Testwagen, einen VW T-Cross. Ich gehe schnurstracks durch die Boxenhalle, in der gerade an einem Porsche GT3 herumgeschraubt wird, in die Boxengasse, wo ich ein Eldorado für Automobil-Fans vorfinde. In einer Reihe parken dort: ein Mercedes AMG GT S, ein Audi R8 V10 Cup und ein Ferrari GTC4Lusso. Auf der Start-Ziel-Geraden donnert ein Lamborghini Gallardo vorbei. Nein, eine Kartbahn ist das hier nicht!

Langsam dämmert mir, dass das gleich keine Spazierfahrt wird. Meine Nervosität steigt mit einem Schlag deutlich und ich bin froh, dass ich nicht sofort einsteigen und losfahren muss, sondern erst noch ein Briefing erhalte.

Training beim Profi

Das Rennstreckentraining wird nicht von Drivar selbst ausgerichtet, sondern von Racepool99. Kopf des Unternehmens ist der Dresdner Profi-Motorradrennfahrer Steve Mizera, dessen größter bisheriger Erfolg der Vize-Weltmeistertitel bei der Langstrecken-WM war. Mit einem ganzen Trupp Mitarbeiter ist er selbst vor Ort, um Kunden im Renntaxi durch die Kurven zu schleudern oder als Instruktor auf dem Beifahrersitz Anweisungen zu geben.

Racepool99-Chef und Motorradrennprofi Steve Mizera bei seinem Renntaxi (Bild: M. Böhm / heycar)

Beim etwa dreißigminütigen Briefing werden zunächst die einzelnen Modelle mit einigen ihrer Charakteristika vorgestellt. Dann gibt es ein paar Infos zum Rennwagenfahren, insbesondere zum richtigen Lenken. So soll man etwa das Lenkrad in Kurven nicht loslassen, um überzugreifen oder nachzufassen, sondern beide Hände stets in der Viertel-vor-drei-Stellung lassen. Für die Fahrt mit dem Lamborghini heißt das: Der Schaltvorgang muss vor der Kurve abgeschlossen sein, denn die Schaltpaddels drehen sich nicht mit.

Ein weiterer Hinweis: Man soll nicht am Lenkrad ziehen, sondern es mit der kurvenäußeren Hand schieben, weil man sonst mit feuchten Händen abrutschen könnte. Falls das Heck eines Fahrzeugs ausbricht, soll man gegenlenken – allerdings nicht mehr, wenn das Fahrmanöver zu einem Dreher wird. In diesem Fall soll man die Hände so schnell wie möglich vom Lenkrad nehmen und voll auf die Bremse treten, bis das Auto steht. Ob ich mich im Ernstfall noch an diese Anweisung erinnere? Nein, Dreher lasse ich besser aus!

Die ersten Runden

Nach dem Briefing bekommen wir Skimasken und Helme, dann wird sich in der Boxengasse sortiert. Durch ein cleveres System von abreißbaren Papierkarten, die den Teilnehmern umgehängt werden, weiß das Team von Racepool99, wer das Briefing schon absolviert hat und wer mit welchem Auto fahren wird. Meine ersten zwei Runden absolviere ich im Gallardo Superleggera LP 530.

Es gibt schlechtere Autos für die erste Rennstreckenrunde als einen Lamborghini (Bild: M. Böhm / heycar)

Bei der vorhandenen Auswahl war mir die Entscheidung alles andere als leichtgefallen und ich war froh, dass sie mir am Ende teilweise abgenommen wurde. Denn der Porsche GT3, meine erste Wahl und einziger Handschalter unter den Modellen, war den ganzen Tag ausgebucht. Und der Ferrari musste wegen abgefahrener Reifen schließlich in der Boxengasse bleiben.

Für jeden der Sportwagen ist ein eigener Instruktor zuständig, also lerne ich Mütze kennen, einen kleinen, muskulösen Kerl mit durchdringendem Blick. Ohne viele Worte geht es gleich los. Ich zwänge mich hinters Steuer des 540 PS starken Italieners und stelle fest: 1,88 Meter plus Helm, das wird nichts. Also setze ich den Helm wieder ab. Was soll man machen? Wenn’s nicht passt, passt es nicht.

Ich starte den Wagen und fahre langsam bis zum Ausgang der Boxengasse vor. Da alle Spiegel auf den Beifahrersitz eingestellt sind und man im Gallardo nicht gerade eine gute Rundumsicht hat, sehe ich nach hinten rein gar nichts. Also verlasse ich mich voll auf die grün werdende Ampel und das Go von Mütze, als ich auf den Kurs rausfahre.

Pure Überforderung

Ich will ehrlich sein: Ab diesem Punkt kann ich mich nicht mehr an viel erinnern. Das fremde Auto, noch dazu mit ungewohnten Schaltwippen, eine unbekannte Strecke, ein Beifahrer, der mich mit Anweisungen beschießt, und der Anspruch, die zwei kostbaren Runden nicht durch Zaghaftigkeit zu verschwenden, sondern abzuliefern – was auch immer das heißt. Das alles erzeugt pure Überforderung. Und was macht der Mensch, wenn er überfordert ist? Er reagiert instinktiv.

Die Start-Ziel-Gerade des Spreewaldrings neben der 500 Meter langen Boxengasse (Bild: M. Böhm / heycar)

So auch ich. Beim Hochschalten gehe ich vom Gas, weil ich seit über 15 Jahren erst kupple und dann schalte. In den Kurven schiebe ich das Lenkrad nach und lasse es dann zurückspringen, weil ich auch das schon immer so mache und ich natürlich nicht mehr an das Briefing denke.

Instruktor Mütze weist mich auf diese Fehler hin und ich versuche, sie sofort abzustellen. Doch die Konzentration, die ich dafür brauche, fehlt mir an anderer Stelle, wo ich sie ebenso gut gebrauchen könnte. Beim Anpeilen der über ein Dutzend Kurven zum Beispiel. Oder beim Herunterbremsen aus Tempo Ich-weiß-nicht-was.

Vor allem das Schalten meistere ich mehr schlecht als recht, denn um die richtigen Schaltpunkte zu finden, müsste ich ja den Drehzahlmesser im Auge behalten. Aber wenn ich auf den Drehzahlmesser schaue, schaue ich nicht auf die Straße – was wiederum eine schlechte Idee ist, wenn man in einem Lamborghini sitzt und auf eine Haarnadelkurve zurast.

Beifahrer im Renntaxi

Nach der ersten Runde habe ich zumindest verstanden, dass am Streckenrand kleine Pylone stehen. Wenn man auf sie zufährt, sich also gewissermaßen an ihnen langhangelt, fährt man ungefähr auf der Ideallinie. Das war natürlich im Briefing erwähnt worden, aber wie gesagt: Das Hirn kann einfach nicht alles gleichzeitig verarbeiten.

Hinterm Steuer seines Renntaxis trägt „Mütze“ dann doch lieber Helm (Bild: M. Böhm / heycar)

Ein paar Mal bricht mir das Heck des Lambos leicht aus, aber insgesamt habe ich nicht das Gefühl, dem Grenzbereich schon nahe zu kommen. Dieser Eindruck bestätigt sich nach meiner Fahrt. Mütze übernimmt nun für zwei weitere Runden selbst das Steuer, ich bin also Renntaxigast. Hatte ich bei meiner eigenen Fahrt höchstens ein wenig wegen der Aufregung und des Sommerwetters geschwitzt, so muss ich mich nun dermaßen gegen die g-Kräfte stemmen, dass ich nach den drei Minuten aussehe wie nach einem Satz Kreuzheben.

Ich frage Mütze, wie lange man braucht, bis man den Kurs halbwegs geschmeidig umrunden kann. Er meint, je nach Talent wäre das so nach 30 bis 50 Runden möglich. Klingt für mich nach einer realistischen Schätzung. Und ist ein teurer Spaß: 70 Runden im Gallardo kosten bei Racepool99 5.500 Euro. Wer im eigenen Auto kommt, muss für einen Tag mit VIP-Instruktor auf dem Spreewaldring hingegen nur 850 Euro hinlegen. Vielleicht solle ich einfach mal bei Lamborghini einen Testwagen anfragen und damit wiederkommen?

Zweiter Versuch im Audi R8

Für die letzten zwei Runden nehme ich zusammen mit Steve Mizera im Audi R8 Platz. Bei dieser Fahrt muss ich mich nicht ums Schalten kümmern, das übernimmt Steve. Ein wenig kratzt es natürlich an meinem Ego, den R8 nicht vollkommen selbst zu steuern. Aber ich sehe doch ein, dass es Sinn macht, sich erst einmal nur aufs Gasgeben, Bremsen und Lenken zu konzentrieren – vor allem da mir der Kurs noch wie ein Labyrinth vorkommt.

Mit der Hilfe am Schaltknauf klappt es diesmal schon ein wenig besser. Steve gibt nur knappe, dafür sehr verständliche Anweisungen und nach ein paar Kurven stellt sich kurzzeitig ein erstes Flow-Gefühl ein. Ich werde selbstbewusster, auch weil ich dieses Mal das Lenkrad von Beginn an wie besprochen halte - was der Dynamik sehr zu Gute kommt.

Am Ende steht fest: Rennwagen fahren hat definitiv einen hohen Suchtfaktor (Bild: M. Böhm / heycar)

Als ich nach der ersten Runde auf die Start-Ziel-Gerade komme, latsche ich voll aufs Gas und beschleunige bis zum Ende der gut 500 Meter auf knapp 200. Unser Fotograf, der die Runde beobachtet, sagt mir später, er habe den Audi vorbeidonnern sehen und sich gefragt, ob wirklich ich da hinterm Steuer sitze.

Tja, Gas geben ist eben nicht schwer. Im Gegensatz zum punktgenauen Bremsen. Als nach der ersten langen Kurve der zweiten Runde eine weitere Gerade kommt, trete ich das Gaspedal wieder beherzt herunter und schieße nach vorne. Während ich mich über die sagenhafte Beschleunigung freue, höre ich, wie Steve neben mir immer nachdrücklicher ruft: „Bremsen! Bremsen!“ Seinem Tonfall nach wird es knapp. Ich tue, wie mir geheißen, und bugsiere den Audi durch die folgende Spitzkehre.

War es wirklich schon knapp? Ich weiß es nicht. Die beiden Runden sind so schnell vergangen, dass sie im Rückblick zu einem einzigen langen Moment verschmelzen. Was genau ich wann und wo und wie gemacht habe – ich kann es nicht mehr sagen. Fest steht immerhin, dass ich kein Auto geschrottet und mir nicht das Genick gebrochen habe. Viel mehr kann man von seinem ersten Rennstreckentraining wohl kaum erwarten. Ich hoffe, dieses erste Mal wird nicht das einzige bleiben.

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Moritz Pohl
Moritz Pohl

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