1. Startseite
  2. Autoteile & Technik
  3. Autogas: Umweltfreundlich oder nur günstig?
Autogas: Umweltfreundlich oder nur günstig?
12. April 2022
Autoteile & Technik

Autogas: Umweltfreundlich oder nur günstig?

Die Zukunft fährt elektrisch, sagt die Bundesregierung. Bis es soweit ist, herrscht Technologievielfalt. Neben Elektromotoren treiben Benziner, Diesel und viele verschiedene Hybridsysteme den Großteil des Fahrzeugbestandes in Deutschland an. Und dann gibt es da noch eine Randgruppe, die zu groß ist, um sie zu vergessen: Etwa 430.000 Fahrzeuge in Deutschland tanken Gaskraftstoffe. Die meisten von ihnen fahren mit Autogas (LPG) – nicht zu verwechseln mit CNG (Erdgas).

LPG steht für „Liquified Petroleum Gas“, übersetzt etwa: verflüssigtes Erdöl-Gas. Es besteht aus Propan und Butan. Das sind zwei Gase, die bei der Erdölförderung entstehen. Sie werden mit einem Druck von ungefähr zehn bar verflüssigt und können in diesem Zustand gelagert und transportiert werden. Die genaue Zusammensetzung variiert abhängig von der Außentemperatur: Im Sommer besteht LPG zu 60 Prozent aus Butan und zu 40 Prozent aus Propan, im Winter andersherum.

LPG ähnelt in seinen Eigenschaften Benzin. Für LPG als Kraftstoff müssen daher keine speziellen Motoren entwickelt werden. Die meisten Benzinmotoren sind in der Lage LPG zu verbrennen. Ein niedriger Kraftstoffpreis und eine bisher lange gültige steuerliche Vergünstigung veranlassen viele Autofahrer dazu, ihre Fahrzeuge auf den LPG-Betrieb umzurüsten.

Abhängig von Motor und jährlicher Fahrleistung rentiert sich die Investition nach ungefähr drei Jahren. Nach diesem Zeitraum fährt man deutlich günstiger – und zudem umweltfreundlicher. Im LPG-Betrieb stößt ein Pkw weniger CO2 aus als mit Benzin. Dennoch ist beim Thema LPG einiges zu beachten. Was genau, erfährst du hier.

Vorteile und Nachteile von Autogas

Pros & Cons

günstiger Treibstoff
gut ausgebautes Tankstellennetz
geringerer CO2-Ausstoß
größere Reichweite durch bivalenten Antrieb
Investitionskosten
Platzverlust durch Extratank
höherer Kraftstoffverbrauch
Tankstellennetz im Ausland teilweise mangelhaft
Steuervorteil läuft aus
zweijährliche Gasanlagen-Prüfung

Autos auf LPG umrüsten

Prinzipiell lassen sich die meisten Autos mit Benzinmotor auf LPG umrüsten. Die Funktionsweise der Umrüstsätze ist einfach erklärt: Eine LPG-Anlage stoppt die Benzinzufuhr des Motors und befördert stattdessen LPG in die Brennräume. Es verbrennt dieses dann ungefähr so wie herkömmliches Benzin. Die Anlage tauscht letztendlich nur den verwendeten Kraftstoff aus.

Für diese recht einfache Aufgabe ist dennoch einiger Aufwand nötig. Zunächst muss das Autogas im Auto lagern. Die dafür üblichen Tanks füllen in der Regel die Reserveradmulde. Wenn sie zu klein oder schon besetzt ist, verwendet man Unterflurtanks oder zylinderförmige Tanks für den Kofferraum. In jedem Fall nimmt der LPG-Tank einigen Platz weg, der für andere Zwecke nicht mehr zur Verfügung steht. 

Nach der Umrüstung bleibt der ursprüngliche Motor intakt. Der Fahrer kann zwischen beiden wechseln. (Bild: iStock)

Im Tank lagert das Autogas unter Druck in flüssiger Form. Von dort aus kann es auf zwei Arten in den Motor gelangen. Herkömmliche Anlagen nutzen den bereits vorhandenen Druck des LPG, um es durch spezielle Leitungen bis zum Ansaugtrakt des Motors zu befördern. Dort regulieren Einblasventile, wie viel des mittlerweile wieder gasförmigen LPG im Motor ankommt. Flüssigeinspritzende Anlagen hingegen leiten das Autogas mit einer speziellen Pumpe noch in flüssiger Form bis in den Motor. Sie arbeiten präziser und deshalb sparsamer, sind aber teurer in der Anschaffung. In beiden Fällen bleibt der Benzinmotor als solcher voll funktionsfähig und kann, je nach Wunsch, einen der beiden Kraftstoffe verbrennen. Dies nennt man einen “bivalenten Antrieb”. 

Nicht alle Fahrzeuge sind für LPG geeignet

Viele Jahre galt die Faustregel, dass sich Direkteinspritzer – also fast alle modernen Benzinmotoren – nicht auf LPG umrüsten lassen. Das hat sich mittlerweile geändert. Heutzutage bieten viele Hersteller Lösungen für solche Motoren an.

Dennoch gibt es Einschränkungen, denn einige Benzinmotoren sind nicht so leicht mit LPG kompatibel. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von „nicht gegebener Gasfestigkeit“. Das Problem sind „weiche“ Ventilsitze. Gemeint ist: Ohne Benzin werden die Auslassventile nicht gut genug gekühlt und arbeiten sich in die Ventilsitze ein. Das kann teure Schäden verursachen. Gute Umrüster führen jedoch Listen mit gasfesten Motoren. 

Die neu eingesetzten Ventile versorgen den Motor mit Autogas. (Bild: iStock)

Ungeeignete Benziner lassen sich dennoch auf zwei verschiedene Arten auf den Gasbetrieb vorbereiten. Zunächst gibt es die Möglichkeit sogenannte schmierende Additive in den Verbrennungsprozess hinzuzufügen. Diese werden in einem separaten Behälter gespeichert und verteilen sich während der Nutzung im Motor. Diese äußerst kostengünstigen Substanzen schützen die Ventile so vor Mikroverschweißungen.

Eine weitere Möglichkeit bietet die Ventilsitzverhärtung. In einem speziellen Ofen werden die Zylinderköpfe des Motors erhitzt und so langfristig gehärtet. Dies trägt darüber hinaus zu einer längeren Haltbarkeit des Motors bei. 

Neuwagen mit LPG werden rar

Während der Umrüstmarkt eine große Vielfalt bereithält, verhält es sich bei den Neuwagen gegenläufig. Viele Hersteller haben LPG-Varianten aus dem Sortiment gestrichen. Sie konzentrieren sich vermehrt auf die Elektrifizierung ihrer Flotte. Einzig Renault, Dacia und Fiat produzieren noch Autogasmodelle. Dass weitere Hersteller wieder einsteigen, ist nicht zu erwarten. Diese Neuwagen-Modelle gibt es im Jahr 2022 noch mit LPG: 

  • Dacia Duster 

  • Dacia Jogger  

  • Dacia Sandero 

  • Fiat Panda 

  • Renault Captur 

LPG-Tankstellen: Verfügbarkeit in Deutschland

In der täglichen Nutzung ändert sich für Besitzer eines LPG-Autos nicht viel, zumindest nicht im Tankverhalten. Deutschlandweit verkaufen aktuell gut 7.000 Tankstellen LPG. Statistisch gesehen gibt es also an jeder zweiten Tankstelle Autogas. Darunter befinden sich viele Standorte an wichtigen Verbindungsstraßen. Einer Urlaubsreise mit LPG steht also nichts im Wege. Während die Niederlande, Italien und Polen eine gute Dichte an Tankstellen vorweisen können, wird in Dänemark und Österreich traditionell weniger LPG getankt. Eine clevere Routen- und Tankstellenplanung mit Hilfe des Navis führt jedoch auch hier immer sicher zum Ziel. Eine interaktive Karte mit Gas-Tankstellen wird vom Deutschen Verband für Flüssiggas angeboten.

Auf den kleinen Anschluss des Gastanks muss vor dem Tanken ein Adapter aufgeschraubt werden. (Bild: iStock)

Das Tanken von LPG unterscheidet sich vom normalen Tanken. Das liegt vor allem daran, dass es mehrere Formen für LPG-Zapfhähne gibt – und keiner davon auf den üblichen Anschluss am Auto passt. Die meisten Umrüster installieren einen kleinen, unauffälligen Schraubanschluss und legen die nötigen Adapter bei. Das korrekte Verbindungsstück wird dort angeschraubt und mit der Säule verbunden. Während des Tankvorganges muss der Fahrer durchgehend einen sogenannten Totmann-Schalter gedrückt halten. Lässt er ihn los, pausiert der Tankvorgang. 

LPG: Umrüstungskosten, Kraftstoffpreise und Steuervorteile

Der offensichtlichste Vorteil von Autogas ist der im Verhältnis günstige Preis. 1994 führte die Bundesregierung eine Steuervergünstigung ein, welche den Preis spürbar senkte. Seit 2018 wird diese jedoch jährlich um 20 Prozent abgebaut und verschwindet so ab 2023 komplett. In den letzten vier Jahren lässt sich so eine Preissteigerung von gut 30 Cent pro Liter beobachten. Die Teuerung aufgrund der wegfallenden Subventionen ist damit beinahe abgeschlossen. 

Während des Tankvorgangs muss der Totmannschalter die ganze Zeit gedrückt werden. (Bild: iStock)

Vor dem Sparen steht jedoch die Investition. Abhängig von Fahrzeugtyp, Motorart, Gasanlage und Werkstatt kostet die Umrüstung eines Pkw auf LPG inklusive Eintragung etwa 1.500 bis 3.500 Euro. Bei herkömmlichen Anlagen kommen rund 100 Euro Inspektionskosten pro Jahr hinzu. Flüssigeinspritzende Anlagen sind wartungsfrei und deshalb im Unterhalt günstiger. Alle LPG-Anlagen müssen sich alle zwei Jahre einer Gasanlagen-Prüfung unterziehen. Im Rahmen einer Hauptuntersuchung kostet diese 22 Euro. 

Vorteile und Nachteile von LPG

Neben den günstigen Kraftstoffkosten genießen LPG-Fahrer weitere Vorteile. Weil der Benzintank erhalten bleibt und der Gastank hinzukommt, erhöht sich die Reichweite des Autos deutlich. Zudem stößt ein Fahrzeug im LPG-Betrieb ungefähr zehn Prozent weniger CO2 aus als mit Benzin. Für Fahrzeuge ab 2009 ermöglicht dieser Umstand eine Steuerbegünstigung. Die Kfz-Steuer wird über den CO2-Ausstoß berechnet und dieser sinkt in der Regel im Gasbetrieb. Voraussetzung zur Anerkennung ist ein entsprechendes Gutachten. Der Umrüster hilft an dieser Stelle gern weiter. 

Häufig wird der Gastank im Kofferraum eingebaut. Dies geht auf Kosten des Stauraums. (Bild: iStock)

LPG-Fahrer müssen dennoch mit ein paar Kompromissen leben. Sie verlieren Stauraum, den nun der Gastank blockiert. Des Weiteren sinkt durch das zusätzliche Gewicht die mögliche Zuladung. Außerdem kann eine Umrüstung die Herstellergarantie des Fahrzeugs einschränken. Aufgrund des niedrigeren Energiegehaltes verbraucht ein Fahrzeug mit LPG etwa 20 Prozent mehr Kraftstoff als mit Benzin. Auch verursachen einige LPG-Anlagen einen (kaum spürbaren) Leistungsverlust.  

LPG: Einschränkungen und Mythen

In Internetforen kursieren einige Gerüchte über LPG. Das Bekannteste: LPG soll heißer verbrennen als Benzin und damit den Motor schädigen. Das stimmt nicht. Im Gegenteil, LPG verbrennt sogar etwas kühler. Da der Brennvorgang jedoch länger dauert, hat der Motor etwas weniger Zeit zum Abkühlen. Einige Umrüster empfehlen deshalb, auf Dauer maximal mit 4.000 Umdrehungen pro Minute zu fahren.

Ursprung des Gerüchts sind vermutlich falsch eingestellte LPG-Anlagen. Um den Mehrverbrauch im Vergleich mit Benzin zu reduzieren, verminderten einige Werkstätten die Gasmenge. Das führte zu einem mageren Gemisch (Sauerstoffüberschuss) und damit zu einer Überhitzung des Motors. Mit einer korrekt eingestellten LPG-Anlage treten in der Regel keine Probleme auf. Nicht einmal dann, wenn der Motor gelegentlich höher als 4.000 Touren dreht.

Eine weitere Einschränkung für Gas-Fahrzeuge ist ebenfalls hinfällig. Einige Garagen verbieten Nutzern die Einfahrt. Der Grund ist die Befürchtung, ein undichter Tank könne zu einem Unglück führen, wenn sich das Gas in der Garage sammelt. Dieses Verbot wurde inzwischen aufgehoben. Aber Achtung: Der Garagenbesitzer hat das Hausrecht, er kann im Zweifel die Einfahrt verweigern. 

Fazit

Den Dacia Duster gibt es serienmäßig auch mit Autogas. (Bild: Dacia)

Die Zulassungszahlen zeigen es deutlich: LPG ist längst nicht mehr so beliebt wie in früheren Zeiten. Innerhalb von zwei Jahren schrumpfte der Bestand von LPG-Fahrzeugen in Deutschland von 400.000 auf 350.000, also um ein Achtel. Der Grund sind sparsamer gewordene Benziner, steigende LPG-Preise und höhere Umrüstkosten für die heute weit verbreiteten Flüssigeinspritzer. Im Zuge der Mobilitätswende planen die Staaten der EU und viele Autohersteller eine Abkehr von Verbrennungsmotoren, welche Autogas natürlich miteinschließt. Doch selbst bei einem Zulassungsstopp wäre die Infrastruktur noch auf absehbare Zukunft verfügbar.

Vor einer Umrüstung solltest du dir zunächst einmal ausrechnen, ab wann sich eine Umrüstung rentiert. Berechne also deine Spritkosten pro Jahr und vergleiche sie mit den Kosten für LPG plus circa 20 Prozent Mehrverbrauch. Sobald diese die Umrüstungskosten übersteigen, sparst du bei jedem Kilometer. Wenn du dir des Weiteren sicher bist, dass du den Platz entbehren kannst, dein Auto sich für den Umbau eignet und du etwas für die Umwelt tun möchtest, dann lohnt sich die Umrüstung auf Gas. Für einen Neuwagen sieht die Gleichung ähnlich aus: Höhere Anschaffungskosten und weniger Platz im Kofferraum stehen Einsparungen beim Tanken gegenüber.  

Nach aktuellem Stand bleibt LPG dauerhaft günstiger als Benzin. Das Ende der Steuervergünstigung wird den Literpreis vermutlich um knapp drei Cent erhöhen. Mit LPG lässt sich also langfristig noch viel Geld sparen. Bei allen Vorteilen bleibt aber zu bedenken: Auf dem Weg zur CO2-neutralen Mobilität ist LPG nur ein kleiner Schritt

Autos mit Autogas gebraucht kaufen bei heycar

Ob aufgerüstet oder serienmäßig mit Autogas – bei uns findest du die besten Gebrauchtwagen mit LPG-Antrieb. Alle Fahrzeuge haben eine Garantie und werden von geprüften Händlern verkauft. Unsere Autos sind jünger als 8 Jahre und haben eine Laufleistung von weniger als 150.000 Kilometern. Hier findest du garantiert das richtige Modell – schau’ dich doch mal um! 

Top Angebote:

Titelbild: iStock

Artikel Teilen

Das könnte dich auch interessieren:

27. April 2022

Außenspiegel: Alles zu Einstellungen und Totwinkel-Lösungen

Unser Überblick zum Einstellen der Außenspiegel, Totwinkel-Spiegel und Lösungen für Anhänger. 

Weiterlesen
14. April 2022

Methanol-Brennstoffzelle – ein revolutionärer neuer Antrieb?

Die Methanol-Brennstoffzelle könnte viele aktuelle Probleme von Elektroautos lösen. So funktioniert der Antrieb.

Weiterlesen
** Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO2 -Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem 'Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO2 -Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen' entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist.
Mit Klick auf "Einverstanden" stimmst du zu, dass wir Deine Nutzung unserer Plattform durch Cookies und andere Technologien (von heycar und Dritten) nachverfolgen, um deine Nutzungserfahrung und dir angezeigte Werbung zu analysieren und personalisieren (mehr Details). Du stimmst damit auch zu, dass deine Daten hierbei ohne geeignete Datenschutzgarantien an Partner in sog. Drittländern übermittelt werden können, die kein angemessenes Datenschutzniveau bieten, wie z.B. die USA aufgrund staatlicher Zugriffsmöglichkeiten. Alternativ kannst du deine Einstellungen im Cookie Dashboard jetzt und jederzeit später individuell anpassen.
Details anzeigen