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Auto-Wechselkennzeichen: Vorteile und Kosten
30. April 2020
Regularien

Auto-Wechselkennzeichen: Vorteile und Kosten

Seit 2012 gibt es auch in Deutschland das Wechselkennzeichen. Die Resonanz hält sich seitdem allerdings stark in Grenzen. Wir erklären dir, was es mit diesem speziellen Nummernschild auf sich hat, warum das Interesse daran bisher so gering ist und unter welchen Umständen du eventuell trotzdem davon profitieren kannst.

Was ist ein Wechselkennzeichen?

Während das Wechselkennzeichen für das Auto in anderen Ländern bereits seit längerem gang und gäbe ist, dauerte es in Deutschland mit der Einführung bis zum 1. Juli 2012. Der Grundgedanke dieses Nummernschildes ist, dass ein Halter maximal zwei Fahrzeuge derselben Klasse mit einem einzigen Kennzeichen anmelden kann. Das bedeutet allerdings auch, dass die beiden Fahrzeuge nicht gleichzeitig genutzt werden dürfen. Während das Fahrzeug, das jeweils aktuelldas Wechselkennzeichen trägt, für den Straßenverkehr zugelassen ist, muss das andere auf privatem Grund und Boden geparkt werden und darf nicht bewegtwerden.

Dahinter steckt ursprüngliche die Idee, dass Menschen sich so zusätzlich zu ihrem regulären PKW einen spritsparenden Kleinwagen oder vielleicht ein Elektroauto anschaffen, um dieses dann für kürzere Strecken zu verwenden. So sollte gleichzeitig die Umwelt entlastet und der Autoverkauf angekurbelt werden.

Welche Fahrzeugklassen kommen dafür in Frage?

Ein Wechselkennzeichen kann nur für zwei Fahrzeuge aus derselben Fahrzeugklasse beantragt werden. Folgende Fahrzeugklassen kommen dafür in Frage:

M1

Unter diese Fahrzeugklasse fallen zur Personenbeförderung gedachte Fahrzeuge mit bis zu acht Sitzen zusätzlich zum Fahrersitz, also PKW, Kleinbusse und Wohnmobile.

L

Diese Fahrzeugklasse beinhaltet zwei- und dreirädrige Kraftfahrzeuge sowie leichte vierrädrige Kraftfahrzeuge, also insbesondere Motorräder und Quads.

O1

In die Kategorie O1 fallen Anhänger mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 0,75 Tonnen.

Während also zum Beispiel ein Wechselkennzeichen für Auto und Motorrad oder Auto und Anhänger gleichzeitig ausgeschlossen ist, können PKW und Wohnmobil dasselbe Nummernschild verwenden. Auch für Oldtimer, die das H-Kennzeichen tragen, kann zusätzlich das Wechselkennzeichen beantragt werden. Die einzige Einschränkung bei all diesen Fahrzeugen ist, dass die Abmessungen des Kennzeichens identisch sein müssen.

Nicht in Frage für ein Wechselkennzeichen kommen Fahrzeuge, die ein Ausfuhr-, Behörden-, Kurzzeit-, oder Saisonkennzeichen beziehungsweise ein grünes (für steuerbefreite Fahrzeuge aus der Landwirtschaft, dem Schaustellergewerbe oder für Hilfsgütertransporte) oder rotes Nummernschild (für Überführungen oder Probefahrten) führen.

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Beide Autos erhalten eine individuelle Endnummer, die fest montiert wird (Bild: heycar)

Wie wird es verwendet?

Das Wechselkennzeichen besteht aus einem festen und einem wechselnden Element. Der feste Teil wird – wie ein reguläres Nummernschild – vorne und hinten an den beiden angemeldeten Fahrzeugen montiert. Dieser Teil enthält die TÜV-Plakette des Wagens und die letzte Ziffer des Kennzeichens.

Das wechselbare Element ist zum größten Teil aufgebaut wie ein Standardkennzeichen: Es besteht von links nach rechts aus dem Eurofeld, dem Zulassungsbezirk, der Zulassungsplakette und den Erkennungsnummern abzüglich der letzten Ziffer, die sich auf dem fest montierten Element befindet.

Zusätzlich markiert ein kleines „w“ zwischen den Ziffern für den Zulassungsbezirk und den Erkennungsnummern das Schild als Wechselkennzeichen. Der wechselbare Teil lässt sich schnell abnehmen, ist allerdings nur in Verbindung mit dem festen Element gültig.

Unterschied zum Saisonkennzeichen

Unterscheiden muss man zwischen dem Wechselkennzeichen und dem Saisonkennzeichen. Bei einem Saisonkennzeichen ist die Zeit, in der das entsprechende Fahrzeug genutzt werden darf, festgelegt und wird auf dem Kennzeichen selbst vermerkt.

Genutzt wird dieses Kennzeichen zum Beispiel oft für Cabrios, Oldtimer oder Motorräder, die vor allem bei schönem Wetter gefahren und daher nur für diese Zeiträume angemeldet werden. Im Gegensatz dazu darf ein Fahrzeug mit Wechselkennzeichen zu jeder Zeit genutzt werden, solange das zweite Fahrzeug währenddessen ordnungsgemäß abgestellt wurde und nicht bewegt wird.

Warum ist die Resonanz begrenzt?

Nach mittlerweile fast acht Jahren kann man sagen, dass das Wechselkennzeichen in Deutschland eher ein Flop ist. Von Seiten des Gesetzgebers hatte man sich deutlich mehr Zuspruch erhofft, gerade auch, weil sich vergleichbare Kennzeichen bei den europäischen Nachbarländern großer Beliebtheit erfreuen. Auch der Verkauf neuer oder zusätzlicher Fahrzeuge oder jener, die zum Beispiel auf Elektromotoren setzen, ist nicht nennenswert durch das neue Kennzeichen gestiegen.

Die fehlende Resonanz ist auf die äußerst begrenzten finanziellen Vorteile zurückzuführen. Während in anderen Ländern wie zum Beispiel Österreich und der Schweiz das Doppelkennzeichen teilweise gravierende Einsparungen bei der Steuer mit sich bringt, gewährt der Gesetzgeber in Deutschland keinerlei finanziellen Nachlass und fordert den vollen Betrag für beide Fahrzeuge, obwohl immer nur eins der beiden genutzt werden kann.

Auch die Beschränkung auf höchstens zwei Fahrzeuge und die Regelung, dass nur Fahrzeuge derselben Klasse ein gemeinsames Kennzeichen tragen dürfen, schreckt die Halter ab. Finanzielle Vorteile können so eigentlich nur durch einen verminderten Versicherungsbeitrag entstehen und dieser wird längst nicht von allen Gesellschaften angeboten beziehungsweise fällt oft kaum ins Gewicht.

Für wen lohnt sich das Wechselkennzeichen?

Da das Wechselkennzeichen nicht klassenübergreifend genutzt werden kann, ist die tatsächliche Zielgruppe relativ gering. Lohnen kann sich ein solches Nummernschild vor allem, wenn ein Halter zwar über zwei Fahrzeuge derselben Klasse verfügt, diese allerdings grundsätzlich nicht parallel nutzt.

Vergleichsweise beliebt ist das Wechselkennzeichen daher in der Kombination PKW und Wohnmobil. Solange der Halter zuhause verweilt, bleibt das Wohnmobil in der Regel sicher geparkt. Fährt er damit dann in den Urlaub, wird der PKW nicht verwendet und kann auf dem Stellplatz verbleiben. Ähnliches gilt für Halter, die neben ihrem PKW noch über einen Oldtimer mit dem H-Kennzeichen verfügen, den sie lediglich zu besonderen Anlässen und stets statt des Erstwagens nutzen.

Auch für Halter von zwei verschiedenen Anhängertypen (zum Beispiel Kippanhänger und Kastenanhänger) kann sich das Wechselkennzeichen lohnen, wenn gleichzeitig nur ein Zugfahrzeug vorhanden ist und somit normalerweise nur einer der beiden Anhänger bewegt werden kann.

Beim Motorrad bringt das Wechselkennzeichen kaum Vorteile mit sich. Lediglich wenn ein Halter zwei unterschiedliche Motorräder oder Quads besitzt und über einen privaten Stellplatz für eine der Maschinen verfügt, kommt ein Wechselnummernschild für ihn in Frage.

In jedem Fall solltest du genau abwägen und vergleichen, ob sich das Wechselkennzeichen auch in diesen Kombinationen für dich lohnt. Unter Umständen ist ein Saisonkennzeichen günstiger, da dieses neben steuerlichen Vorteilen in der Regel auch eine preiswertere Versicherung mit sich bringt. Nur die Tatsache, dass die Nutzung des Autos mit einem Saisonkennzeichen zeitlich begrenzt ist, während zumindest eines der beiden Fahrzeuge mit Wechselkennzeichen durchgehend verwendet werden darf, spricht dann dagegen.

Welche Kosten entstehen?

Anmeldung

Die Kosten für das Wechselkennzeichen selbst betragen rund 105 Euro. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus den Kosten für die beiden Kennzeichensätze (40 Euro) und den Verwaltungsgebühren (65 Euro).

Das Wechselkennzeichen wird regulär bei der örtlichen Zulassungsstelle vergeben. Im Vorfeld muss für beide Fahrzeuge eine elektronische Versicherungsbestätigungsnummer (evB-Nummer) beantragt werden, die in der Zulassungsstelle vorgelegt wird.

Neben einem Ausweisdokument zeigt der Halter die Fahrzeugscheine und Fahrzeugbriefe der beiden berücksichtigten Fahrzeuge vor. Auch die bisherigen Nummernschilder müssen mitgebracht und entstempelt werden. Dazu werden die Unterlagen zur aktuellen Hauptuntersuchung und Abgasuntersuchung für beide Fahrzeuge überprüft.

Steuer

Ein entscheidender Grund, warum das Wechselkennzeichen in Deutschland nur wenig in Anspruch genommen wird, ist, dass – anders als in Österreich oder der Schweiz – keinerlei steuerliche Vorteile durch das gemeinsame Nummernschild entstehen. Zwar werden beide Fahrzeuge zusammen angemeldet, abgerechnet werden sie allerdings auch weiterhin separat und trotz geringerer Nutzung wird jeweils der volle Steuersatz fällig.

Einzig, wenn ein Arbeitnehmer zwei Dienstwagen auch regelmäßig für private Fahrten nutzt, kann sich ein Wechselkennzeichen steuerlich lohnen. Normalerweise muss jedes dieser privat genutzten Dienstfahrzeuge beim Finanzamt als geldwerter Vorteil angegeben und pauschal versteuert werden. Durch Verwendung eines Wechselkennzeichens kann in diesem Fall eine Ausnahme geltend gemacht werden.

Versicherung

Unter Umständen kann man mit dem Wechselkennzeichen bei der Versicherung sparen. Ist gewährleistet, dass ein versichertes Fahrzeug weniger bewegt und gleichzeitig auf einem festen privaten Stellplatz geparkt wird, verringert sich schließlich eigentlich automatisch auch das Unfallrisiko.

Zwar bieten einige Versicherungen nach dieser Logik leicht ermäßigte Tarife für Fahrzeuge mit Wechselkennzeichen an, die Einsparungen sind allerdings insgesamt nur äußerst gering. Vorteile können dazu dadurch entstehen, dass einige Versicherer beide Fahrzeuge in dieselbe Schadenfreiheitsklasse einstufen. Auch hier lohnt es sich, die unterschiedlichen Gesellschaften und deren Angebote genau zu vergleichen. Große finanzielle Einsparungen solltest du allerdings nicht erwarten.

Bußgelder

Kosten beim Wechselkennzeichen entstehen hingegen, wenn das inaktive Fahrzeug ohne vollständiges Nummernschild auf öffentlichem Grund abgestellt wird. Der Gesetzgeber sieht hier ein Bußgeld von 40 Euro vor. Dazu gibt es einen Punkt beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg. Bewegt man das Fahrzeug ohne vollständiges Kennzeichen drohen 50 Euro Strafe und ebenfalls ein Punkt.

Stellplatz

Denkst du also über die Beantragung eines Wechselkennzeichens für deine Autos nach, solltest du auch die Kosten für einen privaten Stellplatz mit einrechnen. Nur, wenn du über eine Garage oder einen Parkplatz auf deinem privaten Grund und Boden verfügst, kannst du das jeweils inaktive Fahrzeug ordnungsgemäß parken. Musst du extra für das zweite Auto oder den zusätzlichen Anhänger einen Stellplatz mieten, übersteigen diese Kosten in der Regel bereits die finanziellen Vorteile durch die Versicherung.

Fazit

In Deutschland konnte sich das Wechselkennzeichen nicht durchsetzen und bleibt weiterhin weit hinter den Erwartungen zurück. Die limitierten Kombinationsmöglichkeiten und die fehlenden finanziellen Vorteile – gerade auch im Vergleich zu den europäischen Nachbarn – schrecken die meisten Fahrzeughalter ab.

Ob das Wechselkennzeichen für dich eine lohnende Option ist, entscheiden vor allem zwei Faktoren: Bietet deine Versicherung deutlich günstigere Konditionen für zwei Fahrzeuge mit Wechselkennzeichen an und verfügst du über einen Stellplatz, auf dem eins deiner beiden angemeldeten Fahrzeuge durchgehend geparkt werden kann? In diesem Fall könntest du vom Wechselkennzeichen profitieren.

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