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Aquaplaning – richtiges Verhalten bei Wasserglätte
11. November 2021
Wartung & Pflege

Aquaplaning – richtiges Verhalten bei Wasserglätte

Der Scheibenwischer kurbelt auf Hochtouren um mit den Wassermassen fertig zu werden. Die ohrenbetäubende Lüftung schafft es grade so die Sicht freizuhalten. Wenn jetzt noch ein lautes Wasser-Zischen durch die Radhäuser zu vernehmen kommt, heißt es: Aufpassen, Aquaplaning-Gefahr! Doch was ist Aquaplaning überhaupt und wie lässt sich eine potentiell gefährliche Fahrsituationen entschärfen?

Was ist Aquaplaning und warum ist es gefährlich?

Aquaplaning bezeichnet das Aufschwimmen des Reifens auf Wasser (=Aqua), auf einer nassen Fahrbahn. Es wird auch als Wasserglätte bezeichnet, weil es tatsächlich eine ähnliche Wirkung auf das Fahrverhalten des Autos hat, wie plötzlich auf eine Glatteis-Fläche aufzufahren. Schlagartig lässt sich das Auto weder lenken noch bremsen. Kurzum: Es wird unbeherrschbar. Meist ist die Phase des Kontrollverlusts nach wenigen Sekunden vorbei. Aber die können für einen Unfall schon ausreichen.

Am häufigsten tritt Aquaplaning in den Sommermonaten auf. Die Niederschlagsmengen sind in Deutschland alles andere als einheitlich. Juni und Juli haben aber nicht nur statistisch gesehen die größten Niederschlagsmengen. Vor allen Dingen gewittert es im Sommer am stärksten und es kommt am ehesten zu unvorhergesehenen Platzregen – ideale Bedingungen für gefährliches Aquaplaning.

Wozu führt Aquaplaning (Wasserglätte)?

Wasserglätte oder Aquaplaning lässt Autofahrer die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlieren. Über einen Zeitraum von mehreren Sekunden sind weder lenken, bremsen oder beschleunigen möglich. In dieser Zeit rutscht das Auto auf einem Wasserfilm: Die Reifen haben buchstäblich keinen Kontakt mehr zur Fahrbahn. Der Pilot wird zum Passagier.

Wo tritt es besonders häufig auf?

Mit Aquaplaning müssen Autofahrer generell bei Starkregen oder langanhaltendem Regen rechnen. Wenn zu viel Wasser auf der Straße „steht“ und nicht abfließen kann, bilden sich teilweise unsichtbare Pfützen, die zu Aquaplaning führen können.

Fahrbahn-Senkungen können bei starkem Regen zu riesigen Pfützen führen, die für Autofahrer gefährlich werden (Bild: iStock).

Besonders gefährlich sind dabei Kuhlen, Unterführungen, Mulden oder Senken, also überall dort, wo sich Wasser sammeln kann. Auf Autobahnen und Landstraßen lassen sich diese nicht immer erkennen. Tipp: Bei Starkregen die rechte Spur auf der Autobahn besser meiden! Denn auf dieser Spur fahren meistens Lkw, die mit ihrem Gewicht tiefe Spurrillen in den Asphalt drücken können – ein ideales Sammelbecken für Wasser.

Was passiert bei Aquaplaning (Wasserglätte)?

Beim Aquaplaning schiebt sich Wasser wie eine Bugwelle vor den Reifen. Gleichzeitig bildet sich zwischen Reifen und Fahrbahn ein Keil aus Wasser. Der Reifen kann die Wassermassen nicht mehr durch sein Profil zur Seite wegdrängen und schwimmt auf. Konsequenz: Er verliert den Kontakt zur Fahrbahn und damit seine Haftung.

Das macht eine nasse Fahrbahn gefährlich

Grundlage für Aquaplaning ist natürlich regnerisches Wetter. Damit sich auf der Fahrbahnoberfläche aber ein dauerhafter Wasserfilm bildet, muss es entweder sehr viel in kurzer Zeit regnen, oder das Wasser wird am Ablaufen gehindert. Zum Beispiel durch von Laub und Schlamm verstopfte Drainage-Rinnen an den Fahrbahnrändern.

Wichtig: Je älter und abgefahrener die Reifen sind, desto geringer ist die Wassermenge, die zu Aquaplaning führen kann. Mit abgefahrenen Sommerreifen gelangt ein Auto also schneller ins Rutschen als einem neuen Winterreifen mit viel Profil. Umgekehrt wäre es sogar noch schlimmer. Sommerreifen sind dank ihrer weicheren Gummimischung besser für Wassermassen geeignet. Also: Im Frühjahr rechtzeitig von Winter- auf Sommerreifen wechseln!

Wie verhalte ich mich richtig?

Generell sollten Autofahrer bei Regen nicht zu schnell fahren. Bei Geschwindigkeiten ab 100 km/h nimmt das Aquaplaning-Risiko deutlich zu. Verliert der Reifen den Kontakt zur Fahrbahn, müssen Autofahrer sofort handeln: Runter vom Gas, keine Lenkbewegungen, nicht beschleunigen oder bremsen.

Oftmals wird an dieser Stelle der überflüssige Tipp gegeben, beim manuellen Schaltgetriebe sofort auf die Kupplung zu treten. Nicht nur, dass die Zeit – Schrecksekunde plus Reaktionszeit – in aller Regel dafür nicht ausreicht, es bürgt eventuell auch zusätzliche Gefahren. Ruckartiges Treten des Kupplungspedals, während man womöglich noch halb auf dem Gaspedal steht, kann die Gewichtsbalance des Autos schlagartig verändern – das Letzte, was man in so einer Situation braucht. Bei front-getriebenen Autos (den meisten Autos), nimmt es außerdem Gewicht und somit auch Grip von der Vorderachse.

Generell gilt: keine ruckartigen Bewegungen! Wenn man aber aufgrund der Verhältnisse bereits darauf eingestellt ist, dass gleich mehrere Stellen mit Aquaplaning kommen könnten, kann man ruhig den linken Fuß durchgedrückt halten, oder behutsam auskuppeln. Beim Automatikgetriebe bleibt die Fahrstufe hingegen am besten eingelegt und der Gasfuß sollte vorsichtig angehoben werden. Auf jeden Fall müssen Autofahrer das Lenkrad fest und gerade halten, bis die Reifen wieder spürbar Kontakt zur Straße gefunden haben. ABS und ESP helfen in diesen Momenten nur bedingt, denn auch sie brauchen erst Fahrbahnkontakt.

Welche Warnsignale müssen Autofahrer beachten?

Warnschilder wie dieses können Hinweise auf Stellen geben, die bei Regen besonders vorsichtig umfahren gehören. (Bild: iStock)

Es gibt Möglichkeiten, sich auf Wasserglätte vorzubereiten. Zum einen lässt sich anhand von Gischt- oder Wasserschwall an den Rädern vorausfahrender Fahrzeuge beobachten, ob eine tiefe Pfütze droht. Auch Warnhinweise auf Verkehrsschildern wie „Schleuderndes Auto in rotem Dreieck“ oder „Bei Nässe“ geben Hinweise auf Gefahrenstellen. Meist stehen diese Schilder auf Landstraßen, Autobahnen, vor Überführungen, am Rande von Passagen mit unebenem Fahrbahnbelag oder auf Strecken mit tiefen Spurrillen.

Wer sein Radio leiser dreht, hört das Rauschen des Wassers in den Radkästen besser. Je lauter es rauscht, desto mehr Wasser wird aufgewirbelt. Auch wenn die Lenkkräfte abnehmen, sich das Lenkrad also leichter drehen lässt, droht Aquaplaning. Bei Autos mit elektronischem Stabilitätsprogramm (ESP) leuchtet bei Verlust der Bodenhaftung in der Regel die Kontrollleuchte (häufig ein Schleudersymbol) im Cockpit auf.

Wie lässt sich Aquaplaning verhindern?

Die Profiltiefe von Reifen ist besonders wichtig, um Aquaplaning vorzubeugen. (Bild: iStock)

Bei Starkregen oder lange anhaltendem Regen ist es besser, langsam oder mit angepasster Geschwindigkeit zu fahren, jedenfalls deutlich unter 100 km/h auf Landstraßen und unter 130 km/h auf Autobahnen. So können Autofahrer schneller auf Aquaplaning reagieren und das Fahrzeug unter Kontrolle halten. Bei Spurrillen und vor Senken sollte das Tempo zusätzlich reduziert werden.

Eine Schlüsselrolle spielen die Reifen: Je breiter der Reifen, desto langsamer kann das Wasser drumherum fließen. Es bildet sich schneller eine gefährliche Bugwelle, die zum Wasserkeil führt. Gleichzeitig gilt: Je tiefer das Profil, desto besser wird das Wasser zur Seite abgeleitet. So schwimmen die Reifen später im Idealfall gar nicht auf. Reifen müssen mindestens eine Profiltiefe von 1,6 Millimeter aufweisen.

Neue Reifen werden mit einer Profiltiefe zwischen 8 und 9 Millimeter ausgeliefert. Experten empfehlen für Sommerreifen eine Mindestprofiltiefe von 3 Millimeter und für Winterreifen 4 Millimeter. Auch der korrekte Luftdruck sorgt für eine gute Bodenhaftung bei Regen. Je niedriger der Druck liegt, desto höher wird die Gefahr des Aufschwimmens.

Daher: Regelmäßig den Luftdruck und die Profiltiefe des Autos kontrollieren. So schwimmt das Auto seltener und die Gefahr vor Aquaplaning sinkt.

Titelbild: iStock

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